Richtig so!

Die Deutschen befinden sich auf der Suche nach der “sozialen Gerechtigkeit”.
Anders lässt sich die strukturelle Mehrheit nicht erklären, der sich sozialistische und sozialdemokratische Parteien (schwarze wie rote wie grüne) bei Wahlen sicher sein können.

Gerechtigkeit durch Umverteilung anzustreben ist aber ein Unterfangen, das nie zum Ziel führen kann.
Immer wird es eine Lobbygruppe geben, die sich ungerecht behandelt fühlt. Immer wird es eine neue Abgabe oder Steuer geben, mit der diese “Ungerechtigkeit” behoben werden soll. Immer wird es “Besserverdienende” geben, gegen die Neidreflexe in Stellung gebracht werden können.

Die logische, wenn auch selten von den “Sozialgerechten” anerkannte Folge, ist die verstärkte, krebsartige Wucherung der Bürokratie. Jede “sozial gerechte” Regel muss überwacht werden. Sie hat immer Folgen, die man vorher nicht bedacht hat (”ce qu’on ne voit pas“) und die mit weiteren Regeln beantwortet werden müssen. Alles wird immer komplizierter, undurchschaubarer, intransparenter.

Und das ist natürlich nicht nur ein Problem für uns, die Bürger. Sondern es ist auch eines für unsere kleinen Bürokraten in ihren Amtsstuben. Denn sie wollen (meistens jedenfalls) natürlich nicht willkürlich entscheiden sondern sich an die Regeln halten. An Regeln, die immer komplizierter werden, an Regeln, die des Deutschen Suche nach der “sozialen Gerechtigkeit” erst erschaffen haben.

Und wenn die Bürokratie für diese immer schwieriger werdende Arbeit vom Bürger bitteschön auch etwas mehr Beteiligung fordert, dann ist das doch voll und ganz berechtigt, oder?

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13 Kommentare zu “Richtig so!”

  1. der gute don
    20.11.2006 | 11:13

    zum Thema “verstärkte, krebsartige Wucherung der Bürokratie”

    Schon bald darf man für Fragen ans Finanzamt noch bezahhlen und zwar man höre und staune, weil das Steuerrecht komplizierter wird.

    Diese verlogene Berliner Bagage spricht zwar fortlaufend vorne herum von Bürokratieabbau und einfacheren Steuergesetzen, hintenrum macht sie genau das Gegenteil. Langsam frage ich mich wie man diese vollkommen schamlose Lügerei unterbinden kann.

    Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums verwies auf die Begründung zur Änderung des Gesetzes. Darin heißt es, dass wegen der “Kompliziertheit des Steuerrechts” auch die Zahl der Anträge “stark ansteigen wird”
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,449101,00.html

  2. 20.11.2006 | 11:15

    Schon bald darf man für Fragen ans Finanzamt noch bezahhlen und zwar man höre und staune, weil das Steuerrecht komplizierter wird.

    Darauf bezog sich ja mein Artikel (wo auch derselbe Link zu finden ist). ;-)

  3. der gute don
    20.11.2006 | 11:16

    @boche sorry, Du verlinkst ja auf den gleichen Artikel, gerade erst bemerkt ^^

  4. 20.11.2006 | 13:37

    Schon bald darf man für Fragen ans Finanzamt noch bezahhlen

    Tunwir das nicht schon jetzt? Nur das die Bezahlung eher unsichtbar (ce qu’on ne voit pas) über die Staatskasse erfolgt und nun offenbar (ce qu’on voit) gemacht wird?Ich hätte gerne mehr davon.

  5. 20.11.2006 | 13:50

    Ich hätte gerne mehr davon.

    Ich hatte grad “mehr davon”.
    Mir wurde vom Amt die Installation einer neuen Kläranlage verordnet. Das kostet ein paar Tausend Euro, von mir zu zahlen. Während der Bauer nebenan … Aber das hatte ich ja schon berichtet.

    Nachdem man mich bei Androhung von Ordnungsgeld mahnte, die vorgeschriebene Kläranlage auch zu beantragen, hat man mir nun knapp 200 Euro in Rechnung gestellt. Für die Mühe, die sich die Beamten mit der Bearbeitung meines Falls machen mussten.

    Bürokraten erzeugen erst künstlich einen Aufwand, den sie von fremden Geld bezahlen lassen. Mehr davon?

  6. 20.11.2006 | 13:51

    PS: Aber andererseits hast du Recht und die Kosten der Bürokratie werden natürlich besser sichtbar, wenn man sie direkt begleichen muss.

  7. 20.11.2006 | 14:08

    ich formuliere es gerne so:

    Weg von sozialer Gerechtigkeit, hin zur sozialen Sicherheit. Dann kann sich jeder selbst die soziale Gerechtigkeit erarbeiten.

    und wie war das doch gleich….

    “Er: Darf ich Ihr Gepäck tragen?
    Sie: Nein, das ist soziale Ungerechtigkeit!”

    btw: eine brürokratie wächst mit 5% jährlich… also da ist noch richtig musik drin… nicht so, wie das schnöde wirtschaftswachstum :P

  8. 20.11.2006 | 14:11

    Auch das Ziel “sozialer Sicherheit” lädt ja durchaus zu umfangreichen Definitionsversuchen ein.

  9. 20.11.2006 | 14:18

    im einzelfall kann man sich immer über alles streiten. im gesamten gibt es ein minimum, dass zum leben benötigt wird. und das dürfte weniger strittig sein. alles drüber hinaus, müsste man selbst absichern… dazu sollte sich jeder in der lage sehen. dazu wird sich auch jeder in der lage sehen, wenn ers denn machen müsste. :P

  10. 20.11.2006 | 14:20

    So lange ich meinen Computer und meinen Fernseher und mein Sparbuch behalten kann, solls mir recht sein.

    Aber das brauche ich schon zum Leben.

  11. 20.11.2006 | 14:22

    das sehe ich ebenso… computer und insbesondere internet, mit den möglichkeiten die sich dem einzelnen bieten, sehe ich mittlerweile als existenzgrundlage an. das die potentiale nicht genutzt werden, ist dann n anderes problem.

  12. 20.11.2006 | 17:25

    Das Problem ist, dass derjenige die Rechnung bezahlen muss, der ohnehin nichts am Sachverhalt ändern kann. (Ausser natürlich in seiner Funktion als Wähler, also nur vernachlässigbarer Einfluss). Am besten wäre es, man privatisiert die Auskünfte des Finanzamtes und das Finanzministerium muss jedes mal wenn ich eine Auskunft in Anspruch nehme meine Beratungsrechnung bezahlen. Dann hätten die aber ein Interesse an Verinfachung und Bierdeckel-Steuerrefomen. Ausser die SPD natürlich, die fürchtet um die Unterstützung durch die IG Finanzberatung.

  13. 20.11.2006 | 17:32

    [...] Dass das immer kompliziertere Steuerrecht dazu führt, dass die Finanzämter immer mehr Anfragen zu bearbeiten und rechtsverbindliche Auskünfte zu geben haben, ist ja klar. Und darüber, dass die Bürger für diesen Wahnsinn demnächst auch noch per Gebühr bezahlen müssen, haben sowohl unser Boche als auch der freundliche Sozi von nebenan bereits berichtet. Aber die Angelegenheit hört da ja noch lange nicht auf. [...]

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