Gammelfleisch? Nun stellt Euch mal nicht so an!

Altes Fleisch nicht zwingend gesundheitsgefährdend

Münster (dpa) - Das bei zwei bayerischen Großhändlern gefundene Fleisch mit abgelaufenem Verfallsdatum muss nach Expertenansicht nicht zwingend gesundheitsgefährdend sein.

“Wenn Fleisch optimal gelagert und die Kühlkette eingehalten wird, kann es durchaus zwei oder vier Jahre haltbar sein”, sagte Gerd Hamscher, Lebensmittelwissenschaftler an der Tierärztlichen Hochschule Hannover, am Rande einer Fachtagung zum Thema Lebensmittelsicherheit in Münster.

(…)

[Ironie] Na also. Alles halb so wild. Wozu dann die ganze Aufregung? [/Ironie]

Centerum censeo: Alles, was dazu geeignet ist, Horst Seehofer Medienpräsenz von mehr als 10 Sekunden zu verschaffen, ist von Übel.

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20 Kommentare zu “Gammelfleisch? Nun stellt Euch mal nicht so an!”

  1. 5.09.2006 | 17:57

    “Wenn ich billig einkaufe, muss ich wissen, dass das zu Lasten der Qualität geht” sagt der Chef der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten und macht die Verbraucher selbst für die Gammelfleisch-Skandale verantwortlich (Netzeitung). Und außerdem “darf man auch abgelaufenes Fleisch in den Handel bringen, wenn abgesichert ist, dass es nicht gefährlich ist. Aber man muss es als solches kennzeichnen” (Hamscher). Angriff scheint mal wieder die beste Verteidigung zu sein.

  2. 5.09.2006 | 18:37

    Daran muß ich denken, wenn ich unter der Woche hier in Hannover mal wieder Lust auf Fleisch bekomme ;)

  3. 5.09.2006 | 20:59

    Klar, wieder mal ist der Verbraucher “selber schuld”, wenn er “billig” einkauft - auf Volkspädagogik dieser Art kann ich gern verzichten. Zumal ein großer Teil des “Gammelfleisches” in der Gastronomie landet, wo ich als Kunde, im Gegensatz zur viel gescholtene Kühltheke im Supermarkt, gar keine Kontrollmöglichkeit habe, auch nicht nach dem (falschen!) Prizip: was billig ist, kann nichts taugen. (Ich habe mir jedenfalls noch nie einen Dönerspieß für zuhause geholt *g*.) Was ein NGGler wissen sollte. Es sei denn, er plädiert für die für einen Vorsitzenden einer Gewerkschaft, die vor alle Gastronomiebeschäftige vertritt, befremdlichen Alternative: Kocht besser selber, dann wisst ihr wenigstens, was ihr ißt!

  4. 6.09.2006 | 8:50

    Wieso sollen mich hochpreisige Einkäufe vor Gammelfleisch schützen?

    Ich kann bei Angeboten misstrauisch werden, die sehr günstig sind, beipielsweise Döner den man für 1,50 Euro vrkaufen kann, weil man das Fleisch euphemistisch gesagt sehr günstig bekommen hat.

    Aber bei wenig Wettbewerb, wie hier in DA, kann man den Döner immer noch für 3,00 bis 3,70 Euro verkaufen. Und das Fleisch trotzdem sozusagen sehr günstig eingekauft haben.

  5. 6.09.2006 | 9:45

    @marcc: Wer zwingt denn den Kunden dazu, sich unbedingt Döner zu kaufen? Ich denke nicht, dass ein Nachdenken über die Ernährungsgewohnheiten gleich zur “Volkspädagogik” erklärt werden muss. Es kann vernünftig sein, an einigen Tagen der Woche bewusst auf Fleisch und Fleischprodukte zu verzichten. Zum einen schmecken bewusst ausgewählte Fisch- und Fleischgerichte dann am Wochenende noch mal so gut, zum anderen scheint es auch Auswirkungen auf das Gewicht der Versuchspersonen zu haben …

    Die Entscheidung für eine fleischlose Kost in der Arbeitswoche und jeweils ein Fisch- oder Fleischgericht am Wochenende brachte bei uns finanziell gesehen weder Mehrkosten noch Kostensenkungen, wenn man den Verzicht auf fast-food und ähnliche Kinkerlitzchen mit einrechnet. Geschmacklich gesehen war es ein Gewinn, weil wir ganz viele neue Pasta-, Käse- und Gemüsevariationen kennengelernt haben.

    Meine Frau und ich kaufen Lebensmittel meist auf dem Wochenmarkt, im Fachhandel oder bei Karstadt ein, aber auch “normale” Supermärkte bieten inzwischen Gemüse, Obst, Käse und viele andere Produkte in einer “Bio”-Version zu verträglichen Preisen an. Wir nutzen das je nach Zeit und Produkt in wechselnden Anteilen.

    In der Betriebs- oder Kindergartenküche ist der Koch für die Speisen verantwortlich und ein ausgebildeter Koch merkt schon, wenn mit dem Fleisch etwas nicht in Ordnung ist. Für Restaurants gilt eigentlich das selbe. Natürlich muss man wissen, welcher Kantine und welchem Restaurant man vertraut.

    Selbstverständlich liegt es mir fern, meine eigenen Erfahrungen zu verallgemeinern. Aber als Liberaler bin ich sehr für Eigenverantwortung. Wer jetzt noch nicht auf das Problem aufmerksam geworden ist, der ist dann auch selbst für den Zustand seines Magens verantwortlich.

    Aber noch mal zu den Dönern: Es ist IMHO keine Paranoia, sondern eine ganz normale Vorsichtsmaßnahme, um so besser auf die Qualität zu achten, je weiter das Fleisch schon verarbeitet ist. Und wenn ich den Anbieter bei Döner, Wurst, Hamburger & Co. nicht sehr genau kenne, dann lasse ich diese Produkte eben weg.

  6. R.A.
    6.09.2006 | 11:13

    > Wenn ich billig
    > einkaufe, muss ich
    > wissen, dass das zu
    > Lasten der Qualität
    > geht
    Das ist völliger Unsinn.
    Wäre denn das Gammelfleisch besser geworden, wenn die Verkäufer dafür mehr Geld verlangt hätten?

    Ich muß mich als Käufer darauf verlasen können, daß angebotene Waren legal ist, d.h. alle Vorschriften eingehalten werden.
    Ich selber kann das ja nicht überprüfen, das muß der Staat machen.

    Und wenn umgekehrt der Staat selbst bei diesen Minimalanforderungen an Sicherheit versagt, dann kann ich auch gleich Libertärer werden - falls das dem NGG-Bonzen lieber ist.

  7. 6.09.2006 | 11:47

    Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht. Der Vorsitzende des Vereins der Lebensmittelkontrolleure hat heute im Interview mit unserer Tageszeitung gesagt, dass man z.B. ein fußballfeldgroßes Kühlhaus nicht komplett kontrollieren kann (und das glaube ich ihm auch).

    Hier lag ja der Fehler bei den Herstellern und/oder beim Großhandel. Bis das Fleisch auf Deinen Teller kommt, gibt es in der “Prozesskette” mindestens ein weiteres Glied: beispielsweise den Einzelhändler, den gastronomischen Betrieb oder die Kantine. Und die haben auch die volle Verantwortung für das Produkt, das sie weitergeben.

    Natürlich muss Kontrolle ausgeübt werden. Aber ob es immer der Staat tun muss? Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass eine Art DELEVA (Deutscher Lebensmittel-Überwachungsverein) gegründet wird, der Großküchen, Gaststätten, Imbissbuden und auch Händler in bestimmten Abständen zertifiziert und mit einer Prüfplakette versieht. Wer die Prüfplakette tragen will, muss auch mit unangemeldeten Kontrollen rechnen. Betriebe können sich freiwillig testen lassen und die Prüfplakette öffentlich führen.

    Der Staat kann sich dann eigentlich weitestgehend heraushalten, denn “DELEVA” könnte auch Kindergärten, Schulen und andere öffentliche Einrichtungen mit eigener Küche prüfen. Der Staat könnte sich auf die Kontrolle der Kontrolleure beschränken und die Rahmenbedingungen vorgeben. — Um mehr dazu sagen zu können, müsste man aber die genauen Ausgaben der Kommunen und Bundesländer für die Gesundheitsämter und ähnliche Behörden kennen. Sicher kann man auch mit einem “DELEVA” nicht erwarten, dass eine bessere Kontrolle keine Auswirkungen auf die Preise hat.

  8. R.A.
    6.09.2006 | 14:31

    @stefanolix:
    > Eine
    > hundertprozentige
    > Sicherheit gibt
    > es nicht.
    Schon richtig.

    Wobei hier halt die Fragen haben, wie weit weg von den 100% wir sind. Schließlich geht es hier nicht um ein Dutzend Würstchen einige Wochen über dem Datum, sondern um einige Tonnen Fleisch, daß vier Jahre alt ist.

    Und die Lebensmittelkontrolleure sind eben nicht nur für die Kühlhäuser zuständig, sondern auch für die weiterverarbeitenden Betriebe.
    Und unangemeldete Kontrollen sollten da selbstverständliche Regel sein.

    Mir ist da recht egal, wie genau das organisiert wird, meinetwegen auch mit “DELEVA”.

    Aber ich reagiere gereizt wenn so ein DGB-Fuzzi die Schuld an mich weitergibt.

  9. 6.09.2006 | 15:50

    Die Mitarbeiter des Unternehmens haben dem Vernehmen nach die Etiketten der Fleischpakete gefälscht, also steckte da schon kriminelle Energie dahinter. Ich kenne die Vorschriften nicht, aber wenn ich so eine riesige Halle zu prüfen hätte, würde ich vermutlich auch nicht von /jeder/ Palette mit Tiefkühlware ein Stück Fleisch runternehmen. Der Kontrollierende muss ja eine angemessene Methode irgendwo zwischen Schikane und Kontrolle finden …

    Um das klar zu sagen: Gewerkschaftsvertreter gehören nicht gerade zu den Lobbyisten, deren Argumente ich mir gern anhören würde. Aber einen gewissen Zusammenhang zwischen der Entwicklung des Verbraucherverhaltens in den Jahren seit der Wiedervereinigung und dem aktuellen Fleischskandal sehe ich trotzdem.

    Formulieren wir es mal anders: Wenn Qualität im höheren Maße nachgefragt und respektiert würde, hätten es die “Schnell- und Billig-Anbieter” sicher wesentlich schwerer und es würde eine gewisse Marktbereinigung stattfinden. Bestimmte Angebote /können/ zum aktuell plakatierten Preis einfach nicht gesund sein …

  10. R.A.
    6.09.2006 | 16:31

    @stefanolix:
    > also steckte da
    > schon kriminelle
    > Energie dahinter.
    Nun sicher.
    So etwas passiert, ich erwarte nie 100% Paradies im Leben.

    Aber es sind NICHT die Verbraucher schuld, wenn sie von Kriminellen betrogen werden.

    Ich sehe da KEINEN Zusammenhang mit dem Verbraucherverhalten, welches sich m. E. auch nicht wesentlich verändert hat.

    > Wenn Qualität im
    > höheren Maße
    > nachgefragt und
    > respektiert würde,
    Die wird nachgefragt.
    Kein Kunde hat Gammelfleisch nachgefragt, sondern jeder muß davon ausgehen können, daß ein Angebot legal ist und so frisch und bekömmlich, wie dies die Gesetze vorschreiben.
    Und bei in diesem Sinne qualitativ gleichwertigen Angeboten entscheidet selbstverständlich der Preis.

    Gegen kriminelle Machenschaften kann sich der Verbraucher nicht schützen, bei hohem Preisniveau wäre im Gegenteil die Kriminalität noch viel interessanter und häufiger.

  11. 6.09.2006 | 16:51

    “Aber es sind NICHT die Verbraucher schuld, wenn sie von Kriminellen betrogen werden.”

    Völlige Zustimmung. Von Verbrauchern zu erwarten, daß sie sich selbst als verantwortlich für einen Betrug ansehen, der an ihnen begangen wurde, ist eine Unverschämtheit. Dennoch sollte man sich als Verbraucher klar machen, daß das Risiko, Opfer eines Betrügers zu werden (möglicherweise) ansteigt, je niedrigere Preise man verlangt. Äußerungen wie “Wenn ich billig einkaufe, muss ich wissen, dass das zu Lasten der Qualität geht” als Rechtfertigung für seit vier Jahren abgelaufene Produkte macht das nicht weniger dreist.
    Einerseits ist klar, daß Betrüger die Schuldigen sind, nicht Betrogene. Andererseits läßt sich Betrug eben nicht völlig ausschließen und es ergibt wohl Sinn, sich zu überlegen, wie man das Risiko, betrogen zu werden, minimieren kann.

  12. 6.09.2006 | 16:52

    “Gegen kriminelle Machenschaften kann sich der Verbraucher nicht schützen, bei hohem Preisniveau wäre im Gegenteil die Kriminalität noch viel interessanter und häufiger.”

    Wenn das stimmt, dann ist mein letzter Beitrag natürlich hinfällig. Das wäre also die Frage.

  13. R.A.
    6.09.2006 | 18:18

    @David:
    > Dennoch sollte man
    > sich als
    > Verbraucher
    > klar machen, daß
    > das Risiko, Opfer
    > eines Betrügers
    > zu werden
    > (möglicherweise)
    > ansteigt, je
    > niedrigere Preise
    > man verlangt.
    Das erste Problem ist dabei, daß ich als Verbraucher die Preiskalkulation ohnehin nie nachvollziehen kann.

    ALDI verkauft nachgewiesenermaßen gute Lebensmittel - aber zu Preisen, die früher schwer vorstellbar waren. Weil eine effizientere Logistik dahinter steht.

    Wenn ich als Kunde keinen Qualitätsunterschied feststellen kann, dann sollte ich nicht das teurere Produkt wählen, um das Betrugsrisiko zu minimieren.
    Denn in der Regel schade ich damit nicht nur meinem Geldbeutel, sondern belohne Ineffizienz oder Raffgier des teureren Anbieters.

    Wie das Kriminalitätsrisiko mit dem Preis korreliert kann ich auch nur raten, da gibt es bestimmt keine geprüften Zahlen.

    Aber m. W. gibt es deutlich mehr gefälschte Rolex-Uhren als gefälschte Tschibo-Uhren.

  14. 6.09.2006 | 18:28

    @R.A.: Alles gute Punkte. Ich glaube, mit rein geistiger Anschauung kommt man da jetzt nicht mehr voran. Ohne zu wissen, ob Korrelationen zwischen Preishöhe und Betrugsrisiko Realität sind, und, falls ja, wie sie aussehen, stochert man im Nebel.

    Wenn ich nochmal darüber nachdenke, ist das einzige Argument, das dafür spräche, daß höhere Preise ein niedrigeres Risiko bergen, wohl auch letztlich, daß potentielle Betrüger das Risiko scheuen könnten, wenn die Margen ohnehin ordentlich sind. Man weiß nicht, wie weit das trägt.

  15. 7.09.2006 | 6:08

    Zur Ergänzung:

    Zu wenige Kontrolleure - Bei der Aufsicht über die Fleischwirtschaft fehlt Personal. Von Annette Eversberg, Deutschlandfunk

  16. R.A.
    7.09.2006 | 10:54

    @David:
    > daß potentielle
    > Betrüger das Risiko
    > scheuen könnten,
    > wenn die Margen
    > ohnehin ordentlich
    > sind.
    Mal abgesehen davon, daß der NGG-Bonze die höheren Preise wohl für Qualität verwendet sehen will, nicht für höhere Margen der Produzenten …

    Nach aller Lebenserfahrung werden potentielle Betrüger nicht dadurch zum Ehrlichsein animiert, weil sie schon genug Geld hätten. Mehr Geld macht immer Spaß, auch Millionäre werden aus Habsucht kriminell.

    Entscheidend ist nur Gewinnhöhe und Risiko.

    Beim Risiko empfehlen sich Produkte, bei denen der Kunde den Qualitätsunterschied nicht merkt.
    M. W. hat es noch niemand geschafft, einen Opel Corsa durch Umettiketieren als 7er BMW zu verkaufen, irgendwie sind die Produkteigentschaften doch zu unterschiedlich.

    Da sind wir dann wieder bei der Eingangsthese: Offensichtlich ist das “Gammelfleisch” fast nicht vom guten zu unterscheiden, die Sache ist NICHT aufgeflogen, weil irgendein Kunde über die Qualität gemeckert hätte.

    Und dann haben wir die Gewinnhöhe. Ich würde NICHT versuchen, als ALDI-Fleischlieferant zu betrügen. Da springt bei den Preisen einfach nicht genug raus.

    Wenn schon, dann liefere ich doch lieber normales Fleisch für sündteures Geld an den Bio-Laden und behaupte, das wären glückliche Kühe gewesen, mit täglich Mozart-Musik und Streicheleinheiten folgend dem Mondkalender.

  17. 7.09.2006 | 17:08

    Ja, es stimmt, die Sache ist NICHT aufgeflogen, weil irgendein Kunde über die Qualität gemeckert hätte. Denn die Kunden waren keine Endverbraucher, die die uralten Döner und Geflügelkleinteile selber essen wollten, sondern Imbissbudenbetreiber, Kantinenwirte, Schnellrestaurantinhaber usw. - eventuelle Skrupel verschwinden beim Blick auf die Kostenkalkulation und eventueller eigenartiger Beigeschmack unter scharfen Gewürzen.

  18. 7.09.2006 | 22:58

    Dazu noch ganz interessant: http://www.zeit.de/2006/37/01-leit-2-37

  19. 8.09.2006 | 9:58

    “Irgendwann ist schließlich jedes Problem gegessen.” … und das zum Frühstück. Danke :-)

  20. natascha
    12.09.2006 | 13:47

    ich kann kein Fleisch mehr essen, das alles kotzt mich an !

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