Kreuze und Kopftücher

Wie SPON berichtet, haben CSU-Politiker zu einem Boykott von British Airways aufgerufen. Die Fluggesellschaft verbietet ihren Mitarbeitern, Kreuze sichtbar zu tragen, obwohl Kopftücher erlaubt sind.

Die Fluglinie hat inzwischen Berichte zurückgewiesen, wonach es eine Richtlinie geben soll, die das Tragen von religiösen Symbolen verbietet. Vielmehr gebe es schon seit Jahren eine Uniformrichtlinie, die das Tragen von Schmuckstücken über der Uniform untersage, teilte eine Sprecherin mit. Darunter fielen eben auch Ketten mit christlichen Kreuzen: Diese dürften nicht über der Uniform getragen werden. Für religiöse Symbole wie das Kopftuch, die nicht verborgen getragen werden könnten, gebe es aber kein Verbot.

[CSU-Politiker] Singhammer sagte SPIEGEL ONLINE, die Stellungnahme von British Airways sei eine “interessante Position mit bizzarem Charakter”: “Das Kreuz ist kein Schmuckstück, sondern Ausdruck einer religiösen Überzeugung wie das Kopftuch.”

Da irrt Herr Singhammer. Kreuz und Kopftuch sind nicht gleichzusetzen. Es gibt keine Vorschrift, die Christen das Tragen von Kreuzen in welcher Form auch immer vorschreibt. Und konsequenterweise dürften Christen unter den Trägern von Kreuz-Schmuckstücken tatsächlich in der Minderheit sein.

Die unterschiedliche Behandlung durch British Airways ist also völlig korrekt. Interessant sind nur die Prioritäten.

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17 Kommentare zu “Kreuze und Kopftücher”

  1. 16.10.2006 | 22:34

    Ich hab mal in meinem Koran nachgeblättert und nichts von Kopftüchern gelesen. (War übrigens gerade kein Scherz.) Ich denke der entscheidende Punkt ist hier doch, dass in diesem Fall das Kreuz aus religöser Überzeugung getragen wird, wie das Kopftuch auch. Insofern sehe ich im Verhalten von British Airways schon ein Problem. Wenn schon, denn schon: Entweder verbieten sie sämtliche religösen Symbole oder keines.

    Über die Ausfälle mancher CSU-Politiker die auch mal in der Presse erwähnt werden wollen, sind wir dann allerdings wieder einer Meinung.

  2. der gute don
    16.10.2006 | 22:50

    Entweder verbieten sie sämtliche religösen Symbole oder keines.

    BA verbietet keine religiösen Symbole sondern das Tragen von Schmuck. Es dürfen also auch keine Halbmonde an der Kette getragen werden.

    Man könnte meinen es gebe keine dringlicheren Aufgaben für die soziologisch gesehene “Führungselite”.

  3. 16.10.2006 | 22:59

    Mir ist es völlig egal, aus welchem Grund ein CSU-Hansel eine Fluglinie boykottiert.
    So, wie es mir egal ist, welche Vorschriften ein Arbeitgeber seinem Angestellten auferlegt. So lange niemand zu etwas gezwungen wird…

  4. 16.10.2006 | 23:03

    Ist ein Kreuz denn immer ein Schmuck? Nicht jdes Abzeichen dient der Verschönerung.

  5. 16.10.2006 | 23:33

    Wie gesagt: Ich nehme es nur den wenigsten Kreuzträgern ab, dass sie dieses Symbol aus religiöser Überzeugung tragen. Dazu kenne ich zu viele Gegenbeispiele.

    @Boche

    Es gibt ein Zwangselement in dieser Nachricht. Und wer genau liest, erkennt es auch.

  6. Llarian
    17.10.2006 | 3:33

    Stimmt, es gibt einen erheblichen Unterschied. Während das Kreuz ein christliches Symbol ist, dass reinen Glauben ausdrückt, ist das Kopftuch das Symbol der Islamisten und der Unterdrückung und des Sexismus geworden. Nirgendwo im Islam wird das Kopftuch erzwungen, ausser in seinen radikalen Auslegungen, die natürlich unbedingt zu befolgen sind. Da muss man natürlich schon Prioritäten setzen.

    Ich finde auch, man sollte nicht Ungleiches vergleichen. Die British Airways verhält sich absolut grotesk und recht symbolisch für die westliche Selbstverleugung, die aus purer Dummheit und falsch verstandenem Toleranzbegriff (mir liegt schon wieder das Liberallala auf der Zunge) meint eine ohnehin friedlichen Religionsausdruck öffentlich ächten zu müssen (Christen schmeissen ja nun leider keine Bomben), bei gleichzeitiger Akzeptanz des Symbols einer radikalen Religionsauslegung (die könnten ja sonst beleidigt sein und schmeissen dann tatsächlich Bomben), die jedes Jahr ein paar zehntausend Menschen ermordet. Übrigens einige tausend davon, weil sie auf den sich hinter dem Kopftuch verborgenen Sexismus keinen Bock hatten. Natürlich kann die British Airways tun was sie will, nur sind solche Aktionen eben schon sympthomatisch für den apathischen Zustand der westlichen Welt in Bezug auf ihre eigenen Werte.

  7. 17.10.2006 | 9:28

    @Rayson

    Der Zwang den der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer gegenüber ausübt?
    Ich würd auch gern in Jeans zum Kunden gehen dürfen.

  8. R.A.
    17.10.2006 | 10:21

    Es gibt Kleidervorschriften für Servicekräfte der Art von Flugbegleitern, das ist legitim.
    Da kann man auch Schmuck verbieten - obwohl das sehr ungewöhnlich ist.

    Aber umgekehrt Kopftücher zuzulassen, das ist sehr ungewöhnlich und eigentlich nur mit der von Llarian beschriebenen politischen Feigheit zu erklären.

  9. 17.10.2006 | 10:33

    Nach allem, was ich in letzter Zeit gelesen habe, würde ich diese Art politischer Feigheit bei englischen Unternehmen fast erwarten.

  10. 17.10.2006 | 14:08

    @Boche

    Nein. Den religiösen Zwang zum Kopftuchtragen.

  11. 17.10.2006 | 14:11

    Ok, aber das gehört ja nicht direkt in den Streit zwischen CSU-Mann und Fluglinie.
    Man kann natürlich konstatieren, dass es die Fluglinie nicht wagt, ihren Zwang gegen den islamischen Zwang durchzusetzen.

  12. 17.10.2006 | 14:42

    Eben. Die Fluglinie verbietet das, was Menschen freiwillig tun, aber sie erlaubt das, wozu sie gezwungen werden. Deswegen geht Singhammers Vorwurf ins Leere: Als Christ kann man ohne Probleme auf Kreuzkettchen verzichten.

    Die Praxis der BA, die faktisch auf eine Förderung des größeren Zwangs hinausläuft, wird dadurch aber nicht weniger interessant.

  13. 17.10.2006 | 14:53

    Wobei eine Fluglinie nicht dafür da ist, die individuelle Freiheit zu verteidigen. Das sollte besser das Rechtssystem leisten.

  14. 17.10.2006 | 15:05

    “Dafür da” ist sie sicher nicht. Dennoch: Es gibt dieses Wort “Zivilcourage”, und gerade, wenn man sich eben nicht darauf verlassen will, dass der Staat alles für einen regelt, wird man es auch ab und zu mal mit Leben füllen müssen.

  15. 17.10.2006 | 15:07

    Das ist richtig, unbestritten.

  16. 18.10.2006 | 17:02

    [...] Hierzu schreibt Rayson in einem Beitrag bei den Bissigen Liberalen: [...]

  17. 18.10.2006 | 19:20

    naja wenn es einen freien arbeitsmarkt gäbe, man also nicht verhungern müsste wenn man nicht für irgendjemanden arbeitet währe eine kleiderordnung kein großes problem
    wenn die arbeitnehmer das mit sich machen lassen dürfte er also ruhig vorschreiben das sie in anzug (hat man was zu lachen ;) ) mit kopftuch oder in latex arbeiten

    da es aber keinen freien arbeitsmarkt ist es legitim ihm auch bestimmte grenzen z.b. bei der kleiderordnung zu geben
    meiner meinung nach sollte eine kleiderordnung dann maximal fordern das der oberkörper und schultern und den unterkörper bis zu den knien mit undurchsichtigem stoff zu bedecken, und alle kleidungsstücke sauber sind
    wenn arbeitsschutz relevant ist kann der sicherlich ebenfalls vorgeschieben werden

    ein kopftuch-zwang existiert im koran wohl wirklich nicht, wird eher ein kulturelles problem sein, trotzdem ist der koran sexistisch (siehe z.b. 4. Sura von den Frauen) weil er ‘männer’ und ‘frauen’ unterscheidet und unterschiedliche vorschriften macht
    sicher, deutsche gesetze (ink. gg) sind auch sexistisch, so nebenbei
    in der bibel hab ich noch nichts entspechendes gelesen, aber da ich darin eh fast nichts gelesen habe heist das nicht das es nicts gib, ich glaube es auch nicht..

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