Der Herr Intendant Raff und der Wettbewerb

Ja, ja, ich weiß: Wenn es um Rundfunkgebühren geht, dann trage ich wieder mal Eulen nach Athen, wenn ich hier einen Eintrag poste, der sich kritisch damit auseinandersetzt. Deshalb ist der Eintrag auch nur für mich. Als Argumentationsfutter. Wenn nächstes Mal wieder ein Parteifreund von “Daseinsvorsorge” redet und davon, dass man den öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht abschaffen könne, weil es dann Bereiche gäbe, über die überhaupt nicht mehr berichtet werde.

Also, worum geht’s? Es geht um die Beantwortung der von der Süddeutschen und der FAZ gestellten Frage: Wofür zahlte die ARD Jan Ullrich 195.000 Euro?

Man habe die Exklusivverträge mit den Radsportlern Jan Ullrich und Erik Zabel zum Jahresende gekündigt, sagte der Sportkoodinator der ARD, Hagen Boßdorf, Ende August im „Spiegel“. Das hörte man gern, und fragte sich vielleicht erst beim zweiten Nachdenken: Warum hat es solche Verträge überhaupt gegeben? Wofür wurde das Geld der Gebührenzahler ausgegeben und vor allem: Wieviel?
Im Fall von Jan Ullrich waren es maximal 195.000 Euro pro Jahr. Zugesichert in einem Vertrag, der auf das Jahr 1998 zurückgeht und den die Sportrechteagentur Sport A im Auftrag der ARD zuletzt zum 1. Januar 2003 unbefristet verlängerte. Der Vertrag, der bis Ende dieses Jahres läuft, war erfolgsabhängig und gestaffelt; bei einem Etappensieg der Tour de France sollte es 20.000 Euro geben, beim Gewinn der Deutschland-Rundfahrt 40.000 Euro, bei einem Sieg bei den Olympischen Spielen 30.000 Euro. Was klingt wie der Handel zwischen einem Rennsportstall und einem Fahrer nennt sich „Mitwirkendenvereinbarung“. Mitwirken sollte Ullrich durch Exklusivinterviews zu den fraglichen Ereignissen, bereitstehen für eine 24-Stunden-Reportage und in zwei bis drei ARD-Unterhaltungsshows pro Jahr auftauchen.

Der Tagesspiegel schreibt:

Das Bekanntwerden des Vertrages hat in der ARD eine große Fluchtbewegung ausgelöst. Fritz Raff, immerhin seit 1996 Intendant in Saarbrücken, sagte, dass er den 2003 erneuerten Vertrag mit Ullrich nicht gekannt habe, dabei wurde der Vertrag von der Gemeinschaft der ARD-Intendanten gebilligt, wie Günter Struve bestätigte. Klar ist: In der ARD wird gerade das Spiel „Haltet den Dieb“ gespielt.

Aus der Presseerklärung des ARD-Programmdirektors Dr. Günter Struve über den “Honorarvertrag”:

Das Ziel bestand darin, besondere Berichterstattungsmöglichkeiten über einen der prominentesten Sportler Deutschlands zu erhalten. Jan Ullrich wurde für außergewöhnliche Aufwände wie ein tägliches ‘Tagebuch’ während der Tour de France, Auftritte in ARD-Unterhaltungssendungen oder Drehtage für Reportagen honoriert.

Heute Mittag lief im Deutschlandfunk ein kurzes Stück (mp3, 705 KB, 3:00 Minuten) zum Thema, in dem auch SR-Intendant Fritz Raff (sic!) zu Wort kam:

Wir haben ihn (Jan Ullrich, MTW) nicht dafür honoriert, dass er uns Interviews gibt, sondern dass er für völlig andere Programme zur Verfügung stand, d.h. für Galas, für Shows, für… andere Programmelemente der ARD. Und als dieser Vertrag geschlossen wurde, gab es auch konkurrierende Sender, die Herrn Ullrich haben wollten (…). Da war SAT 1 bemüht, ihn zu bekommen, anschließend war RTL bemüht, die Tour de France - Rechte und Herrn Ullrich zu bekommen. Und da haben die ARD-Kollegen das getan, was RTL, SAT 1 und andere in anderen Sportbereichen schon seit langem tun: Sie haben versucht, sich über den Sport hinaus einen Star zu sichern. (…)

Tja, Herr Intendant. Genau das sollen die Öffentlich-Rechtlichen eben nicht tun. Ob Sportberichterstattung generell zur Daseinsvorsorge gehört (Vorbildfunktion des Sports und so), darüber kann man mit mir als Soze ja noch reden, aber wenn es private Anbieter gibt, die sich “Stars” sichern wollen, dann kann es für Euch von der ARD nur ein Motto geben: Finger weg! Mal ganz davon abgesehen, dass es mit der Vorbildfunktion von Jan Ullrich ohnehin nicht weit her war.

Über die Notwendigkeit solcher Leistungszulagen für einen gut verdienenden Profi, dessen eigenes Bestreben es sein sollte, aufs Treppchen zu kommen, wollte sich SR-Intendant Raff nicht äußern. Nur, dass auch das gebührenfinanzierte Fernsehen im Wettbewerb um die Stars eben mitbieten müsse, und dass diese hin und wieder auch bezahlt werden müssten, daran führe kein Weg vorbei. Fritz Raff: “Durch Gebührengelder werden auch Fachleute bezahlt, werden Stars bezahlt für Shows, die nicht Sportler sind. Sportler (…) sind Menschen, die für andere Menschen interessant sind, und dafür gibt es hin und wieder Geld. So ist das.”

Ja, so ist das. Und so sollte es nicht sein.

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30 Kommentare zu “Der Herr Intendant Raff und der Wettbewerb”

  1. 6.09.2006 | 16:43

    Na, vielleicht dreierlei: Zum einen wird das so laufen, solange Quoten zur Legitimation der öffentlich-rechtlichen herhalten müssen. Bekannte Gesichter bringen Zuschauer. Zum zweiten: Wieso “Daseinsvorsorge”? Die gilt wohl im engeren Sinne eher z.B. für Krankenversicherungen, um plötzliches Wegsein zu verzögern … kenne da eher die Formulierung “Grundversorgung”, wie z.B. auch im Falle subventionierter Theater. Und zum dritten ist das doch eigentlich ein Paradebeispiel dafür, was passiert, wenn Marktmechanismen in politische Systeme implementiert werden.

    Woraus man dann entweder den Schluß ziehen kann, daß, wenn eh alles Marktmechanismen folgt, man Politik auch gleich abschaffen kann. Oder daß von Seiten der Marktgläubigen mal unterlassen werden sollte, diesen überall stattfinden lassen zu wollen. Oder daß es Prinzipien geben muß, die Marktmechanismen kontrollieren, diesem selbst aber nicht folgen, aber welche Instanz soll das denn sein, wenn Politik sich auch als Markt versteht - der effizienteste Problemlöser bekommt den Auftrag?

    (Nein, ich bin vehement gegen Philosophenkönige, ganz egal, ob sie Hartz, Platon oder Hayek heißen).

  2. 6.09.2006 | 17:09

    “Na, vielleicht dreierlei: Zum einen wird das so laufen, solange Quoten zur Legitimation der öffentlich-rechtlichen herhalten müssen.”

    Wenn die Legitimation eine gänzlich andere sein soll, dann ließe sich auch ein Programm legitimieren, das gar keiner ansieht. Das kann kaum Sinn der Sache sein. Irgendwo muß die Quote also letztlich doch mit einfließen - wo wäre das der Fall?

  3. 6.09.2006 | 17:10

    Mal schauen ob das zusammenpasst:

    Michael Schuhmacher bekommt von Ferrari Millionen, weil nach einem Sieg die Schrauber in Maranello die ein oder andere zusätzliche rote Karre verkaufen können.

    Jan Ullrich bekommt von der ARD (für manche Leute) ein Jahresgehalt, weil nach einem Sieg/Auftritt/Interview die Sendeanstalten höhere Einschaltquoten verbuchen können.

    Das Gehalt bekommt Schumi von einem Privatunternehmen, das die Kohle dadurch erwirtschaftet, dass Kunden freiwillig für ein schnelles Auto viel Geld dalassen.

    Das Gehalt bekommt Ulle von einem öffentlich rechtlichen Unternehmen, das die Kohle dadurch erwirtschaftet, dass Kunden eine Zwangsabgabe leisten müssen.

    Hmmm…

  4. 6.09.2006 | 17:10

    MR,

    solange Quoten zur Legitimation der öffentlich-rechtlichen herhalten müssen

    Dieses Quoten-Argument höre ich erstaunlicherweise immer nur aus der Medien-Ecke. Für Liberale ist die Gebührenpflicht nicht zu rechtfertigen, Quoten hin oder her. Und für Sozialdemokraten spielt die Quote im Zusammenhang mit der Grundversorgung überhaupt keine Rolle.

    Wieso “Daseinsvorsorge”? Die gilt wohl im engeren Sinne eher z.B. für Krankenversicherungen, um plötzliches Wegsein zu verzögern … kenne da eher die Formulierung “Grundversorgung”,

    Absolut korrekt. Das, was ich da geschrieben habe, ist sowieso Unsinn, denn das Beispiel mit der Vorbildfunktion des Sports hat hat mit der Grundversorgung nix zu tun, sondern bringt eher zum Ausdruck, dass der Staat die Leute zu etwas erziehen will und dass, er um diese Erziehung durchzuführen, den Bürgern vorher Geld abknöpft.

    Dass Du natürlich gleich wieder mit “Marktgläubigkeit” ankommst, war ja zu erwarten. Worauf Du hinaus willst, ist mir allerdings nicht klar. Ich finde, Jan Ullrich im Fernsehen zu übertragen gehört nicht zur Grundversorgung. Und deshalb ist es mir auch herzlich egal, ob bei der Radsportübertragung dann nun der Markt funktioniert oder nicht.

  5. 6.09.2006 | 17:53

    “Das Gehalt bekommt Ulle von einem öffentlich rechtlichen Unternehmen, das die Kohle dadurch erwirtschaftet, dass Kunden eine Zwangsabgabe leisten müssen”

    Einhergehend mit der Verbesserung der Quote verbessert sich immerhin auch das Zahler/Nutzer-Verhältnis.

    Es scheint folgende Möglichkeiten zu geben:

    Entweder, man versucht, das Zahler/Nutzer-Verhältnis so nah wie möglich an 1 heranzubekommen. Dafür müßte man sich am Markt orientieren und Zwangsgebühren würden fragwürdig.

    Oder man läßt den Markt und damit das Zahler/Nutzer-Verhältnis außer Acht. Dann zahlten viele für das, was wenige sähen, und Zwangsgebühren würden fragwürdig.

    Die Idee der Grundversorgung ist aller Ehren wert, aber welche Bedeutung hätte eine (von der Quote nicht beeinflußte) Grundversorgung, wenn sie - im Grenzfall - keiner mehr in Anspruch nähme?

    Wenn es überhaupt eine Rechtfertigung für ÖR Rundfunk gibt, dann ist es aber m.E. die Gewährleistung einer Grundversorgung. Ich denke, weder die Übertragung der Tour de France, noch Fernsehgalas mit Jan Ullrich, noch Telenovelas gehören dazu. Was aber dazugehören soll, ist die entscheidende Frage: Es müßte von der Mehrheit als so wichtig erachtet werden, daß es, obwohl es die Mehrheit nicht interessiert, von einer Minderheit in Anspruch genommen werden können muß. Dazu müßte diese Minderheit noch so klein sein, daß die Bereitstellung der Elemente der Grundversorgung keine relevante Marknische wäre, sonst wäre die Bereitstellung wahrscheinlich gesichert. Schwierige Frage.

  6. 6.09.2006 | 18:05

    David,

    Was aber dazugehören soll, ist die entscheidende Frage: Es müßte von der Mehrheit als so wichtig erachtet werden, daß es, obwohl es die Mehrheit nicht interessiert, von einer Minderheit in Anspruch genommen werden können muß. Dazu müßte diese Minderheit noch so klein sein, daß die Bereitstellung der Elemente der Grundversorgung keine relevante Marknische wäre, sonst wäre die Bereitstellung wahrscheinlich gesichert. Schwierige Frage.

    Danke für die Ergänzung. Um genau diesen Teil wollte ich meinen Eintrag noch ergänzen. Aber zwischendurch hat mich ein Faulheitsanfall ereilt - und dann habe ich es vergessen.

    Das gegenwärtige System verstößt gegen zwei meiner Grundprinzipien: Transparenz und Subsidiarität. Und strenggenommen sind die Rundfunkgebühren ja noch nichtmal Gebühren, da bei ihrer Erhebung nicht auf die Nutzung des Angebots abgestellt wird, sondern auf den Besitz eines Empfangsgeräts. Das ist so haarsträubend, dass ich mich damit nicht abfinden kann und mich deshalb ausnahmsweise mal nicht zwischen die Stühle setze, sondern zu denjenigen, die die Rundfunkgebührenpflicht ganz kippen wollen. Da kann sich dann MomoRules bei solchen Leuten wie Herrn Raff bedanken.

  7. 6.09.2006 | 18:08

    @David:

    Das ist das Problem, ja.

    @Marian:

    Nee, so einfach isses nicht. Rayson hat neulich schon ein prinzipielles Ja zum öffentlich-rechtlichen Fernsehen formuliert, und, wenn ich mich recht entsinne, auch das Quotenargument angeführt, wie David ja auch.

    Das Quoten-Argument wird auch keineswegs nur in aus der Medien-Ecke angeführt, sondern durchaus auch von Politikern (z.B. im Falle von Rundfunkorchestern). Es ist strukturell analog zu bestimmten Marktprozessen: Was sich verkauft, wird gezeigt. Das kollidiert mit der Grundversorgung noch nicht mal nur beim Avantgarde-Theater, das dann eben in den Theaterkanal abgeschoben wird, sondern z.B. auch, wenn Herr Wulff auf großer Bühne beim NDR interveniert, mehr Niedersachensen müsse in’s Programm, ganz unabhängig davon, ob Lokales aus Verden nun jemanden interessiert oder nicht.

    Das mit der Marktgläubigkeit ist auch nicht mein persönlicher Fetisch, das ist in diesem Fall ein Argument von Statler: Problem sei aktuell z.B. Universitätslandschaften , daß irgendwelche Politiker da rumfuhrwerken unter Berufung darauf, daß sie doch nur Marktförmiges und ökonomisch Dienliches im Politischen selbst (öffentlich-rechtlich ist ja politisch durchdrungen, bestimmte Posten werden nach Parteizugehörigkeit besetzt)abbilden wollten (Bildung ist ja analog zum öffentlich-rechtlichen Fernsehen hierzulande noch Politikum im engeren Sinne).

    Das ist in der Tat ein Problem. Seine Conclusio war freilich, das dann doch lieber gleich den Markt selbst erledigen zu lassen (was dann ein anderer, selbst für mich plausiblerer Typ von, ja, nicht mal Marktgläubigkeit ist, sondern von dem Wie der Organisation einer Gesellschaft ist).

    Das killt dann aber die Grundversorgung, und es verändert auch die Struktur von Öffentlichkeiten, was Rückwirkung auf genuin politische Bereiche hat (das erlebst Du ja täglich - RTL berichtet eben anders als die Tagesthemen, und das bringt dann andere Fragen und Emotionen am Wahlstand oder wie das heißt mit sich). Weil eben nicht stattfindet, was sich nicht verkauft.

    Daß nun Jan Ulrich gerade nicht unbedingt dazu gehört, da stimme ich Dir ja zu, die jeweils anzulegenden Kriterien und Folgewirkungen sind da aber ja interessanter als ein Einzelfall … abgesehen davon bin ich sowieso für die Abschaffung des Fernsehens, ganz diktatorisch ;-)

  8. R.A.
    6.09.2006 | 18:11

    Es ist nur schon merkwürdig, daß es diese Idee der “Grundversorgung” nur bei Radio/Fernsehen gibt.

    Was eben daran liegt, daß das eine nachträglich erfundene Ausrede ist, um eine aus banalen technischen Gründen gewählte Finanzierungsmethode auch dann beibehalten zu können, als die Verhältnisse sich geändert hatten.

    Solange man nur öffentliche Sender empfangen konnte, war die allgemeine GEZ-Finanzierung völlig vernünftig.
    Seit es andere Sender gibt, ist die Begründung für die GEZ-Pflicht komplett entfallen.

    Es gibt keine “Grundversorgung” bei Büchern, keine bei Zeitungen, keine bei Internet-Anschlüssen - obwohl alle diese Medien deutlich besser zur Information der Staatsbürger geeignet sind als die Flimmerkiste. Und “Grundversorgung” macht auch gar keinen Sinn solange der Staat nicht dafür sorgt, daß die auch jeder bekommen kann, d.h. jeder einen Fernseher hat.

    Wenn es wirklich um “Grundversorgung” ginge, dann müßte dafür auch eine klare Definition geben. Und dann würde man feststellen, daß die Tätigkeiten von ARD/ZDF nur in marginalen Bereichen damit zu tun haben, daß aber viele andere Medien damit viel stärker befaßt sind und dies auch wesentlich besser leisten.

    Die GEZ-Pflicht ist völlig überholt, trotz der hektischen Ausweitungsbemühungen wird die auch nicht mehr lange Bestand haben können.

  9. 6.09.2006 | 18:16

    @Marian:

    Ich persönlich würde mittlerweile auch dafür plädieren, die Distributionswege so zu steuern, daß öffentlich-rechtlich nur empfangen kann, wer dafür Gebühren zahlen möchte., und die anderen lassen’s halt sein - hatte ich hier übrigens schon mal geschrieben, da bin ich noch nicht mal Umfaller. Von mir aus kann RTL auch gerne verschlüsseln, ich gucke eh lieber ProSieben und würde dafür auch 3,50 Euro im Monat zu zahlen bereit sein, ergänzend zu den Öffentlich-Rechtlichen.

    Und Herr Raff würde, abgesehen davon, aktuell durch das Dich-Überzeugen auch meine wirtschaftliche Situation nicht sonderlich beeinträchtigen, by the way - wenn Du wüßtest, was ich hier gerade aktuell den ganzen Tag treibe …

  10. 6.09.2006 | 18:19

    @R.A.:

    Das stimmt nicht. Es gibt öffentliche Bibliotheken, z.B., und da liegen auch Zeitungen aus. Es gibt Hartz IV incl. der Möglichkeit finanzieller Versorgung, es gibt kostenlos zu nutzende Straßen und Autobahnen, subventionierten öffentlichen Nahverkehr, Opernhäuser und Museen, öffentliche Parks usw. …

  11. 6.09.2006 | 18:20

    … ich meinte medizinische Versorgung …

  12. 6.09.2006 | 18:25

    Rayson hat neulich schon ein prinzipielles Ja zum öffentlich-rechtlichen Fernsehen formuliert, und, wenn ich mich recht entsinne, auch das Quotenargument angeführt

    Das kann er ja dann selber nochmal in die Debatte werfen.

    Das Quoten-Argument wird auch keineswegs nur in aus der Medien-Ecke angeführt, sondern durchaus auch von Politikern (z.B. im Falle von Rundfunkorchestern).

    Na gut, dann halt auch von Politikern. Aber der Umstand, dass ein Argument von einem Politiker angeführt wird, bedeutet noch nicht, dass ich es für stichhaltig halte. Ich kenne ja meine Pappenheimer ;-). Und bei Rundfunkorchestern kommen ja zwei Subventionen zusammen. Da wird es dann ganz gruselig. Und im übrigen unterscheidet sich das, was von Rundfunkorchestern im Radio gesendet wird, nicht wesentlich von “Klassik-Radio”. Da frage ich mich dann schon, warum ich für die drölfzigste Aufnahme von “Bilder einer Ausstellung” oder “Ode an die Freude” noch Gebühren zahlen soll.

    das erlebst Du ja täglich - RTL berichtet eben anders als die Tagesthemen

    Zum Glück erlebe ich das nicht täglich, sondern nur alle paar Monate, wenn ich bei meinen Eltern zu Besuch bin. Bis zu den Tagesthemen halte ich selten durch, aber in Bezug auf die Nachrichten kann ich Dir nur widersprechen: Ich schaue jedes Mal während der heute-Sendung auf die Uhr, wann der Punkt kommt, wo von der politischen Berichterstattung auf Klatsch & Tratsch & Sport umgeschwenkt wird. Das ist meistens um 19:08 Uhr der Fall. Für mich ist da kein qualitativer Unterschied zu RTL mehr gegeben.

  13. 6.09.2006 | 18:35

    R.A.,

    Es gibt keine “Grundversorgung” bei Büchern, keine bei Zeitungen, keine bei Internet-Anschlüssen

    Bei Büchern heißt die Grundversorgung “Preisbindung”. Die Argumentation ist dieselbe. Und bei Zeitungen wird mir auch noch was einfallen…hmmmm…wie wäre es mit “verminderter MWSt-Satz”?

    Und “Grundversorgung” macht auch gar keinen Sinn solange der Staat nicht dafür sorgt, daß die auch jeder bekommen kann, d.h. jeder einen Fernseher hat.

    Das tut er doch?! Okay, er stellt Dir keinen Fernseher in die Wohnung, aber wenn mich nicht alles täuscht, hat doch jeder einen. Und Rundfunkgebührenbefreiung gibt es auch noch.

    Dass der Zugang zum Internet nicht für alle gewährleistet ist, finde ich, innerhalb der Art und Weise, wie z.Zt. nunmal der Sozialstaat in Deutschland betrieben wird, absolut daneben.

    Wenn es wirklich um “Grundversorgung” ginge, dann müßte dafür auch eine klare Definition geben.

    Och, die gibt es bestimmt irgendwo. Dass sie einen Liberalen zufriedenstellen wird, glaube ich allerdings eher nicht ;-).

  14. 6.09.2006 | 18:40

    MR,

    naja, eigentlich wollte ich mit diesem Eintrag nur ein Einzelbeispiel aufführen, wo m.E. der öffentlich-rechtliche Rundfunk seiner Aufgabe nicht gerecht geworden ist. Dass das dann immer zur Grundsatzdiskussion gerät, ist bei diesem Thema halt so. Und für Grundsatzdiskussionen sind eigentlich Wikis besser geeignet als Blogs.

    Ich bitte also um Verzeihung, wenn ich Dich verleitet habe, Dich wiederholen zu müssen ;-).

  15. 6.09.2006 | 18:44

    Vorweg: Mein prinzipielles “Ja” zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk/Fernsehen ist kein liberal begründetes, sondern ein elitäres. Ich maße mir an zu wissen, dass eine bestimmte Art von Sendungen einem gedeihlichen Miteinander förderlicher ist als eine andere, dass sie sozusagen auch über den Kreis der direkten Nutznießer (=Zuschauer) hinaus externe Effekte aufweisen.

    Die zweite Frage ist aber, ob die öffentlich-rechtlichen Medien etwas dafür tun, dass man so für sie argumentieren kann. Ja und nein. Ich habe den Eindruck, als ob man das, wofür man sie eigentlich bräuchte, immer mehr in den Dritten, bei Phoenix oder bei arte findet, während ARD und ZDF vom Programm der Privaten so gut wie nicht mehr zu unterscheiden sind.

    Also etwas polemischer ausgedrückt hätte ich keine Probleme, einen sofortigen Sendestopp für ARD und ZDF gegen entsprechenden Gebührennachlass zu fordern. Wobei ich für den Rest eigentlich auch von der Kopplung an Empfangsgeräte Abstand nehmen und eine Kombination aus Nutzer- und Steuerfinanzierung bevorzugen würde. Werbung wäre nur bei Privaten zulässig.

  16. 6.09.2006 | 18:47

    “Und für Grundsatzdiskussionen sind eigentlich Wikis besser geeignet als Blogs.”

    Warum das?

  17. 6.09.2006 | 18:53

    Rayson,

    einen sofortigen Sendestopp für ARD und ZDF gegen entsprechenden Gebührennachlass zu fordern. Wobei ich für den Rest eigentlich auch von der Kopplung an Empfangsgeräte Abstand nehmen und eine Kombination aus Nutzer- und Steuerfinanzierung bevorzugen würde. Werbung wäre nur bei Privaten zulässig.

    Hast Du das schonmal als Petition beim Bundestag eingereicht?

  18. 6.09.2006 | 18:56

    David,

    m.E. sind Wikis dazu besser geeignet, weil man so Redudanz besser vermeiden kann. Eigentlich hätten in dieser Diskussion alle Kommentatoren auf frühere eigene Kommentare verlinken können, um sich die Schreibarbeit zu sparen. Aber in einer Blog-Diskussion sähe das doch etwas seltsam aus, oder? In einem Wiki wäre das übersichtlicher. Finde ich zumindest. Ich lasse mich da allerdings gerne eines Besseren belehren.

  19. 6.09.2006 | 19:00

    @Marian

    Ist das nicht Ländersache? ;-)

  20. 6.09.2006 | 19:20

    Rayson,

    das kommt auf das Petitionsziel an ;-). Aber gut, Du kannst die Petition natürlich auch in Stuttgart einreichen. Obwohl ich annehme, dass dort prinzipiell alle Petitionen aus Baden nicht zur Kenntnis genommen werden.

  21. 6.09.2006 | 19:20

    @Marian: Ich glaube nicht, es besser zu wissen. Ich habe mit Wikis keinerlei Erfahrung als aktiver Nutzer und maße mir darum kein Urteil an.

  22. 6.09.2006 | 19:21

    Jupp, die Badenser sind Fußvolk… Zu sagen haben se nix. ;-)

  23. 6.09.2006 | 20:06

    @David

    Wenn Wolfgang dich erst mal totalüberwacht, wirst du schon klarer sehen ;-)

  24. 6.09.2006 | 20:17

    Die neue Volkskrankheit, Angst vor Gengenbachern.

  25. 6.09.2006 | 21:10

    @Marian:

    Ich verwehre mich nun doch gegen diese Verlinkungsbehauptung und dieses lokalpolitisch imprägnierte “weg von den Grundsatzdiskussionen!”. Das ist elitär.

    “Da frage ich mich dann schon, warum ich für die drölfzigste Aufnahme von “Bilder einer Ausstellung” oder “Ode an die Freude” noch Gebühren zahlen soll.”

    Banause. Bißchen wenig primäre Kunsterfahrung? Hör Dir mal diese Hammer-Arie aus “Madame Butterfly” erst von der Caballé, dann von der Callas und dann von der Nebtrebko oder wie die heißt an - jedes Mal eine neue Welt, in die man eintaucht und die es ohne die drei gar nicht gäbe … typisch sozialdemokratisch übrigens, diese Perspektive auf die Künste ;-) … mein Vater hat auch lieber Truck Stop gehört, “Das Mädchen wird schöner bei jedem Glas Bier”. Wobei: Nix gegen Truck Stop (sonst kriege ich hier noch den Antiamerikanismus verpaßt).

    Zudem die Erzählweisen und die Themenauswahl sich zwischen RTL und dem ZDF doch noch ganz gewaltig unterscheiden bei den Nachrichten.

    @Rayson:

    “Vorweg: Mein prinzipielles “Ja” zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk/Fernsehen ist kein liberal begründetes, sondern ein elitäres.”

    Nö, ein kompetentes. Allerdings ist’s trotzdem teilweise richtig, daß immer mehr Programmflächen bei den Öffentlich-Rechtlichen nur schwer mit dem Grundversorgungs-Gedanken vereinbar sind, aber um das sinnvoll zu diskutieren, braucht es schon Grundsatzebatten, die Marian hier autoritär zu unterbinden sucht ;-)

    Selbst so ein Format wie “Unsere Besten” im ZDF unterscheidet sich qualitativ noch ganz erheblich von diesen albernen Ranking-Shows über die 10 lustigsten Wasserleichen auf RTL, die immer Freitags laufen. Da findet noch so etwas wie eine Selbstverständnisdebatte statt, da wird noch recherchiert und nicht nur weg-gewixt. Das ist dann vielleicht nicht ganz Schwanitz, schon gar nicht von Mises oder Adorno, aber es ist schon mal was. Und gut weggucken tut sich’s auch noch.

    Das betrifft auch “37 Grad” im ZDF oder “Die Story” auf dem WDR, sowas gibt’s privat nicht. Auch zwischen “Ein Hund, ein Mann, eine Liebe” oder wie das gestern abend auf SAT 1 hieß oder einem Tatort, einer “Bella Block” liegen einfach Welten … auf all das müßte man dann verzichten. Und den Deutschlandfunk könnte man auch nicht mehr ständig zitieren …

  26. 7.09.2006 | 8:09

    MomoRules schrieb:

    Banause. Bißchen wenig primäre Kunsterfahrung? Hör Dir mal diese Hammer-Arie aus “Madame Butterfly” erst von der Caballé, dann von der Callas und dann von der Nebtrebko oder wie die heißt an - jedes Mal eine neue Welt, in die man eintaucht und die es ohne die drei gar nicht gäbe …

    Selbstverständlich muss es diese Interpretationen geben. Barockmusik, Klassik und moderne Musik leben ja davon, dass sie immer neu interpretiert werden können. Was Du geschrieben hast, gilt genauso für Klaviersonaten, Oratorien oder Orgelwerke.

    Aber die Frage war doch, ob die Produktionen mit den GEZ-Gebührengeldern bezahlt werden sollen. Ich denke, das kann man schon dem freien Markt überlassen. (Die meisten guten Orchester werden von Ländern, Kommunen oder Trägervereinen getragen, aber die Aufnahmen werden durch Plattenfirmen produziert). ÖR-Anstalten sollten die Tantiemen für die Aufnahmen bezahlen wie alle anderen Nutzer auch.

    Und auf welche Weise werden die Werke dann im Radio wirklich gesendet? Sehr oft wird aus bekannten Werken nur ein einzelner Satz herausgenommen und im Programm verwurstet. Besonders hässlich ist das bei Konzerten oder Sonaten. Ein mir zufällig bekannter bloggender Musikkritiker und Autor unterstützt die Initiative “Das ganze Werk”, die sich genau gegen diesen Unsinn bei den öffentlich-rechtlichen Kulturkanälen richtet. Die ÖR-Sender wehren sich dagegen und wollen bei ihrer bisherigen Praxis bleiben. Damit erfüllen sie den Bildungsauftrag aber gerade nicht. Denn die Werke gehören nun mal zusammen.

  27. der gute don
    7.09.2006 | 9:56

    Ich habe den Eindruck, als ob man das, wofür man sie eigentlich bräuchte, immer mehr in den Dritten, bei Phoenix oder bei arte findet, während ARD und ZDF vom Programm der Privaten so gut wie nicht mehr zu unterscheiden sind.

    Das ist in der Tat eine interessante Beobachtung, die ich auch teile. ARD und ZDF begeben sich in das Spagat eine Brücke zu den Privatsendern und ihrem zwangsfinanzierten Grundversorgungs-/Bildungsauftrag zu schlagen. Ein nicht durch einen Markt gesteuerter Versuch Unterhaltung zu erbringen, der natürlich so schief liegt, daß er die Gemüter immer wieder erregt.

    Nicht zuletzt solche Entscheidungen wie unserem Jugendvorbild Drogenkonsument Herrn Ulrich unsere Zwangsabgaben in den Rachen zu schmeißen und dafür keinen Gegenwert, sondern lediglich eine Option zu erhalten zeigt, wie ineffizient Entscheidungen getroffen werden. Und verantwortlich ist natürlich auch wieder keiner. Das ist fast wie bei unserer Muppetshow in Berlin.

  28. R.A.
    7.09.2006 | 10:30

    @MomoRules:
    > Es gibt öffentliche
    > Bibliotheken, z.B.,
    > und da liegen auch
    > Zeitungen aus.
    Das hat aber nichts mit dem GEZ-Argument von der angeblichen Grundversorgung zu tun.
    Das ist ein freiwilliges Angebot einiger Kommunen und wird steuerfinanziert.

  29. R.A.
    7.09.2006 | 10:32

    @Marian:
    > Bei Büchern heißt
    > die Grundversorgung
    > “Preisbindung”.
    Jetzt wirst Du aber hanebüchen.
    Die einzige Gemeinsamkeit ist, daß es sich um sozialistische Zwangsbeglückungsmaßnahmen handelt.
    Inhaltlich sind sowohl die Maßnahmen GEZ und Buchpreisbindung wie ihre politisch/juristische Fundierung völlig unterschiedlich.

  30. R.A.
    7.09.2006 | 10:37

    @Rayson:
    > Ich maße mir an zu
    > wissen, dass eine
    > bestimmte Art von
    > Sendungen einem
    > gedeihlichen
    > Miteinander
    > förderlicher ist
    > als eine andere
    Durchaus.
    Es sind ja auch manche Bücher förderlicher als andere, manche Filme förderlicher als andere, manche Zeitungen förderlicher als andere.

    Was nun aber mit der GEZ gar nichts zu tun hat - wie Du ja selber schreibst.

    Wie nun auch die Förderlichkeit wenig bringt, weil gerade die, die es nötig hätten, einen großen Bogen um arte, Welt, Goethe machen, auch wenn sie das alles kostenlos bekämen.

    Vor allem aber: Ich halte es für überaus problematisch, wenn der Staat (oder ein “öffentlich-rechtlicher” Ersatz) mir vorschreiben will, was mir “förderlich” ist.

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