Der Medien-Krieg

Bewusst zweideutige Überschrift: Der Nahost-Krieg ist wieder ein Krieg, in dem insbesondere eine Seite bewusst die Medien (bzw. deren übliche Gesetzmäßigkeiten) als potenziellen Verbündeten erkannt hat. Er löst aber auch einen Kleinkrieg aus, den der professionelle Journalismus beginnt, gegen Blogger zu führen.

Ein Zeit-Artikel spricht alle diese Punkte an. Drei Passagen daraus scheinen mir bemerkenswert. Die erste beschäftigt sich mit dem gefälschten Beirut-Bild von Reuters (siehe z.B. hier):

Die vergleichsweise harmlose Fälschung und ihre Enthüllung (die Angriffe hatten ja stattgefunden, nur das Foto war zu langweilig) zeigt eine neue, undurchsichtige Front im Bilderkampf.

Den Begriff “vergleichsweise harmlose Fälschung” sollten wir uns auf der Zunge zergehen lassen. Sogenannte professionelle Journalisten scheinen bei Fälschungen jetzt schon Unterschiede machen zu wollen. Da kommt wohl einiges auf uns zu.

Der Privatmann North löste jedenfalls mit ein paar Einträgen eine weltweite Welle von Verschwörungstheorien aus. Sie haben einen wahren Kern: Journalisten können im Südlibanon oft nur unter der strengen Aufsicht von Hisbollah arbeiten. Wie Fotografen berichten, wird mit Prügel bedroht, wer Fotos von Katjuscha-Raketen oder Hisbollah-Kämpfern macht. Nur das von Israel angerichtete Leid, nicht der Hisbollah-Terror soll sichtbar sein.

Das ist eine interessante Ergänzung hierzu, die zugleich etwas über SPON sagt.

Erst der stern brachte diese Woche den Gegencheck und enthüllt, dass »Green Helmet« kein Hisbollah-Agent sei, sondern seit zehn Jahren beim Katastrophenschutz arbeite. Salam Daher, so sein Name, habe ein totes Kind für die Fotografen hochgehalten, um »endlich in Ruhe nach Überlebenden suchen zu können«.

Fotografen als Marionetten der Hisbollah. Das meinte ich weiter oben mit “Gesetzmäßigkeiten der Medien”.

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6 Kommentare zu “Der Medien-Krieg”

  1. 9.08.2006 | 21:19

    Wenn jemand seit zehn Jahren beim Katastrophenschutz arbeitet, kann er trotzdem Anhänger oder Mitglied der Hisbollah sein …

    Was kann man denn als normaler Bürger mit einem meist ziemlich langen Arbeitstag tun, um hier nicht völlig manipuliert zu werden? Man kann täglich eine begrenzte Zeit in Zeitungs- und Bloglektüre investieren. Man muss aber trotz des immer gegenwärtigen Misstrauens auch bestimmten Quellen glauben — denn der “Gegencheck” findet ja bei uns Medienkonsumenten auch nur in den verfügbaren Quellen statt.

  2. Llarian
    9.08.2006 | 21:57

    Es ist schon interessant wie sehr Blogs die Medienlandschaft verändern und neue Quellen hinzukommen. Nicht unbedingt neutral aber dafür in grosser Menge und mit viel mehr Hintergrund. Das ist schon ein deutlicher Unterschied zu früher.
    Sowas wie “Green Helmet” wäre ohne Blogs nie aufgefallen, erst die schiere Zahl von Dutzenden verschiedenen Bildern, die von Bloggern gesammelt worden sind, macht die Sache madig (Und ich lach mich tot, wenn sich der Stern so richtig mit Anlauf in die Nesseln setzt).
    Insofern leben wir in einer Zeit, wo die Gesetzmässigkeit der Medien langsam aufgebrochen wird, entsprechend nervös ist man dort. Ich finds gut.

  3. FAB.
    10.08.2006 | 8:13

    Ich bin sehr gespannt darauf, wie der Stern seine Enthüllungen über Herrn Grünhelm belegen wird. Ob man sich dazu herabläßt, mal darzustellen, wie man an die berichteten “Fakten” gekommen ist und welche Quellen dabei verwendet wurden, wie deren Hintergrund durchleuchtet wurde?
    Oder wird es wieder nur reichen zu einem: Stern-Recherchen haben ergeben …

  4. 10.08.2006 | 8:35

    Na, die eigentliche “Gesetzmäßigkeit”, die der Artikel treffend beschreibt, ist, daß eben medial nur gilt, was emotionalisiert und somit unterhält, und neben Consumer-Guides (TV Movie, z.B.) verkauft sich das dann auch am besten. Und so ein schnarchiges Foto mit weißem Rauch - nee, das bringt’s nicht. Da muß man dann noch mal ran.

    Das ist freilich eine Gesetzmäßigkeit, die von Bloggern nicht aufgehoben wird, ganz im Gegenteil. Traffic generiert, wer polarisiert, emotionalisiert, Böses kreeiert, auf Schurken eindrischt, z.B. die manipulativen Mainstream-Medien, die Heidemarie, die Linke, die Rechte, die eiskalten Liberalen, wasauchimmer etc. - alles Entertainment-Mittel. Kann man in jeder Drehbuch-Fibel nachlesen, wie man das macht …

    Zudem, das nebenbei, ich immer noch am perfidesten die grünlichen Computerspiel-Bilder aus den Cockpits des Golfkriegs der frühen 90er finde. Diese Suggestion, daß es im Krieg um spielerische Strategien ginge. Da sind mir sogar manipulierte Leichen-Bilder in Relation dazu noch “lieber” als diese Nummer (mißverständlich formuliert, aber ich glaube, es ist klar, was gemeint ist), die ja dieses unerträgliche - ich überspitze, den oben beschriebenen Methoden folgend - “Nur ein toter Araber ist ein guter Araber, aber die sind ja noch nicht mal richtig tot!”-Geschreibe und dieses auch von Dir kritisierte Kriegsgeschrei in allerlei Blogs mit befördert hat.

    Sich jetzt lieber auf manipulierte Bilder zu stürzen, als zur Kenntnis zu nehmen, daß in Kriegen Menschen sterben, paßt in das gleiche Schema. Die Hisbollah ist trotzdem Scheiße (bevor mir hier wieder jemand mit Antisemitismus oder Antiamerikanismus kommt - mal wieder “Die Nackten und die Toten” - jetzt kommt irgendwer und zitiert die Aussagen Mailers zum 11. September und glaubt, er sagt damit was - oder “Verdammt in alle Ewigkeit” lesen könnte ja auch nicht schaden, oder auch nur “Eine Frage der Ehre” gucken)

  5. 10.08.2006 | 16:06

    Kleiner Linktipp zum Thema Medienkrieg:

    Zwischen “Stern” und “EU Referendum”

    Besonders das dort verlinkte Video mit dem “Green Helmet” zeigt schockierend klar, wie dort mit zurechtgerückten Kinderleichen Propaganda betrieben wird.

  6. 10.08.2006 | 18:14

    [...] Der Link, den Boche in der Diskussion zu “Der Medien-Krieg” gepostet hat, ist mir dann doch zu schade für den Kommentarbereich: [...]

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