Die NPD-”Erfolge” und die “Täterversteher”

Zum Thema “erschreckende Wahlerfolge der NDP” gibt es viele pathetische Sprüche. Dieselben Textbausteine, dieselben abgedroschenen Phrasen, wie seit Jahren gehabt. Ein typisches Beispiel ist Uwe-Carsten Heye, der wohl die letzten 15 Jahre auf einem fernen Planeten verbracht habe muß. Anders ist kaum zu erklären, dass er sagt:

Nun ist es wohl endgültig nicht mehr zu übersehen: Die Republik hat ein Rechtsradikalen-Problem.

Zur Erinnerung: Gab es nicht damals, vor 14, 15 Jahren, die Brandanschläge und Morde von Soligen und Mölln, oder das Pogrom von Hoyerswerda, oder den tobenden, brandstiftenden Mob in Rostock-Lichtenhagen? Von den vielen weniger spektakulären Mordanschlägen, Brandstiftungen, Körperverletzungen mit rechtsextremem Hintergrund ganz zu schweigen. Sind Nazis nur dann ein Problem, wenn sie in die Parlamente einziehen?

Es gibt viele Fehler, Versäumnisse und leider auch machtpolitische Klügeleien, die den Erben Adolfs das Leben allzu leicht machen. Einer der wichtigste heißt “Verständnis”. Verständnis für weltanschauliche Positionen, für die es seitens eines halbwegs demokratisch denkenden Menschen mit halbwegs intakter Verantwortungs-Ethik kein Verständnis geben kann!
Dafür, dass die Neonazis zusehens populärer werden, gibt es allenfalls Erklärungen. Entschuldigungen, NDP zu wählen oder den “Kameradschaften” wohlwollend zu begegnen, gibt es nicht!
Statler schrieb dazu:

Das Muster des Täterverstehens ist universell, man kann es in der Innenpolitik genauso anwenden wie in der Außenpolitik, und vom Verständnis zum Appeasement ist es nur ein winziger Schritt.

Ganzer Beitrag: Appeasement - unbedingt auch die Diskussion lesen!

Trotz eindeutiger Mißerfolge ist die “sanfte Tour” gegenüber Neonazis immer noch nicht aus dem politischen Alltag verschwunden. (Vom “verständnisvollen” Kuschelkurs gegenüber de facto ebenfalls rechtsextremen islamischen Fanatikern will ich hier gar nicht anfangen.) Immer noch gibt es “Verständnis” für jene Idioten, die den “Braunen” und ihren primitiv-brutalen “Rezepten” gerne auf den Leim kriechen. Arbeitslosigkeit hin, Strukturschwäche her und bei allem Verständnis für die Leute in Vorpommern und anderswo, die mit Recht enttäuscht, frustriert, zornig sind:
Wer die Nazis wählt, ist ein Nazi - und kein armes Opfer!

Das hat sich leider bei einigen “Politprofis” noch nicht herumgesprochen, oder wie kommen sonst solche Sprüche zustande?

Soziale Kälte dürfte die überwiegende Empfindung der verbliebenen Jugendlichen sein und Zuwendung das letzte, was sie kennen oder erwarten können. Daher fahren sie ab auf die NPD.

(Auch Uwe-Carsten Heye.)

Ja, wenn die jungen Leute sozial frieren, werden sie eben zu Rassisten und Antisemiten - und schmeißen Brandsätze (gegen die Kälte?!?) Wobei ich nicht in Abrede stelle, dass es hilfreich wäre, wenn sich die demokratischen Pateien, der Staat, die Kirchen, die freien Wohlfahrtverbände nicht “aus Kostengründen” flächendeckend aus Jugendarbeit in den “strukturschwachen Regionen” verabschieden würden.

Wie im Großen, so im Kleinen. Es gibt wohl keine religiös-sprituelle Szene, die so sehr im öffentlichen Ruf steht, “braun” zu sein, wie die der germanisch orientierten Neuheiden (Ásatrú, Forn Siðr). Was leider nicht “nur” am Gebrauch gemanischer und pseudo-germanischer Symbolik durch alte und neue Nazis liegt, und auch nicht durch unter diesem Namen firmierenden Rassisten-Sekten wie Jürgen Riegers “Artgemeinschaft”. Es liegt auch an der Heidenszenene selbst.
Man sollte meinen, dass demokratisch gesonnenen germanische Neuheiden alles Menschenmögliche tun, um sich umissverständlich und nicht nur verbal, sondern gerade durch ihr Handeln, gegen Nazis und Geistesverwandte abzugrenzen. In der traurigen Praxis beitreibt aber der nicht-rechtsextreme, “unpolitische”, von der Satzung her sogar demokratische und antirassitische “Verein für Germanisches Heidentum e.V.” (ex. ORD) einen verantwortungslosen “Kuschelkurs” nach rechtsaußen.
Schlimmer noch, er erlaubt es aus falsch verstandener Toleranz, dass ein Funktionär einer rechtsextremen Patei den VfGH in mehreren Bundesländern repräsentiert - wohl, weil er im “unpolitischen” Verein selbst nicht politisch agitiert.
Mehr hierzu: Gefährliche Naivität gegenüber Rechtsextremismus in der germanischen Heidenszene.
Die “Heidenszene” mag manchem wie eine besonders skurile Subkultur erscheinen, aber tatsächlich ist sie ein ziemlich genauer Spiegel der Gesamtgesellschaft. Und sie ist hat unbestreitbar ein besonders großes “Naziproblem”. Auf das sie leider genau so reagiert, wie es die deutsche Gesamtgesellschaft tut: einige sind rechtsextrem, weitaus mehr sympatisieren mit den Rechtsextremen, noch mehr schauen weg, und sehr, sehr viele haben “Verständnis”, sind “tolerant” oder “unpolitisch”.

(Der Ordnung halber nachgeliefert: die Quelle der Heye-Äußerung: SpOn Heye legt Anti-NPD-Programm vor)

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33 Kommentare zu “Die NPD-”Erfolge” und die “Täterversteher””

  1. R.A.
    26.09.2006 | 18:09

    Auf jeden Fall Zustimmung, daß Heye ein Trottel ist.

    Das sieht man alleine schon daran, was er dann als “Aktionsplan” gegen die Nazis vorschlägt: Lauter Maßnahmen zur besseren schulischen Integration von Ausländern.

    Das ist natürlich für sich sinnvoll - wird aber keinen Nazi in Meck-Pomm überzeugen.

    Insgesamt kann ich aber nicht feststellen, daß es in Deutschland zu viel Verständnis für Nazis gäbe, oder gar einen “Kuschelkurs” ihnen gegenüber.

    Ich sehe da eher Ignoranz einerseits und kontraproduktiven kreischigen Alarmismus andererseits.

  2. 26.09.2006 | 18:40

    Einen gewissen Zusammenhang zwischen sozialen Problemen und Anwachsen von Extremismus kann man allerdings nich leugnen.

    Das macht Nazis und ihre Wähler nicht besser (auch nicht die Linksextremen) - aber es sollte uns zu denken geben, wie schnell Werte wie Freiheit, Bürgerrechte usw. aufgegeben werden, wenn die Leute keine Zukunft mehr sehen.
    Mal sehen, wie lange das noch dauert bis auch der letzte Depp (mit Verlaub) merkt, das die Nazis und die Kommunisten nichts weiter sind als unfähige Luftblasenproduzenten.

  3. FAB.
    26.09.2006 | 18:59

    Hm. Wen´s interessiert, der möge z.B. den Aufsatz von Prof. Dr. Hoffmann-Riem, Richter am BVerfG, dazu konsultieren (NJW 2004, 2777 - zu finden in jeder gutsortierten Unibibliothek). Er berichtet von den Verfahren, in denen er als Richter am BVerfG für Eilanträge gegen Demonstrationsverbote zuständig war. Und konstatiert dabei, daß beim Kampf gegen “Rechts” die Behörden den Rahmen des Rechtsstaats bis zum äußersten ausreizen und oftmals auch überschreiten. Zitat: “Hätte ich die vielen Akten über die von mir aus verfassungsgerichtlicher Warte geprüften Entscheidungen nicht mit eigenen Augen gesehen, ich hätte nicht geglaubt, daß einzelne Behörden und Gerichte in diesem Feld so nachhaltig fehlerhaft handeln würden.” (a.a.O. S. 2780)
    Kuschelkurs?

  4. 26.09.2006 | 19:05

    @ FAB - Seitens der strafverfolgenden Behörden: wohl nicht! Aber staatliche Repression alleine reicht nicht aus, ist, wenn sie über das Ziel hinausschießt, sogar kontraproduktiv für die Demokratie.

  5. 26.09.2006 | 19:38

    Ich sehe da weniger einen Kuschelkurs gegenüber den Parteien und Organisationen (auf der saktionierenden Ebene) als einen gegenüber den rechtsextremen Themen. Denn freilich profitieren auch die “demokratischen” Parteien von Ungebildetheit und Dumpfheit. Wenn ein Koch in Hessen mit einer “Wo kann ich hier gegen Ausländer unterschreiben”-Kampagne Wahlkampf machte, dann spricht das ebenso Bände wie die “Affäre Hohmann” und der Umgang innerhalb der CDU damit. Die Nazi-Skins werden “gedrückt” (obwohl sie vielleicht mit engagierterer Jugendarbeit garnicht erst zu Vollnazis geworden wären, allerdings ists, ist das erstmal passiert, zu spät) aber die Brandstifter in Nadelstreifen, die “guten Nachbarn” und die “Kollegen”, die doch “eigentlich ganz nett und intelligent” sind, denen gegenüber traut sich niemand auch nur einen Pieps.

    Wobei auch im Strafrecht durchaus noch zu “kuschlig” gefahren wird, wenn z.B. Opfer von Rechtsradikalen zu Tätern gemacht werden (”Man geht als Schwarzer ja auch wirklich nicht Nachts allein durch den Park, das musste ja was provozieren”) oder Urteile gesprochen werden, bei denen man sich fragt, wieso da ein Mehrfacher Gewalttäter eigentlich zum fünften Mal nur eine Bewährungsstrafe kriegt, nachdem er wieder mal jemanden nur wegen dessen Hautfarbe, Herkunft oder Gesinnung krankenhausreif geprügelt hat. Und komm’ mir keiner mit “Vergleichbarem” im Linksextremen Spektrum. Zum einen gleicht eine Scheiße eine andere nicht aus, zum anderen richtet sich linksextreme Gewalt dann doch weit öfters “nur” gegen Sachen, während Rechtsextreme in manchen Gegenden in Mehrheiten selbst mit einem möglichen Tod ihrer Opfer überhaupt kein Problem haben.

  6. Marcel
    26.09.2006 | 19:40

    MartinM hat es angesprochen, staatliche Repression kann -und tut es hier-kontraproduktiv wirken. Warum? Einmal einen Perspektivlosen mit ihrem nationalistischen Sozialismus (das ist -wie wir wissen- auch Lafontaines Richtung) einigermaßen überzeugt, können sie sich hochstilisieren zu den Geächteten, was beim potentiellen Wähler einen Solidarisierungsreflex auslöst.
    Aber dies ist natürlich nicht der einzige Grund. Viele junge Leute (wie wir wissen ja inzwischen sowas wie die Basis der NPD in Ostdeutschland) fühlen sich von dem politischen Programm -nicht von den Schlägertrupps- angesprochen. Das ist wie oben schon gesagt der nationalistische Sozialismus. Die Auflösung der Grenzen in den Werten, im Denken und im Wettbewerb -alles Dinge zu denen jeder Liberale steht- überfordert tatsächlich viele grundsätzich. Dazu kommt der Eindruck, dass die Liebe zum Vaterland in Deutschland nicht gern gesehen wird. Das lässt sich auch noch spezifischer auf den Osten beziehen, denn wie kann der Osten -in dem es jahrzehntelang hies “wir haben keine Faschisten” auf die ausgeprägte Schuldkultur der früheren 68er anders reagieren als mit einer Gegenreaktion?
    Und dann müssen wir auch mit einer Tatsache klarkommen, die in den Prozenten bisher eine sehr niedrige Rolle spielt: Es gibt in jedem Land Nationalisten. In Polen sind große Teile der politischen Landschaft voll davon, in Frankreich hat LePenn die französische Nationalmannschaft schon mal als angeblich unfranzösische “Negertruppe” bezeichnen dürfen.
    Um die Köpfe auch der Menschen die für Nationalismus empfänglich sind zu kämpfen ist selbstverständlich nötig, aber falsch ist die Stigmatsisierung, und daher auch Verbotsverfahren bei politischen Parteien.

  7. Olaf Petersen
    27.09.2006 | 6:29

    Man wird sowohl sowohl der extremen Rechten als auch der extremen Linken nur durch eine erfolgreiche Sozial- und Wirtschaftspolitik das Wasser abgraben können. Man sollte mal jeweils zusammenzählen, wie Prozentpunkte Wählerstimmen PDS und NPD/DVU zusammen bekommen haben. Wäre diese Summe nicht ein Ausdruck der Menge von Wählern, die ‘verdrossen’ sind über die Politik von SPD und CDU - der beiden ‘grossen Volksparteien’?

    Wir haben seit 1998 mehrere sozialdemokratische Bundesminister für Soziales - geht es den Schwächsten der Gesellschaft seither besser oder schlechter? Allein die Zahl der Kinder, die unterhalb der Armutsgrenze leben, hat sich mehr als verdreifacht! Ausrufezeichen!

    Mehr als 50% der Wähler hat bei der Bundestagswahl links gewählt - und was bekamen sie? Eine Bundeskanzlerin der CDU! Was Schröder privat über Lafontaine dachte, war relevanter als das, was die Wähler wollten und nicht wollten. Die Wahl einer linken Partei ist immer aus Ausdruck dafür, dass man eben keine rechte Regierung haben will - sonst hätte man der Wahl auch fernbleiben können.

    Die grossen Parteien haben sehr viel Vertrauen verloren und spielen damit NPD und PDS in die Hände. Und mangels aussichtsreicherer Alternativen werden sie auch gewählt. Weder Appeasement noch Repression würden daran etwas ändern, schon gar nicht, wenn beide zusammen schon 20% der erwachsenen Bevölkerung repräsentieren.

    Wenn aber SPD und CDU mangels eigener Erfolge weitere Stimmenverluste befürchten und in einer schwierigen sozialen Lage zu repressiven Mitteln greifen, anstatt es den Menschen gerecht zumachen, dann gute Nacht.

    20% PD+NPD + Nichtwähler sind schon fast die Mehrheit.

  8. 27.09.2006 | 8:13

    @ Olaf: So ganz falsch liegt Du da meines Erachtens nicht, allerdings greift die ökonomische Argumentation viel zu kurz. Wenn eine Demokratie nur dann stabil ist, wenn es ihren Bürgern wirtschaftlich gut geht, dann ist es um diese Demokratie schlecht bestellt.
    Tatsächlich bringt die offenen, demokratische Gesellschaft Werte und nicht-materielle Vorteile für ihr Bürger gegenüber einer “Wohlfühldiktatur” mit sich, die m. E. leider zu wenig vermittelt werden.

    Wogegen ich mich, wie Sven, verwehre, ist die Gleichsetzung von NDP und der “Linkspartei” / PDS. Der Vergleich käme nur dann halbwegs hin, wenn die “Linkpartei” stramm stalinistisch oder maoistisch wäre, verklausuliert, aber deutlich erkennbar die Abschaffung der parlamentarischen Demokratie fordern würde - und mit brutalen Schlägertrupps zusammenarbeiten würde. Das ist eindeutig nicht der Fall, die “Linkspartei” bewegt sich (von ein paar Betonstalinisten abgesehen) deutlich innerhalb des von der Verfassung gegebenen Rahmens - während die NDP und die DVU sich mit formalen Zugeständnissen auf dem Papier begnügen.

  9. 27.09.2006 | 9:36

    … und wenn schon von Staats- und Verfassungsfeinden die Rede ist, dann doch bitte die Libertären nicht vergessen …

  10. 27.09.2006 | 9:58

    …während die NDP und die DVU sich mit formalen Zugeständnissen auf dem Papier begnügen.

    Hat die SED den Sozialismus tatsächlich aufgegeben?
    Oder ihm nur - formal auf dem Papier - ein demokratisches Kleidchen umgehängt? Ein Kleidchen übrigens, dass schon vor ‘89 bei dieser Partei in Mode war.

  11. 27.09.2006 | 10:05

    @MR

    Feinde schon, aber keine, die ihre Feindschaft anderen aufzwingen wollen. Da sehe ich schon Unterschiede…

  12. 27.09.2006 | 10:54

    @Rayson:

    Natürlich wollen die mir die Abschaffung des Staates aufzwingen. Von mir aus können auch allesamt gerne austreten aus dem Staat und in die Mongolei umziehen … wenn schon Demokratie, dann muß man deren Grundlagen schon zu akzeptieren bereit sein. Und so ganz können in der Hinsicht auch manche Liberale ihre Hände nicht in Unschuld waschen, by the way … ja, Boche, damit meine ich auch Deine Gleichsetzung von SED und PDS.

  13. 27.09.2006 | 11:00

    ja, Boche, damit meine ich auch Deine Gleichsetzung von SED und PDS.

    “damit”? Womit?

  14. 27.09.2006 | 11:01

    Und was heißt hier “Gleichsetzung”?
    Ich muss nichts gleich setzen, was ein umbenanntes Eines ist.

  15. R.A.
    27.09.2006 | 11:26

    @VolkerD:
    > Einen gewissen
    > Zusammenhang
    > zwischen sozialen
    > Problemen und
    > Anwachsen von
    > Extremismus kann
    > man allerdings
    > nicht leugnen.
    Richtig.

    Wobei es aber schon befremdlich ist, daß es die Politik außerhalb von Sonntagsreden ziemlich kalt läßt, daß seit Jahren in großen Teilen Meck-Pomms (und anderen Regionen) viele Jugendliche keine Berufs- und Lebens-Perspektive mehr haben.

    Aber sobald die dann NPD wählen, gibt es ein Riesengekreisch.

    Obwohl ich das Erstere für das weit skandalösere Problem halte.

    Oder weiter: Wenn erst NPD-Wählen Arbeitslosigkeit zum echten Thema macht, dann wäre das sogar legitim und verständlich, wenn die Nazis Wahlerfolge kriegen.

  16. 27.09.2006 | 12:10

    @Boche:

    Auch Organisationen sind lernfähig, man höre und staune …

  17. 27.09.2006 | 12:23

    @MR

    Ich habe ja nicht bestritten, dass sich die SED an die neuen Umstände mehr als nur namentlich angepasst hat.
    Sind ja nicht alle dumm, die Sozialisten.

  18. 27.09.2006 | 15:33

    @Boche:

    Siehste, die haben was gelernt seit der Wiedervereinigung - schön wär’s, wenn das auch bei den West-Alt-Parteien der Fall wäre …

  19. 27.09.2006 | 15:42

    Da es für mich schon nicht erkennbar “schön” ist, dass die SED gelernt hat, ihre freiheitsfeindlichen Ziele zeitgeistgemäßer zu verpacken, ist mir die Idee des Hinzulernens der Alt-West-Parteien erst recht schnurz.

  20. 27.09.2006 | 15:59

    @Boche:

    Ich bestreite hiermit die freiheitsfeindlichen Ziele der PDS, obwohl ich die auch nicht mag, die verstehen darunter nur was anderes als Du. Du verstehst darunter ja auch was anderes als ich.

    Und daß Dir Alt-West-Parteien schnurz sind, halte ich für politisch bedenklich … auch das ist ja ein Grund für die Erfolge der NPD, daß die Alt-West-Parteien dafür gesorgt haben, daß sie so vielen schnurz sind, und wahrscheinlich sollte man da mal gegensteuern … soweit ich’s hier überblicke, sind ja Marian und Karsten beeindruckenderweise die einzigen, die sich den Anstrengungen des politischen Alltagsgeschäfts auch widmen …

  21. 27.09.2006 | 16:18

    @MR

    Ich bestreite hiermit die freiheitsfeindlichen Ziele der PDS, obwohl ich die auch nicht mag, die verstehen darunter nur was anderes als Du.

    Ja, die verstehen unter Freiheit staatlichen Dirigismus und können vom Wahn der bürokratischen Steuerbarkeit der Gesellschaft nicht lassen.
    Kenne ich noch von früher und erkenne es in Programm und Propaganda wieder.

    Und daß Dir Alt-West-Parteien schnurz sind, halte ich für politisch bedenklich …

    Ich meinte nicht, dass sie mir schnurz sind. Mir war nur die von dir im Zusammenhang mit der SED gestellte vergleichende Frage ihrer Lernfähigkeit schnurz.

    Gegensteuern muss man meines Erachtens weniger in der Rezeption der Parteien beim Volk als vielmehr bei der Wahrnehmung des Staates und seiner Rolle.
    Und das sowohl, was die Wahrnehmung des Bürgers als auch was die Wahrnehmung des Bürokraten betrifft.

    Vielleicht kommt man auch zu der überraschenden Erkenntnis, dass ein Staat, der seine Bürger wie dumme, unmündige Kinder behandelt, sich nicht über dumme Wahlentscheidungen zu wundern braucht?

  22. Olaf Petersen
    27.09.2006 | 16:21

    @ MartinM: Ich setze PDS und NPD natürlich nicht gleich, aber ich traue beiden gleichermassen nicht über den Weg, was unsere individuellen Freiheiten betrifft.

  23. 27.09.2006 | 16:34

    @Boche:

    Jetzt mal ganz doof geschwafelt: “Die Parteien wirken an der Willensbildung des Volkes mit”, heißt es ja irgendwo sinngemäß im Grundgesetz, und aktuell ist jenseits jeder Ironie ja doch ein Problem, daß einen manchmal das Gefühl befällt, es sowieso mit einer Art SED im Sinne von Einheitspartei mit Binnendifferenzen zu tun zu haben, diese Willensbildung also doch sehr einseitig ausfällt (wobei Du da jetzt ganz andere Punkte hervorheben würdest als ich).

    Was es dann der NDP auch sehr leicht macht, sich “gegen das System” zu positionieren in den Augen ihrer Wähler. Insofern wäre es aber in der Tat mal wieder an der Zeit, sowas wie Konkurrenz im Politischen überhaupt deutlich zu machen und die Fragen, die Du aufwirfst nach Staat und Bürokratie, etwas konturierter zu beantworten, als es derzeit in diesem ganzen Mischmasch geschieht. So Slogans wie “Mehr Freiheit wagen” oder “Handlungsfähiger Staat” sind ja so dolle nun auch nicht.

    Und das immerhin muß man der PDS zugestehen, daß sie da gelegentlich Klartext redet … insofern ist das alles aber schon auch ‘ne Frage nach dem Agieren der Parteien und deren Perspektive auf Staatlichkeit, aber bitte mal konkret zwischendrin. Die richtigen Parteiarbeiter werden da jetzt wahrscheinlich empört sein, weil vieles ja auch eine Frage dessen ist, was überhaupt durchdringt.

  24. 27.09.2006 | 16:49

    @MR

    Natürlich wollen die mir die Abschaffung des Staates aufzwingen.

    Wie kommst du auf die Idee? Dazu haben Libertäre doch überhaupt keine Handhabe, wenn sie bei ihrer Überzeugung bleiben.

  25. 27.09.2006 | 16:56

    @Rayson:

    Von wegen. Die haben die mächtigeren Verbündeten, wenn’s ernst wird …

  26. 27.09.2006 | 16:58

    Ach ja, die Illuminaten…

  27. 27.09.2006 | 17:10

    @MomoRules

    Ich sage mal so: Die Mehrheit der Parteien unterscheidet sich m.E. nur in der Art und Weise der Bevormundung des Bürgers.

    Die einen machen einen auf Robin Hood, mal mit mehr, mal mit weniger agressivem Kriegsgeschrei. Sie nehmen dir das Geld weg, geben es Bürokraten und meinen, dass diese es so zu verteilen wissen, dass hinterher alles besser ist.

    Die anderen versuchen auf sachliche Verwalter zu machen und sind doch auch nur rückratlose und verteilungswütige Schmarotzer, die sich gelegentlich mit ein wenig Frau-an-den-Herd und Familie-in-den-Gottesdienst-Rethorik zu schmücken suchen.

    Andere wieder predigen den Untergang und gerieren sich als die spießigen Hausmeister der Biosphäre oder als Ablasshändler der ökologischen Korrektheit.

    Alle gemeinsam aber vertrauen dem Bürger nicht. Sie geben vor zu wissen, was gut für ihn ist.
    Sie regeln sein Leben hier und regeln es dort, ohne Sinn und Verstand. Und natürlich, ohne je das Erstrebte zu erreichen.

    Die Gestaltungsmöglichkeiten der Politik sind ganz offensichtlich deutlich kleiner als ihre Propaganda-Versprechungen und Rest-Ideologien vorgeben. Das merken die Menschen.

    Wenn sie dann den absurdesten und widerlichsten Rattenfängern ihre Stimme geben, dann scheint mir das - neben Dummheit und Verzweiflung über die Unfähigkeit der Politik - auch am Mangel an Einsicht zu liegen.

    Nämlich an der Einsicht, dass es kein Weltuntergang ist, wenn jemand anderes, nämlich Papi Staat und der gnädig-freundliche Herr vom Amt, sich als unfähig erweisen, einem die Wünsche zu erfüllen.
    Sondern dass es viel schlimmer ist, wenn diese Papis es versuchen.
    Weil sie zu diesem Versuch einem nämlich erst einmal genau die Mittel und genau die Freiheit nehmen, die man bräuchte, es selbst zu schaffen.

    PS: Das Ganze ist vielleicht etwas unausgegoren und ganz gewiss keine erschöpfende Analyse des politischen Zustands Deutschlands.
    Aber ich muss zum Zug. ;-)

  28. 27.09.2006 | 17:20

    @Rayson:

    Sind die Illuminaten jetzt auch der Bertelsmann-Stiftung beigetreten?

    @Boche:

    Ich laß das als Gefühlsausdruck auch einfach mal unkommentiert ;-) … viel Spaß beim Zugfahren! Sich in ICEs betrinken mit cooler Musik im Ohr und dabei in die Landschaft starren, das finde ich auch immer super!!!

  29. 27.09.2006 | 17:26

    @MR

    Die kontrollieren die doch schon.

  30. 27.09.2006 | 21:02

    @MR

    Als Liberaler fahre ich nicht ICE sondern mit der privaten Konkurrenz. ;-)

  31. 28.09.2006 | 8:11

    @Boche:

    Ach, Du willst aber auch einfach keinen Spaß haben im Leben ;-)

  32. 28.09.2006 | 9:12

    @MR:
    Dirk widmet sich dem politischen Geschäft bisher noch weit intensiver, als ich das tue. Und keine Ahnung, wie es um politische Aktivitäten von David bestellt ist…

  33. 28.09.2006 | 14:09

    Bis jetzt gibt es da noch nichts…

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