Wirtschaftsboom und Verringerung von Armut

Eine der Meldungen der 6:00 Uhr - Nachrichten des Deutschlandfunks heute morgen lautete:

UNO: Wirtschaftsboom in China und Indien hat Armut deutlich reduziert
Der Wirtschaftsboom in China und Indien hat nach Angaben der UNO zu einem deutlichen Rückgang der Armut in Asien geführt. Wie aus einem Bericht der Internationalen Arbeitsorganisation ILO hervorgeht, sank die Zahl der Menschen, die mit weniger als einem Dollar am Tag auskommen müssen, seit dem Jahr 1990 um 250 Millionen. Allerdings lebten immer noch mehr als 600 Millionen Asiaten unterhalb dieser Schwelle.

Die offizielle ILO-Meldung in vergleichbarer Länge:

14th Asian Regional Meeting, Busan, Republic of Korea (29 August - 1 September). Improved working conditions create a win-win story in Asia’s factories

Asia’s ability to sustain its impressive economic growth and competitive edge will depend greatly on the ability of governments and companies to ensure the benefits are shared by employers, the workforce and the wider population. This is the conclusion of a new report on the region’s economic and social trends, prepared for the Asian Regional Meeting of the International Labour Organization. ILO Online reports on one new approach which, by linking productivity with improved working conditions, is ensuring that the benefits of globalization are felt from the shop floor to the boardroom.

Die Schweizer Tagesschau bringt eine etwas umfangreichere ap-Meldung zum Thema, die folgendermaßen beginnt:

Das rasante Wirtschaftswachstum und die Zuwächse in der Produktivität haben in Ostasien nicht zu einem adäquaten Anstieg bei der Zahl der Arbeitsplätze und auch nicht zu verbesserten Arbeitsbedingungen geführt. Dies hält die Int. Arbeitsorganisation (ILO) in einem Bericht fest.

Dann folgt die Information aus der DLF-Meldung oben, ergänzt durch folgenden Absatz:

Allerdings lebten immer noch mehr als 600 Millionen Asiaten unterhalb dieser Schwelle. Lege man den Wert bei 2 Dollar am Tag fest, würden sogar 1,9 Milliarden Menschen, oder drei Viertel aller Armen der Welt, darunter fallen, hiess es weiter.

In allen diesen Meldungen geht es um um das 14. ILO-Regionaltreffen Asien, das von heute an bis Freitag in Busan, Südkorea stattfindet.

Die beiden erwähnten ILO-Berichte sind Realizing decent work in Asia (pdf, 86 Seiten) und Decent work in Asia: Reporting on results 2001-2005 (pdf, 107 Seiten). Die Grundsätze von Decent Work sind hier auf zwei Din A 4 - Seiten dargestellt: FACTS ON Decent Work

Ähnliche Beiträge


3 Kommentare zu “Wirtschaftsboom und Verringerung von Armut”

  1. R.A.
    29.08.2006 | 12:57

    Die ILO.
    Noch so eine überflüssige linke Bürokratentruppe.

    Und weil es denen zu peinlich ist, daß der Kapitalismus für diesen Erfolg sorgte, muß halt gleich mit einer neuen “Armuts”-Definition relativiert werden.

    Und dann wird natürlich gefordert, daß die Gewerkschaftsfunktionäre auch einen Anteil am von anderen Leuten erarbeiteten Wohlstand bekommen.

  2. Libero
    29.08.2006 | 13:27

    @R.A.

    Von einem Erfolg zu sprechen, ist noch verfrüht. Innerhalb von 10 Jahren werden in den beiden Staaten Indien und China 600 Millionen Menschen vom Land in die Staat ziehen. Das bedeutet den 10-fachen bis 30-fachen Wasserkonsum. Auch die Stromversorgung hat in den Boomregionen die Grenzen ihrer Belastbarkeit erreicht.

    Wenn diese Probleme gemeistert ist, kann man von Erfolg reden. Im Augenblick sieht es so aus, daß weder das Oberflächenwasser noch das Grundwasser den Wasserbedarf decken kann. Nicht ohne Grund bauen die Chinesen die größte Wasserentsalzungskapazität der Welt an ihren Küsten auf.

    Das jährliche Absinken des Grundwasserspiegels und der Arsengehalt im Grundwasser sind eindeutige Indikatoren einer schon sehr drastischen Übernutzung des Grundwassers und Verschmutzung des Oberflächenwassers.

    Weder Indien noch China besitzen in ihren Boomregionen ausreichend natürliche Reserven. Wenn Peking einen so leistungsstarken Aquifer wie Mexico Stadt hätte, könnte man hoffnungsvoller in die Zukunft blicken. Hat es aber nicht, das Grundwasser ist bereits um 70 m gesunken. In Shanghai wird Dreckwasser in den Untergrund gepumpt, um zu verhindern, daß die schweren Bauten durch Nachsackungen schaden nehmen. In einer anderen Boomregion Chinas hat der Boden, wahrscheinlich durch das Erdgasfeld, bereits um 2 m nachgegeben.

    Mitteleuropa und erst recht die US haben einen großen Vorteil. Bis vor 1000 bzw 200 Jahren war es relativ jungfräuliches waldreiches Land, daß zudem durch die Eiszeit mehrfach vor Verwitterung geschützt war. Indien und China nutzt dagegen altes, dementsprechend verbrauchtes Kulturland, in dem die Verwitterungsgeschwindigkeit wesentlich höher ist. Da Industrienationen aufzubauen, ist wesentlich schwieriger.

  3. R.A.
    29.08.2006 | 17:53

    @Libero:
    Ich bezweifele nicht, daß noch große Probleme da sind und noch viel getan werden muß.

    Aber trotzdem ist auch das bisher Erreichte für mich ein Erfolg.

    In China und Indien haben eben jetzt nicht nur einige hundert Millionen Menschen ein etwas besseres Leben, sondern es ist auch die wirtschaftliche Grundlage da, die von Dir geschilderten Sachen anzugehen.

Bad Behavior has blocked 1607 access attempts in the last 7 days.