Neue Posterkampagne des Familienministeriums: Coole Jungs

Es gibt immer wieder Kampagnen, die schon ziemlich seltsam anmuten. Nicht dass ich solche Kampangnen generell ablehne, aber oft fragt man sich schon, ob da das Geld der Bürger wirklich effizient angelegt ist: Die neue Kampagne “Coole Jungs” (als Teil der großen Kampange “Neue Wege für Jungs”) soll laut REGIERUNGonline

Jungen dazu anregen, auch Tätigkieten und Verhaltensweisen zu übernehmen, die früher als “unmännlich” und damit “uncool” galten.

Die Kampange umfasst Poster, die kostenlos an Schulen und Jugendverbände verteilt werden sowie ein Onlineangebot. Dort findet man zum Beispiel das Spiel “Mannopoli - das Ratespiel zur Berufs- und Lebensplanung”. Es wird beschrieben als

Das Ratespiel Mannopoli bietet sehr gute Möglichkeiten mit Jungen unterschiedlicher Alterstufen zu verschiedenen Themen ins Gespräch zu kommen. Zwei Gruppen lösen abwechselnd Fragen und Aufgaben zur Zukunftsplanung wie bei dem bekannten Fernsehspiel Der große Preis.

(Hervorhebungen wie im Original)

Coole Jungs

Dies ist eines der Kampagnenposter. Es heist zur Erklärung:

Cooler Spruch – super T-Shirt! Auf den ersten Blick typisch Junge! Und die Message? Nichts für Einmal-Hingucker… DA IST MEHR DRIN! Denn er meint mit „Alte“ nicht seine Freundin, sondern die älteren Menschen, um die er sich in seinem Beruf als Altenpfleger täglich kümmert. Auf einmal bekommt „meine Alte“ fast etwas Liebevolles, auf jeden Fall etwas Verantwortungsvolles und beschreibt eine Tätigkeit, die er gerne macht und auf die er stolz ist!

Ich empfinde die Message schon als etwas weit hergeholt.

Zur der Kampange gehören auch die Domains “coole-jungs-sind-fit-im-haushalt.de”, “coole-jungs-werden-pfleger.de” und “coole-jungs-nehmen-rücksicht.de”.

Glaubt die Ministeriumsbeamten damit (uncoole) Jungen zu Verhaltensänderungen bewegen zu können? Vermutlich wird man damit Kinder ansprechen können, die eh schon offen für Sozialkompetenz und ein anderes Rollenbild sind. Schon “coole Jungs” im Sinne des Ministeriums. Doch spricht man tatsächlich diese schon offene Zielgruppe wirklich gut mit Sprüchen an, die die Jugendsprache imitieren? “Finger weg von meiner Alten”, “Hast du’n Problem?”, …

Ich habe leider keine Information über das Gesamtbudget der Kampange gefunden, es scheint aber nicht ganz niedrig zu sein. Kostenlose Poster für alle Schulen und Jugendverbände, Wettbewerb mit 25 x 1500 Euro, …

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11 Kommentare zu “Neue Posterkampagne des Familienministeriums: Coole Jungs”

  1. 12.09.2006 | 14:38

    Ich finde solche Kampagnen grundsätzlich eher lächerlich und vermute, dass sie ggf. genauso viel Trotzreaktionen in die unerwünschte Richtung erzeugen wie das Angestrebte.
    Allerdings kann ich mir wiederum vorstellen, dass die dem Deutschen eigentümliche Staatsgläubigkeit durchaus die Wirksamkeit obrigkeitlicher Ermahnungen erhöht. Mein Eindruck täuscht mich also vielleicht.

  2. spruance
    12.09.2006 | 14:41

    Gibt es denn irgendwelche Effizienzkontrollen? Angesichts des nebulösen Ziels wohl eher nicht. Wohl wieder mal so eine Kampagne, die gut gemeint ist (Schauen Sie mal, was wir alles gemacht haben!) und sonst eigentlich nur Tätigkeit nachweisen soll und Kosten verursacht.

  3. 12.09.2006 | 14:44

    Das ist die Befürchtung, die ich auch habe. Solche Kampagen, gerade wenn sie durch “Anbiderung” an die Jugendkultur cool sein wollen, schrecken eher ab und bewirken im schlimmsten Fall das Gegenteil. Das war damals zumindest bei mir immer so.

    Ich erinnere mich das Video einer schreckliche EU-Kampage zum Stabilitätspakt, das mit Leveln, Extralebel etc. als Computerspiel gestaltet gewesen ist. Grausam.

  4. 12.09.2006 | 14:48

    @spruance:
    Es gibt eine wissenschaftliche Begleitung. Es heist auf der Homepage: “Die Ergebnisse des Forschungsprojektes sollen Erkenntnisse über Umfang, inhaltliche Ausrichtung und Wirkung von Jungenprojekten liefern und einen Beitrag zur Optimierung geschlechtsbezogener Angebote leisten.”
    Ich habe aber meine Zweifel an der Unparteilichkeit der Untersuchung.

  5. 12.09.2006 | 14:55

    Wenn derlei Kampagnen denn nur lächerlich und nicht auch noch teuer wären: das ist Missbrauch von Steuergeldern, imho.
    Worin soll eigentlich ein über Art. 7 Abs. 1 GG (Aufsicht über das Schulwesen) hinausgehender Erziehungsauftrag des Staates begründet werden?

  6. 12.09.2006 | 15:25

    Außerdem ist der T-Shirt-Spruch politisch unkorrekt. Es heißt nicht “Alte”, es heißt “Seniorin”.

  7. FAB.
    12.09.2006 | 16:08

    Mal ganz abgesehen davon … seit wann ist es in der “FDGO” Aufgabe des Staates, seinen Bürgern bestimmte Berufswünsche aufzudrängen, auf die diese von selbst anscheinend nicht verfallen? Irgendwie beißt sich diese gesamte “geschlechterpolitische” Volksumerziehung mit meiner Vorstellung von freiheitlicher Gesellschaft ganz gewaltig. Und bei den stringenteren Vertretern dieser Programme ist der Wahn vom “Neuen Menschen” und die Betrachtung des “Alten Menschen” als Rohmaterial für diverse “fortschrittliche” Experimente nie ganz ferne.

  8. Max
    12.09.2006 | 19:03

    Was für eine Verschwendung eurer Steuergelder (und auch meiner Mehrwertsteuer) für ein social engineering Projekt, dass nichts anderes als den politisch-korrekten Samariter haben möchte, einen der sich für den Staat engagiert.

    Es ist egal was sie für Intentionen haben, ob gut oder schlecht, es ist einfach nur Verschwendung für ein Projekt, dass man so wohl auch bei den Nationalsozialisten gesehen hätte, wäre Hitler älter geworden…

    Reicht es denn nicht, dass alle Jungs (Sexismus?!) zum Zivildienst und/oder Dienst an der Waffe gezwungen werden?

  9. 13.09.2006 | 14:26

    Das war ein wirklich sinnfreier Nazi-Vergleich.

  10. 13.09.2006 | 16:01

    Apropos “coole-jungs-werden-pfleger.de”. Von da aus landet man derzeit auf “girls-day.de”. Entweder, man torpediert sich da unglaublich dämlich selbst, oder es kommt bald noch “coole-jungs-werden-mädchen.de” dazu, was mich auch nicht mehr wundern würde.

  11. Marcel
    14.09.2006 | 16:54

    Also als 17-Jähriger kann ich erstens garantieren, dass solcherlei “Anbiederungen an die Jugendkultur” tatsächlich lächerlich sind und nicht ankommen.
    Und irgendwie finde ich es mal wieder faszinierend, wie sehr die Politik denkt, die Eigendynamik einer Gesellschaft beeinflussen zu können.
    Außerdem zweifle ich auch an dem pädagogischen Unterbau dieser Kampagne. Denn irgendwie waren doch schon immer eher Frauen in Krankenhäusern die Schwestern und in Altenheimen die Pflegerinnen. Das kann sich sehr langsam auch ändern, aber irgendwas im männlichen Kopf scheint gegen gewisse Betätigungsfelder eine Abneigung zu haben- natürlich nur im Durchscnitt. Und genau deshalb, weil gewisse Umerziehungsversuche auch Identität nehmen, hat man in der Erziehung- meine Mutter ist Erzieherin und hat mit Kindern von 3-6 zu tun- auch wieder aufgehört mit dem Teil der praktischen Umsetzung des Gender-Mainstreaming, der auf Geschlechter-Gleichmacherei abgezielt war.

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