Toller Ranzen

Wie schön einfach kann eine Begriffsbestimmung sein, wenn man es mit menschlicher Vernunft versucht:

Toleranz (v. lat.: tolerare = ertragen, (er)dulden) bezeichnet
* die ruhige Duldung von abweichenden Meinungen oder Aktivitäten anderer Menschen

(Wikipedia)

Und was für ein Geschwurbel kommt heraus, wenn man Politiker drüber schwätzen lässt:

„Toleranz ist nicht Passivität, Selbstgerechtigkeit oder Gleichgültigkeit. Toleranz ist nie ohne Risiken. Toleranz ist nicht bequem.

Im Gegenteil: Sie erfordert Wachsamkeit, wenn Intoleranz droht, Engagement, wenn Minderheitenrechte verletzt werden. Und Mut, wenn Freiheit geschützt werden muss. Die Ursache von Intoleranz ist häufig Angst vor dem Unbekannten. Dagegen hilft Aufklärung und Dialog.

Gerade in Zeiten, in denen ein Konflikt der Zivilisationen von vielen Seiten herbeigeredet wird, ist es wichtig, sich Wissen anzueignen. Über das Eigene, aber auch über das Fremde. …“

Der sprachliche Knüller ist der letzte Satz:

“Denn Toleranz ist nur dann möglich, wenn man Heterogenität respektiert – im Bewusstsein der eigenen Heterogenität.”

Toleranz ist also nur möglich, wenn man tolerant ist. Denn das Respektieren von Heterogenität ist ja wohl begrifflich dasselbe wie Toleranz, oder?

Außerdem soll man sich bewusst sein müssen, dass man selbst heterogen ist.

Dieses Wissen fehlte mir bisher.
“Schaaatz! Ich fühl mich heute irgendwie so hetero…” “Hä?” “…heterogen.”

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5 Kommentare zu “Toller Ranzen”

  1. spruance
    16.11.2006 | 12:54

    Herrlich: Das Original ist mit “Meldung der Bundespartei” überschrieben!
    Melde gehorsamst: Das ja. (Schwejk)

  2. R. A.
    16.11.2006 | 13:18

    Gott sei Dank - das Zitat ist wirklich von der Partei, bei man solches Geschwurbel am ehesten vermutet.
    Sicher kann man sich da leider nie sein …

  3. 16.11.2006 | 13:22

    Herrlich! Sinnvollerweise hätte der Redner sich auf zwei Sätze beschränken können: “Die Ursache von Intoleranz ist häufig Angst vor dem Unbekannten. Dagegen hilft Aufklärung und Dialog.” Der Rest sind entweder Tautologien oder abgedroschen Phrasen. Die dicke Verpackung für eine möglichersweise kontroverse
    Aussage, denn gerade Aufklärung ist auffällig oft gerade bei Menschen, die immer wieder Toleranz für sich und ihr Verhalten fordern, unbeliebt.

    Und notfalls tolerieren wir alles gnadenlos nieder!

  4. 16.11.2006 | 19:09

    Toleranz ist also nur möglich, wenn man tolerant ist. Denn das Respektieren von Heterogenität ist ja wohl begrifflich dasselbe wie Toleranz, oder?

    Nein. Toleranz ist die Erduldung von Heterogenität. Sie kann einen aber trotzdem ganz schön ankotzen.

    Was viele Politiker, vor allem die Grünschnäbel, nicht einsehen ist: Toleranz bedeutet nicht, dass sich alle gern haben, sondern nur dass man sich nicht die Köpfe einschlägt. Und erst reicht keine von oben verordnete und geplante “homogene Heterogenität”.

  5. 16.11.2006 | 20:47

    Ich bin jedenfalls sehr heterogen. Teils Arm, teils Bein, teils Rest. Ich erdulde das.

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