30. November 2006
SCO, IBM, Joe Sixpack, Recht und Poker
Viele wissen es ja schon: Es gibt da so einen Prozess in den USA. Ein Unternehmen namens SCO hat IBM verklagt, weil letzteres angeblich geistiges Eigentum von ersterem “gestohlen” habe. Die Brisanz ergibt sich daraus, dass es um Linux geht, auf das IBM seit einiger Zeit setzt. Es gibt auch einige Merkwürdigkeiten im Verhältnis von SCO und Microsoft. Die wirklich ganze Geschichte kann man bei heise.de verfolgen.
Nicht nur für normale Prozessbeobachter war das Vorgehen von SCO allerdings höchst skurril, auch die Untersuchungsrichterin Wells fand eine passende Analogie:
Diese hatte die SCOs Beweisführung mit einem Ladendiebstahl in einem Kaufhaus verglichen, bei der ein Detektiv ohne die Präsentation von Beweisen einfach erklärt, der Dieb wisse schon, was er gestohlen habe.
Mich beschäftigt aber eine andere Frage. Selbst, wenn die Basis für eine solche Klage derart wacklig erscheint: Was wäre gewesen, hieße der Gegner von SCO nicht IBM, sondern Joe Sixpack, freiberuflicher Linux-Entwickler? IBM kann Anwälte bezahlen, um dem Geschwalle der Kläger so Paroli zu bieten, dass letztlich auch ein Richter die Absurdität des Vorgehens erkennt. Aber unser Freund Joe Sixpack? Wo noch nicht einmal Rechtschutzversicherungen Urheberrechtstreite zu bezahlen pflegen?
Ich bin ja sehr für Marktlösungen, aber wenn der rechtliche Rahmen festlegt, dass das beste Ergebnis eines Beklagten so aussieht, dass er an den Kläger nichts zahlen muss, dann gibt es so gut wie keine Anreize für Unternehmer, mit dem Beklagten gemeinsame Sache zu machen, indem sie ihm Geld für seinen Prozess vorstrecken. Hätten wir hier die Situation eines Pokerspiels, wo jemand mit einem erbrachten Einsatz nicht mehr mitgehen kann und deswegen verliert, obwohl er das bessere Blatt hat? Wenn ja - ist das o.k.? Wenn es nicht o.k. ist - was wäre dagegen zu tun?
Verfasst von Rayson um 18:24 Uhr in der Kategorie Grundsatzfragen, Innenpolitik, Politik (Trackback)