Kinderfehlbetrag

Die SPD will Eltern steuerlich stärker belasten. SPD-Fraktionsvize Joachim Poß sagte gestern in der Tagesschau [0], die Kinderfreibeträge kämen “in erster Linie Spitzenverdienern zugute”. Der Kinderfreibetrag [1] ist aber kein Almosen des Staates für irgendwelche Spitzenverdiener. Er wird aufgrund eines Urteils des Bundesverfassungsgerichts [2] aus den 90er Jahren in der aktuellen Höhe gewährt. Aber bei der Kürzung des Sparerfreibetrags haben sich die Politiker der großen sozialdemokratischen Koalition ja auch nicht darum gekümmert, was das Bundesverfassungsgericht zur Besteuerung der Erträge aus Sparguthaben gesagt hat. Es ist zu erwarten, dass nach der Abschaffung des Kinderfreibetrags in vielen — durch eigene Arbeit gefüllten — Haushaltskassen ein Fehlbetrag zu verzeichnen sein wird.

Nun ist es nicht neu, dass die SPD die sogenannten Besserverdiener stärker zur Kasse bitten möchte. Als Besserverdiener wurden unter Gerhard Schröder alle arbeitenden Bürger mit einem Einkommen in der Nähe der damaligen Beitragsbemessungsgrenzen [3] der Sozialversicherungen bezeichnet. Diese Beitragsbemessungsgrenzen wurden bekanntlich seitdem deutlich angehoben, aber nach dem Verständnis der SPD gehören offenbar auch Lehrer, Techniker, Meister oder Ingenieure zu den “Spitzenverdienern”. Das sind nämlich genau die Arbeitnehmer, die den Kinderfreibetrag heute nutzen können (das ist abhängig von der Anzahl der Kinder, von der Branche und vom Einkommen der Familie). Es sind keine “Heuschrecken”, sondern fleißige Menschen aus der Mitte der Gesellschaft, die etwas für sich und ihre Kinder aufbauen möchten.

Es bleibt zu hoffen, dass sich die CDU an einen ihrer bekanntesten Wahlkampf-Slogans erinnert: Leistung muss sich wieder lohnen. Die SPD hat wohl irgendwo in ihrem Fraktionssaal schon die Parole Leistung darf sich nicht mehr lohnen aufgehängt …

[0] Artikel der Tagessschau zu den SPD-Plänen einer Steuererhöhung für Eltern
[1] Wikipedia-Artikel zum Kinderfreibetrag
[2] Wikipedia-Artikel zum Kindergeld mit Erwähnung des Urteils aus Karlsruhe
[3] Wikipedia-Artikel zur Beitragsbemessungsgrenze

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9 Kommentare zu “Kinderfehlbetrag”

  1. 22.08.2006 | 18:49

    Ich vermute einen Anfall von “Links-Populismus”, oder, weniger vornehm gesagt: da will sich wohl jemand bei den Geringverdienern (die rational gesehen wenig Grund hätten, die heutige SPD zu wählen) einschleimen.

  2. FAB.
    22.08.2006 | 20:04

    Laut FAZ zieht der saubere Herr die Grenze zu den “Spitzenverdienern” bei 33 bzw 63 T€/a (Ledige/Ehepaare). Frage: was ist er dann mit seinen exorbitanten Bezügen? Man möchte schier in dumpfesten Anti-Politiker-Populismus verfallen ob solcher Unverschämtheiten. Aber ausgeplündert und dann auch noch verhöhnt zu werden - das geht schon etwas zu weit. Also gebe ich der Verlockung nach und fordere: MdB in die Produktion, aber flott!

  3. 22.08.2006 | 21:20

    Staatliche Logik: Erst eine Steuerprogression einführen und dann darüber motzen, dass alles, was nicht Einkommen ist, “Besserverdienende” dann überproportional “entlastet”.

  4. der gute don
    23.08.2006 | 1:36

    irgenwie war mit Räuber Hotzenplotz sympathischer als unsere Räuberbande …

  5. spruance
    23.08.2006 | 6:56

    Wenn man alle die als Spitzenverdiener bezeichnet, die überhaupt noch ein eigenes Einkommen haben, wird doch ein Schuh draus! Auf einmal erscheint dann alles logisch, oder? Die Politik zieht einfach die Konsequenzen aus der Tatsache, daß bei uns die Menschen ohne eigenes Einkommen langsam in der Mehrheit sind.

  6. FAB.
    23.08.2006 | 11:23

    Anderes, aber verwandtes Thema - insbesondere die Begründung ist ganz großes Kabarett. Wenn Sie mal schauen wollen:das hier.

  7. 23.08.2006 | 15:29

    @FAB. (zweiter Kommentar):
    Du meinst dort sicher k€ (Vorsatz kilo). Bei einem Einkommen in der T€-Dimension (Vorsatz Tera) ist der Kinderfreibetrag nicht mehr wirklich interessant …

    @spruance: So hatte ich das noch nicht gesehen. Aber es ist eine Idee, die man im Hinterkopf behalten sollte: wer selbst etwas für seine Kinder und für seine Zukunft tut, macht in diesem Land also — zumindest nach der Politik der SPD zu urteilen — etwas ganz Entscheidendes falsch.

  8. FAB.
    23.08.2006 | 18:06

    @ stefanolix
    Ich bin kein Naturwissenschaftler. Bei denen sind die Kürzel natürlich so, wie Du sagst. Bei Kaufleuten und Juristen hat es andere Üblichkeiten, T€ = 1.000 €. Aber ich werde gerne, wenn mir mal wieder jemand schriftlich gibt, noch 2 T€ zu schulden, mich darauf berufen, eine Forderung über 2 Billionen Euro zu haben.
    Wie hoch ist eigentlich eine RA-Gebühr bei dem Streitwert….?
    ;-))

  9. 23.08.2006 | 18:22

    @FAB

    Einigen wir uns doch auf einen angelsächsischen Kompromiss: € 1k…

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