18. September 2006
Liberale und Libertäre gegen Rechts
Extremistenschicksal: Kaum hat man seine Unterschiedlichkeit zum “Mainstream” mehr oder weniger mühsam definiert, muss man sich der wahren Lehre wegen spalten.
Versuch mal, einen reinen Libertären zu finden zwischen Rand-Jüngern, Hoppe-Anbetern und anderen. Wie ich meine Hobbits kenne, stößt man da vielleicht eher bei den “anderen” auf die interessanten Exemplare. Über Hoppe hatten wir ja mal irgendwann was geschrieben. Es ist eigentlich ein Jammer, dass die libertäre Argumentation, die ich für mein Gleichgewicht so brauche wie das Neue Testament, mit diesem Egozentriker unter die Räder einer Richtung gerät, die als reaktionär zu bezeichnen ich mir seit meiner Lektüre-Begegnung mit Nicolás Dávila leider versagen muss. Aber zu rechnen war damit: Hehre Lehren neigen dazu, in alle Richtungen immer hehrer zu werden.
Der jüngste Beweis einer spinnerten, vordergründig und angeblich libertären Verirrung ist die Pressemitteilung eines “Libertären Instituts” (ist eine solche Exklusivitätsanmaßung nicht eigentlich zutiefst unlibertär?), die in der Forderung gipfelt, zukünftig nur noch “Nettosteuerzahler” wählen zu lassen. Aber, und das stimmt mich wirklich milde, von der Freiheitsfabrik bis zu den bei Oliver Luksic kommentierenden jo@chim und Karsten ist die Meinung zu diesem Unsinn ziemlich einhellig. Dem da gesagten kann ich eigentlich nur beipflichten, möchte aber noch folgenden, sich bewusst in nicht-moralischen Kategorien bewegenden Gedankengang hinzufügen:
Es ist ja nicht etwa so, dass die Nettotransferempfänger freiwillig in diese Position geraten wären, um als böse Schmarotzer uns Rest auszubeuten. Im Gegenteil: Sie wurden vom Staat mehr oder weniger in diese Rollen gezwungen. Welchem Rentenbezieher kann ich vorwerfen, dass er nicht nur Beiträge bezahlen will, sondern wenigstens auch noch das Kümmerliche haben will, was ihm als Folge dieser Zahlungen zusteht? Welchem Arbeitslosen kann ich es zum Vorwurf machen, dass ein Kartell von Arbeit”geber”- und Arbeit”nehmer”verbänden unter wohlwollender Mitwirkung des Staates ihm seine Beschäftigungschancen geraubt haben? Welchem Polizisten oder Lehrer will ich es vorwerfen, dass er für seinen Beruf zum Beamten werden musste?
Nein, dieses Niveau an menschenverachtender Selbstgerechtigkeit, das Lichtschlag (lassen wir doch die Maskerade sein) da offenbart, diskreditiert ihn, seine Zeitschrift, sein Institut und die ganze Baggage der Hoppe-Pferdchen. Für immer. Das ist nicht liberal, das ist auch nicht libertär. Das ist faschistisch.
Verfasst von Rayson um 19:40 Uhr in der Kategorie Innenpolitik, Politik (Trackback)