Ist der Ruf erst ruiniert…

Es ist ja eine alte Weisheit: Hast du 1.000 Euro Schulden bei der Bank, behandelt man dich dort höchst ungnädig. Hast du dort 1.000.000 Euro Schulden, bemüht man sich hingegen, alles zu deinem Wohlergehen beizutragen.

Daran muss Berlins per Akklamation neu zu bestimmender Party-Löwe “Wowi” gedacht haben, als er, einem uralten Politikerreflex folgend, mit geliehenen Spendierhosen Wahlkampf machte und den Berlinern die Freiheit von den gerade mal wieder erhöhten Kita-Gebühren versprach.

Er fügt sich damit auch nahtlos in eine lange Tradition “Regierender” ein. Die Berliner sind es schließlich seit 50 Jahren gewohnt, ihr Leben von anderen finanziert zu bekommen. Das irgendwie zu ändern, wäre kalter Neoliberalismus, brutaler Sozialabbau und irgendwie ungerecht. Notfalls wird eben gebettelt, gefordert und geklagt, damit beweist man Volksnähe.

Ich kann verstehen, dass die Brandenburger sowas nicht brauchen können.

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9 Kommentare zu “Ist der Ruf erst ruiniert…”

  1. 11.09.2006 | 11:39

    Ich bin gern Berliner aber ich schäme mich manchmal für meine Regierung. Stellen sich hin und wollen noch mehr Zuweisungen erbetteln während sinnlos Geld verpulvert wird. Das Traurige ist ja, daß die Nasen am Sonntag wohl wiedergewählt werden.

  2. R.A.
    11.09.2006 | 12:10

    Das interessante ist: Eigentlich ist wohl jedem Wähler klar, daß Wowereits Versprechen gelogen sind. Und trotzdem werden sie ihn wiederwählen.
    Gerade die Wähler, die besonders “politikverdrossen” tun und über die Unehrlichkeit der Politiker klagen, sind meistens auch die, die diese Lügen einfordern bzw. mit ihrer Wählerstimme belohnen.

  3. spruance
    11.09.2006 | 12:25

    Die Brandenburger müßten doch geradezu bescheuert sein, wenn sie ihr Ländle mit Berlin vereinigten! So viele Probleme Brandenburg haben mag - Berlin hat noch ein paar mehr davon, und das in wahrhaft hauptstädtischer Größe!

  4. 11.09.2006 | 12:39

    Und Friedbert Pflüger war ja der goldrichtige Herausforderer, sogar meine Mutter, die in Berlin lebt und bisher immer schwarz gewählt hat, erwägt die Grünen zu wählen. Mehr muss ich gar nicht über den Berliner Wahlkampf wissen :-)

  5. 11.09.2006 | 15:00

    Passend dazu ist auch ein Beitrag von Statler & Waldorf vom Mai lesenswert.

  6. 11.09.2006 | 17:08

    Genau so läuft es in Hannover übrigens auch ab - trotzdem wurde die SPD gestern wiedergewählt…
    Allerdings habe ich auch hier von vielen gehört dass sie die SPD nur wählen weil das ja schon Tradition sei :/

  7. 15.09.2006 | 8:18

    [...] Wie unpassend meine Empörung über Wowis Spendierhosen doch war, zeigt Ines Zöttl im “Casual Friday” der FTD. Ich bin verblüfft: Die Frau packt meine armselige Argumentation locker in die Tasche. Wobei die Verblüffung nicht dem Geschlecht (da bin ich Unterlegenheit gewohnt), sondern der Zeitung gilt. [...]

  8. 17.09.2006 | 17:25

    Also erstmal muß man sagen, daß Sarrazin wohl einer der ersten Finanzsenatoren von Berlin war, der erstmals richtig mit dem Sparen anfängt und sich dabei auch gleich mit der eigenen Klientel anlegt (Öffentlicher Dienst, Gewerkschaften).

    Das wird leider viel zu selten erwähnt. Ich habe ja die perfide Vermutung, daß die CDU in Berlin nur deswegen so stoffelige Kandidaten wie Steffel und Pflüger aufstellt, weil sie keinen Bock haben, die Stadt selbst zu regieren.

  9. 17.09.2006 | 18:58

    @Jens

    Wir machen hier keine Parteipolitik. Ob also SPD oder CDU oder sonstwas, das ist uns erstmal egal. Nicht egal ist mir allerdings, wenn der Vertreter eines Landes, das gegen den Bund auf finanzielle Hilfen klagt, Versprechungen macht, die sich andere Länder nicht leisten können…

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