PR-Sprech: Der nette Herr Doetz

Es gibt nicht nur Politiker-Sprech, es gibt auch PR-Sprech. Im Grunde geht es aber um dasselbe. Politikersprech dient ebenso der Eigen-PR wie PR-Sprech der PR eines Unternehmens. Und beides enthält vor allem das, wovon wir im Juli reichlich hatten: heiße Luft. Heute war ein besonders feines Exemplar von PR-Sprech zu beobachten. Es geht um die Verschlüsselung von Privatsendern. Der zitierte Herr Doetz ist, soviel muss man noch wissen, Präsident des “Verbandes Privater Rundfunk und Telekommunikation e. V.” (VPRT).

“Die Grundverschlüsselung ist in der digitalen Welt unverzichtbare Voraussetzung zum Schutz des Signals vor unberechtigten Zugriffen”, erklärte Doetz in Berlin. Den privaten Sendern müsse erlaubt sein, zusammen mit den Infrastrukturbetreibern neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, die den Wert der Inhalte berücksichtigen. “Wer hier pauschal von ‘Fee TV’ oder ‘Pay TV light’ spricht, verliert sich im Populismus und spricht dem Nutzer die Option auf ein breiteres Angebot ab”. Die Verschlüsselungspläne seien ein konsequenter Schritt, mit denen die Privatsender den Herausforderungen der Digitalisierung begegnen.

Was wären denn, wenn wir alle mal kräftig nachdenken, “unberechtigte Zugriffe” in einer Welt des frei empfangbaren Fernsehens? Aber Vorsicht: Wem jetzt hier kein Beispiel einfällt, der “verliert sich im Populismus” und “spricht dem Nutzer die Option auf ein breiteres Angebot ab”. Auch wenn die Breite sich nur auf Bezahlungsmodelle bezieht, ist doch klar. Mit den “Herausforderungen der Digitalisierung” sind, das weiß jeder Bewerber spätestens ab der 20. Vorstellungsrunde, natürlich die “Möglichkeiten der Digitalisierung” gemeint.

Die Darstellung der Landesmedienanstalten, eine terrestrische Verschlüsselung werde als “Mautstelle” vor sonst frei empfangbare Programme gesetzt und leiste damit den EU-Überlegungen zu einer Frequenzversteigerung Vorschub, weist der Verband vehement zurück. Aus der verfassungsmäßig garantierten Informationsfreiheit entstehe kein Anspruch auf eine kostenlose Bereitstellung der Informationen, so der VPRT.

Wer sich, so wie ich, vorhin trotz aller Anstrengung, ein Beispiel zu finden, im Populismus verloren hat, der wird es hier selbstverständlich auch nicht wagen, die Gesetze der Logik ins Spiel zu bringen. Plötzlich nämlich wirft sich der VPRT, der eben noch energisch die “populistischen” Begriffe von “Fee TV” und “Pay TV light” zurückgewiesen hat, für die “kostenpflichtige Bereitstellung von Informationen” in die Bresche. Und überfordert simple Hirne wie das meine damit, dass dies nicht für eine Frequenzversteigerung sprechen solle.

Mir bleibt eigentlich nur eine Frage: Für wie doof müssen solche Typen Journalisten halten? Ich fürchte die Antwort.

Ach ja, und was die privaten Sender betrifft, die das Gehalt des Herrn Doetz bezahlen: Glaubt mir, ihr wollt wirklich nicht wissen, wieviele Leute für euer Programm freiwillig Geld zahlen würden…

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