WahlMaschinenComputer?

Der Kollege MartinM hat das ominöse Gerät gestern einmal als »Wahlcomputer« und einmal als »Wahlmaschine« bezeichnet. Und es gibt wirklich beide Bezeichnungen: Die Anbieter der Geräte und die Befürworter elektronischer Wahlen bestehen auf dem Begriff Wahlmaschinen. Die Gegner des Einsatzes dieser Geräte sprechen von Wahlcomputern. Warum wird schon vor der Diskussion über den Einsatz dieser Geräte um den richtigen Begriff gekämpft?

Der Begriff »Maschine« ist für die meisten Menschen mit Attributen wie Zuverlässigkeit und Zweckmäßigkeit verbunden. Eine Maschine wird immer für einen bestimmten Zweck konstruiert und auch zweckgebunden eingesetzt. Sie macht dem Menschen die Arbeit leichter. Die Frauen denken jetzt vor Weihnachten vielleicht an Heimwerkergeräte aus dem Baumarkt, die Männer an weiße Ware aus dem Haushaltgerätekaufhaus. Es gibt Maschinen für Frauen und Männer (und ich habe gehört, dass man sie sogar untereinander tauschen kann). Warum sollte man also nicht mit Maschinen wählen?

Mit einem »Computer« kann man sehr viel mehr Dinge tun als mit einer Maschine. Millionen Nutzer möchten heute noch kalkulieren, schreiben, programmieren, spielen, chatten und bloggen. Computer sind für manche Leute faszinierend und für andere Leute abschreckend. Der Laie denkt dabei an eine undurchschaubare Kiste, die irgendwelche Daten verarbeitet. Die Anwenderin aus der Buchhaltung denkt nicht nur an die fertige Bilanz, sondern auch an den letzten Systemabsturz, dessen Folgen durch ein gut organisiertes Backup gemindert wurden. Administratoren und Experten sehen den immer höheren Aufwand für die Sicherheit der Computer und Netzwerke. Warum sollte man also mit einem Computer wählen?

Viele Wähler würden ihre Stimme wahrscheinlich lieber einer Maschine als einem Computer anvertrauen. Deshalb sprechen die Befürworter von Wahlmaschinen und die Gegner von Wahlcomputern. Was stimmt denn nun? Wenn wir in dieses Gerät hineinschauen könnten, hätten wir wirklich einen kleinen Computer vor uns, mit dem man nicht nur Stimmen zählen kann. Seit kurzem ist das auch offiziell bewiesen: Holländische Hacker haben es nämlich geschafft, den »Wahlmaschinen« das Schachspielen beizubringen.

Damit sollte für jeden Laien, Anwender oder Experten klar sein, dass er bei der nächsten Wahl nicht vor eine Maschine, sondern vor einen Computer treten könnte. Und jeder Laie, Anwender oder Experte sollte sich langsam darüber klar werden, ob er das wirklich will …

[Unsere Artikelserie zum Thema WahlMaschinenComputer wird morgen fortgesetzt. Aber die Petition können Sie auch heute schon unterschreiben.]

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12 Kommentare zu “WahlMaschinenComputer?”

  1. apex
    29.10.2006 | 18:19

    Warum nicht “Wahlautomat” - der nächste lebende Verwandte ist schließlich der Geldautomat, und der Fahrkartenautomat & Co. gehören auch zur Familie.

    apex

  2. 29.10.2006 | 18:26

    Soweit ich weiß, unterliegen Geldautomaten strengerer Kontrolle als Wahlcomputer, schließlich geht es da um etwas wirklich Wichtiges ;-)

    Und beim Fahrkartenautomaten hast Du zwei Kontrollmöglichkeiten: einmal Dein Ticket und zum anderen Deinen Kontoauszug. Du kannst Dich dann um eventuelle Auswahl- oder Abrechnungsfehler kümmern. Beim Wahlomputer hast Du diese Chance nicht.

    PS: Im weiteren Verlauf der Serie möchte ich (möchten wir) auch darüber schreiben, welche Auswirkungen der Einsatz von Wahlcomputern auf die Entwicklung der Demokratie haben könnte.

  3. 30.10.2006 | 20:01

    [...] Komischerweise regen sich alle jetzt über Wahlcomputer und deren Manipulierbarkeit auf! Bei den Biestigen Bissigen Liberalen kann man sogar an einer Online-Petition gegen solche Computer (auch Wahlmaschinen(!) genannt) teilnehmen. Die Panik empfinde ich als “typisch deutsch”, warum wird eigentlich immer so getan, dass alles, was technisch möglich wäre auch realisiert werden muß und dagegen dann reflexartig Panikbekundungen aus breiten Gesellschaftsschichten kommen, die einen orwellschen Überwachungsstaat mit Siebenmeilenstiefeln nahen sehen? [...]

  4. 30.10.2006 | 22:34

    Warum muss man rechtzeitig darauf hinweisen? Weil die Anbieter der Wahlmaschinen/Wahlcomputer hier in Deutschland schon vor der Tür stehen und einen Fuß in die Tür gestellt haben. Weil schon die ersten Testläufe gezeigt haben, dass diese Geräte eben nicht unbedenklich einsetzbar sind. Weil eine Wahl mit Wahlmaschinen/Wahlcomputern nicht nur intransparent ist, sondern auch mehr Geld kostet als eine klassische Wahl … und aus vielen weiteren Gründen.

    Wir sind nicht aus Technikfeindlichkeit gegen Wahlcomputer, sondern wir zweifeln am Nutzen des Einsatzes dieser Geräte. Und wenn eine technische Errungenschaft keinen Nutzen bringt, kann man gut darauf verzichten.

    An der Petition kann man nicht “bei den bissigen Liberalen”, sondern auf einer Webseite für elektronische Petitionen an den Deutschen Bundestag teilnehmen. Bisher haben das 17.481 Menschen getan.

  5. 30.10.2006 | 23:37

    Ergänzung: ich bin auch dagegen, weil ich solche Geräte bei uns gar nicht erst haben will: Wahlmaschinen zum Ausspionieren. Und ich bin sicher, dass auch diese Geräte durch den Staat sehr “sorgsam” geprüft wurden ;-)

  6. 1.11.2006 | 20:29

    [...] Ehre wem Ehre gebührt: Die hier verwendeten Informationen wurden weitgehend einem Interview zwischen Markus Beckedahl und dem CCC-Aktivist Andreas Bogk entnommen. Das Interview ist hier verfügbar. Im Moment gibt es bei dem Thema einige interessante Entwicklungen, die ebenfalls auf netzpolitik.org dargestellt werden. Unsere Serie wird in dieser Woche fortgesetzt. Bisher haben 20.147 Bürger die Petition gegen Wahlcomputer unterschrieben. Was wir bisher zu diesem Thema geschrieben haben: MartinM über die Petition gegen Wahlcomputer (am 28. Oktober). Stefanolix über die Begriffe Wahlcomputer und Wahlmaschine (am 29. Oktober) und das Wahl(computer)geheimnis (am 31. Oktober). [...]

  7. 4.11.2006 | 14:49

    [...] Man mache da seine eigene Gewinn-und-Verlust-Rechnung, aber für mich klingt das nach einem eindeutigen Minus. Und wer mir nicht einfach so glauben will, der kann sich gerne nochmal beim Chaos Computer Club, Udo Vetters Lawblog, den Bissigen Liberalen oder (mit Holländischkenntnissen) bei den Nachbarn aus den Niederlanden schlau machen. [...]

  8. 4.11.2006 | 17:51

    [...] Stefanonlix beschrieb in seinem Beitrag: WahlmaschinenComputer den prizipiellen, aber gern verschleierten Unterschied zwischen einer Wahlmaschine - als spezialisiertes, nur für Wahlzwecke konstruierte, daher nur schwer manipulierbares, Gerät - und dem Wahlcomputer - ein universelles Gerät, dass frei programmiert weden kann, sogar aufs Schachspielen, und entsprechend offen für schwer nachweisbare Manipulatione ist. [...]

  9. 6.11.2006 | 0:57

    [...] Einschub: Tatsächlich - die reden von Wahlsystemen und Wahlgeräten, aber nicht von Wahlcomputern. Es wird aber schon auf der Startseite deutlich, dass es sich um eine Kombination von Hard- und Software handelt (und natürlich angesichts verschiedener, sich zudem noch hin und wieder ändernder Wahlverfahren auch handeln muss…) [...]

  10. 8.11.2006 | 13:48

    [...] MartinM über die Petition gegen Wahlcomputer (am 28. Oktober) und Wahlmaschinen mit Macken (am 4. November). Stefanolix über die Begriffe Wahlcomputer und Wahlmaschine (am 29. Oktober) und das Wahl(computer)geheimnis (am 31. Oktober). Dirk Meister über Wahlcomputer: Sicherheitsmerkmale und -lücken (am 1. November) Rayson über den Nutzen von Wahlcomputern (am 6. November) [...]

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