14. November 2006
Borats miese Tricks
Woanders habe ich es schon gesagt: Neulich war ich mit meiner Liebsten in “Borat”. Wir haben natürlich ständig gelacht, aber auf dem Nachhauseweg haben wir uns schon gefragt: Ist das Brechen von Tabus - woraus der Film im wesentlichen seine Komik zieht - schon eine humoristische Leistung? Ist es o.k., das für ein paar Lacher zu tun? Das sind wahrscheinlich erzreaktionäre Spießer-Fragen, aber nun, ich werde meinen Respekt für über die Jahrhunderte gewachsene gesellschaftliche Institutionen auch hier nicht verleugnen.
Da hilft es mir als - zumindest, wenn es nach den Freunden einer geistig etwas anspruchsloseren Argumentation in Sachen Irak-Krieg geht - notorischem Anti-Amerikaner auch wenig, dass Sinn und Zweck dieses Film auch die Bloßstellung von echten, also nicht schauspielernden, Personen war, die ich dann voller Dank pars pro toto als Bestätigung meiner unüberschaubaren Anzahl von Vorurteilen gegenüber Bushden RepublikanernAmerikanern nehmen könnte.
Aber der Film wirft da doch ein paar Fragen auf, die einem Liberalen sehr wichtige Dinge betreffen. Zum Beispiel das Recht auf Privatsphäre. Über den Agitator bin ich auf das Blog von Andrew Tobias gestoßen, der Interessantes dazu zu berichten weiß. Nicht nur, dass die besoffenen Verbindungsstudenten im Wohnmobil jetzt wohl im richtigen Leben enorme Schwierigkeiten bekommen - man könnte ja sagen: zu Recht!, aber darauf kommt es nun einmal nicht an, wenn Grundrechte berührt sind -, die Erzählungen eines Bekannten von Andrew Tobias, der in dem Film als Hotelangestellter eine Szene hat, stimmen nachdenklich. Auch in den USA gibt es - Juristen, zu Hilfe! - wohl so etwas wie das “Recht am eigenen Bild”. Personen, die in solchen Filmen gezeigt werden, müssen “Release Notes” unterzeichnen. Als Hotelangestellter ist man das wohl eher gewohnt, schließlich dienen Hotels und ihre Lobbys gerne als Drehorte. Das Borat-Team allerdings hat von Anfang an ein Lügengebäude aufgebaut, das beim Drehen am Ort durchgehalten und später nie korrigiert. Der Angestellte ist einfach aufs Dreisteste hereingelegt, also sozusagen auf dem Altar des Erfolgs geopfert worden. Hätte ich das vorher gewusst, ich hätte mir den Film nicht angeschaut.
Es liegt schließlich an uns, welches Verhalten wir belohnen.
Verfasst von Rayson um 23:49 Uhr in der Kategorie Grundsatzfragen, Innenpolitik, International, Politik (Trackback)