29. Oktober 2006
WahlMaschinenComputer?
Der Kollege MartinM hat das ominöse Gerät gestern einmal als »Wahlcomputer« und einmal als »Wahlmaschine« bezeichnet. Und es gibt wirklich beide Bezeichnungen: Die Anbieter der Geräte und die Befürworter elektronischer Wahlen bestehen auf dem Begriff Wahlmaschinen. Die Gegner des Einsatzes dieser Geräte sprechen von Wahlcomputern. Warum wird schon vor der Diskussion über den Einsatz dieser Geräte um den richtigen Begriff gekämpft?
Der Begriff »Maschine« ist für die meisten Menschen mit Attributen wie Zuverlässigkeit und Zweckmäßigkeit verbunden. Eine Maschine wird immer für einen bestimmten Zweck konstruiert und auch zweckgebunden eingesetzt. Sie macht dem Menschen die Arbeit leichter. Die Frauen denken jetzt vor Weihnachten vielleicht an Heimwerkergeräte aus dem Baumarkt, die Männer an weiße Ware aus dem Haushaltgerätekaufhaus. Es gibt Maschinen für Frauen und Männer (und ich habe gehört, dass man sie sogar untereinander tauschen kann). Warum sollte man also nicht mit Maschinen wählen?
Mit einem »Computer« kann man sehr viel mehr Dinge tun als mit einer Maschine. Millionen Nutzer möchten heute noch kalkulieren, schreiben, programmieren, spielen, chatten und bloggen. Computer sind für manche Leute faszinierend und für andere Leute abschreckend. Der Laie denkt dabei an eine undurchschaubare Kiste, die irgendwelche Daten verarbeitet. Die Anwenderin aus der Buchhaltung denkt nicht nur an die fertige Bilanz, sondern auch an den letzten Systemabsturz, dessen Folgen durch ein gut organisiertes Backup gemindert wurden. Administratoren und Experten sehen den immer höheren Aufwand für die Sicherheit der Computer und Netzwerke. Warum sollte man also mit einem Computer wählen?
Viele Wähler würden ihre Stimme wahrscheinlich lieber einer Maschine als einem Computer anvertrauen. Deshalb sprechen die Befürworter von Wahlmaschinen und die Gegner von Wahlcomputern. Was stimmt denn nun? Wenn wir in dieses Gerät hineinschauen könnten, hätten wir wirklich einen kleinen Computer vor uns, mit dem man nicht nur Stimmen zählen kann. Seit kurzem ist das auch offiziell bewiesen: Holländische Hacker haben es nämlich geschafft, den »Wahlmaschinen« das Schachspielen beizubringen.
Damit sollte für jeden Laien, Anwender oder Experten klar sein, dass er bei der nächsten Wahl nicht vor eine Maschine, sondern vor einen Computer treten könnte. Und jeder Laie, Anwender oder Experte sollte sich langsam darüber klar werden, ob er das wirklich will …
[Unsere Artikelserie zum Thema WahlMaschinenComputer wird morgen fortgesetzt. Aber die Petition können Sie auch heute schon unterschreiben.]
Verfasst von stefanolix um 17:00 Uhr in der Kategorie Innenpolitik, Politik (Trackback)