3. Dezember 2006
Memory
Kinder lieben ja das Memory-Spiel. Nicht zuletzt, weil sie dort den Erwachsenen überlegen sind. Bei diesem Spiel geht es darum, unter verdeckten Karten, die jeweils von einem Spieler paarweise aufgedeckt werden, möglichst viele gleiche Kartenpaare zu finden.
Der Berliner CDU-Fraktionschef Friedbert Pflüger hat auch Memory gespielt und gönnt uns nun die kuriose Situation, zwar zwei zunächst für jedermann offensichtlich grob verschiedene Karten aufgedeckt zu haben, aber dennoch zu behaupten, sie seien die zueinander passenden. Das lässt sich besonders gut nachvollziehen, weil das Spielfeld in diesem FTD-Artikel offen vor uns liegt.
Das sagt Friedbert:
Unterstützung bekam Berninger vom Berliner CDU-Politiker Friedbert Pflüger. Die Union sollte sich seiner Ansicht nach für Bündnisse mit den Grünen öffnen. Die Chancen dafür müssten auch in den Ländern und langfristig auf Bundesebene ausgelotet werden, sagte der Berliner CDU-Fraktionschef laut “Bild am Sonntag”.
Die Differenzen seien so gering und die Schnittmengen so groß wie nie zuvor.
Und hier das, was die Grünen da beschlossen haben:
Co-Fraktionschef Fritz Kuhn warf der Autoindustrie Ignoranz gegenüber dem Klimaschutz vor. Man habe lange genug auf freiwillige Vereinbarungen etwa über Verbrauchsobergrenzen gewartet. Nun seien staatliche Vorgaben notwendig.
“Das hat mit Verzicht überhaupt nichts zu tun, sondern mit mehr Lebensqualität”, sagte der Umweltpolitiker Reinhard Loske. Bis 2020 müsse Deutschland seinen CO2-Ausstoß um mindestens 40, bis 2050 um mindestens 80 Prozent senken. Ziel: Die Begrenzung der Erderwärmung auf maximal zwei Grad.
Im Zentrum des von den Grünen beschlossenen Maßnahmenbündels stehen ehrgeizige Verminderungsziele für das klimaschädliche CO2. “Wir brauchen eine klare Strategie, die auf Nullemission setzt”, sagte der Fraktions-Energieexperte Hans-Josef Fell. Zudem verlangen die Grünen Verbrauchsgrenzen für Autos und Geräte, eine umfassende ökologische Finanzreform und den massiven Ausbau von Wind-, Wasser-, Sonnen- und Bioenergie sowie Erdwärme.
Ich gebe ja zu, dass es eine Weile her, seitdem ich das letzte Mal ein CDU-Programm gelesen habe, aber ich kann mir kaum vorstellen, dass solche Beschlüsse damit kompatibel sind. Wo da die “großen Schnittmengen” sind, würde ich gerne mal wissen.
Obwohl…
Wenn wir uns die Rückseiten von Memory-Karten anschauen, sind die ja tatsächlich alle gleich. Und da, nämlich auf der anderen, der Rückseite, findet das Lieblingsspiel der Politiker statt, die Unpolitik. In unpolitischer Terminologie wäre die “große Schnittmenge” z.B. im gemeinsamen Interesse zu suchen, sich im Ringen um Macht und Pöstchen möglichst flexibel aufzustellen und keine Optionen zu verbauen. Und wenn die CDU chamäleongleich SPD-Programmatik annehmen kann, warum soll das dann nicht auch mit grüner Klimarhetorik klappen?
Verfasst von Rayson um 20:40 Uhr in der Kategorie Politik, Sprache (Trackback)