Hängen soll er!

Bei S&W, dem A’Team und den FdoG streitet man sich, ob man die Todesstrafe für Saddam befürworten soll oder nicht.

Ich schrieb beim A’Team mit der mir eigenen Kraft logischer Deduktion:

Entweder man ist für oder man ist gegen die Todesstrafe. Ein bisschen schwanger ist nicht.

Dazu möchte ich nur mal was klarstellen. Es geht mir hier ausnahmsweise nicht darum, ob die Todesstrafe akzeptabel ist oder nicht (für mich ist sie es nicht). Sondern es geht darum, ob man sich auch noch als Gegner der Todesstrafe bezeichnen kann, wenn man sie für Saddam fordert oder begrüßt. Meiner Meinung nach geht das logisch nicht - die Unterschiede liegen dann nur noch in den damit bewehrten Tatbeständen.

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14 Kommentare zu “Hängen soll er!”

  1. 9.11.2006 | 0:09

    Danke. Ich halte es ebenfalls für ausgemachten Unsinn, was momentan selbst von einigen meiner liberalen Parteifreunde da von sich gegeben wird. Wer die Todesstrafe ablehnt muss selbstverständlich konsequent auch die für Saddam Hussein ablehnen. Wer “angeblich” die Todesstrafe ablehnt, sie aber für Hussein befürwortet, ist gegen die Todesstrafe, weil das Mode ist und er sonst nicht in. Jedenfalls in unserer Gesellschaft…
    Wer sich wirklich damit beschäftigt hat, warum man gegen die Todesstrafe ist, weiß, dass es da absolute Argumente gibt. Ganz abseits der Argumentation, der menschliche Richter ist fehlbar. Denn diese Argumentationslinie ist wohl diejenige, die viele dazu bewegt, nun dann ausnahmsweise doch mal dafür zu sein.
    Ich hätte mir ein Lebenslänglich für Hussein gewünscht. Ich halte es für schade, wenn sich die international konstruierte Justiz hierzu nicht durchringen konnte, wäre dies doch zumindest zwischen einem großen Teil der Staaten, die auf der Weltbühne eine Rolle spielen, ein möglicher Konsens gewesen. Nebenbei hätte man keinen Märthyrer geschaffen… Kleinigkeiten wie, in welches Gefängnis stecken wir den, bzw. in welchem Land, sind technokratische Ausreden. Es geht um eine Grundsatzentscheidung.
    Die offizielle Stellungnahme der FDP Bundestagsfraktion, im Grunde genommen in meinem Sinn, hat mich daher sehr gefreut. :-)

  2. 9.11.2006 | 0:13

    Tut mir leid, ich habe natürlich einen wichtigen Aspekt gerade vernachlässigt : Das Rechtssystem sieht im Irak die Todesstrafe als Höchststrafe vor. Mein Respekt vor einem - hoffentlich bald auch ansonsten - funktionierenden Rechtsstaat in einem anderen Land gebietet es mir natürlich, nicht eine Einmischung anderer Staaten zu verlangen. Meine eigene Meinung verbietet mir dies natürlich nicht. Daher: Schade, dass dieser Tyrann sterben wird.

  3. 9.11.2006 | 0:15

    Also, nur um es nochmal klar zu stellen: Ich bin gegen die Todesstrafe auch für Saddam Hussein. Aber es gibt ungefähr 100.000 Todeskandidaten auf der Welt, zu deren Rettung ich eher Ressourcen einsetzen würde, als zur Rettung von Saddam Hussein. Ein reines Knappheitsargument also. ;-)

  4. 9.11.2006 | 0:21

    @Statler

    Deine Argumentation habe ich schon begriffen. Es ging wie immer gegen die Franzosen ;-)

  5. 9.11.2006 | 9:37

    Ich sag ja lieber: Immer noch besser hochschwanger als niederträchtig!

    (… ich weiß, soooooooooooooooooooooooo’n Bart …)

  6. FG
    9.11.2006 | 9:50

    Zum Thema gab es vor einiger Zeit einen guten Beitrag im SZ-Magazin:
    http://tinyurl.com/ymce6p

  7. R.A.
    9.11.2006 | 10:35

    > Sondern es geht
    > darum, ob man sich
    > auch noch als
    > Gegner der
    > Todesstrafe
    > bezeichnen kann,
    > wenn man sie für
    > Saddam fordert
    > oder begrüßt.
    Von der Logik her ist das in der Tat klar: Wer eine Todesstrafe fordert oder begrüßt kann nicht gleichzeitig ein Gegner sein.

    Nur habe ich eine explizite Forderung dieser Art selten gelesen.

    Die übliche Haltung bei liberalen Todesstrafengegnern in diesem Fall ist doch eher die, in diesem Fall keinen Grund zum Protest zu sehen.
    Meinetwegen auch gemischt mit einer gewissen Genugtuung, daß es hier mal den Richtigen erwischt (das wäre dann aber keine juristische Kategorie).

    Ich bin ja auch kein Freund von Verkehrsunfällen, fände es aber überaus gut, wenn z. B. ein Adolfidschihad mit Schwung gegen die Wand fahren würde.

  8. Llarian
    9.11.2006 | 11:07

    Ich bin ja auch kein Freund von Verkehrsunfällen, fände es aber überaus gut, wenn z. B. ein Adolfidschihad mit Schwung gegen die Wand fahren würde.

    Das trifft es ziemlich gut denke ich. Ich finde auch diese Schwarz-Weiss Argumentation, wer nicht dagegen ist, ist dafür, reichlich kurz gesprungen. Mir persönlich ist Hussein ziemlich egal, aber wenn ihn sein Opfer aufknüpfen wollen, dann sollen die das tun, ich werde sie nicht dran hindern. Das bringt mich beileibe nicht dazu die Einführung der Todesstafe beispielsweise in Deutschland zu fordern.
    Aber was rede ich ? Selbstverständlich kann man nur gegen die Todesstrafe sein, wenn man das aus absoluten Gründen ist, damit hat man dann auch die absolute Sicherheit, auf der absolut moralischen Seite zu stehen, während andere ja nur eine unreflekterte Modemeinung haben….., die Welt kann ja so einfach sein.

  9. JC
    9.11.2006 | 14:13

    Ich stimme Rayson zu.

    Wenn man mit guten Gründen gegen die Todesstrafe ist und diese global kritisiert, muss man es auch in den Fällen tun, in denen es jemandem trifft, der in die Kategorie Saddam fällt. Heuchlerisch sind nicht nur Menschen, die bei China, dem Iran und Saudi-Arabien schweigen, nun aber wegen des vermeintlichen Erfolges der USA auf einmal ihren Protest gegen die Todesstrafe äußern. Heuchlerisch ist es eben auch, nach dem Opfer zu differenzieren und klammheimliche Genugtuung zu empfinden. Gerade weil es ein so prominenter Beispielsfall ist, der weltweit die allgemeine Debatte anfacht und dominiert, ist es befremdlich, “in diesem Fall keinen Grund für Protest zu sehen”. Wer entscheidet eigentlich, wann und für welche Verbrechen die Todesstrafe auch für ihre “Gegner” “kein Grund zum Protest” darstellt?

    Die Analogie zu Verkehrsunfällen ist mE gerade aus liberaler Sicht ein schlechter Witz. Die Bewertung eines staatlichen Eingriffs in die Sphäre des Individuums mit Verkehrsunfällen zu vergleich? Ganz großes Kino… .

    Ich verstehe auch nicht, was Llarian mit seiner Kritik an der absoluten Ablehnung der Todesstrafe eigentlich sagen will. Der Seitenhieb geht meiner Meinung nach absolut (sic!) fehl. Die Ablehnung der Todesstrafe wurzelt letztlich in naturrechtlichen Grundüberzeugungen, die strukturell notwendigerweise absolut und keiner Abwägung zugänglich sind. Dogmatisch handelt es sich eben nicht um Prinzipien, sondern um absolute Regeln.

    Dies auch gegenüber schrecklichen Massenmördern, Kinderschändern etc. durchzuhalten, ist auch alles andere als “einfach”. Die “Modemeinung” ist insoweit ja wohl eher, dass solche Menschen den Tod verdient haben, wie auch Gäfgen und Co. ruhig gefoltert werden dürften. Das ist der Trend der öffentlichen Meinung. Es ist daher wohl leider auch kein Zufall, dass die alte und hervorragende Kommentierung zu Art. 1 GG im M/D ersetzt worden ist… .

  10. Llarian
    9.11.2006 | 15:46

    Eine typische (und falsche) Retourkutsche. Stimmig ist, dass dienjenigen, die sich jetzt um den armen Saddam sorgen, aber kein Wort zum tagtäglichen Justizmord an Kindern im Iran verlieren, ziemliche Heuchler sind. Weil sie eine Moral vorgeben, die nur geheuchelt ist, es wird ein ethischer Standpunkt vorgespielt, der gar nicht vorhanden ist, sondern rein dem Zweckdiktat einer bestimmten politischen Richtung unterworfen ist. Die Gegenseite nimmt diese Moral aber gar nicht in Anspruch, kann also nicht heucheln, denn was sollte geheuchelt werden ? Die Entscheidung in Deutschland gegen eine TS zu sein, muss keine moralische sein, sondern kann ebenso praktisch motiviert sein (das geht übrigens auch bei der Gegnerschaft, ist da aber eher selten). Und ohne moralischen Anspruch kann man schlecht heucheln, die Retourkutsche ist allenfalls dazu geeignet die Unzulänglichkeiten der eigenen Mitstreiter zu verhüllen, nach dem Motto, die anderen sind nicht besser. Ich für meinen Teil lehne die TS in Deutschland ab, habe aber kein Problem damit, wenn die Amis sie für sich gewählt haben. Wo heuchle ich denn da ? Was soll ich denn heucheln ? Auf die Frage, wer, wann, wo und wie protestiert gibt es nur eine Antwort: Das macht jeder mit sich selber aus.

    Die Kritik am Absolutheitsbegriff dagegen zielt auf die Dummheit und Arroganz der damit vorgetragenen Argumentation. Die Ablehnung oder auch Befürwortung der TS kann aus praktischen, moralischen oder ethischen Standpunkten herrühren, im Endeffekt entscheidet das jeder für sich selbst und aus seinen persönlichen Motiven und Argumenten heraus, vulgo aus dem heraus, was ihn überzeugt (was übrigens eine sehr kontextsensitive Entscheidung sein kann) . “Arin” schreibt weiter oben aber von absoluten Argumenten und kanzelt diejenigen, die nicht seiner Meinung sind, als Leute ab, die sich weder richtig damit beschäftigt haben und ihren Standpunkt aus rein “modischen” Erwägungen beziehen. Das ist dumm wie arrogant und entsprechend habe ich es kommentiert.
    Es ist leider absolut typisch für dieses Thema, dass einige, die die Moral und Ethik für sich gepachtet haben, sowohl den anderen diejenige absprechen und gleichzeitig (!) ihre eigenen Denkmuster auf andere projezieren, um sich
    anschliessend zu wundern, dass die anderen nicht zu den selben Ergebnissen kommen. Man schliesst sozusagen von den eigenen Überzeugungen und Meinungen auf die des anderen, unterstellt diesem dann die selben Überzeugungen, und kommt zu dem Urteil, dass derjenige nur aufgrund von “Mode” oder persönlicher Defizite (mangelhafte Relefktion, Unmoral) zu einem anderen Ergebnis kommt.
    Ach ja, und nur, weil man ein (stimmiges) Argument nicht widerlegen kann, es zu versuchen zu verlächerlichen ist auch nicht der Weisheit letzter Schluss. Simpel: Ich wünsche auch niemandem Krebs, aber wenn Adolfinedschad morgen welchen bekommt, bleiben meine Augen trocken. Aber das ist vermutlich auch nur grosses Kino……

  11. der gute don
    9.11.2006 | 16:48

    Die Ablehnung der Todesstrafe wurzelt letztlich in naturrechtlichen Grundüberzeugungen, die strukturell notwendigerweise absolut und keiner Abwägung zugänglich sind. Dogmatisch handelt es sich eben nicht um Prinzipien, sondern um absolute Regeln.

    Deine Ansicht. Dann bin ich in in 100.000 individuellen Fällen vermutlich gegen die TS und dann kommt mal ein Fall wo ich sage, ich maße mir kein Urteil an und überlaße es den Klägern und Volstreckern das zu tun, was sie sich vorgenommen haben. So richtig klasse muß ich es deswegen ja auch nicht finden, aber ich werde einen Teufel tun und Energie in einen Protest gegen die Todesstrafe von Saddam investieren und es gleichzeitig für tausende andere Menschen nicht im gleichen Maß zu tun!

  12. 9.11.2006 | 16:56

    Wird hier nicht etwas viel vermengt?

    Die moralische Frage:
    Grundsätzlich die Todesstrafe akzeptabel zu finden oder nicht.

    Die “technische” Frage:
    Wann man die Todesstrafe (sofern man die moralische Frage entsprechend beantwortet hat) akzeptiert und wann nicht.

    Die politische Frage:
    Wer wie auf die konkret verhängte Todesstrafe gegen Saddam reagiert.

    Mir scheint die Heftigkeit des Streits hier weniger sachlich begründet als vielmehr dem Vermengen der genannten Fragestellungen geschuldet zu sein.

  13. JC
    9.11.2006 | 17:54

    Boche, Du hast Recht, diese Ebenen wurden in der Tat — und wohl auch zu einem gewissen Maße von mir — vermengt. Das war sicherlich nicht hilfreich und hätte nicht passieren dürfen, sorry.

    In einigen der Reaktionen auf Raysons OP, der ja neben einem kleinen obiter dictum zur moralischen Frage eigentlich “nur” auf die Widersprüchlichkeit von Positionen, die vermeintlich gegen die Todesstrafe sind aber in diesem Fall “keinen Grund zum Protest sehen”, so wie man auch bei manchen Autounfällen “nichts dagegen hat” (?), ist diese Vermengung aber anscheinend inhärent. Denn woraus speist sich dieser Schluss, dass man nun “ausnahmsweise” nicht protestieren würde oder nur mit den Schultern zuckt? Entweder aus einer Neubewertung der moralischen Frage im Einzelfall — dann ist man aber nicht wirklich “gegen” die Todesstrafe, sondern nur für eine sehr restriktive Handhabung — oder eben aus vermeintlich übergeordneten politischen Motiven heraus. Und schon hat man eine Vermengung.

    Wie gesagt, die großen Klager, die nun plötzlich auftauchen aber beim Iran etc. schweigen, widern mich an — gerade weil ich persönlich schon seit Jahren gegen die Todesstrafe weltweit engagiert bin. Aber zu sagen, man sei zwar “gegen” die Todesstrafe, aber Saddam, nunja, der habe es zumindest soweit verdient, dass man selber keinen Anlass zum Protest sieht, ist in der Tat inkonsequent und wie ein bisschen schwanger.

  14. Llarian
    10.11.2006 | 10:15

    Entweder aus einer Neubewertung der moralischen Frage im Einzelfall — dann ist man aber nicht wirklich “gegen” die Todesstrafe, sondern nur für eine sehr restriktive Handhabung

    Wenn Du jetzt noch einsiehst, dass man deswegen noch nichts befürwortert oder gar fordert, dann hätten man sich den ganzen Sermon sparen können. Ich vermute allerdings, wenn man sich auf dem so hohen moralischen Brett emfindet, einfach kein Platz mehr für andere Motive ist, als die eigenen. Altes Problem: Zuviel Moralin vernagelt die Sicht auf den Rest der Welt. Und wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Oder in diesem Fall, wer nicht dagegen ist, der ist dafür.

    dass man selber keinen Anlass zum Protest sieht, ist in der Tat inkonsequent und wie ein bisschen schwanger.

    Dazu steht die passende Antwort bei FDGO. Sehr passend. Und sehr gut geschrieben.

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