Räubermoral

Merke:
Wenn Politiker Steuererhöhungen damit zu rechtfertigen suchen, dass sie künftige Steuererhöhungen “ausschließen”, dann ist das so glaubwürdig, als wenn der Alkoholiker “nur noch diesen einen Schluck” trinken zu wollen vorgibt.

PS: Wem ist es aufgefallen? Dank der “Unternehmenssteuerreform” soll der Staat laut der oben zitierten Person mehr einnehmen. Klingt doch gut, oder?
Dumm nur, dass dies in Klartext bedeutet, dass Unternehmen eben mehr Steuern bezahlen.
Angesichts dessen davon zu schwätzen, dass man für die deutsche Wirtschaft „wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen für unerlässlich“ hält, ist unverschämt, dämlich oder beides gleichzeitig.

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16 Kommentare zu “Räubermoral”

  1. spruance
    21.08.2006 | 14:54

    Sie halten uns eben für mindestens so blöde wie sich selbst. Mindestens.

  2. 21.08.2006 | 15:30

    Ob die Unternehmen höhere Steuern bezahlen werden, weiß man noch nicht so genau. Sicher scheint nur, dass die berufstätigen Bürger höhere Steuern und Abgaben zahlen werden.

    @spruance:
    dämlich oder nicht dämlich — es fehlt hier einfach an einer kritischen Presse, einer wachen Öffentlichkeit, wirklich unabhängigen Experten und viel mehr mündigen Bürgern. Die Presse schluckt z.B. “Expertengutachten” der Rentenversicherungsträger, in denen für die nächsten 20 Jahre positive “Renditen” für die Rentenzahler vorausgesagt werden. Die Zeitungen drucken eine grobe Zusammenfassung der Gutachten. Sie hinterfragen nicht einmal, welche Steuer-, Abgaben- und Beitragssätze und welcher staatliche Zuschuss zur Rentenkasse dafür zugrundegelegt wurden.

    Wenn das alles offen und ehrlich diskutiert würde, könnte man /vielleicht/ einen gesellschaftlichen Konsens finden. Aber wie das mit solchem Personal wie Frau Merkel, Frau Schmidt oder Herrn Müntefering gelingen soll, ist mir auch schleierhaft.

  3. 21.08.2006 | 16:09

    dann ist das so glaubwürdig, als wenn der Alkoholiker “nur noch diesen einen Schluck” trinken zu wollen vorgibt.

    Ein möglicher alternativer Kausalverlauf könnte auch so aussehen:

    Morgens um 10 vor Kaisers

  4. 21.08.2006 | 16:31

    Marian, stimmt.
    Das “Hmm, naja hast recht, jib her…” passt auch zum Thema Steuer. ;-)

  5. Spruance
    21.08.2006 | 18:03

    @stefanolix
    Ja, da wollte ich wirklich resignative Wut ausdrücken! Auch ich empfinde leider nicht mehr den geringsten Respekt vor unserer Presse (oder neuer: unseren Medien). Sind die Reporter denn wirklich alle so jung und unerfahren, daß sie sich von jedem hergelaufenen Experten verkohlen lassen? Ist es wirklich zu viel verlangt, ab und zu mal einen Dreisatz auf eine quantitaive Aussage loszulassen? Muß ein Komparativ ohne Vergleichsmaßstab wirklich immer glatt durchgehen? Wo sind sie hin, die zynischen angegrauten Profis, vor denen man noch ein wenig Respekt haben konnte?
    Dann lieber Brebek: “Es fehlt am Nötigsten…”

  6. R. A.
    21.08.2006 | 18:16

    Der Politiker- und vor allem der Journalisten-Kritik schließe ich mich natürlich an.

    Auch die Steuerlast ist deutlich zu hoch und muß reduziert werden.

    Ich bin mir aber nicht sicher, ob eine stärkere Besteuerung der Unternehmen insgesamt so schlimm wäre.
    M. E. haben wir hier eher ein Strukturproblem: Die Nominalsätze sind abschreckend hoch, und die Unternehmen müssen viel zu viel ineffiziente Umwege gehen, um diese Sätze reduzieren zu können.
    Die Zahlungen selber sollten aber für kaum eine Firma ein Problem sein.

  7. 21.08.2006 | 20:45

    Sehr schön gesagt.

    Bin sowieso der Meinung, daß sobald ein Politiker etwas über andere Menschen sagt, z.B., was diese tun und lassen sollen, er den Straftatbestand der Beleidigung erfüllt.

    Erstaunlich ist, daß ein Staat, der in einem seiner Hauptgesetze diesem Straftatbestand ein eigenes Kapitel widmet, so vielen Typen ein Einkommen verschafft, die von Berufs wegen dagegen verstoßen.

    @ R.A.:
    Ich nehme an, Du hast weder eine Firma, die Steuern zahlen muß, noch jemals schlaflose Nächte gehabt, wie man Umgehungen und Zahlungen schafft und “nebenbei” seine Familie ernährt und bildet.

  8. 21.08.2006 | 22:43

    @Stefan Sedlaczek, R.A.

    Wir müssen da differenzieren. Es gibt Unternehmen, die können besser Steuern vermeiden als andere.

    So lange die Mehrsteuern auf freiwillige Anpassungen der Unternehmen zurückzuführen sind (z.B. weil sich aufwendige Gestaltungen nicht mehr lohnen), kann ich darin auch nichts Schädliches erkennen.

  9. Stefan Eich
    21.08.2006 | 23:57

    @ Rayson

    4% aller Unternehmen in Deutschland sind Kapitalgesellschaften.
    Von den restlichen 96% sind 80% Unternehmer mit unter 10 Beschäftigten.
    Diese 80% sind fast ausnahmslos Standortgebunden und haben kaum Möglichkeiten wirklich Steuern zu vermeiden.
    Stefan Sedlaczek @ R.A. dem kann ich nur zustimmen.

  10. 22.08.2006 | 0:15

    Was das Steueraufkommen angeht, sehen die Prozentzahlen etwas anders aus…

    Aber schön, dass du die Relationen mal aufzeigst. Was Steuervermeidung betrifft, bin ich nur halb bei dir. Freiberufler z.B., obwohl sehr standortgebunden, sind da absolute Spezialisten. Vermeidung ist eben nicht immer “Ausland”, sondern allzu oft auch “Privat”.

    Ich habe generell natürlich auch nur eine “wenn-dann”-Aussage getroffen, von der ich annehme, dass sie dem Kalkül der Regierung wenigstens teilweise zugrunde liegt.

  11. der gute don
    22.08.2006 | 2:06

    es fehlt hier einfach an einer kritischen Presse, einer wachen Öffentlichkeit, wirklich unabhängigen Experten und viel mehr mündigen Bürgern.

    Sehe ich ganz genauso, nur eins kann uns retten, mehr Bildung für die Bürger …

  12. Stefan Eich
    22.08.2006 | 10:28

    Da heute Bildung auf reines Formalwissen reduziert ist, hab ich da doch so meine Bedenken als alleinigen Rettungsanker.
    Eher im Gegenteil sehe ich bei dem kaum mehr überschaubaren Fluß an Informationen die Gefahr einer ” Eindrucksallergie ” .
    Es macht sich eine Apathie und Resignation breit, bei der sich der Einzelne oft nur aus Zeitmangel der öffentlichen Meinungsleitschiene anschließt.

  13. R. A.
    22.08.2006 | 11:54

    @Sedlarczek:
    > Ich nehme an, Du hast weder eine Firma,
    > die Steuern zahlen muß, …
    Ad personam zu argumentieren finde ich nicht so gut …

    Keiner zahlt gerne Steuern, auch Firmen(-Inhaber) nicht und natürlich wird gerne darüber geklagt.
    Ich kenne aber kein Beispiel, wo eine Firma wirklich Probleme mit der letztendlichen Steuerlast hätte.
    Sondern was wirklich belastet sind die erheblichen bürokratischen Auflagen, diverse Abgaben, die nicht wie die Steuern an den Ertragserfolg gekoppelt sind, und natürlich der hohe Aufwand, um nicht durch ungeschicktes Agieren irgendwo in die Paragraphenfalle zu laufen und dann wirklich zu viel Steuern zu zahlen.

  14. Stefan Eich
    22.08.2006 | 11:54

    Noch ein Nachtrag zur Bildung
    Unter Bildung versteht man ursprünglich ein sich herausbilden, eine Entwicklung als gestalterischen Prozeß, welcher unter anderem der Assoziationsfähigkeit Vorschub leistet. Es ist durchaus ein Unterschied, ob ich wahrnehmen kann (oder nicht), daß z.B. einer Enttäuschung immer eine Täuschung zu Grunde liegt. Nicht ein Gegenüber ist “schuld” , sondern die eigene Täuschung.
    Wer unterscheidet heute noch zwischen Realität und Wirklichkeit, zwischen Ethik und Moral, ist einem Überzeugten klar, daß er nicht mehr selber zeugt ? Die Sprache als Grundlage des Denkens ( was die Sprache nicht ausdrücken kann, kann man auch nicht denken ) muß in ihrer Vielfalt erhalten und gefördert werden, um darauf Wissen swertes aufzubauen.

  15. 22.08.2006 | 13:25

    Ihr Liberalen seid schon komisch. So habt ihr es geschafft Wortbedeutungen ins Gegenteil zu verdrehen. Z.B. verstand man unter Reformen früher immer etwas gutes, das die Gesellschaft voranbringt. Heute jedoch steht das Wort “Reform” für großes Gestöhne und Gemeckere. Geschickt, Geschickt…

  16. admin
    22.08.2006 | 13:27

    Daniel, bist du sicher, das dein Beitrag thematisch richtig sortiert ist?

    Auf Wunsch verschiebe ich ihn auch gern in die Diskussion (sofern diese bei uns stattfindet), in die er passt.

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