Droge Keynes

Die anti-zyklische Finanzpolitik hat in Politik und Journalismus selbst nach dem Siegeszug des Monetarismus seit Ende der Siebziger noch viele Fürsprecher und Freunde. O.k., akzeptiert.

Aber es war absehbar, wann ihr zwangsläufig ein politischer Zwillingsbruder an die Seite gestellt werden würde: die pro-zyklische Finanzpolitik.

Ein Widerspruch wird dadurch nicht ausgelöst, denn es geht ja nur darum, eine Begründung dafür zu finden, Staatsverschuldung und Staatsanteil unabhängig von der aktuellen Wirtschaftslage weiter erhöhen zu können.

Über das Menschenbild, dass dieser Strategie notwendigerweise als Basis dient, hüllen wir besser den Mantel des Schweigens. Sonst müsste es Beleidigungsklagen für Regierungsparteien handeln.

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6 Kommentare zu “Droge Keynes”

  1. 5.09.2006 | 12:49

    Hat die anti-zyklische Finanzpolitik prinzipielle Mängel oder nur prinzipienlose Anwender, die zu feige sind im Boom die Subventionen runterzufahren?

  2. R.A.
    5.09.2006 | 15:16

    Das zweitere auf jeden Fall. Ich kenne bisher kein Beispiel, wo Keynesianer im Boom gespart hätten.

    Aber wohl auch das erstere.
    Auch in der Rezension kann der Staat ja keine Werte künstlich schaffen. Sondern er leiht sich Geld von Leuten, denen die sichere Rendite in der Krise attraktiver scheint als zu investieren.

    D.h. vorhandenes Geld wird nur anders verteilt. Und zwar eher in Richtung eines Strohfeuers - die Investitionen, die die Krise wirksam überwinden könnten werden statt dessen nicht getätigt.

    Es ist theoretisch möglich, aber extrem unwahrscheinlich (mir auch kein Beispiel bekannt), daß der Staat mit seinen schuldenfinanzierten Programmen in Dosierung und Timing so geschickt agiert, daß er einen selbsttragenden Aufschwung induziert.

  3. 5.09.2006 | 22:17

    Stimme R.A. zu. Die anti-zyklische Finanzpolitik scheitert in der Praxis an Dosierung, Timing und Antizipation.

  4. 5.09.2006 | 23:23

    Wobei man zwischen dem, was Keynes mal schrieb, und dem, was Politiker, die sich auf ihn berufen, so anstellen, differenzieren sollte. (Heißt nicht, dass Keynes immer in Prinzip richtig liegen würde.)
    Die anti-zyklische Fiskalpolitik ist, wenn ich mich recht erinnere, nur ein Teil der Theorien Keynes, die monetäre Politik ist auch bei ihm mindesten genau so wichtig.

  5. 5.09.2006 | 23:36

    @Martin

    Die Droge kann meist für ihren Missbrauch nichts.

    Ok, Geldpolitik ist das zweite Standbein. Aber auch da gelten dieselben Mechanismen. Ich spende 10 Euro für jeden Keynesianer, den ich nach einer Zinserhöhung rufen höre.

  6. R.A.
    6.09.2006 | 11:16

    @MartinM:
    M. W. hat Keynes aber auch bei seinem Teilbereich “anti-zyklische Fiskalpolitik” schon übersehen, daß die staatlichen Konjunkturprogramme zu Lasten privater Investitionen gehen.

    Das ist wohl ein klassischer Fall von Bastiat …

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