IMK: Europäischer Arbeitskostenvergleich bestätigt Position im Mittelfeld

Laut einer Meldung der (gewerkschaftsnahen) Hans-Böckler-Stiftung stiegen auch in den letzten Jahren die deutschen Arbeitskosten im europäischen Vergleich weit unterdurchschnittlich. Das bestätigten die Ergebnisse aus der aktuellen Arbeitskostenerhebung des Statistischen Bundesamtes. “Damit setzt sich ein Trend fort, den wir seit etlichen Jahren auch bei den für die internationale Wettbewerbsfähigkeit deutlich wichtigeren Lohnstückkosten beobachten,” sagt PD Dr. Gustav A. Horn, Wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK).
“Allerdings hat diese Entwicklung zwei Seiten: Das relativ geringe Wachstum der Löhne in Deutschland stärkt die Unternehmen, doch es gibt nur geringe Impulse für die Binnennachfrage.”

Äh - wie war das? Eine schwache Binnennachfrage infolge bescheidener Löhnerhöhungen stärkt “die Unternehmen” in Deutschland? Produzieren die alle nur für den Export?
Wobei ich an den Ergebnisse des statistischen Bundesamtes als solche gar keine Zweifel hege - das “Hochlohnland Deutschland” ist in vielen Branchen mitlerweile nur noch Lobbyisten-Legende.
Ich bin gespannt, wie die entsprechende Nachricht z. B. seitens der “Inititative Neue Soziale Marktwirtschaft” aussieht. Das arbeitgebernahe Institut IW beschränkt sich dem Vernehmen nach auf die Betrachtung der (relativ hohen) Arbeitskosten in der Industrie.

Quelle: Meldung vom “Informationsdienst Wissenschaft” ->
IMK: Europäischer Arbeitskostenvergleich bestätigt Position im Mittelfeld -
Deutsche Arbeitskosten steigen erneut unterdurchschnittlich

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17 Kommentare zu “IMK: Europäischer Arbeitskostenvergleich bestätigt Position im Mittelfeld”

  1. 31.08.2006 | 20:33

    Da muss man schon ein wenig genauer hinschauen:

    Erstens sagt eine Veränderung der Lohnkosten nichts darüber aus, wie hoch sie absolut sind. Wenn Rolls-Royce morgen die Preise um 10% senkt, bleiben die Autos doch sehr, sehr teuer.

    Und Hochlohnland und niedrige Lohnstückkosten, das passt auch durchaus zusammen. Das “missing link” heißt Arbeitslosigkeit.

    Selbstverständlich können bei solchen Untersuchungen nur wettbewerbsfähige Stückkosten herauskommen, denn die Unternehmen, die es nicht schaffen, die hohen Löhne durch hohe Produktivität (d.h. entsprechenden Kapitaleinsatz bei wenig Arbeitsanteil) auszugleichen, stehen für Datenerhebungen nicht mehr zur Verfügung, weil nicht mehr auf dem Markt.

    Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmenm, die es noch gibt, ist exzellent. Die der deutschen Arbeitnehmer, ist es in großen Teilen leider nicht, und die ist leider das Problem.

    So lange es unfreiwillige Arbeitslosigkeit gibt, ist das Hochlohnland keine “Lobbyisten-Legende”, sondern bittere Wahrheit.

  2. 31.08.2006 | 20:39

    Ach ja, und die Kaufkrafttheorie in ihrer gewerkschaftlichen Vervollkommnung der keynesianischen Lehre ist außerhalb von DGB und PDS längst in der ökonomischen Mottenkiste verschwunden. Steigen die Löhne über die Produktivität, ist entweder Inflation oder Arbeitslosigkeit die Folge. Wobei man hier, wie oben gesagt, die Ex-Ante-Produktivität heranziehen muss, denn ex-post ist in der Kennzahl immer schon die Anpassung durch Arbeitsplatzabbau enthalten.

    Ich empfehle zur Lektüre die Gutachten des Sachverständigenrats zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, die im Internet frei erhältlich sind. Sogar die Gegenposition eines von den Gewerkschaften in das Gremium entsandten Keynesianers kann man da nachlesen - die ist immer noch aufschlussreicher, als was da als Pressemitteilung immer durch die öffentlichen Dörfer getrieben wird.

  3. Libero
    31.08.2006 | 20:48

    @Rayson
    ich frage mich, ob du überhaupt weisst, für welchen geringen Stundensatz eine wachsende Minderheit von Mitarbeitern und Selbständigen in Deutschland arbeiten?

  4. 31.08.2006 | 20:49

    Richtig. Diesen Lohnstückkostenunfug hört man immer wieder. Die Lohnhöhe entspricht schon definitionsgemäß der Arbeitsproktivität.

    Will man die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes bestimmen, dann sind ex post Werte völlig irreführend. Entscheidend ist: Welche Rendite brächte eine neue Investition. Und genau nach Beantwortung dieser Frage werden auch Investitionsentscheidungen gefällt. Niemand macht das anders.

  5. 31.08.2006 | 20:58

    @ Libero
    Nö, das will Rayson nicht wissen.

  6. 31.08.2006 | 21:07

    @Libero

    “Niedrig” gemessen woran? An der Produktivität? Dann müssten deren Arbeitgeber oder Kunden ja Traumrenditen aufweisen.

    @Klaus

    Es gibt einen Unterschied zwischen Analysieren und Moralisieren.

  7. 31.08.2006 | 21:08

    Sorry, ich meinte: “Gering” gemessen woran? Wir wollen ja genau bleiben.

  8. 31.08.2006 | 21:23

    @ Rayson
    Ich sitze hier nur ein paar hundert Meter vom Daimler entfernt. Dort verdienen die Arbeiter so ab 12 €/h aufwärts. Die Jobs, die z.B. von Zeitarbeitsfirmen momentan angeboten werden, bringen so um die 6 €/h. Woher die Diskrepanz?

  9. Libero
    31.08.2006 | 21:29

    @Rayson
    es gelüstet dich, nähere Informationen zu erhalten?

    Es gibt Menschen, die schreiben. Da ist mit Produktivität und Arbeitsteilung recht wenig zu machen.

    Sie liefern an einen Kunden und der liefert an seinen Auftraggeber. Die wesentliche Arbeit des Kunden war der Friedrich Wilhelm. Der war so viel wert, daß sich der Preis der Werkes verdoppelte. Wenn dieser Mensch nur Friedrich Wilhelms schreiben könnte…. Kann er aber nicht, oft muß er auch selber schreiben.

    Beliebt sind auch jene Kunden, die beliefert werden, aber nicht oder spät oder nur eingeschränkt zahlen. Obwohl die monierte Arbeit vom Kunden angenommen wurde. Ohne Preisminderung.

    Sieht du Rayson, aus dem Grund bin ich proamerikanisch und proglobalistisch. Die Kunden sind einfach besser. Die zahlen Vorkasse, solide Stundensätze und prompte Bezahlung. Jedenfalls für geistige Arbeit in meinem Bereich.

    Ich arbeite nur noch für wenige deutsche Kunden, aber nicht mehr für Haderlumpen. Auch nicht mehr für Großunternehmen. Das sind sinnlos. Wenn ein Deutscher mich kontaktiert, frage ich mich nicht, kann der zahlen, sondern will der zahlen. Ich gehe von vornherein davon aus, das er unseriös ist. Meistens erzählt er mir, wie wenig er in Polen zahlen müßte. Kein Problem, ich habe polnische Adressen vorrätig. Oder russische, chinesische, indische. Was dein tapferes Herz begehrt.

  10. 31.08.2006 | 22:38

    @Klaus

    Produktivität?

    @Libero

    Danke für die umfangreiche Nichtbeantwortung meiner Frage.

  11. 31.08.2006 | 23:01

    @ Rayson
    Von was hängt die Produktivität ab? Wie hoch ist der Anteil den die Zeitarbeitsfirma in die Tasche steckt?

  12. 31.08.2006 | 23:07

    @Klaus

    Produktivität hängt auf der Leistungsseite vom Kapital ab, das der Arbeit”geber” bereitstellt, und vom Know-how, das der Arbeit”nehmer” mitbringt.

    Die Zeitarbeitsfirma kann sich soviel in die Tasche stecken, wie der Wettbewerb es zulässt. Der zwischen den Zeitarbeitsfirmen und der um die Arbeitnehmer.

  13. Libero
    1.09.2006 | 6:04

    @Rayson

    wenn jemand einfach durch seinen Friedrich Wilhelm den Preis für eine Leistung verdoppelt, ohne dieser Leistung auch nur etwas hinzufügen, dann sagt das genug über seinen Gewinn.

    Wir haben eine Klassengesellschaft. Es gibt Menschen, die aufgrund ihrer gesellschaftlichen Stellung und Kontakte über Aufträge verfügen, die sie an die vermitteln, die nicht über diese Kontakte verfügen. Sie selbst sind gar nicht in der Lage, die Arbeit für die Aufträge zu leisten. Alleine für die Vermittlung kassieren Sie die Hälfte, oft sogar noch mehr als der eigentlichen Leistungserbringer.

    Das hat also mit Wettbewerb nicht viel zu tun, denn der Arbeitsvermittler erstellt gar nicht die Leistung.

    Der eigentliche Produzent der Leistung lernt den Auftraggeber gar nicht kennen, weil es keine gesellschaftliche Ebene gibt, auf der er ihm oder ihr begegnen kann. Ironischerweise nimmt der Auftraggeber auch noch an, das der Leistungsvermittler der Produzent der Leistung ist, so daß seine gesellschaftliche Reputation durch diese fremden Federn gestärkt wird.

    Ich habe mir die obige Pressemitteilung des statistischen Bundesamtes durchgelesen. Bei der Jahresarbeitszeit sollen die unbezahlten Überstunden berücksichtigt wurden sein. Da werden monatliche unbezahlte Überstunden erwähnt, bei denen mir die Tränen vor Rührung kommen. In Firmen in der Krise sind weit höhere unbezahlte Überstunden gängig, die am Turnusende einfach verfallen, denn ein Freizeitausgleich ist ja nicht möglich.

    In vielen Bereichen, zum Beispiel im Einzelhandel, sind längere Arbeitszeiten normal, die erst gar nicht zu den Überstunden gerechnet werden.

    Das Schöne an der gegenwärtigen Situation ist, daß nicht nur die Einkommen am Boden der Gesellschaft, sondern auch die Einkommen in der Mitte der Gesellschaft erodiert werden. Das dauert zwar länger, aber es kommt. Nicht nur ein einfacher Arbeiter ohne Qualifikation steht im Wettbewerb mit anderen, sondern eben auch Ökonomen. Menschen wie Sinn werden großzügig vom Staat alimentiert. Das läßt sich ändern, ganz einfach.

    @Rayson
    Danke für dein Unvermögen, jenseits deiner Zahlenbahnen und Begriffswelten zu denken. Du bist ein Ptolomaeus der Ökonomie.

  14. Llarian
    1.09.2006 | 11:29

    Als ob es das jetzt reissen würde. In Zeiten wirtschaftlichen Drucks werden mal 2 oder 3 geringere Lohnerhöhungen beschlossen und schon soll es dem ganzen Land besser gehen ? Dabei wird doch unterschlagen dass der Wirtschaftsstandort Deutschland unter erheblich mehr Nachteilen leidet als einem hohen Lohnniveau (das bei entsprechender Quali undramatisch ist), als da z.B. wären: Arbeitslosigkeit, Bürokratie, Planungsunsicherheit, Qualifikationsdefizite und nicht zuletzt Mentalität. Und dann erwartet man, dass man an einer Schraube dreht und das Schiff soll wieder fahren ?
    Man mag die einzelne Schraube bis zum Gehtnichtmehr diskutieren, aber das Ergebnis wird dadurch nicht anders und das ist eben unterdurchschnittliches Wachstum bei explosiven Schulden. Das erinnert mich an einen Arzt, der einen verblutenden Patienten hat und intensivst die Nase untersucht, um dann zufrieden festzustellen, dass da das Blut nicht herkommt oder zumindest nicht soviel, dass man daran sterben würde. Die Summe der Wunden macht es schon.

  15. R.A.
    1.09.2006 | 12:14

    @Llarian:
    > Dabei wird doch
    > unterschlagen dass
    > der
    > Wirtschaftsstandort
    > Deutschland unter
    > erheblich mehr
    > Nachteilen leidet
    > als einem hohen
    > Lohnniveau
    Exakt!

    Um es noch härter zu formulieren: Den Mist, den die Politik baut, müssen wir dann durch niedrigere Löhne ausgleichen.

    Der Arbeitnehmer zahlt also doppelt die Zeche: Sein Lohn liegt inzwischen UNTER dem Schnitt vergleichbarer Länder, und dann greift der Staat noch immer stärker ab.

  16. 1.09.2006 | 15:14

    @Libero

    Deine aus liberaler Sicht etwas vorsintflutliche Auffassung von “verdienten” und “unverdienten” Gewinnen sei dir gegönnt. Da stimmst du vermutlich mit der Mehrheit der Bevölkerung überein, also freu dich.

    Lass dich vor allem weder von Ökonomie und von Praxis blenden. Den Vorwurf, dir da nicht zu folgen, fasse ich als aufrichtiges Lob auf.

  17. 1.09.2006 | 22:19

    @libero

    Wir haben eine Klassengesellschaft. Es gibt Menschen, die aufgrund ihrer gesellschaftlichen Stellung und Kontakte über Aufträge verfügen, die sie an die vermitteln, die nicht über diese Kontakte verfügen. Sie selbst sind gar nicht in der Lage, die Arbeit für die Aufträge zu leisten. Alleine für die Vermittlung kassieren Sie die Hälfte, oft sogar noch mehr als der eigentlichen Leistungserbringer.

    Denk doch an Telefongesellschaften. Die verdienen 100% mit Vermittlung, weil nur sie die Informationen, wohin die Drähte führen.

    Der eigentliche Produzent der Leistung lernt den Auftraggeber gar nicht kennen, weil es keine gesellschaftliche Ebene gibt, auf der er ihm oder ihr begegnen kann. Ironischerweise nimmt der Auftraggeber auch noch an, das der Leistungsvermittler der Produzent der Leistung ist, so daß seine gesellschaftliche Reputation durch diese fremden Federn gestärkt wird.

    Wer ist denn der eigentliche Produzent von Vermittlung?

    Das Schöne an der gegenwärtigen Situation ist, daß nicht nur die Einkommen am Boden der Gesellschaft, sondern auch die Einkommen in der Mitte der Gesellschaft erodiert werden. Das dauert zwar länger, aber es kommt. Nicht nur ein einfacher Arbeiter ohne Qualifikation steht im Wettbewerb mit anderen, sondern eben auch Ökonomen. Menschen wie Sinn werden großzügig vom Staat alimentiert. Das läßt sich ändern, ganz einfach.

    Wer außer dem Staat hat denn überhaupt Interesse an “Volkswirtschaft”? Nach meinem Dafürhalten können nur diejenigen einen Sinn darin sehen, die das Volk bewirtschaften wollen.

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