Totalitäre Bedrohung heute und gestern

Beim Kapitalismus-Magazin bin ich auf diesen Artikel von Victor Davis Hanson gestoßen. Er zieht die - vielgeschmähte (aber warum wohl?) - Parallele zwischen totalitärer Zivilisationsdämmerung der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts und dem, was heute um uns herum geschieht. Und findet deutliche Worte für die Art und Weise, wie der Westen agierte und wieder agiert.

Das ist lesenswert, wie ich meine. Und das, obwohl der Text in Englisch verfasst wurde.

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15 Kommentare zu “Totalitäre Bedrohung heute und gestern”

  1. 10.08.2006 | 11:46

    Und wie, um die Parallelen plastischer zu machen, habe ich eben diese Meldung gefunden:

    Kommunisten planen Massenproteste gegen Aggression Israels im Libanon

    Ist es wirklich Zufall, dass sich die Fronten wieder ähneln?

  2. 10.08.2006 | 19:31

    Ach, agiert denn der Westen? Du und ich, wir beide (re)agieren ja schon mal anders. Und mit uns viele andere. Ich finde, es ist ja gerade eine Stärke des Westens, das er nicht in der Sprache antwortet, in der er angegriffen wird, dass er seine Prinzipien gerade dann nicht vergisst, wenn er provoziert werden soll, sie zu vergessen, um dem Zerrbild seiner Gegner gerecht zu werden.

    Es ist die richtige Antwort des Westens, wenn er auf den Aufruf der Islamisten, die Ungläubigen zu töten, mit einem Achselzucken reagiert: Sorry, nicht zuständig.

    Ja, sie machen sich lustig darüber, die Islamisten, dass wir im Westen das Leben lieben. Und? Das ist keine Schwäche, sondern eine Stärke: Wir halten aus, wo die Islamisten flüchten. Mal abgesehen davon, dass auch echte Christen den Tod nicht fürchten, aber nie auf die Idee kämen, für Mord und Zerstörung das ihnen von Gott gegebene Leben wegzuwerfen.

    Unsere angebliche Schwäche ist unsere Stärke. Je weniger wir uns auf diese steinzeitlichen Kategorien einlassen, um so überzeugender wirken wir.

  3. 10.08.2006 | 21:45

    “Ich finde, es ist ja gerade eine Stärke des Westens, das er nicht in der Sprache antwortet, in der er angegriffen wird,…”

    Das halte ich für eine Leerformel.
    Selbstverständlich antwortet der Westen nicht in der Sprache seiner Angreifer. Er antwortet mit Heuchelei statt mit Terror, mit Kriecherei statt mit Todessehnsucht, mit Rückratlosigkeit statt mit Fanatismus. Das ist meinem Verständnis nach Ziel der Kritik. Nicht der Ruf nach Brutalität oder Kriegsgeschrei.

    Es ist die richtige Antwort des Westens, wenn er auf den Aufruf der Islamisten, die Ungläubigen zu töten, mit einem Achselzucken reagiert: Sorry, nicht zuständig.

    Ich sehe eher Antworten wie die auf die dänische Karikaturen-Affäre: Der Islamismus schreit, und der Westen vergisst die Verteidigung seiner Werte.
    Ich sehe Antworten wie die auf Israels Gegenwehr: Die islamistische Propaganda läuft wie am Schnürchen, und der Westen vergisst, wer Angreifer und wer Angegriffener ist.

    Unsere angebliche Schwäche ist unsere Stärke. Je weniger wir uns auf diese steinzeitlichen Kategorien einlassen, um so überzeugender wirken wir.

    Wenn ein Steinzeitmensch keulenschwingend auf mich zugerannt kommt, dann bin ich recht froh, wenn ich mich auf steinzeitliche Mittel wie einen auf die Nase platzierten k.o.-Schlag verlassen kann.

  4. 10.08.2006 | 22:27

    Er antwortet mit Heuchelei statt mit Terror, mit Kriecherei statt mit Todessehnsucht, mit Rückratlosigkeit statt mit Fanatismus.

    Ach ja, die Klagen über unsere verweichlichte Gesellschaft. Nicht besonders originell. Und stets passend für diverse Interessen.

    Der Islamismus schreit, und der Westen vergisst die Verteidigung seiner Werte.

    Tut er das? Ja, vielleicht. Indem er seine Bürger einem Überwachungssystem unterwirft. Indem er sich als Partei in einem Glaubenskrieg begreift. Aber wo hat “der” Westen seine Werte im Karikaturenstreit ignoriert? Regierungen haben nicht nachgegeben. Manche Zeitungen schon - das ist ihr Recht, das wir zu verteidigen bereit sind. Andere Zeitungen nicht. Nicht den Angriffen der Islamisten, nicht denen der polnischen Machtzwillingen.

    Die islamistische Propaganda läuft wie am Schnürchen, und der Westen vergisst, wer Angreifer und wer Angegriffener ist.

    Wieder: “der” Westen? Oh Schreck, was müssen wir erdulden, statt wie ein Mann hinter der Wahrheit und Gerechtigkeit zu stehen? Meinungsvielfalt! Ich bin geschockt. Schließlich ist doch Krieg, und wer kann da noch auf seiner eigenen Meinung bestehen!? Und diese Feiglinge in USA und EU: Fallen Israel sofort in den Rücken beim ersten zivilen Opfer. Ein Sicherheitsratsbeschluss nach dem anderen wird gegen Israel verabschiedet. Dieser schwache, unfähige Westen.

    Wenn ein Steinzeitmensch keulenschwingend auf mich zugerannt kommt, dann bin ich recht froh, wenn ich mich auf steinzeitliche Mittel wie einen auf die Nase platzierten k.o.-Schlag verlassen kann.

    Wenn du zehnmal so groß bist, relativiert sich das. Da bin ich mir sicher.

  5. 10.08.2006 | 22:33

    Ach ja, die Klagen über unsere verweichlichte Gesellschaft. Nicht besonders originell. Und stets passend für diverse Interessen.

    Verweichlicht? Damit hat es nichts zu tun.

    Aber wo hat “der” Westen seine Werte im Karikaturenstreit ignoriert?

    Trügt mich meine Erinnerung, dass z.B. Inhalt der EU- oder sonstiger Politiker-Verlautbarungen erschreckend viele Verweise auf die “Grenzen der Meinungsfreiheit” waren?

    Und diese Feiglinge in USA und EU: Fallen Israel sofort in den Rücken beim ersten zivilen Opfer.

    Ironie ist kein Argument. Die USA und GB kannst du raus lassen. Ansonsten kommt das, was du ironisch meinst, ziemlich gut hin.

    Wenn du zehnmal so groß bist, relativiert sich das. Da bin ich mir sicher.

    Wenn der keulenschwingende Unhold zehnmal so hinterhältig ist und eiskalt mit meinen Skrupeln spielt, vielleicht nicht mehr.

  6. 10.08.2006 | 22:38

    Damit hat es nichts zu tun.

    Womit sonst?

    Trügt mich meine Erinnerung, dass z.B. Inhalt der EU- oder sonstiger Politiker-Verlautbarungen erschreckend viele Verweise auf die “Grenzen der Meinungsfreiheit” waren?

    Einiger ja, anderer nein. Eben das, was man in Demokratien erwarten kann und muss.

    Die USA und GB kannst du raus lassen. Ansonsten kommt das, was du ironisch meinst, ziemlich gut hin.

    Echt?

    Wenn der keulenschwingende Unhold zehnmal so hinterhältig ist und eiskalt mit meinen Skrupeln spielt, vielleicht nicht mehr.

    Bleibt im letzteren Fall immer noch dein Problem. Ansonsten kann Hinterhältigkeit Größe nur bedingt wettmachen.

  7. 11.08.2006 | 9:07

    Womit sonst?

    Mit Prinzipienlosigkeit.

    Einiger ja, anderer nein. Eben das, was man in Demokratien erwarten kann und muss.

    Wir sind so frei, die Freiheit nicht mehr zu lieben?

    Echt?

    Ok, die deutsche und die tschechische Regierung hatten auch Skrupel.
    Unterm Strich fand die Position, eine Demokratie, die von totalitären Angreifern bedroht ist, vorbehaltlos zu unterstützen aber keine Mehrheit in Europa. Würde man die Menschen selbst abstimmen lassen, dürfte dieses Ergebnis vielleicht noch klarer ausfallen.

  8. 11.08.2006 | 11:41

    Ich finde es gut, wenn man in einer Gesellschaft nicht festgelegten Prinzipien folgen muss. Ich finde es gut, wenn in einer Demokratie verschiedene Menschen verschiedene Meinungen haben. Und ich finde es gut, dass man solche Gesellschaften und solche Demokratien nicht mal eben zu “vorbehaltloser Unterstützung” verdonnern kann, sondern dass auch über solche Fragen gestritten wird.

    Woanders funktioniert das alles leichter und schneller. Aber da wollte ich auch nicht leben.

  9. 11.08.2006 | 11:48

    Du formulierst das Prinzip der Freiheit und richtest dieses gleichzeitig gegen dessen Verteidigung.

    Ich bin so liberal, das zu akzeptieren. ;-)

  10. Libero
    11.08.2006 | 15:07

    Ich beuge mich selbstverständlich der Weisheit von Victor David Hanson und spreche mich ebenso entschieden gegen eine starke Minderheit der Amerikaner aus, die den Schöpfungmythos der Bibel für wahr halten (39 % laut der aktuellen Ausgabe der Science) und die die Offenbarung des Johannes als Beschreibung der unmittelbaren Zukunft der Weltgeschichte ansehen.

    Nahost-Konflikt: Hisbollah und Armageddon
    “Hisbollah und Armageddon”
    http://www.welt.de/data/2006/08/09/990664.html

    Liberale waren seit Beginn des Liberalismus dem Fortschritt der Wissenschaft und dem Kampf gegen den Ungeist des religiösen Wahns verpflichtet. Ich erwarte, daß sich Liberale wie ihr mit aller Entschiedenheit gegen den Ungeist eines LaHaye wenden.

    Victor David Hanson ist ein wortgewaltiger Mann. Sein sprachlicher Degen wäre bei diesem Kampf von Vorteil. Bedauerlicherweise findet sich in seinem ganzen sehr umfangreichen Schaffen nicht ein einziger Beitrag gegen diesen christlichen Ungeist. Was soll ich von einem Menschen halten, der die Gefahr für Freiheit und Demokratie außerhalb des Landes wahrnimmt, aber innerhalb des Landes schweigt?

    Könnt ihr mir diesen Widerspruch erklären?

  11. 11.08.2006 | 15:11

    Könnt ihr mir diesen Widerspruch erklären?

    Nein.

  12. Libero
    11.08.2006 | 15:46

    Bedauerlicherweise scheint Victor Davis Hanson die jüngere Geschichte der Vereinigten Staaten nicht zu kennen. Er erwähnt zwar den Antisemiten Lindbergh als, nicht aber Henry Ford und die enge Verbindungen zwischen seinem Buch und “Mein Kampf”. Ebensowenig erwähnt er die antisemitische Familie DuPont. Auch hinsichtlich der engen Verbindung zwischen der amerikanischen und deutschen Eugenik scheint Victor Davis Hanson von Gedächtnisstörungen gepeinigt zu sein.

    In short, if we wish to learn what was going on in Europe in 1938, just look around.

    Der letzte Satz ist gelinde gesagt eine Frechheit. Als hätte es 1938 keinen Antisemitismus in den Staaten gegeben. Ob der Antisemitismus in den Staaten wirklich erloschen ist, wage ich zu bezweifeln.

    Fundamentalistische Christen unterstützen Israel ja nicht, weil sie Philosemiten sind, sondern weil sie Amargeddon gemäß der Offenbarung 16:16 erwarten.

    Ihr werdet doch hoffentlich wissen, was mit den Israelis nach Ende der Schlacht passiert? Wenn nicht, Sacharja 13:8-9

    Es ist nicht entscheidend, daß ihr und ich das für nicht wortwörtlich zu verstehenden Aussagen halten. Es ist entscheidend, daß es Menschen gibt, die die Bibel so auslegen und danach handeln.

  13. 11.08.2006 | 15:55

    Es muss wohl an meinen mangelhaften Englischkenntnissen liegen:
    Ich hatte in dem Hanson-Artikel gar keine Verteidigung irgendwelcher evangelikalen Spinner oder der USA der dreißiger Jahre entdeckt (in letzterem Punkt las ich eher das Gegenteil heraus).

    Gut, dass du mich aufgeklärt hast.

  14. Libero
    11.08.2006 | 16:10

    @Boche
    Das ist um so merkwürdiger, da Victor Davis Hanson das Wort Armageddon recht häufig verwendet. Das er sich zum Erfolg der Bücher von LaHaye nicht äußert, ist bei der Vielzahl der Bücher, die er rezensiert, wirklich verwunderlich. Als Schlachtenhistoriker sollte er sich ausgerechnet mit der letzten aller Schlachten nicht auseinandergesetzt haben?

    PS: George W. Bush mit Demosthenes zu vergleichen, ist zumindest originell.

  15. 11.08.2006 | 16:16

    Das ist um so merkwürdiger, da Victor Davis Hanson das Wort Armageddon recht häufig verwendet.

    Im Artikel nicht, oder habe ich das überlesen?

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