Frankreich will Schutzzölle gegen Kyoto-Verweigerer erheben

Der französische Ministerpräsident de Villepin hat auf der Klimaschutzkonferenz in Nairobi vorgeschlagen, dass Strafzölle gegen Produkte aus Ländern erhoben werden sollen, die sich nicht am Kyoto-Protokoll beteiligen.

Es heisst in der entsprechenden Reuters-Meldung:

Villepin sagte jedoch, die Gespräche verliefen zäh. Deshalb müsse Europa nach Wegen suchen, um Länder für das Kyoto-Protokoll zu gewinnen - auch mit Druck. “Europa muss all sein Gewicht nutzen, um gegen diese Art von Umweltdumping vorzugehen”, sagte der französische Regierungschef laut Redetext bei einem Treffen über nachhaltige Entwicklung.

Liebe Franzosen, ihr setzt mal wieder das Kyoto-Protokoll mit Klimaschutz gleich.

Dabei hat das Kyoto-Protokoll einige konzeptionelle Schwächen. Unter anderem wurde der Ostblock bei den Verschmutzungsrechten total überbewertet, da sich die Daten auf das Jahr 1990 beziehen. Russland kann heute im Grunde machen was es will und kann trotzdem noch Emissionsrechte gegen Devisen verkaufen.

Die Verabschiedung des Kyoto-Protokolles ist auch keine Wunderwaffe zur Reduzierung der Treibhausgase wie Dirk Paulsen schon in diesem Artikel im LibLog beschrieben hat:

Nun stand vor ein paar Tagen in der Welt, dass die Treibhausgasemissionen in den USA seit 1990 um 13% gestiegen sind und in der Regierungszeit von George Goldstein Bush sogar um 2% gefallen sind, was im Vergleich zu vielen europäischen Ländern, die zwar alle das Kyoto-Protokoll unterschrieben haben, aber es nicht einhalten, moderat ist. So verbucht Spanien seit 1990 einen Treibhausgasanstieg von 42%, Portugal einen von 37%, Irland und Griechenland einen um 26 %. (Zahlen bis 2002 auch hier [Link defekt, korrekter Link]), aber das ist natürlich egal, schliesslich haben sie ja das Kyotoprotokoll unterschrieben.

Man kann vielleicht sagen, dass auch ein Anstieg von 13% zu viel sind. Ok, darüber kann man diskutieren.
Aber das Verabschieden des Kyoto-Protokolls garantiert gar nichts, aber man so gut gegen die USA Stimmung machen.

Darüber hinaus würde so ein Strafzoll auch wie ein Schutzzoll gegen Entwicklungsländer dienen, die noch nicht so weit beim Aufbau von Umweltstandards wie wir sind. Im Grunde steckt da die gleiche Logik hinter wie bei der Forderung nach europäischen Arbeitsschutzregelungen in Entwicklungs- und Schwellenländern, zu denen Rayson in “Bastiat in China” schon etwas geschrieben hat.

Kein Wunder, dass die Gespräche zäh verlaufen.

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12 Kommentare zu “Frankreich will Schutzzölle gegen Kyoto-Verweigerer erheben”

  1. 14.11.2006 | 9:56

    Man kann vielleicht sagen, dass auch ein Anstieg von 13% zu viel sind. Ok, darüber kann man diskutieren.

    Aber vielleicht muss man auch die Grundlagen des Klimawahns diskutieren.
    Wenn es stimmt (ich bin noch dabei, die Quellen zusammen zu suchen),
    - dass der Mensch nur 1,2% der CO2-Produktion verantwortet,
    - dass es in der Erdgeschichte Eiszeiten gab, in der die CO2-Konzentration der Atmosphäre deutlich höher war als heute,
    - dass die wissenschaftlichen Grundlagen der Erwärmungsprognosen zweifelhaft sind

    dann ginge die Diskussion um Kyoto und nationale Prozentzahlen völlig am Thema vorbei.

  2. Libero
    14.11.2006 | 10:31

    dass der Mensch nur 1,2% der CO2-Produktion verantwortet

    Eine Kleinigkeit übersiehst du dabei. Zwar gibt es natürlich größere Quellen als die menschliche Aktivität, aber diesen Quellen stehen auch nahezu gleichstarke Senken gegenüber. Wieviel CO2 verbraucht ein Mensch? Herzlich wenig, fürchte ich. Wenn, mußt du die Summe dieser Ströme berücksichtigen. Also Abgang und Zugang in die Kohlenstoffspeicher Vegetation, Meer usw.

    Ich fürchte, der Klimawandel ist nicht mehr aufzuhalten. Zumal zu befürchten ist, daß sich der CO2- und Methananstieg beschleunigen wird, da einige Speicher sich entladen werden. Kein Grund zur Sorge. Ein ganz normaler Rückkopplungseffekt. Kommt manchmal auch in der Verfahrenstechnik vor.

  3. Llarian
    14.11.2006 | 10:38

    - dass der Mensch nur 1,2% der CO2-Produktion verantwortet,
    - dass es in der Erdgeschichte Eiszeiten gab, in der die CO2-Konzentration der Atmosphäre deutlich höher war als heute,
    - dass die wissenschaftlichen Grundlagen der Erwärmungsprognosen zweifelhaft sind

    Zu 1. Das ist definitiv nicht richtig. Als ich noch auf der Schule war (so vor 15 Jahren), habe ich noch in Erinnerung, dass man von 10% damals sprach. Das meiste CO2 wird von Vulkanen und den Meeren emittiert, wobei die Rolle der Meere damals noch unbekannt war. Keine Ahnung ob man da heute viel weiter ist. Allerdings nehmen die Meere auch einen Großteil des CO2 wieder auf.
    Zu 2. Keine Eiszeiten, sondern eher das Gegenteil. In der Kreidezeit war die CO2 Konzentration etwa viermal so hoch wie heute. Übrigens eine biologisch ausgesprochen fruchtbare Zeit, allerdings auch wärmer als heute.
    Zu 3. Zweifelhaft ist jede Wissenschaft. Nur beim Klima grenzt es an Blasphemie es zu sagen. In Australien hat vor kurzem ein Kolumnist gefordert, dass man Skeptiker der Erderwärmung juristisch belangen sollte. So absurd das klingt, ich würde vermuten sowas wird bald ernsthaft diskutiert.

    Bei Wiki kann man einiges dazu lesen, allerdings immer im politischen Kontext.

  4. 14.11.2006 | 10:56

    @Libero

    Eine Kleinigkeit übersiehst du dabei. Zwar gibt es natürlich größere Quellen als die menschliche Aktivität, aber diesen Quellen stehen auch nahezu gleichstarke Senken gegenüber.

    Was aber nichts am vergleichsweise geringen Einfluss menschlicher CO2-Produktion ändern würde.

    @Llarian

    Zu 1. Das ist definitiv nicht richtig. Als ich noch auf der Schule war (so vor 15 Jahren), habe ich noch in Erinnerung, dass man von 10% damals sprach.

    Wie geschrieben: Ich bin noch auf der Suche nach verlässlichen Quellen zu dieser (in der aktuellen Novo gelesenen) Zahl. Erst dann würde ich mir dazu eine “definitive” Meinung zutrauen.

    Zu 2. Keine Eiszeiten, sondern eher das Gegenteil.

    Siehe hier.

    Zu 3. Zweifelhaft ist jede Wissenschaft. Nur beim Klima grenzt es an Blasphemie es zu sagen.

    Wenn etwas in der Wissenschaft “an Blasphemie grenzt”, dann klingt das weniger nach sachlicher Sicherheit als vielmehr nach Verteidigung aufgestellter Dogmen. Wenn dann sogar die Justiz ins Spiel kommen soll, scheint mir die verteidigte Wahrheit wenig wissenschaftliche Überzeugungskraft aus sich selbst heraus zu besitzen.

  5. 14.11.2006 | 11:46

    Boche hat Recht, der aktuellen Klima-Panik liegt keine wissenschaftliche Theorie, sondern ein Dogma zugrunde..

    Als - vorläufigen - “Stand der Wissenschaft” läßt sich festhalten: - das Klima ändert sich, es wird wärmer, - der CO2 Pegel steigt, aufgrund anthropogener Einflüsse.
    Darüber, wie groß der Einfluß des anthropogenen C02 auf das Klima wirklich ist, gibt es noch unterschiedlich Theorie, weitgehend unumstritten ist nur, dass es ihn gibt.

    Das Dogma besteht darin, aus dem - vorläufigen und in Teilbereichen kontroversen - Stand der Wissenschaft einen “wissenschaftlichen Konsenz” zu konstruieren. (Konsturieren, weil ein echter Konsenz bedeuten würde: alle Klimaforscher kämmen zum gleichen Ergebnis. In Wirklichkeit entsteht der “Klima-Konsenz” dadurch, dass abweichende Theorien im Sinne einer Mehrheitsentscheidung ausgeschlossen wurden.)

    Ich gebe Libero recht, der Klimawandel ist nicht mehr aufzuhalten. Aus zwei Gründen: die anthropogene Erwärmung kommt offensichtlich zu einem natürlichen Klimawandel nach Ende der “kleinen Eiszeit” hinzu. (Das ist einer der Gründe, weshalb es so schwer ist, das genaue Ausmaß der anthropogenen Erderwärmung abzuschätzen.) Der zweite Grund ist: eine wirklich substanzielle Reduktion der Emmissionen von klima-relevanten Gasen (außer C02 vor allem Methan) ist nicht in Sicht. “Kyoto” sehe ich als weitgehend wirkungslose Alibi-Veranstaltung an.

    Dogmen sind immer Versuche, die Ungewissheit in dem Griff zu bekommen. Wir wissen nicht, wie sich das Klima in den nächsten 50 oder 100 Jahren entwickeln wird, trotz aller tollen Computermodelle. Damit ist die “Planungssicherheit” illusorisch. (Ist so sowieso, aber es fällt sonst nicht so auf.) Nun das wesendliche “Gut”, das Politiker “verkaufen” können, die Illusion von Sicherheit. Gegen die Bedrohung des Terrorismus setzt “die Politik” im Allgemeinen auf mehr Überwachung - obwohl sie mühelos von einem zum Selbstopfer entschlossen Terroristen unterlaufen werden können.
    “Kyoto” ist die “Handgepäck-Regelung” der Klimapolitik. Sie nützt real so gut wie nichts, aber “es wird etwas getan” (Aktionismus), schafft die politisch so wichtige Illusion der Sicherheit, und wer nicht mitmacht, kann als “Sicherheitsrisiko” ausgegrenzt werden (Solidarisierungseffekt der “Mitmacher”) und die “Verweigerer” bieten sich, wenn es zur Katastrophe kommt, als greifbare Sündenböcke an.

  6. Libero
    14.11.2006 | 12:13

    @Boche

    Es ist ein Unterschied zwischen Verursacher, die nur abgeben und den Verursacher, die auch wieder aufnehmen. Die CO-Produktion durch die industrielle Tätigkeit ist relativ gering, aber die industrielle Produktion verbraucht eben auch kaum CO2.

    Man sagt, die Atmosphäre verkraftet noch viel mehr und die Menschheit würde profitieren. Da sehe ich nicht nur hinsichtlich des Wasserkreislaufes ein Problem. Hintergrund für diesen Optimismus ist eine in den Kreisen der Skeptiker kursierende alte Nasa-Studie, die den Einfluß des CO2-Gehaltes auf die Pflanzenproduktion untersucht. Damals an Mais oder Weizen? Richtig gelesen hat die wohl kaum einer.

    Ziel war nicht die Pflanzenproduktion, sondern die Sauerstoffregeneration für die Reisen zum Mars. Zwar wachsen Pflanzen, in dem Fall Getreide bis zu sehr hohen Konzentrationen von CO2. Nur leider konsumieren Menschen nicht die Getreidegräser, sondern die Körner. Die kritische CO2-Konzentration, bis zu der Körner gebildet werden, ist deutlich geringer. Noch geringer ist die kritische CO2 Konzentration für Saatkörner.

    Die Reproduzierbarkeit der Pflanzenwelt bestimmt also die krititische CO2 Konzentration, bis zu der CO2 nicht überwiegend schädlich ist und nicht das Pflanzenwachstum an sich. Ein feiner Unterschied, die vor allem die Vulgär-Skeptiker immer wieder übersehen.

    Obendrein denke ich trotz der gewaltigen Stoffmengen des CO2 aus der industrieller Produktion, daß wir mit den Jahren lernen sie zu nutzen.

    Ich denke ihr seid optimisch, der Zukunft zugewandt, gewohnt auch die größten Herausforderungen zu meistern. Das ist so eine. Wenn ihr so wollt, die Meisterprüfung vor dem Vorstoß in den Weltraum. Dann müssen wir Kreisläufe beherrschen, sonst funktioniert das nicht.

    Wer sagt denn, daß es unmöglich ist, einen zweiten Kohlenstoffkreislauf aufzubauen, der von den natürlichen weitgehend getrennt ist? Das ist eine gigantische Herausforderung, zweifelsohne, aber keine, die nicht technisch zu bewältigen wäre.

    Abgasströme mit hohen CO2 Konzentrationen sind einfach zu schade, um sie auf ppm Niveau zu verdünnen. Das Verklappen halt ich auch für Schwachsinn, außer man nutzt CO2 anstelle von Wasserdampf für die Förderung von Gas-Ölvorkommen. Gerade weil das Verklappen zu kostspielig ist, werden sich Technologen Gedanken machen, was sie mit den zugegeben riesigen Stoffmengen CO2 anfangen können.

    Als ich studierte, las ich einen der ersten Kongresse über Biotechnologie. Einer der Vortragenden machte sich weitreichende Gedanken um die Zukunft dieser Industrien. Solche Gedanken kreisen immer um die Rohstoffversorgung, die zum wachstumsbestimmende Schritt wurde. Er war noch optimistischer als ich und meinte allen Ernstes, sie würden ein CO2-Mangelproblem bekommen. Gut, daß ist noch nicht eingetreten, aber wenn die Menschheit weiter wächst, wird man neue Wege der Pflanzenproduktion mit wesentlich höherer Produktivität gehen müssen. Das wird dann nur noch mit CO2 Anreicherung gehen.

    Wäre doch eine faszinierende Aufgabe für hundertausende von Ingenieuren und Naturwissenschaftlern der unterschiedlichsten Fachrichtungen? Oder etwa nicht?

    Zweifelsohne eine gigantische Herausforderung von heute aus gesehen, aber hätten man den Metallurgen vor 200 Jahren gesagt, daß die Weltstahlproduktion wird eine Milliarde jato überschritten, wären die aus den Pantinen gekippt.

    Mann Gottes, alles halb so wild, sind doch nur ein paar Größenordnungen mehr? Das ist doch nun wirklich kein Problem.

  7. R.A.
    14.11.2006 | 12:41

    @MartinM:
    > Als - vorläufigen
    > - “Stand der
    > Wissenschaft”
    > läßt sich
    > festhalten: - das
    > Klima ändert sich,
    > es wird wärmer …
    Und selbst das ist unsicher.
    Wir haben gerade mal 0,7 Grad Anstieg im letzten Jahrhundert, davon die Hälfte vor dem Zweiten Weltkrieg.
    Und in den letzten sieben Jahren hat sich gar nichts mehr getan.

    Das sieht eher nach bedeutungslosen statistischen Zuckungen aus als nach einer Erwärmungstendenz.

    Ansonsten völlige Zustimmung.

  8. Libero
    14.11.2006 | 14:16

    @R.A.

    statische Zuckungen der Jahresmitteltemperatur führen nicht zu Änderungen der Vegetation und Tierwelt. Wärmeliebende Arten dringen nach Norden vor, kälteliebende weichen zurück. Wir haben Getreide geerntet, dessen Zusammensetzung dem des Mittelmeerraumes entspricht. Dafür, daß es nur Zuckungen sind, sind die Veränderungen schon gravierend.

  9. 15.11.2006 | 10:59

    [...] B.L.O.G.: Frankreich will Schutzzölle gegen Kyoto-Verweigerer erheben [...]

  10. 15.11.2006 | 22:20

    @Boche

    - dass der Mensch nur 1,2% der CO2-Produktion verantwortet,

    Steht das nicht im Lexikon der Ökoirrtümer? Ich habe es jetzt leider zur Hand.

  11. 17.11.2006 | 9:49

    [...] Inzwischen ist der Novo-Artikel, auf dem ich mich letztens bezog, online verfügbar: [...]

  12. Quakenbush
    2.02.2007 | 20:43

    Was immer die Menschen tun oder nicht tun: ich vertraue in das Gleichgewicht der Kräfte. Glauben ist nicht gleich Wissen.

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