Kalles Litanei

Ja, Kalle, wir wissen’s langsam: Die Lösung zur Reform des Gesundheitssystems besteht in der Belastung der Besserverdienenden. Dass du diese Gruppe mal in ihrer Eigenschaft als freiwillig in der GKV Versicherte, mal als Privatversicherte und mal als Steuerzahler treffen willst, ist da zwar manchmal etwas verwirrend, spricht aber für deine Fantasie. Auch wenn du für diese Argumentation ignorieren musst, dass längst nicht alle Menschen, die unter eine dieser Kategorien fallen, tatsächlich auch gut verdienen oder (im Fall der Privatversicherten) geringere Beiträge zahlen. Ein bisschen Abfall ist halt immer, und wenn’s denn im Großen und Ganzen der sozialen Gerechtigkeit dient…

Gut, etwas irritiert hat es mich schon, dass du den derzeit privat Versicherten eine Gehaltserhöhung für den Fall verschaffen möchtest, dass sie zur GKV wechseln (”Um die massenhafte Abwanderung zu verhindern, müsse der Arbeitgeberzuschuss zur Privatversicherung abgeschafft werden.”), aber vielleicht glaubst du Gesundheits”ökonom” ja tatsächlich noch an das Märchen vom “Arbeitgeberbeitrag”. Obwohl, bei dir würde es mich nicht wundern, wenn du die “soziale Balance” bei dieser Maßnahme durch ein Gehaltsbeschränkungsgesetz wahren wolltest.

Da ist das einfache Abzocken (”Alternativ könnten auch die Privatversicherten in den geplanten Gesundheitsfonds einbezogen werden.”) doch etwas einfacher und ehrlicher, finde ich.

Das “Problem” mit den angeblich bevorzugten Besserverdienenden in der PKV können wir aber schneller und eleganter lösen: Befreien wir Privatversicherte von der Versicherungspflicht. Dann kann jeder unabhängig von seinem Einkommen in die angebliche Luxuskasse. Die Privatversicherungen haben sicher nichts dagegen.

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3 Kommentare zu “Kalles Litanei”

  1. R.A.
    29.08.2006 | 17:50

    Der Mann ist einfach nur dumm-dreist.

    Nicht nur, daß er so wahllos neue Abzock-Ideen produziert. Er hält es nicht einmal mehr für nötig, selbst bei krassen (und verfassungswidrigen?) Sachen wie der Abschaffung der Arbeitgeberbeiträge für mißliebige Bürger irgendeine Form von inhaltlicher Begründung zu bringen.

  2. spruance
    30.08.2006 | 13:44

    Sind solche Blödmänner eigentlich nicht gemeingefährlich?

  3. Libero
    30.08.2006 | 14:20

    Bei der ganzen Diskussion um die Kosten der Krankenbehandlung stört mich die reine finanzielle Diskussion. Auch in der Technologie haben wir Krankheiten, nur nennt man sie da Schäden. Um die Schäden und damit die Kosten zu minimieren, entstand eine ganze Wissenschaft, die sich mit Schadensursachenforschung, Schadensfrüherkennung, Schadensvermeidung und vorbeungender Instandhaltung beschäftigt. Das sind erprobte Konzepte, die sich sehr wohl auf die Gesundheit übertragen lassen.

    Eigenverantwortung ist auch so ein herrliches Schlagwort, daß zeigt, wie dumm Menschen sein können. Es ist unstrittig, es gibt Menschen, die gehen unverantwortlich mit ihrer Gesundheit um. Das Schlagwort Eigenverantwortung impliziert, das die Entwicklung der Gesundheit nur von dem Individuum selbst beeinflußt wird. Das ist jedoch nicht der Fall. Wenn wir vom unverantwortlichen Handeln einmal absehen, das natürlich in den Bereich der Eigenveranwortung fällt, haben wir natürlich einen großen Bereich der Fremdverantwortung.

    Ich als Selbständiger kann meinen Rechnerarbeitsplatz und meine Arbeitszeit so gestalten wie ich will.

    Einige meiner Bekannten können das nicht. Nehmen wir den Arbeitsplatz einer Kundenbetreuerin in der Bank. Der führt automatisch zu einseitigen Belastungen und Verspannungen. Berücksichtigen wir die Klimaanlage, kommt noch Zug hinzu. Dann kommen sie kaum zum Trinken, also droht eine schleichende Dehydrierung.

    Bei anderen Arbeitsplätzen finden wir andere gesundheitliche Beeinträchtigungen oder Störungen.

    100 % eigenverantwortlich mit seiner Gesundheit kann nur der Mensch sein, der sein Arbeitsleben vollständig selbst gestalten kann, also selbständg ist und zudem seine von ihm verzehrten Nahrungsmittel weitgehend selbst oder in Gemeinschaft mit anderen erzeugt und verarbeitet.

    Alle andere verfügen nur über einen beschränkten Ereignisraum für ihren eigenverantwortlichen Umgang mit ihren Gesundheit.

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