Abwechslung für den Speisezettel

Ab und an lasse ich die werte Leserschaft dieses Blogs ja an besonders schönen BMF-Schreiben teilhaben. Also aufgemerkt:

Umsatzsteuer: Steuersatz für Umsätze mit getrockneten Schweineohren
BMF-Schreiben vom 5. August 2004 - IV B 7 - S 7220 - 46/04 - (BStBl I S. 638)
IV A 5 - S 7221 - 1/06

Unter Bezugnahme auf das Ergebnis der Erörterungen mit den obersten Finanzbehörden der Länder gilt Folgendes:
Genießbare getrocknete Schweineohren (Schlachtnebenerzeugnis) - auch wenn als Tierfutter verwendet - werden gemäß der Verordnung (EG) Nr. 1125/2006 der Kommission vom 21. Juli 2006 (ABl. EU L 200 S. 3) in die Unterposition 0210 99 49 des Zolltarifs (ZT) eingereiht. Umsätze mit diesen Erzeugnissen unterliegen dem ermäßigten Steuersatz (§ 12 Abs. 2 Nr. 1 UStG i.V.m. Nr. 2 der Anlage 2 zum UStG).

Getrocknete Schweineohren (Schlachtnebenerzeugnis), die nicht für den menschlichen Verzehr geeignet sind, werden hingegen der Unterposition 0511 99 90 ZT zugewiesen. Umsätze mit diesen Erzeugnissen unterliegen dem allgemeinen Steuersatz (§ 12 Abs. 1 UStG).

Es folgen noch ein paar Übergangsvorschriften im Beamtendeutsch, die wir uns aber auch so vorstellen können. Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber für mich sind solche Schreiben voller Leben. Zum Beispiel lässt in mir der erste Absatz Bilder von vielen Diskussionen entstehen, in denen hochkarätige Beamte über die Behandlung getrockneter Schweineohren disputieren. Und dann die Unterscheidung in “genießbar” und “nicht für den menschlichen Verzehr geeignet”: Das wäre doch mal eine Folge für “So lebt Deutschland”. Die Ergänzung “Schlachtnebenerzeugnis” scheint auch auf eine alternative Gewinnung als “Schlachthaupterzeugnis” hinzudeuten. Offensichtlich sind mir die Essgewohnheiten vieler Mitmenschen völlig unbekannt…

Ähnliche Beiträge


8 Kommentare zu “Abwechslung für den Speisezettel”

  1. 20.10.2006 | 14:41

    Ich muss jetzt sofort wissen, was der Unterschied zwischen genießbaren und ungenießbaren Schweineohren ist!!!

  2. 20.10.2006 | 14:49

    Lass uns raten und die Möglichkeiten zusammentragen. Es hängt ab von:

    - dem Alter des ursprünglichen Ohrträgers
    - den Hygienegewohnheiten des ursprünglichen Ohrträgers
    - der Art der Ohrhabhaftwerdung (Schneiden, Reißen - was gäbe es da noch?)
    - der Art und dem kommunikativen Inhalt der vom betreffenden Ohr während seiner aktiven Zeit empfangenen akustischen Signale (unwahrscheinlich, da wohl zu esoterisch)

    Der Feierabend naht, Boche wird albern.

  3. 20.10.2006 | 14:52

    Schneiden, Reißen - was gäbe es da noch?

    Die Mike-Tyson-Methode.

  4. 20.10.2006 | 14:56

    Ich denke, es ist die Art und Weise der Trocknung, insbesondere die Temperatur, die während des Trocknungsvorgangs erzeugt wird.

    Der Verzehr von Schweineohren macht offenbar süchtig.

  5. 20.10.2006 | 15:01

    @Marian

    *gg*
    Danke für den Link. Lachend ins Wochenende zu gehen, ist doch was Schönes. :-)

  6. 25.10.2006 | 15:08

    Hier der Beweis, dass wir von der FDP gelesen und sogar (wenn auch ungefragt und -genannt) zitiert werden:

    Presservice der Liberalen
    *******************************************************************

    SOLMS: Großer Erfolg der Großen Koalition bei Großer Steuerreform?
    (25.10.2006)
    BERLIN. Zu den Anstrengungen der Großen Koalition einer Reform der
    Umsatzsteuer erklärt der finanzpolitische Sprecher der
    FDP-Bundestagsfraktion Hermann Otto SOLMS:

    Endlich kommt die Große Koalition auf dem Gebiet der Umsatzsteuer voran.

    Nach jahrelangen Streitigkeiten hat nun der Bundesfinanzminister in
    einem Schreiben klargestellt, mit welchem Steuersatz die Umsätze
    getrockneter Schweineohren zu belegen sind.

    Genießbare getrocknete Schweineohren, auch wenn sie als Tierfutter
    verwendet werden, unterliegen dem ermäßigten Steuersatz. Ungenießbare
    Schweineohren, die dann auch als Tierfutter verwendet werden,
    unterliegen dem vollen Steuersatz.

    Eine “klare” Regelung, die “klaren” Prinzipien folgt.

    Eine Frage aber bleibt: Gilt das auch für die Schweineohren, die man
    beim Bäcker kauft?

    *******************************************************************

  7. 25.10.2006 | 15:14

    Na ja, ich will nicht gänzlich ausschließen, dass von den vielen Steuerberatern, die Mitglied der FDP sind, der eine oder andere sogar BMF-Schreiben liest ;-)

  8. 26.10.2006 | 13:34

    [...] B.L.O.G.: Abwechslung auf dem Speisezettel “Die Welt”: Durchbruch im Streit über Schweineohren [...]

Bad Behavior has blocked 1594 access attempts in the last 7 days.