Sire, geben Sie Doping-Freiheit

Was haben wir uns gewundert, als Floyd Landis diese furiose Alleinfahrt nach Morzine startete und mit großem Vorsprung vor dem Gelben Trikot beendete. Viele haben gesagt: Der ist doch gedopt! Und die Antwort lautet: Yep.

Bleibt natürlich die Frage, ob Testosteron auch dumm macht - eine Steilvorlage an den Feminismus… Denn dass der Etappensieger zur Dopingkontrolle muss, war klar. Also waren Landis und sein Team nicht nur unfair, sondern auch unfähig, die Dosierung so zu halten wie alle anderen auch.

Lassen wir doch die Moralpredigten und die Spielereien sein. Werden wir ehrlich, geben wir Doping frei. Statt stundenlang darüber grübeln zu müssen, was ein Mobilfunkunternehmen oder ein Quark mit Radsport zu tun haben, wäre für uns Zuschauer ein „Team Pfizer“ oder eine „Equipe Sanofi“ durchaus einleuchtend.

Man könnte ein weißes Trikot mit roten Kreuzen kreieren, das vom Teamarzt der führenden Mannschaft zu tragen wäre. Und der Etappengewinner würde ähnlich wie die Skiläufer ihre Skier eine Packung des Mittels in die Kamera halten, dem er seinen Erfolg verdankt. Der aktuelle Stand der medizinischen Forschung in den Konzernen ließe sich praktischerweise an den Ergebnislisten von Tour de France und Giro d’Italia ablesen.

Und aus angeblichen Helden werden ganz gewöhnliche Versuchskaninchen. Ich jedenfalls radle - wie Oswald Metzger - weiterhin mal mehr und mal weniger schnell durch meine neue Heimat und fühle mich auch ohne pharmazeutischen Turboantrieb pudelwohl. Das Doping kommt danach: mit einem schönen Hefeweizen von “Kühler Krug”.

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13 Kommentare zu “Sire, geben Sie Doping-Freiheit”

  1. 27.07.2006 | 19:15

    Hihi, ich wollte gerade etwas ganz ähnliches verfassen. Aber gerade, als ich anfangen wollte, guckte ich noch mal in meinen Feedreader - und sehe, dass du schon schneller warst. Also muss ich nicht tippen, sondern darf nur hier kichern. :)

  2. 27.07.2006 | 19:17

    Schade, ich hätte auch gerne bei dir gekichert :-)

    Der Kern des Textes ist schon ein paar Wochen alt - ich habe ihn woanders (offline, aber on air) schon mal vom Stapel gelassen. Deswegen ging c&p. Sorry.

  3. 27.07.2006 | 19:22

    [...] Ansonsten hat auch Rayson einen Kommentar zur Tour und dem Doping-Fall Landis abgegeben, der sehr amüsant zu lesen ist. [...]

  4. 27.07.2006 | 19:56

    [...] Wenn Landis auch gedopt hat, bestätigt das doch lediglich, wie unsauber insbesondere dieser Leistungssport daherkommt. Wenn sich die Behauptung als richtig erweist, woran man schon nicht mehr zweifelt, könnte es das vielleicht gewesen sein für die Tour. Das hohe Ansehen dieses Klassikers und seiner Akteure ist jedenfalls für längere Zeit Vergangenheit. Diesen Artikel mitnehmen. [...]

  5. 27.07.2006 | 20:14

    Ach, was waren das noch für Zeiten, als auch die Tour-Teilnehmer sich (während der Fahrt) ein Hefeweizen hinter die Binde gossen und dazu eine Zigarre in Rauch aufgehen ließen…

    Alles schön und gut mit der Doping-Freigabe. Aber was ist mit den Jugendlichen, die gerade erst mit dem Radsport anfangen und von vorneherein auf der Doping-Schiene landen? Die notwendige Verstandesreife, die zur Abwägung Gesundheitsschäden/Erfolg notwendig ist, setze ich bei denen nicht voraus…

  6. 27.07.2006 | 20:21

    @Marian

    Wie ich schon bei Karsten schrub:

    Amüsieren wir uns erstmal kräftig. Zunächst kommt das dionysische Lachen, hinterher versuchen wir mal, wie Pallas Athene zu denken…

  7. 27.07.2006 | 20:32

    Rayson,

    aus rein persönlichen Gründen blieb mir das dionysische Lachen im Halse stecken, weil mir sofort eine gewisse amerikanische Bloggerin einfiel, die jetzt einen halben Tag darauf verschwenden wird, bei LGF, Michelle Malkin und Consorten nach Beweisen dafür zu suchen, dass die Franzosen ihrem bewunderten Landis das Testosteron ins Essen gemischt haben. Und die junge Frau sollte sich lieber auf ihre Diss konzentrieren.

    Aber gut, das sind schon sehr spezielle Gründe. Schau’ ich Euch erstmal beim Lachen zu.

  8. 27.07.2006 | 20:41

    dass die Franzosen ihrem bewunderten Landis das Testosteron ins Essen gemischt haben

    Um ausgerechnet einen Spanier gewinnen zu sehen? Naja. War vielleicht doch nur ein importierter Hamburger, die US-Rinder werden schließlich mit Hormonen vollgepumpt…

  9. 28.07.2006 | 7:31

    Nur ein Detail möchte ich zu bedenken geben: das Rote Kreuz, der Rote Halbmond und der Rote Kristall haben eigentlich eine andere Bedeutung. Die Pharmakonzerne sollten deshalb besser Trikots mit Symbolen für Ampullen, Pillen oder Inhallationsgeräte verwenden …

  10. Llarian
    28.07.2006 | 11:27

    So reizvoll sich das ganze erstmal anhört. sollte man nicht vergessen, dass in einer Zeit, als Doping noch nicht kontrolliert wurde, auch schon mal der eine oder andere Radfahrer die Tour nicht überlebt hat. Klar kann man sagen, es sind doch freie Menschen, die müssen schon wissen, was sie tun, aber wer möchte sich gerne dem Teamdruck aussetzen, wenn es keine Kontrollen mehr gibt ? Und ob es für die Popularität dieses Sports so besonders förderlich ist, wenn da jedes zweite Jahr wieder einer tot umfällt, das wage ich zu bezweifeln. Das von den Spitzenfahrern ohnehin jeder gedopt ist, weiss man ja nu, aber die Kontrollen sorgen ja wenigstens dafür, dass sie es nicht total übertreiben.

  11. 28.07.2006 | 12:16

    Zynisch gesagt: Man muss also die Doping-Grenzwerte so anpassen, dass auf der einen Seite keiner tot vom Rad fällt, aber auf der anderen Seite alle Fahrer innerhalb des gesetzten Zeitlimits auf den Alpengipfeln ankommen.

    Und jetzt brühe ich mir einen starken grünen Tee, damit ich bis heute abend durchhalte …

    ;-)

  12. 28.07.2006 | 13:32

    Ich bin auch mal zynisch: So, wie ich meine Mitmenschen kenne, bin ich mir nicht sicher, ob es für die Popularität des Radsports nicht doch gut wäre, wenn gelegentlich mal einer tot vom Rad fiele. Nur mal so gedacht…

  13. 29.07.2006 | 19:26

    [...] Nach dem Zynismus jetzt das Nachdenken: Wie kriegt man das Doping aus dem Sport? Brauchen wir neue Gesetze wie in Spanien oder in Italien? [...]

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