Schröder

Ich gebe es zu. Ich bin ein Schröder-Fan. Schröder, das war jemand, der trotz verheerender Folgen für die Wahlergebnisse seiner Partei an etwas festgehalten hat, das er für richtig hielt. Schröder wagt es, die Herren Bsirske und Peters als das zu bezeichnen, was sie sind: Funktionäre, die im Interesse des Apparats einer Organisation handeln. Schröder kämpft mit offenem Visier.

Ok, da war dieser Realitätsverlust am Abend der Wahl. Aber das ist verzeihlich, den hat jeder Kanzler, der mindestens einmal wiedergewählt wurde. Und Schröder wurde oft wiedergewählt. Zwar nur einmal als Kanzler, aber vorher zwei Mal als Ministerpräsident. Und ok, da war dieser verträumte Blick auf Putin. Aber hey, wenn es dafür Gas gibt?

Und was mich endgültig für ihn einnimmt: Schröder sieht die heutige Realität so klar wie kaum einer.

Sehr zufrieden zeigt er sich auch mit dem Koalitionsvertrag der Großen Koalition. “Herausgekommen ist ein gemäßigt sozialdemokratisches Programm, das im Großen und Ganzen - mit anderen Akzenten hier und da - auch von einer rot-grünen Bundesregierung hätte getragen werden können”, schreibt Schröder. “So ist es doch eine sozialdemokratische Ära geworden, die wir 1998 eingeleitet hatten”.

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24 Kommentare zu “Schröder”

  1. googlehupf
    22.10.2006 | 23:17

    Ich habe es eben vor 20 Minuten auch gelesen und das ist war auch ungefähr mein Gedanken. Gerade der letzte Satz ist mir auch in die Augen gesprungen.

  2. 22.10.2006 | 23:27

    Ich gebe es zu. Ich bin ein Schröder-Fan.
    Das aus Deinem Mund… tststs. Bitte die Ironie-Tags nicht vergessen, nachher glaubt Dir noch jemand. :)

    Ok, da war dieser Realitätsverlust am Abend der Wahl.
    Also was ich bisher gehört habe (habe mir noch nichts über sein Buch durchgelesen - nur die Reaktionen, wo dann Leute wie “Michel Glos” mal wieder in den Medien vorkamen), dann hat er das doch mit einer besseren Verhandlungsbasis für die SPD begründet.

    PS: Ich war und ich bin Schröder-Fan. Ohne Ironie.

  3. 22.10.2006 | 23:38

    Der Mann ist das Letzte. Mit dem BILD-Werbespot ist er endgültig in die Politik-Gosse gefallen. Eine alte Polit-Hure, die jetzt ganz offen zeigt, daß sie für Geld alles macht.

    Naja — der vorletzte SPD-Kanzler wurde Herausgeber der ZEIT, der letzte druckt seine Memoiren in der BILD. Auch ein Symptom für den Niedergang einer Partei.

  4. 22.10.2006 | 23:56

    Also ich weiß nicht, dieser Durchhalte-Kanzler war ja nicht gerade eine Dauererscheinung während Rot-Grün. Da wurde dem Volk schon oft genug aufs Maul geschaut, und den Eisernen Kanzler hat Schröder erst gespielt, als er merkte sein Populismus wurde als das entlarvt was er war, Populismus.

  5. 23.10.2006 | 0:04

    Der vorletzte SPD-Kanzler wurde nicht nur Mitherausgeber der ZEIT. Ihm kann man bis heute zuhören und was er sagt, hat immer noch meist Hand und Fuß. Das ist bei Schröder überhaupt nicht vorstellbar …

  6. 23.10.2006 | 0:12

    @Jens

    Für das, was da oben steht, ist es so ehrlich gemeint wie sonst etwas. Ich habe Schröder eigentlich nie gemocht (und bin seinetwegen sogar mal in die CDU eingetreten), aber für das, was er in der Endphase seiner Regierung getan hat, hat er meinen Respekt. Um so mehr, als ich sehen muss, wie seine Nachfolgerin genau entgegengesetzt handelt.

    @stefanolix

    Dass Schmidt ein ganz anderes Kaliber ist, steht außer Frage. Aber nach Kohl und mit Merkel sind meine Ansprüche gesunken… Trotz Gazprom.

    @statler

    Ich bin über BILD-Aktivitäten leider nicht so gut informiert. Aber für die Heiligsprechnung würde ich Schröder sicher nicht vorschlagen.

  7. 23.10.2006 | 8:40

    @Rayson:

    Wenn man mal hypothetisch zugesteht, daß Bsirske und Peters nur im Interesse ihres Apparates agieren, in wessen Interesse hat Schröder denn dann gehandelt? Und worin bestand sein Eigennutz?

  8. der gute don
    23.10.2006 | 9:17

    @statler: absolut 100%ige Zustimmung!

  9. 23.10.2006 | 12:31

    @MR

    Ich habe hier schon genug über politische Unternehmer nach Downs geschrieben, schätze ich. Schröder allerdings hat in verblüffender Weise lange gegen die üblichen Mechanismen gehandelt. Ob er das jetzt tat, weil er das als besten Weg ansah, langfristig an der Macht bleiben zu können, oder weil er sich darüber erheben und in die Geschichtsbücher eingehen wollte, kann man von außen schlecht beurteilen. Man kann auch nicht übersehen, dass er in die eigene Falle getappt ist: Das Hartz-Paket hat er kurz vor der Wahl 2002 aus der Tasche geholt, und dieser plötzliche Anfall von Problemlösungskompetenz dürfte ihm den Sieg über Stoiber mit gesichert haben.

    Der Bundeskanzlerjob, wenn er nicht gerade in einer “Großen Koalition” ausgeübt wird, scheint allerdings vorhandene Selbstüberschätzungen so sehr zu bestärken, dass die Inhaber vor lauter Bewusstsein über die tasächliche oder eingebildete Größe ihrer Verantwortung das Gespür für den Machterhalt verlieren.

    Im Wahlkampf hat Schröder wieder in den alten populistischen Modus zurückschalten können, aber da war es zu spät.

  10. R.A.
    23.10.2006 | 15:18

    @Rayson:
    > Schröder, das war
    > jemand, der trotz
    > verheerender Folgen
    > für die
    > Wahlergebnisse
    > seiner Partei an
    > etwas festgehalten
    > hat, das er für
    > richtig hielt.
    Und was hielt er für richtig?
    Daß seine persönliche Eitelkeit und sein Wohlergehen der Nabel der Welt sei.

    Dafür hat er in der Tat alles getan, auch die SPD in den Keller gefahren.

    Die “Reformen” kannst Du damit nicht gemeint haben.
    Von seinen Ankündigungen hat er fast nichts umgesetzt, das Festhalten am Murkswerk Hartz IV hatte nur noch damit zu tun, daß er keine Niederlage eingestehen wollte, nichts mit inhaltlicher Überzeugung.

  11. 23.10.2006 | 15:41

    Ich gebe es zu. Ich bin ein Schröder-Fan.

    Ich glaub’, ich les’ nicht richtig. Als Person mag ihn toll finden wer mag… als Politiker verdient er NUR eines: Kritik. Und dass unter seiner Regentschaft die Erzlinke erst richt remobilisiert wurde und die Grünen gänzlich versozialdemokratisiert wurden, wollt Ihr nicht sehen, was?

    Frage mich eh, warum ihr aktuell a bisserl PR für Gerhard macht… kriecht ihr Provisionen für sein neues Buch? :-(

  12. mobbelsche
    23.10.2006 | 20:05

    @statler
    Irre ich mich oder hat nicht auch Altkanzler Kohl seine Memoiren in der BILD auszugsweise veröffentlicht???

  13. 23.10.2006 | 20:10

    @F.M.R.

    Dass solche Korruptionsvermutungen geäußert werden, ist ja noch zu ertragen. Aber dass dann doch keine Knete fließt, das ist immer bitter.

    Schröder hätte das “Mobilisieren der Erzlinken” natürlich verhindern können: mit klassisch gewerkschaftsnaher Abschottungs- und Umverteilungspolitik. Das wäre dir lieber gewesen? Und einen Einfluss auf die Grünen würde ich ihm dann doch nicht unterstellen - für deren “Sozialdemokratisierung” sind die ganz allein verantwortlich…

  14. 23.10.2006 | 21:43

    @mobbelsche

    In diesem Fall wäre natürlich bewiesen, daß sie es beide getan haben.

    Hilfreich.

  15. 23.10.2006 | 22:10

    @F.M.R.: Provisionen von Schröder haben wir nicht nötig ;-)

    Aber mal eine etwas andere Frage: Jetzt haben wir ja gesehen, wer es nicht kann. Welcher aktive Politiker wäre denn für diesen Job geeignet — und in welcher Konstellation?

  16. Llarian
    23.10.2006 | 22:58

    Wie man als Liberaler ein Fan von Schröder sein kann ist mir ehrlich gesagt ein echtes Rätsel. Selbst wenn man mal vom innenpolitischen Murks absieht (und das war schon ne Menge), so hat ein Helmut Kohl oder eine Helmut Schmidt je von einer “Ein-China-Politik” schwadroniert oder einen Dikatator vom Stile eines Putin zum lupenreinen Demokraten geadelt (und daran hält er heute noch fest). Vielleicht hat man auch damals nicht das Maul aufgerissen, aber solche Geschichten sind früher nicht gelaufen. Schröder ist ein Grund für die Aussenpolitik des eigenen Landes Scham zu emfinden, von allen Kanzler war er die größte aussenpolitische Hure seit dem Krieg.
    Sollte es jemals so etwas wie Verlässlichkeit auf deutsche Aussenpolitik gegeben haben, so wurde sie von Schröder zerstört. Nein, ein Fan von Schröder zu sein halte ich für mit Liberalismus unvereinbar. Er war der größte Unglücksfall seit Kriegsende.

  17. 23.10.2006 | 23:02

    Wie man als Liberaler ein Fan von Schröder sein kann ist mir ehrlich gesagt ein echtes Rätsel.

    Vielleicht bin ich ja kein Liberaler.

  18. 23.10.2006 | 23:23

    Immer diese Etikettenschwindler.

  19. 23.10.2006 | 23:29

    Wer weiß? Ambivalenz rulez!

  20. Llarian
    24.10.2006 | 0:12

    Naja, dann aber hoffentlich wenigstens ohne Gnade. BUOG sozusagen.

  21. 24.10.2006 | 0:17

    Gnade kostet extra.

  22. 24.10.2006 | 0:24

    Erstens das, und zweitens gibt es im Zweifel ja noch die anderen Liberalen um mich herum.

    Allerdings: Ich halte die Verweigerung, Stereotypen zu entsprechen, für einen sehr liberalen Zug…

  23. 24.10.2006 | 8:40

    Aber mal eine etwas andere Frage: Jetzt haben wir ja gesehen, wer es nicht kann. Welcher aktive Politiker wäre denn für diesen Job geeignet — und in welcher Konstellation?
    Die Frage: ‘Wer ist der beste’, ist nicht die Frage des Liberalen.

  24. 24.10.2006 | 10:17

    Diese Frage hatte ich ja überhaupt nicht gestellt ;-)

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