Rente mit 67

Als ich heute meinen Friedman las, saß neben mir ein taz-Leser.
Eine der Schlagzeilen, die ich aus den Augenwinkeln mitgelesen habe, betraf die “Rente mit 67″. Ich vermute, es war dieser Artikel.

Was mir rätselhaft erscheint, ist die Tatsache, dass kaum jemand den Zusammenhang zwischen staatlicher Zwangsversicherung und dem Zwang (oder politisch verklärt: der Chance) zum längeren Arbeiten erwähnt.
Wäre die Altersversorgung privatisiert, wäre das ganze Thema als politisches Thema verschwunden. Wie lange jemand dann Geld verdient, ist allein seine Sache. Im Vertrag mit seinem privaten Rentenversicherer könnte natürlich die Laufzeit seiner Beitragszahlung vereinbart werden. Das wäre dann aber flexibel und könnte auf die jeweiligen Wünsche und Möglichkeiten des Einzelnen ausgerichtet werden.

“Rente mit 67″ ist also nur ein Scheinthema, eines, das man sieht. Was man nicht sieht oder dabei gern vergisst, ist, dass der Staat den Einzelnen nur deshalb bis zum Alter von 67 Jahren in Anstellung drängen kann, weil er ihm vorher schon die Freiheit genommen hat, seine Alterssicherung selbstverantwortlich zu organisieren.

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28 Kommentare zu “Rente mit 67”

  1. spruance
    30.11.2006 | 10:16

    Tja, was der Staat einem gibt (nachdem er es uns oder jemand anderem genommen hat), kann er auch wieder nehmen! Über das Thema, Abhängigkeit als Unabhängigkeit zu empfinden ein wie immer erhellender Artikel von T.Dalrymple: hier

  2. 30.11.2006 | 10:57

    100 % Zustimmung. Und selbst Selbständigen (die eigentlich schon vom Namen her “frei” sein sollten) wird es immer schwerer gemacht, sich selbst um ihr Alter zu kümmern (Stichwort “Scheinselbständigkeit”)

  3. 30.11.2006 | 11:05

    hehe… genau so ist das.

    wobei es schlussendlich egal sein wird. weil der karren, auf dem wir nun fahren… wird sicher nicht durchhalten bis ich in rente (gehen darf).^^

  4. 30.11.2006 | 12:22

    In der Tat.

    Genauso wie bei der Krankenversicherung, der Pflegeversicherung, der Arbeitslosenversicherung, der Eigenheimzulage (als über Steuern finanzierter Sparplan), usw.

    Der Staat ändert fast täglich seine Tarife und schert sich nicht um vereinbarte Verträge. Die gibt es ja auch nicht. Ist ja alles ein großes Faß und da fliesst die Kohle rein. Ach hätte es doch auch einen Boden.

  5. 30.11.2006 | 12:33

    Wunderbar zu sehen, wie weit die Liberalen von der Regierungsfähigkeit entfernt sind. Jedenfalls an dem gemessen, was die Bevölkerung dieses Landes für richtig hält.

    Der Umbau von Sozialsystemen steht schon nicht mehr zur Debatte, nein wir gehen gleich einen Schritt weiter und schaffen den Sozialstaat endlich ganz ab. Hoffentlich gibt es dafür nie die erforderlichen Mehrheiten.

  6. 30.11.2006 | 12:41

    @apollon

    Du musst ja wohlhabend sein und mit dem staatlichen Hungergeld, das für die auch bei Geringverdienern stattlichen Einzahlungen gezahlt wird, gut auskommen, wenn du solche (sachlich natürlich wieder nicht begründete) Meinung vertrittst.

  7. 30.11.2006 | 12:49

    @apollon

    Ist der Sozialstaat eigentlich nur Selbstzweck oder verfolgt der auch ein Ziel, das den Menschen nutzen soll?

  8. 30.11.2006 | 13:06

    @apollon

    Rayson hat die richtige Frage aufgeworfen.

    Die Sozialsversicherung allen voran Renten und Krankenversicherung bestehen aus genau ZWEI Komponenten. 1) Umverteilung gemäss dem Solidaritätsprinzip (der reichere zahlt mehr) 2) die Versicherungsleistung.

    Ich habe noch nie begriffen, warum man beide Komponenten derart miteinander verquicken muss. Die Versicherung kann genauso gut und noch besser vom Markt erbracht werden. Durch Unternehmen, die im Gegensatz zum Staat an Verträge gebunden sind. Die Solidarität kann zusätzlich über den (Steuer-)Staat erfolgen.

    Dass man die Komponenten nicht trennt lässt sich - mir jedenfalls- allein dadurch erklären, dass man etwas verstecken möchte.

  9. 30.11.2006 | 13:22

    Ich habe nicht gesagt, dass wir mit der Entwicklung unserer Sozialsysteme zufrieden sein sollten. Im Gegenteil. So ist das System zu teuer und zu ineffizient. Gegen eine generelle und umfassende “Modernisierung” dieser Systeme hätte ich auch nichts einzuwenden. Mich stört nur das Signal, das mit euren Standpunkten verbunden zu sein scheint. Und das wäre die Abschaffung der bisherigen Systeme und nicht deren Reformierung.

    Und Dirk, das Argument, die Steuern zur Finanzierung heranzuziehen, ist auch nicht neu. Es wird, fürchte ich, nicht dazu führen, dass die Abgabenlast zurückgeführt werden kann. Das nötige Geld würde lediglich aus einem “anderen Topf” genommen. Wird es allein hierdurch besser? Steigen hierdurch die Effizienzen?

    @Rayson: Selbstverständlich soll er den Menschen nutzen. Das er das heute nicht tut (Ineffizienz) kann man ändern und zwar ohne, dass man das System gleich abschafft.

    @boche: Man kann sich einen Sozialromantik natürlich nur dann leisten, wenn man ideologisch einigermaßen gefestigt ist. Besonders viel Geld braucht es dafür also nicht. :-)

  10. 30.11.2006 | 13:26

    Ach ja. Übrigens bin ich gegen die Rente ab 67. Aber meine Sache ist das ohnehin nicht. Ich bin Jahrgang 53. Wenn man also genauer hinsieht, verhalte ich mich (wie an diesem Beispiel erkennbar) total unsolidarisch.

  11. 30.11.2006 | 13:33

    Wenn du schreibst:

    ohne, dass man das System gleich abschafft

    definiere doch mal “System”, apollon.

    Dirk hatte eigentlich sehr verständlich darauf hingewiesen, dass man das “System” der Umverteilung zur Bekämpfung von Altersarmut auch erhalten kann, wenn man die staatliche Rentenversicherung für die zukünftigen Rentner gewinnbringender organisiert.

  12. 30.11.2006 | 13:40

    @apollon

    Wenn ein System nichts taugt, warum soll man es nicht abschaffen und durch etwas Besseres, also zielkonformeres, ersetzen? Es geschieht viel zu oft in der politischen Diskussion, dass ein Mittel unverdient und unbegründet alle Unantastbarkeit des Ziels erbt, für das es mal geschaffen wurde.

  13. 30.11.2006 | 13:46

    Wunderbar zu sehen, wie weit die Liberalen von der Regierungsfähigkeit entfernt sind. Jedenfalls an dem gemessen, was die Bevölkerung dieses Landes für richtig hält.

    Und wenn die Mehrheit der Bevölkerung dieses Landes Ausländerrückführung, Todestrafe für Schwerverbrecher und Baustopp für Moscheen für richtig halten würde - wärst Du dann auch dafür, Apollon?

  14. Freewheelin
    30.11.2006 | 13:48

    Das sog. “System” ist nichts anderes wie ein staatlich legitimiertes Schneeballsystem oder Pyramidenspiel.
    Es benötigt immer mehr Einzahler, damit es funktioniert. Deshalb lamentieren die Politiker immer, daß wir Zuwanderung benötigen. Die Einzahler dürfen ja nicht ausgehen. Daß die Zuwanderung in D lediglich in die Sozialsysteme stattfindet interessiert scheinbar nicht. Und Arbeit ist auch nicht gerade üppig gestreut.
    Ergo: Der Schneeball wird irgendwann schmelzen, nichts mehr wird übrig sein.
    Aber dieses Faß (”Rentenversicherung”, daß ich nicht lache) ist bei Politikern sehr beliebt, man kann sich jederzeit daraus bedienen. Daher wird daran festgehalten. Die Politkaste hat andere Realitäten!

  15. Freewheelin
    30.11.2006 | 13:55

    @joachim
    Ganz gleich wie man Demokratie definiert, aber ich denke schon, daß wenn die Mehrheit - sagen wir 80% - genau DIESER Meinung ist: Suchst Du Dir eine andere Bevölkerung?
    Nun, dies wird durch die Demographie ohnehin schon bewiesen, daß genau DAS stattfindet.

  16. 30.11.2006 | 14:13

    @Boche: System = Sozialsystem(e)

    @Joch@im: Würdest du diese Frage auch einem Schweizer stellen? Mein Demokratieverständnis funktioniert (glaube ich) noch ganz gut. Außerdem bemühe ich mich um möglichst ausgewogene Sichtweisen — auch wenn man mir das nicht immer abnimmt.

  17. 30.11.2006 | 14:14

    @Boche: Ach ja, unter einer ausgewogenen Sichtweise verstehe ich, dass man sich auch der Argumente der “anderen Seite” nicht verschließt. Ich tue das -bis zu einem gewissen Punkt (wie du weißt).

  18. 30.11.2006 | 14:22

    @apollon

    Wenn du dich anderen Argumenten nicht verschließt, so hältst du das aber sehr gut geheim.

    Hast du denn die Idee der Trennung von Versicherungs- und Armutshilfe-Prinzip verstanden?
    Was meinst du dazu?

  19. Parker8
    30.11.2006 | 14:39

    @apollon

    Der Umbau von Sozialsystemen steht schon nicht mehr zur Debatte, nein wir gehen gleich einen Schritt weiter und schaffen den Sozialstaat endlich ganz ab. Hoffentlich gibt es dafür nie die erforderlichen Mehrheiten.

    Mit Sicherheit nicht. Und die Minderheit wird umso geringer bleiben, je loyaler die Politiker der Volksparteien sich wieder zum gesetzlichen Rentensystem verhalten.

    @Dirk

    Die Versicherung kann genauso gut und noch besser vom Markt erbracht werden.

    Hier hilft der Blick ins Ausland. Und auf die Aufschläge bzw. Verwaltungskosten privat organisierter Rentensysteme.

  20. 30.11.2006 | 14:43

    Die Verwaltungskosten werden natürlich um so geringer, desto weniger sie transparent sind und um so weniger sie sich dem Wettbewerb stellen müssen.

    Diese Gesetzmäßigkeit nennt man auch das Parker8-Gesetz.

  21. 30.11.2006 | 15:35

    @alle:

    Man möge mich für blöd und ahnungslos erklären, aber Arbeitslosenversicherung und Krankenversicherung einerseits, Rentenversicherung andererseits, sind das nicht zwei paar Schuhe? Und Pensionsberechtigungen noch ein weiteres, noch mal noch teureres?

    Sind zwar alles irgendwie auch Risikoversicherungen insofern, daß vor Altersarmut geschützt wird, aber das ginge ja im Grunde genommen genau so gut über Steuerfinanzierung, daß jene, die die Chance nicht hatten, vorzusorgen - sei’s wegen Kinderziehung oder sonstwas - eben ein Basis-Einkommen erhalten im Alter, und in solchen Fällen kann dann doch das Einstiegsalter auch varriieren, 65 ist ja auch historisch gewachsen. Ebenso wie der “Generationenvertrag” sich ja nun in der Tat anderen, historischen Bedingungen verdankt. Daß man da mal eben so 1 zu 1 die DDR-Bevölkerung einbezogen hat, das ist ja eine der Wurzeln der Problematik - ich gönn’s denen von ganzem Herzen, aber es zeigt ja vielleicht, daß andere historische Situationen auch andere Lösungen erforderm. Und bald ist eh wieder Klassenkmapf angesagt ;-) … nicht, daß ich das wollte.

    Das ist doch aber was anderes als die Krankenversicherung, wo Umverteilung eben damit begründet werden kann, daß es keinen Grund gibt, einigen mehr Recht auf Gesundheit zuzugestehen als anderen, nur weil die zufällig mehr Kohle haben. Weshalb mir die Beitragsbemessungsgrenze für pflicht- und freiwillig versichert auch immer ein Rätsel bleiben wird, daß also jene ausscheren können, die sowieso schon mehr verdienen. Finde ich zum Kotzen.

    Ich plädiere somit dafür, mal zwischen verschiedenen Bereichen des “Sozialsystems” zu unterscheiden.

  22. 30.11.2006 | 16:01

    @MR

    Die Risikokompenente der Gesetzlichen Rentenversicherung ist mittlerweile so gut wie verschwunden und wird auch mehr und mehr zurückgedrängt. Es gab sie allerdings mal: Berufsunfähigkeit, Witwenrente…

    Mittlerweile ist die GRV aber weder Versicherung noch Sparverfahren, sondern eben Umlage: Die Beiträge werden nicht investiert, sondern konsumiert.

    Eine vollständige Umstellung auf Kapitaldeckung halte ich für unrealistisch, aber der Weg in Richtung steuerfinanzierte Grundrente plus individuelle Eigenvorsorge scheint mir ein gangbarer und sinnvoller. Wobei der Knackepunkt die Höhe der Grundrente sein wird, keine Frage. Aus meiner Sicht spricht da nichts dafür, Altersarmut besser zu behandeln als sonstige Armut.

    daß es keinen Grund gibt, einigen mehr Recht auf Gesundheit zuzugestehen als anderen, nur weil die zufällig mehr Kohle haben

    Es geht nicht um ein “Recht auf Gesundheit”, sondern um Umfang, Art und Weise einer Behandlung im Krankheitsfall. Das sind gleich mehrere Paar Schuhe. Und ja, ich finde es im Prinzip völlig o.k., dass diejenigen, die mehr Geld aufwenden, auch umfangreicher mit Leistungen versorgt werden.

  23. 30.11.2006 | 16:06

    @Rayson:

    Wie Du Dir vorstellen kannst, sehe ich das mit der Gesundheit fundamental anders und mache das Faß jetzt lieber nicht auf, aber so diskutiert es sich doch gleich ganz anders als ständig in diesem ganz großen Bogen …

  24. jpj
    30.11.2006 | 16:15

    @apollon

    Hallo Apollon,

    Sie schrieben zum Thema Rente:

    > Der Umbau von Sozialsystemen steht schon nicht
    > mehr zur Debatte, nein wir gehen gleich einen
    > Schritt weiter und schaffen den Sozialstaat
    > endlich ganz ab. Hoffentlich gibt es dafür
    > nie die erforderlichen Mehrheiten.

    Hoffentlich — für wen? Die ‘Armen’ um derentwillen diese Zwangssysteme angeblich erhalten werden, haben daraus nichts zu gewinnen. Sie werden stattdessen am eigenen Emporkommen gehindert. Deswegen ist es ja auch ein Zwangssystem, aus dem die ‘Armen’ sich nicht verabschieden können. Die einzigen, die vom Zwangssytem der Rente profitieren sind die durch unsere Unfreiheit beschäftigten Verwaltungsbeamten.

  25. 30.11.2006 | 18:23

    @Apollon

    Mal abgesehen von den finanziellen Effizienzsteigerungen, die einem privat organisierten Versicherungswesen enstpringen würden geht es vor allem um die freiheitlichen Verbesserungen. Private Versicherungen können unterschiedlichste Wünsche ihrer Kunden umsetzen und einen ganzen Katalog an Tarifen anbieten, die genau auf die Kunden zugeschnitten sind. Ein staatlicher Monopolist kann das nicht. Da alles durch Gesetze statt Verträge geregelt wird gibt es genau einen Tarif. Für alle und für jeden. Keine Freiheit einen Tarif zu wählen den mir wünsche. Es wird von oben diktiert: “Heute Rente mit 67″. Darum geht es.

    @Parker8
    Wenn die gesetzliche Rente soviele Vorteile hat, warum ist sie dann verpflichtend?

  26. 30.11.2006 | 22:01

    @Dirk

    Wer annimmt, dass eine per Beamtenlaufbahn zusammengestellte Versammlung von Bürokraten die Geschicke des Einzelnen optimaler leiten kann als er selbst, für den ist genau der Zwang der Vorteil.
    Für Anhänger dieser Idee ist die gesetzliche Rente vorteilhaft, weil sie verpflichtend ist.
    Weil der Einzelne nicht mehr Gefahr läuft, mit seiner Freiheit Unfug anzustellen.

  27. Parker8
    30.11.2006 | 22:27

    Wenn die gesetzliche Rente soviele Vorteile hat, warum ist sie dann verpflichtend?

    Natürlich um für die Nachfrager die informationalen Transaktionskosten zu senken.

  28. 30.11.2006 | 23:08

    @Parker8

    Natürlich um für die Nachfrager die informationalen Transaktionskosten zu senken.

    Aha. Der große Parteivorsitzende weiss also besser Bescheid als ich, was er mit meinem Geld anzufangen hat. Ist es nicht genau umgekehrt? Erst der freie Markt mit den Arbitrageuren schafft Informationseffizienz? Manchmal werde ich bei Ihnen das Gefühl nicht los, dass sie Ihre Aussagen selbst nicht so ernst meinen und nur eine Debatte anfangen wollen. Gerade dieses “natürlich” ist ein ziemlich starker Indikator. Ihren Kommentaren nach verfügen Sie ja über weitreichendes ökonomisches Wissen. Es würde mich sehr interessieren welche, etwa akademische, “Meriten” sie erworben haben.

    @Boche
    So sehe ich es auch. Es ist immer die Angst vor der eigenen Verantwortung, die viele Menschen vom Kollektiv und einem großen Führer träumen lässt. Wenigstens nicht alleine im Boot sitzen. Aber wenn Kinder ins Wasser geworfen werden (Zwang?) lernen sie ziemlich schnell schwimmen. Ich willl einfach nicht glauben, dass es einerseits Menschen gibt, die mit Deep Fritz mithalten können, oder solche, die Raumschiffe bauenn und andererseits Menschen, die ihr eigenes Leben nicht in den Griff kriegen. So verschieden kann die Hardware der Menschen nicht sein, es muss an der Einstellung liegen.

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