23. November 2006
Das ist mein Präsident!
Politikerreden zu lesen, ist ja in der Regel kein Vergnügen. Und wenn, dann nur ein oberflächliches, weil statt Inhalt meist Polemik dominiert.
Deshalb war die Rede Horst Köhlers in Bochum auch eine großartige Überraschung für mich. Kluge, grundsätzliche Gedanken und stets auch der Bezug zu konkreten Themen.
Ein Zitat:
Der Staat wird auf diesem Wege für immer mehr Interessenbefriedigung und für große Bereiche des Alltags zuständig, in denen er nichts befehlen, sondern nur mit Geld und guten Worten auf seine Bürger einwirken kann. Das hat die Lobby der organisierten Partikularinteressen stark gemacht, die möglichst viel für ihre Klientel herausholen will und der es gelang, sich intensiv in staatliche Entscheidungen einzuschalten.
So haben alle jahrzehntelang fleißig mitgemacht, obwohl eigentlich jeder hätte wissen können, was Niklas Luhmann einmal so formuliert hat: “Alles in allem gleicht der Wohlfahrtsstaat dem Versuch, die Kühe aufzublasen, um mehr Milch zu bekommen.” Diese Illusion mochte verständlich sein, solange es Jahr um Jahr mehr zu verteilen gab und solange noch nicht Milliarden von Menschen in Osteuropa und Asien mit Fleiß und Ideen um ihren Anteil am weltweiten Wohlstand konkurrieren durften. Aber inzwischen ist es endgültig selbstzerstörerisch, immer weiter den Blasebalg zu bedienen.
Dass aus der sozialdemokratischen Union Jammerlaute zu vernehmen sein sollen, zeigt nur, dass Köhler die richtigen Worte gefunden hat.
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aufmerksam geworden bei La Deutsche Vita
Verfasst von Boche um 11:55 Uhr in der Kategorie Grundsatzfragen, Innenpolitik, Politik (Trackback)