17. August 2006
Benachteiligte Hochschulen
Unter diesem Titel beklagt die F.A.Z. heute in einem Kommentar auf Seite 12 die GEZ-Nachforderungen gegenüber vielen deutschen Hochschulen. Im Kommentar heißt es: Es ist absurd, daß sogar Hotels, die ihren Gästen Fernsehen anbieten, billiger davonkommen als die Hochschulen. Und die F.A.Z. fragt: Was haben sich die Länder dabei gedacht?
An dieser Stelle ist eine Gegenfrage fällig: Was haben sich eigentlich die F.A.Z. und viele andere Printmedien dabei gedacht, das Problem so lange (fast) totzuschweigen? Die Pläne der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten liegen schon lange auf dem Tisch, das Gesetz ist längst beschlossen. Und fast ebenso lange haben die meisten Medien dazu geschwiegen. Nur weil das Problem der finanziell schlecht ausgestatteten Hochschulen so offensichtlich ist — und vielleicht, weil die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz protestiert hat — bekommen wir ein paar kleine Meldungen und Kommentare zu lesen.
Wo bleibt eigentlich die Stimme der Ärztevertreter? Fast jede Praxis muss heute einen oder mehrere Computer betreiben, um überhaupt abrechnen zu können. Die neue Gebühr wird auch auf den Computer der Arzthelferin erhoben. Und in einer Gemeinschaftspraxis wird die GEZ sicher Mittel und Wege finden, jeden beteiligten Arzt abzukassieren. Durch die GEZ-Gebühr steigen auch die Kosten im Gesundheitswesen.
Wo bleiben die Kommentare der Techniker oder Technikjournalisten? Mit einem Modem- oder ISDN-Anschluss ist es weder technisch noch ökonomisch sinnvoll, Videos der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender herunterzuladen. Die Nutzung von Streaming-Angeboten ist überhaupt nicht möglich. Mit ISDN könnte man in schlechter Qualität Radio hören, aber auch das wäre auf die Dauer viel zu teuer.
Das ganze Gesetz zeigt aus der Sicht eines vernünftigen Menschen viele handwerkliche Fehler. Es liegt der Verdacht nahe, dass die GEZ-Lobby diese “Fehler” absichtlich in das Gesetz eingebracht hat und dass die Länderparlamente ohne wirklich fundierte Fachberatung entschieden haben. Aber für mich ist unverständlich, dass gerade die seriösen Printmedien so lange geschwiegen haben: greifbar und sichtbar war das Problem auf jeden Fall.
Verfasst von stefanolix um 22:38 Uhr in der Kategorie Politik (Trackback)