Geiselnahme

Mal einen Punkt, bei dem sich echte Liberale und richtige Sozialisten einig sein werden: Oligopole / Monopole sind äußerst unangehm. (Dass die Rezepte, wie man diesen Mißstand beenden kann, sich drastisch unterscheiden, lassen wir mal beiseite.)
Und wenn ein “enges” Oligopol a) so eng ist, dass es sich ökomisch gesehen nicht mehr von einem Monopol unterscheidet und b) ein Gut anbietet, das jeder braucht und auf das niemand verzichten kann, dann ist es nicht nur stark genug, um zu Erpressen zu können, sondern sogar so stark, dass der Erpresste sich hüten wird, die Erpressung auch Erpressung zu nennen.

SpOn: Stromversorger drohen mit Investitionsstopp

Handelsblatt: Versorger schüren Stromausfall-Ängste

Darauf kann man nur noch sarkastisch reagieren - wie z. B. Hokey:
Deutschland in Würgegriff

Ähnliche Beiträge


6 Kommentare zu “Geiselnahme”

  1. 16.09.2006 | 22:37

    @MartinM:

    Ich empfehle dir, dich bei deinen Ausflügen in die Monopoltheorie und -praxis von deinem Co-Blogger Rayson beraten zu lassen. Der hat hierzu bestimmt mehr Kompetenz zu bieten. Oder du suchst dir etwas wissenschaftliche Beratung von Experten, z.B. Charles B. Blankart von der Humboldt-Uni: http://www2.wiwi.hu-berlin.de/institute/ioewp/finanz/dok/docs/stromreg.pdf

    Monopolmacht ist messbar und sollte damit mit Indikatoren belegt, statt einfach postuliert werden. Welches Marktsegment meinst du eigentlich? Produktion und Großhandel, Netze oder Endkundenabsatz? Mal etwas genauer recherchiert. Die Preisregulierungsvorstellungen der Bundesregierung haben nichts mit liberaler Wirtschaftspolitik zu tun, Netzregulierung ist eine verdammt komplizierte Kiste und das Für und Wider selbst in Fachkreisen umstritten. Wenn hier die Stromversorger vor falschen Schritten polternd warnen ist das bei den Fehlern der Vergangenheit zu verstehen. Wenn sie dabei etwas übers Ziel hinaus schießen, dann ist das bestimmt nicht das wichtigste Thema liberaler Kritik. Und dann errinnere ich hier noch an den 40%igen staatlichen Abgabenanteil am Strompreis…

  2. 17.09.2006 | 1:13

    @SteffenH:
    Also, “natürlich” ist das Monopol der Stromnetzbetreiber durchaus nicht. Allenfalls “kaum zu verändern”, was aber nach meiner Einschätzung immer noch einen wesentlichen Unterschied zur Natürlichkeit darstellt. Zustimmen muss ich dir aber

    a) darin, dass das Thema äußerst kompliziert ist und
    b) darin, dass eine Auflösung dieses Monopols durch staatliche Eingriffe nicht so einfach zu bewerkstelligen ist, wie sich das mancher offenbar vorstellt.

    Dann muss ich noch zugeben, dass ich bei Netzen (ob es nun der Strom oder das Bahnnetz sind) durchaus ein Anhänger öffentlicher (im liberalen Jargon: staatlicher) Monopole bin. Einfach weil sich dort “kaum zu verändernde” Monopole bilden müssen. Und die sehe ich dann lieber in öffentlicher als in privater Hand.

  3. 17.09.2006 | 19:10

    Volle Zustimmung, Karsten! Auch hinsichtlich des Punktes öffentliches Netzmonopol. Der Illusion, dass das enge Oligopol / reginale Monopol der Stromversorger einfach mal eben per Gesetzgebung aufgelöst werden könnte, unterliege ich übrigens nicht.

  4. 17.09.2006 | 19:12

    @SteffenH

    Also soviel Ahnung habe ich da allgemein nicht, bin ja nur Hobby-VWLer. Aber mir scheint doch, als agierten die großen Stromversorger im Stil von regionalen Monopolen. Ob sie es aber wirklich sind, oder nur von anderen Marktteilnehmern unter kräftiger Mithilfe politischer Verflechtungen dazu gemacht werden - da kenne ich mich nicht genug aus.

    Preisregulierung durch Regierungen halte ich auch für eine zweifelhafte Geschichte. Es gibt ja nichts Publikumswirksameres, als einem “Stromriesen” mal eben das Entgelt zu kürzen bzw. nicht zu genehmigen. Durchleitungsentgelte sind allerdings eine andere Sache, und da kommen wir zum Thema Wettbewerb.

    Ich wohne, wie aufmerksame Leser dieses Blogs ja wissen, in Karlsruhe, und ich beziehe meinen Strom nicht von EnBW (obwohl die den KSC sponsorn, Schande über mich) und auch nicht von den Stadtwerken Karlsruhe, sondern von Lichtblick. Ein Monopol kann da also schon einmal nicht existieren. Höchstens ein “Quasi-Monopol”, weil entweder die Durchleitungsentgelte zu hoch sind (schwierig zu regeln, aber ohne Regelung eine großartige Marktzutrittsbeschränkung), oder weil zu viele Menschen zu faul oder zu unsicher sind, nach Alternativen Ausschau zu halten.

    @Karsten

    Ob einem private oder staatliche Monopole lieber sind, kann man sich streiten. Ich bevorzuge private, und zwar, weil ich die Normensetzungskraft gerne von ihrer Nutznießung getrennt sehe.

  5. 17.09.2006 | 23:30

    @rayson:

    seit dem inkrafttreten des energiewirtschaftsgesetzes gibt es eigentlich keine gebietsmonopole mehr, obgleich die energieversorger jahrelang um den erhalt ihrer alten pfründe gekämpft haben. die möglichkeit seinen strom von bundesweiten versorgern zu beziehen illustriert das. das problem der netznutzungsentgelte der rd. 900 netzbetreiber in deutschland ist das einzig verbliebene wettbewerbsproblem. hier haben wir es allerdings mit einer gradwanderung der regulierung zu tun. wie kann der staat das optimale netznutzungsentgelt festlegen, wo er bei der bestimmung der kosten auf die informationen der betreiber zurückgreifen muß. entweder er setzt es zu hoch und manifestiert das monopol oder er setzt es zu niedrig und rískiert investive zurückhaltung des betreibers. bislang gibt es keine preisregulierung die von diesem problem nicht betroffen ist, selbst die sog. yardstick-regulation, die nach einem effizienzbenchmark reguliert hat aufgrund der heterogenität der bedingung dieses problem. netze, sind natürliche monopole, bei denen ein einzelner anbieter das angebot zu den geringsten kosten bereit stellen kann, aus diesem grund ist das angebot aus einer Hand kostenoptimal, wenn sie es nicht wären, dann wäre der bau von parallelnetzes lukrativ. ein erster schritt zu mehr wettbewerb wäre also die “bestreitbarkeit der märkte” zuzulassen, statt also die durchleitungspreise zu regulieren, dem bau von parallelnetzen keine barrieren des gesetzgebers in den weg zu stellen. liegt tatsäclich ein natürliches monopol vor, hat der anbieter der durchleitungsdienste einen wirtschaftlichen anreiz die preise seines angebots zu differenziern, um die gesamte zahlungsbereitschaft abzuschöpfen (er verfährt dabei nach der sog. ramseypreisregel, nach diejenigen nachfrager mit der geringsten preiselastizität der nachfrage die höchsten preise zahlen). je stärker die preise differenziert werden können, umso näher kommt das monopol aus statischer sicht dem allokationsoptimum nahe, da kein konsument mit einer positiven nachfrage, dessen zahlungsbereitschaft über den grenzkosten liegt, mehr von der durchleitung ausgeschlossen wird. der einheitliche monopolpreis, in der theorie oft aus anschauungsgründen gelehrt, ist in der realität nur dann anzutreffen, wenn preisdifferenzierung nicht möglich ist, denn der monopolpreis ist für den monopolisten nur gewinnmaximierend, wenn es sich um homogene nachfrager handelt oder eine trennung der nachfrager nach ihren individuellen zahlungsbereitschaften unmöglich ist. was ich damit letztlich ausdrücken will ist, dass ein netzmonopol letztlich weniger ein effizienzproblem als ein verteilungsproblem ist, da der gewinnmaximierende netzbetreiber die effiziente menge anbietet, aber die gesammte nachfragerrente abschöpft. wer diese verdient ist eine wertfrage, die ich nicht so eindeutig beantworten kann. der netzbetreiber besteht aus menschen, für die profite einkommen darstellen. die entgangenen renten der nachfrager sind deren entgangene einkommen. ein problem gibt es in der längeren frist, wenn dem monopolisten der kostendruck durch die konkurrenz fehlt, was innovationen und produktivitätsgewinne verzögert. hier existiert aber die konkurrenz der energieversorger, die energiesparbranche. bei der regulierung der energiemärkte geht es also weniger um eine effizienzverbesserung als um verteilungspolitik, dass sollte man sich bei der beurteilung der situation klarmachen. mein credo lautet deshalb. statt netzregulierung, netzderegulierung und wettberb um die stromdurchleitung auf “bestreitbaren märkten” fördern (etwa durch reduzierung von konzessionsentgelten und bauvorschriften etc.)

  6. 18.09.2006 | 9:39

    update: bei einer netzpreisregulierung muß man sich klarmachen, dass die genehmigten netzentgelte stets über den grenzkosten liegen müssen, damit das netz auch langfristig kostendeckend betrieben werden kann. erst diese festlegung auf einen einheitlichen preis oberhalb der grenzkosten verhindert aber die im natürlichen monopol eigentlich ökonomisch sinnvollere preisdifferenzierung nach nachfragergruppen. hier könnte der staat zwar eine sog. ramsey-regulierung durchführen, was aber nichts anderes heißt, als das er das gewinnoptimale Preissetzungsverhalten des privaten monopolisten kopiert. macht irgendwie nicht viel sinn.
    einheitliche netzzugangsentgelte oberhlb der grenzkosten reduzieren mit sicherheit die effizienz des gesamtsystems, denn nachfrager die unterhalb dieses preises eine positive nachfrage hätten werden vom markt ausgeschlossen. dieses problem läßt sich durch eine noch so ausgeklügelte regulierung nicht umgehen, da der regulierer viel zu wenig informartionen über die marktgeschehnisse hat (was der aufmerksame leser von hayek eigentlich wissen müsste). wir haben also die wahl zwischen einer evtl. nicht ganz perfekten preisdiskriminierungsstrategie der netzmonopolisten (nach verbändevereinbahrung) mit abschöpfung der zahlungsbereitschaft (mit den entsprechenden verteilungskonsequenzen) und einer von partikularinteressen und deren informationsinput dominierten regulierung, die dem preismodell im netz die effizienz raubt, aber evtl. eine andere verteilung der renten generiert. kenner des politischen prozesses sollten wissen, wo die gewinne der politischen märkte üblicherweise hängen bleiben…

Bad Behavior has blocked 1607 access attempts in the last 7 days.