3. Dezember 2006
Beck macht’s möglich
SPD-Chefdampfplauderer Beck hat sich für höhere Löhne eingesetzt. Wahnsinn. Wie müssen wir uns das vorstellen?
Boss (dickbäuchig, mit Cut, Melone und Zigarre): “Eigentlich wollte ich ja noch 20 Stunden Mehrarbeit pro Woche und 50% Lohnkürzung fordern. Aber man muss ja was für die Binnenkonjunktur tun, da hat der Beck Recht. Hm, mal rechnen… Wenn ich meinen 1.000 Beschäftigten 1 Euro mehr Lohn zahle und die daraufhin für ihr gesamtes Mehr an Geld Produkte meines Unternehmens kaufen, dann habe ich nach Berücksichtigung aller Abgaben und Steuern im nächsten Jahr ungefähr 1.200 Euro mehr Kosten und vielleicht 500 Euro mehr Umsatz. Nach Abzug der Kosten verbleiben davon ungefähr 10 Euro Gewinn. Äh… Verflixt… Aber wenn der Beck das sagt, dann ok, machen wir’s!”
Gewerkschafter (hager, im Overall, mit Helm): “Wir wollten in diesem Jahr eigentlich vorsichtig rangehen, um die Arbeitsplätze im Land zu halten. Aber wenn selbst Kurt Beck einen kräftigen Schluck aus der Pulle fordert, dann vertrauen wir ihm. Dann machen wir das!”
Natürlich nicht. So läuft das nirgendwo, aber der Beck hätte gerne, dass man sich das so vorstellt. Vielleicht ohne die Rechnerei… Es ist wieder mal nur Unpolitik: Beck fordert etwas von anderen, um selbst als Wohltäter gelobt zu werden. Nicht Empörung, Gelächter wäre die richtige Antwort.
Damit sei übrigens nichts gegen höhere Löhne gesagt. Die werden aber da, wo sie volkswirtschaftlich sinnvoll sind, schon automatisch, also jedenfalls ohne den Herrn Beck, kommen. Und in anderen Bereichen sind sie eben trotz anziehender Konjunktur immer noch nicht sinnvoll. Man nennt das auch Strukturwandel, aber das ist für Politiker schon zuviel an Komplexität. Auch, wenn sie es selbst begreifen: Sie trauen es ihren Wählern nicht zu. Ich wünschte, sie hätten nicht Recht damit.
Update:
Der Schweizer Wirtschaftsweise hat sich als investigativer Journalist betätigt und festgestellt, dass Becks Weisheiten in dessen Partei wohl noch nicht so angekommen sind.
Verfasst von Rayson um 23:01 Uhr in der Kategorie Politik, Wirtschaftspolitik (Trackback)