“Schiffbruch europäischer Werte”

Aus der heutigen Ausgabe der rundherum empfehlenswerten europäischen Presseschau euro|topics, die von der Bundeszentrale für politische Bildung herausgegeben wird:

Der spanische Journalist Antonio Papell kritisiert das Verhalten der EU beim Thema illegale Immigration. “Es ist ganz deutlich, dass der Wille fehlt, die Durchlässigkeit der Grenzen als ein ‘Problem aller’ zu betrachten. Gemeinsame europäische Sichtweisen sind so schwach ausgeprägt, dass die Nordeuropäer nicht begreifen können, dass die erschöpfte Aufnahmefähigkeit Spaniens für Immigranten auch sie betrifft. Was sich derzeit abspielt, zeigt, dass die Krise Europas, die sich seit dem Scheitern der Verfassung ständig vertieft, viel schlimmer ist als gedacht. Wir sind nicht in einer ‘Sackgasse’ im Prozess des europäischen Aufbaus, sondern wir leben in einer Phase des Rückschritts und fallen hinter den letzten Schiffbruch zurück…
Otro naufragio de la UE. Para Antonio Papell, Sur

Google weigert sich u.a., folgende Wörter zu übersetzen: euroburócratas, comunitarizar und intelligentzia. Nunja, eine Übersetzung scheint mir auch nicht unbedingt erforderlich.

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9 Kommentare zu ““Schiffbruch europäischer Werte””

  1. 1.09.2006 | 18:35

    Ich fürchte er hat nicht unrecht. Es fehlt an einem gesamteuropäischen Bewußtsein und einer Vision. Es gab mal diese Vision, aber irgendwo zwischen dem Butterberg, der Unterscheidung in altes und neues Europa und durch die ständige Hervorhebung von nationalen Aspekten ist diese Vision verloren gegangen.

    Die große Teile der Bevölkerung stehen leider schon seit einiger Zeit nicht mehr hinter Europa. Zu oft wurde die einfache Rechung betont, die Tatsache, das wir der größte Nettozahler sind. Das wird als exportorientiere Nation auch genug von Europa wiederbekommen, wird quasi nie ausgesprochen.

  2. 1.09.2006 | 18:52

    Das Deutschland der größte Nettozahler ist, wäre mir ziemlich egal, wenn ich überzeugt wäre, daß das Produkt stimmt.
    Aber dafür, daß ein EU-Kommissar (soviel ich weiß) mehr Geld bekommt als die deutsche Bundeskanzlerin, finde ich die erbrachten Leistungen doch z.T. etwas fad - selbst an der derzeitigen Regierung gemessen.

  3. 1.09.2006 | 19:18

    Ohne z.B. irgend eine Wertung bezüglich des Tabakwerbeverbotes aussprechen zu wollen, finde ich das hier einfach nur bizarr:

    “European Health and Consumer Protection Commissioner Markos Kyprianou said: ‘Tobacco advertising and sponsorship glamorises tobacco and incites children and young adults to start smoking. I am determined to hold all Member States to account for their implementation of this key piece of EU legislation, and if this means referring the matter to the Court, so be it.’”

    “key piece”? Wenn diese Regelung innerhalb der europäischen Gesetzgebung tatsächlich eine Schlüsselrolle in der europäischen Gesetzgebung einnähme, dann müßte man den Laden wirklich unverzüglich dicht machen.

    Es kann natürlich sein, daß Kyprianou leicht verwirrt ist und nicht ganz ernst genommen werden sollte - dafür hat er dann aber einen erstaunlich gut bezahlten Posten inne. Es wäre dann auch noch herauszufinden, ob er ein Einzelfall ist.

  4. 1.09.2006 | 19:27

    Über die Probleme der Spanier können wir ja gerne reden … falls die Spanier ihre nationalistischen Egoismen Melilla und Ceuta aufgeben.

    Ansonsten können wir gerne das Einwanderungsrecht liberalisieren. Wäre kein Problem mit einer Einwanderersolidaritätsabgabe für Besserverdienende ;-)

  5. Hardy
    1.09.2006 | 20:46

    @David
    Über Herrn Markos Kyprianou kann man sowieso nur lachen. Siehe auch: http://www.bz-berlin.de/aktuell/news/060826/flasche.html

  6. 1.09.2006 | 20:53

    @Hardy: Ich wiederhole mich dazu nochmal: “Das [sic!] Deutschland der größte Nettozahler ist, wäre mir ziemlich egal, wenn ich überzeugt wäre, daß das Produkt stimmt.”

    Bin ich aber eben nicht…

    Kyprianou sind wir aber bestimmt ohnehin bald los, denn der Türkei zuliebe wird man Zypern die Mitgliedschaft im Laufe der Verhandlungen bestimmt noch aberkennen. So ist sie, unsere Union.

  7. 2.09.2006 | 9:15

    Interessant, dass unverdrossen immer noch Leute meinen, das Immigrationsproblem ließe sich durch vermehrte Überwachung lösen. Burgmauern verloren schon um 1450 herum ihren Sinn …

  8. Hardy
    2.09.2006 | 12:07

    @David
    “Bin ich aber eben nicht…”
    Du wirst lachen, aber ich auch nicht. Allerdings bezüglich Deiner Äußerung:
    “Kyprianou sind wir aber bestimmt ohnehin bald los, denn der Türkei zuliebe wird man Zypern die Mitgliedschaft im Laufe der Verhandlungen bestimmt noch aberkennen”
    muss ich sagen, dass ich das doch sehr zu bezweifeln wage.

  9. 2.09.2006 | 15:11

    @Hardy: Das war Sarkasmus; ich bezweifle das auch. Nur denke ich, daß man den Beginn der Verhandlungen vor der Anerkennung Zyperns so deuten kann, als ob die auch verhandelbar sei. Ansonsten erschließt sich mir der Sinn nicht ganz: Wenn man in dieser Frage prinzipiell nur ein Ergebnis zu akzeptieren bereit ist, dann kann man das auch zur Vorbedingung machen. Falls es damit nicht klappt, kann man sich den Rest der Verhandlungen nämlich auch schenken und Zeit, Nerven und Geld sparen. (http://mentalschnupfen.org/item/185)

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