Parteipolitik

Sozi bin ich nicht, war ich nicht und werde ich auch wohl nie werden. Vielleicht sollte ich Personalentscheidungen dieser Partei dann auch besser weiter ignorieren. Aber wenn es mir gar zu sehr als Symptom für die Krise dieses Parteienstaats erscheint?

Da ist eine gewisse Frau Ypsilanti von der hessischen SPD zur Gegenkandidaten von Roland Koch für 2008 gewählt worden. Sie konnte sich gegen einen gewissen Herrn Walter durchsetzen. Wenn die Partei denn meint, dass diese Kandidatin ihre inhaltliche Kompetenz am besten verkörpert, dann ist das wohl so. Ich könnte mir zwar vorstellen, dass sich mit der Gewählten auch besonders Koch und die CDU gefreut haben, und das gleich aus mehreren Gründen, aber das ist natürlich kein Maßstab für SPD-Parteitage. Und auch Marian dürfte vielleicht für einen Augenblick froh sein, nicht dem hessischen Landesverband anzugehören…

Interessanter erscheint mir aber dieser kleine Hinweis:

Bei Abstimmungen der SPD-Unterbezirke hatte Walter stets klar vorne gelegen.

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6 Kommentare zu “Parteipolitik”

  1. 4.12.2006 | 7:19

    Die Entscheidung für Frau Ypsilanti ist m. E. typisch für den Hang, “Zeichen zu setzen” (indem man jemanden nominiert, der für das steht, für das Koch eben nicht steht), also zu symbolischen Handlungen. Nichts gegen Symbole, aber wenn darüber die Realitäten vergessen werden, dann ist das sehr - deutsch.

  2. der gute don
    4.12.2006 | 9:38

    Die Wirtschaft müsse für bessere Lebensverhältnisse der Menschen sorgen. „Die Wirtschaft ist für die Menschen da, nicht umgekehrt.“

    wie schön das in der brave new spd-world immer andere für den einen verantwortlich sind. Nur nie man selbst.

  3. R.A.
    4.12.2006 | 11:25

    Die SPD Hessen hatte schon immer einen erstaunlich linken Funktionärskader (und der dominiert die Parteitage).
    Durch die weggefallene Regierungsverantwortung im Land und vielen Kommunen hat der Realitätsbezug bei denen offenbar noch mehr gelitten.

    Ypsilanti wird gegen Koch mit Karacho verlieren - maximal kann sie vielleicht einen Teil der in der Mitte wegfallenden Wähler bei Linkspartei und Grünen kompensieren.

    Für Walter ist das vielleicht gar nicht so schlecht: 2008 ist für die SPD ohnehin nicht zu gewinnen, Koch sitzt zu fest im Sattel.
    Seine innerparteiliche Niederlage war so knapp, das gibt keine Kratzer. Und mit Ypsilantis Niederlage ist der linke Flügel erst einmal diskreditiert.

    2013 ist Walter im besten Alter für einen Machtwechsel, und Koch entweder in Berlin oder nach 15 Jahren Landesvater verbraucht.

  4. 5.12.2006 | 23:35

    “Bei Abstimmungen der SPD-Unterbezirke hatte Walter stets klar vorne gelegen.”

    Jein. Walter hat die Mehrheit der Unterbezirke klar gewonnen, aber in absoluten Stimmen erhielt Walter 3395 und Ypsilanti 3207 Stimmen. Daher kann man auch sagen, die Mitglieder haben recht knapp entschieden. Ich weiß von Leuten, die sagten “Wir brauchen keinen Koch in klein.”

    Und bitte keine Krokodilstränen. Wäre es Jürgen Walter geworden, hätte hier doch bestimmt jemand gekräht wie schlecht es um die Solidarität der Genossen stünde, besonders mit Frauen, die nur dazu gut gewesen wären den Karren aus dem Dreck zu ziehen.

    Schließlich hatte nach der üblen Niederlage 2003 Spitzenkandidat Bökel hingeworfen (obwohl es meiner Meinung nach Schröders Schuld war) und Andrea Ypsilati hat den Vorsitz übernommen als keiner wollte.

    Zudem ist Jürgern Walter erst 38. Da wird man vielleicht James Bond-Darsteller, aber nicht Ministerpräsident.
    ;-)

  5. 5.12.2006 | 23:51

    Wieso “Krokodilstränen”? Welcher Sozialdemokrat oder welche Sozialdemokratin in Hessen MP oder MP-Kandidat ist oder wird (also Koch, Ypsilanti oder Walter), ist mir im Grunde so schnurz wie piepe (erst recht, seitdem ich nicht mehr da wohne). Und wenn bei SPD-Parteitagsdelegierten sinnleere Sozialrhetorik Herzenswärme zu produzieren in der Lage ist, ist das ebensowenig mein Problem, wie wenn man sich aus taktischen Gründen für den aalglatten Machtpolitiker entschieden hätte. Nur: Wenn diese Parteien mit diesen Methoden ein Vorbild für unsere Demokratie sein sollen, dann Gute Nacht…

  6. R.A.
    6.12.2006 | 10:47

    > Zudem ist Jürgern
    > Walter erst 38.
    Dann hätte er mit 39 MP sein können - kein großer Unterschied zu Koch, der war 41.

    Na egal, wenn die SPD mit gutem Gefühl eine Wahl verlieren will, soll sie doch.

    Die taktischen Feinheiten haben wir auch hier diskutiert:
    http://www.wahlrecht.de/forum/messages/40/2615.html?1165392935

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