Raysons Goldene Diskussionsregeln für die Blogosphäre

Die folgende Liste wird laufend ergänzt… Danke allen Beitragenden.

Alle

  1. Es ist nicht wichtig, ob du Ahnung hast. Hauptsache, du hast eine Meinung.
  2. Einer Meinung kann durch besonders apodiktische Formulierungen Allgemeingültigkeit verliehen werden.
  3. Der Sinn einer Diskussion ist, in ihr zu gewinnen. Das Ziel ist, dass sich der Gegner am Boden nicht mehr bewegt.
  4. Werde unbedingt persönlich: Wer sich erdreistet, eine andere Meinung zu haben, ist ein unwürdiges Subjekt.
  5. Lach Quellen, die deine Gegner präsentieren, einfach aus: Die sind natürlich gefärbt oder gar voller Lügen.
  6. Verlange grundsätzlich von Deinem Gegner mindestens 3 unabhängige Quellen, gebe jedoch selbst keine an. Wer Dir nicht glaubt, ist ohnehin unwürdig für jede weitere Diskussion.
  7. Sieh zu, dass du dir das Image eines Rebells gegen ein übermächtiges System verleihst: Um dich herum ist alles voll einseitiger Berichterstattung und im Dunkeln operierender Organisationen von DENEN (ersetze wahlweise, z.B. durch Muslime oder Neoliberale).
  8. Übe dich in der Kunst des Abstrahierens. Entferne dich möglichst schnell von der ineffizienten Art und Weise der Diskussion, die ein Eingehen auf dein Gegenüber erfordert. Versuche stattdessen, den Anderen einer in deinem Kopf existierenden Gruppe zuzuordnen, für die du die passenden Klischees parat hast. Rede immer von “ihr” und “euch”. Das erleichtert auch die gleichzeitige Teilnahme an mehreren Diskussionen und das Anlegen von Textbausteinen.
  9. Für Blogger: Such dir einen Lieblingsfeind und verbeiß dich in ihn. Das verschafft Traffic durch die jeweilige Anhängerschaft.
  10. Übe dich in Dialektik: Verurteile deine Einordnung in politische Lager vehement, aber beziehe Kritik an einem bestimmten Lager sofort auf dich persönlich.
  11. Verwende häufig die beiden Wörtchen “ach” und “so” (”Die ach so freien USA”, “Das ach so demokratische Israel”), und Du verschaffst Dir den Geruch überlegener Distanz, ohne Dir auch nur ein einziges Argument selbst ausdenken zu müssen und signalisierst gleichzeitig Deinem Gegener, dass er ein Ignorant ist und nur auf Oberflächliches achtet.
  12. Verwende, wenn möglich (und auch sonst), Nazi-Vergleiche.
  13. Beantworte Fragen mit Gegenfragen.
  14. Lasse “ich meine/denke/glaube” weg und stelle es als Fakten dar.
  15. Verweise auf Wikipedia-Artikel, die Du vorher editierst hast.
  16. Wenn einer ein Unrechtsregime erwähnt, nagele ihn darauf fest, dass er sich von dessen Taten nicht im gleichen Moment explizit distanziert hatte.
  17. Wenn dein Gegner Beispiele bringt, die dein ideales Gedankengebäude zum Wanken bringen könnten, lasse dich nicht darauf ein, sondern suche nach Gegenbeispielen, die ihn treffen sollen. Schließlich willst du gewinnen und nicht dazulernen.
  18. Beruft sich der Gegner auf Experten, die seine Meinung stützen, halte dich nicht lange damit auf, dich mit deren Erkenntnissen auseinanderzusetzen. Entlarve sie stattdessen als Menschen, die für Geld arbeiten, eine deutliche Nähe zu Interessengruppen aufweisen oder einen fragwürdigen Charakter besitzen.

Speziell: Linkes Lager

  1. Denk dran: Du rettest die Welt, die Anderen zerstören sie.
  2. Frag nie, welcher Diktator was getan hat. Frag höchstens, warum.
  3. Wer da kämpft für das Recht, der hat immer Recht.
  4. Die mit den anderen Meinungen können nur dumm, manipuliert oder gekauft sein. Vergiss nie, das in Diskussionen deutlich zu machen. Wenn du als Intellektueller rüberkommen willst: Reagiere beleidigt, wenn die Anderen das merken. Wenn du als offen, ehrlich, kämpferisch und begnadeter Polemiker erscheinen möchtest: Setz einen drauf.
  5. Aktuell: Beziehe möglichst in jeden Artikel eine Polemik gegen Milton Friedman ein und vergiss dabei niemals die »Chicago-Boys«. Weise nach, dass alles weitere Elend auf der Welt durch das unheilvolle Wirken der Weltbank verursacht wurde. Schließe den Kreis damit, dass du das unheilvolle Wirken der Weltbank auf Milton Friedman zurückführst.

Speziell: Pro-westliches Lager

  1. Die gesamte weltpolitische Weisheit ist in der republikanischen Partei der USA zu finden.
  2. Die Regierung Israels macht alles richtig. Die Araber sind an allem schuld.
  3. Wer Punkt 1 bestreitet, ist ein Antiamerikaner.
  4. Wer nur einen Teil von Punkt 2 bestreitet, ist ein Antisemit.
  5. Nach Erreichen von Punkt 3 und/oder Punkt 4: Beschränke jede weitere Auseinandersetzung auf diesen Vorwurf.
  6. Sei wählerisch bei den Quellen zum Thema Irak. Nur die Beschreibung annähernd paradiesischer Zustände kann glaubwürdig sein.
  7. Wer gegen den Irak-Krieg war, liebt Saddam Hussein.


Speziell: Liberales/libertäres Lager

  1. Marktergebnisse sind immer als gut und richtig zu bewerten. Egal, welche Bedingungen auf dem Markt herrschen. Wer das nicht einsieht, kann kein Liberaler sein.
  2. Die Kritik am Staat muss stets die Verachtung für Befürworter des Staates einschließen. Dabei kann es sich nur um Weichlinge oder Sozialisten handeln. Strebe danach, solch unsichere Kantonisten zu entlarven und aus dem heiligen liberalen Lager auszuschließen.
  3. Bemühe dich um ein streng materialistisches Weltbild. Eigennutz ist kein Verhalten, mit dem man rechnen muss, sondern das einzig sinnvolle.
  4. Berufe dich immer wieder auf das Sezessionsrecht, aber hüte dich, diesem Ideal nahe zu kommen.
  5. Wer etwas anderes als vollkommen freie Märkte will, will stattdessen Gulags und darf mit allem Recht Stalinist genannt werden.
  6. Suche dir einen unangreifbaren Säulenheiligen und wirf mit dessen Zitaten um dich. Verweise, um den Ahnungslosen eine Chance zur Bildung und den Verstockten eine zur Läuterung zu geben, massenhaft auf Links bei mises.org oder marktradikalen Think Tanks.

Da Zweifel über die Ernsthaftigkeit dieser Liste aufgekommen sind, folgender bestätigender Nachtrag:

Ja, selbstverständlich bin ich der Meinung, die “Lager” damit ausreichend charakterisiert zu haben. Linke, Pro-Westliche und Liberale/Libertäre argumentieren immer und grundsätzlich so. Und ich selbst folge weder einer der allgemeinen Regeln, noch einer der speziell für Liberale/Libertäre geltenden. Niemals nicht.

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40 Kommentare zu “Raysons Goldene Diskussionsregeln für die Blogosphäre”

  1. 11.12.2006 | 11:54

    erinnert mich irgendwie an die uralten “wie verhalte ich mich am besten in boards”-anleitungen. :P

  2. 11.12.2006 | 11:55

    Augenzwinkernde Ergänzung für das linke Lager: Beziehe möglichst in jeden Artikel eine Polemik gegen Milton Friedman ein und vergiss dabei niemals die »Chicago-Boys«. Weise nach, dass alles weitere Elend auf der Welt durch das unheilvolle Wirken der Weltbank verursacht wurde. Schließe den Kreis damit, dass du das unheilvolle Wirken der Weltbank auf Milton Friedman zurückführst ;-)

  3. 11.12.2006 | 11:59

    @wirtschaftsweiser_ch

    Meine Beiträge sind nur sehr selten originell ;-) Aber immer selbst ausgedacht. Das heißt, einen Patentstreit würde ich verlieren, einen Urheberrechtsstreit nicht…

    @stefanolix

    Ich sammle gute Vorschläge. Darf ich den übernehmen? Dass alles größtenteils mit einem Augenzwinkern zu sehen ist, versteht sich übrigens von selbst. Aber es gibt auch welche, die geben sich wirklich alle Mühe, diesen Regeln zu folgen.

  4. 11.12.2006 | 12:09

    Gern. Ich bin sicher, dass noch mehr (und bessere) Vorschläge kommen werden. Und wenn ich an manche Fundamentalisten in anderen Lagern denke, könnte man sogar noch eine weitere Rubrik eröffnen.

    Einen weiteren Punkt würde ich noch ergänzen:

    Der Sinn einer Diskussion ist, in ihr zu gewinnen. Das Ziel ist, dass sich der Gegner am Boden nicht mehr bewegt.

  5. Mick
    11.12.2006 | 12:50

    Zum Thema Quellen:

    Verlange grundsätzlich von Deinem Gegner mindestens 3 unabhängige Quellen, gebe jedoch selbst keine an. Wer Dir nicht glaubt, ist ohnehin unwürdig für jede weitere Diskussion.

  6. Llarian
    11.12.2006 | 13:57

    Speziell: Die noch ganz anderen

    V. Schreibe eine überspitzte Liste von Verhaltensweisen auf, auf welche Du jedwelche Äusserung deines Gegenübers reduzieren kannst. Mache Dir dabei einen scheinbar neutralen Standpunkt zu eigen, so dass Du als einziger neutral, objektiv und nachdenklich wirkst. Vergiss dabei nicht Mißstände, die andere gerne verwenden und Dir nicht in den Kram passen zu überzeichnen und zu verlächerlichen, so ersparst Du Dir die Auseinandersetzung darum und machst jeden, der sowas auch nur andenkt im selben Zuge lächerlich.

    W. Der Sinn von Diskussionen ist es nicht einen Standpunkt einzunehmen oder gar einen Wert zu verteidigen, Sinn von Diskussionen ist einzig die Diskussion selber. Äquidistanz ist oberstes Gebot, dass gibt einem den Vorteil auf beide Seiten einer Medaille herabzuschauen und alles besser wissen zu können, ohne sich des Problems auszusetzen, angegriffen zu werden.

    X. Solltest Du wirklich mal in die Situation kommen in die Ecke gedrängt zu werden, werfe dem Gegenüber einfach vor, einem bestimmten politischen Lager anzugehören und daher gar nicht in der Lage zu sein, die reale Wahrheit, die natürlich nur Du kennst, auch nur wahrzunehmen und falls doch, sie natürlich mit aller Macht unterdrücken zu müssen, weil das ja dem Lager entspricht.

    Y. Lasse Dich um Himmels willen nie einem Lager, einer Idee oder einem Ideal zuordnen, dass macht Dich nur angreifbar. Es ist bedeutend besser andere zu kritisieren, als sich selber die Kritik auszusetzen, am Ende musst Du noch Dinge oder gar Menschen verteidigen, die Fehler haben und dann hast Du unter Umständen ein grosses Problem. Lehne einfach jedes Prinzip oder Ideal als Fundamentalismus für Dich ab, Prinzipien sind etwas für Leute, die nicht deinen Überblick und deine Objektivität besitzen.

    Z. Und das wichtigste: Folge diesen Prinzipien, aber weise sie weit von Dir. Du bist der einzige, der wirklich nachdenkt und keinem Schema folgt.

  7. 11.12.2006 | 14:02

    Aha, einer fühlt sich schon erkannt.

  8. Llarian
    11.12.2006 | 14:18

    Schön, dass Du Dich erkennst, so war es auch gedacht.

  9. 11.12.2006 | 14:22

    @Llarian: Das Augenzwinkern hattest Du aber hoffentlich nicht vollständig überlesen?

    Ohne Augenzwinkern: Ich bin davon überzeugt, dass ich selbst nicht frei von Fehlern bin und dass ich auch nicht unabhängig von Emotionen schreiben kann — es mag in dieser Beziehung jeder der Anwesenden für sich selbst sprechen. Aber diese ironischen Spitzen im Artikel und in den Kommentaren helfen vielleicht ein wenig bei der Selbsteinschätzung …

    Und jetzt ganz ernsthaft: Diskussionen, die so lange dauern, bis einer liegenbleibt, möchte ich hier wirklich nicht lesen. Abhängig von meiner freien Zeit werde ich das auch immer wieder sagen.

  10. Friedel
    11.12.2006 | 14:23

    Für die Rubrik “Alle”:
    10. Verwende häufig die beiden Wörtchen “ach” und “so” (”Die ach so freien USA”, “Das ach so demokratische Israel”), und Du verschaffst Dir den Geruch überlegener Distanz, ohne Dir auch nur ein einziges Argument selbst ausdenken zu müssen und signalisierst gleichzeitig Deinem Gegener, dass er ein Ignorant ist und nur auf Oberflächliches achtet.

  11. 11.12.2006 | 14:36

    Danke, Llarian, für die exemplarische Anwendung der allgemeinen Regeln Nr. 4 und 9.

  12. 11.12.2006 | 14:56

    @Friedel: Ach, so einfach ist das?

  13. Llarian
    11.12.2006 | 14:59

    @Stefanolix:
    Auch ohne Augenzwinkern und ganz ernsthaft und mal frei von der Leber weg: Ich mag keine Schwallala Diskussionen, die in dem Zustand enden, dass alles mal gesagt worden ist, nur noch nicht von jedem. Man kann Themen unendlich zerreden, sich furchtbar äquidistant und neutral, differenziert, intellektuell und ausgewogen geben und sagt im Endeffekt doch gar nichts. Davon ab, dass es Zeitverschwendung und oftmals intellektuelle Onanie darstellt, sind solche “Diskussionen” auch ausgesprochen kontraproduktiv, denn sie zerreden die Dinge, die wirklich wichtig sind und zu denen eine neutrale Haltung nichts weiter als Ignoranz darstellt. Das ist allenfalls nützlich um verstecktes Beleidigen zu üben, aber bringt einen thematisch nicht weiter.
    Eine ehrliche Diskussion, die hart in der Sache geführt ist, ist mir ein Dutzendmal lieber als das stundenlange Zerkauen ohne Ergebnis. Deswegen muss keiner weggetragen werden, es fehlt eher oftmals an der Diskussionskultur, hart in der Sache zu bleiben, den Gegenüber aber auszulassen. (Ich will mich da selbst nicht ausnehmen, aber ich arbeite daran.) Diskussionskultur bedeutet auch Dinge klar zu sagen, einen Standpunkt zu vertreten und nicht sich feige hinter Allgemeinplätzen und irgendwelcher Neutralität zu verbergen.

  14. 11.12.2006 | 15:05

    Selbstverständlich. Es geht nichts über einen schönes Schwarz-Weiß, mit klar konturierten Feindbildern und einem eigenen Standpunkt, der nicht mehr hinterfragt zu werden braucht, sondern nur noch mit allen Mitteln verteidigt werden muss.

  15. Friedel
    11.12.2006 | 15:14

    @Llarian:
    Ich habe häufig in Diskussionen den Eindruck, dasss es nicht in erster Linie darum geht, ein Problem zu lösen (oder seinem Kern näherzukommen), sondern lediglich darum, die eigene Ansicht kund zu tun und sich selbst in ein möglichst freundliches Licht zu rücken (dabei schließe ich mich ausdrücklich selbst ein). Ich kann mich wahrlich nicht daran erinnern, dass eine Diskussion zu einer Änderung von Auffassungen geführt hätte wurde (wiederum einschließlich der meinen), denn dann wären mir die seltensten vier Wörter zu Ohren gekommen (bzw. ich hätte sie selbst geäußert), die auf dieser Welt zu hören sind, nämlich: “Ich habe mich geirrt.” So geschieht es sehr leicht, dass wir einem “stundenlangen Zerkauen ohne Ergebnis” beiwohnen, wie Sie so trefflich formulieren.

  16. 11.12.2006 | 15:22

    @Friedel

    Ich bin mir auch nicht sicher, ob bei zwei unterschiedlichen Meinungen immer eine objektiv im Irrtum sein muss. Aus meiner Sicht ist der maximale Erfolg einer Diskussion das Aufzeigen und Verstehen unterschiedlicher Argumentationsarten und Zielpräferenzordnungen. Vielleicht entwickelt sich durch den so hoffentlich erweiterten Horiziont dann im Lauf der Zeit eine Veränderung der eigenen Wahrnehmung oder Bewertung. Vielleicht auch nicht.

    Das ist aber nicht die Regel. Die findet sich bei “Alle” unter Nr. 3.

  17. 11.12.2006 | 16:29

    @Llarian: Deinen Satz Ich will mich da selbst nicht ausnehmen, aber ich arbeite daran. kann ich mir ernsthaft zu eigen machen. Aber wenn Du schon klare Worte anmahnst: einer der Duellanten Diskutanten, die mich zu dem Bild vom »Diskutieren, bis einer liegenbleibt« anregten, warst Du. Ich sage das durchaus im Bewusstsein meiner eigenen Fehler.

    Über unseren Stil als B.L.O.G.-Gastgeber kann nur jeder von uns selbst sprechen (wir kennen keinen Fraktionszwang). Wir haben manchmal Leser, die uns eine zu starke Polarisierung vorwerfen. Deine Kritik geht nun in eine ganz andere Richtung. Wir werden nicht allen Ansprüchen genügen können. Wir müssen aufpassen, wo die Grenzen liegen.

    @Friedel: Es muss nicht immer der Satz »Ich habe mich geirrt« ausgesprochen werden. Vielleicht reicht manchmal auch der Satz »Ich habe etwas von Ihnen gelernt«? Oder der Horizont der Diskussionsteilnehmer hat sich erweitert, wie Rayson schrieb.

    Natürlich kann das nicht die Regel sein. Denn wenn das schon die Regel wäre, dann wäre die Welt inzwischen ein ganzes Stück weiter …

    Auf jeden Fall versteht man an solchen Tagen besser, warum es in Deutschland Legionen von Kommunikationsberatern und tausende Bücher zu diesem Thema gibt ;-)

  18. 11.12.2006 | 16:33

    %% Ich bin mir auch nicht sicher, ob bei zwei unterschiedlichen Meinungen immer eine objektiv im Irrtum sein muss. %%

    Stimmt! Die “Wahrheit” setzt sich aus vielen Facetten zusammen. Es gibt auch Meinungen, die nicht “objektiv” belegbar, aber trotzdem “richtig” sind.

    Zu Punkt 3. empfehle ich den Link:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Eristik

  19. mkb
    11.12.2006 | 18:21

    Obwohl ich mich bei einigen Punkten ertappt fühle, hier eine Ergänzung zu den allgemeinen Regeln:

    Verwende, wenn möglich, Nazi-Vergleiche.

    PS: Übrigens fällt auf, dass alle Regeln eigentlich nur “Durchführungsanweisungen” für Regel 3 sind.

  20. 11.12.2006 | 18:25

    Da war noch:

    Beantworte Fragen mit Gegenfragen.

    Lasse “ich meine/denke/glaube” weg und stelle es als Fakten dar.

    Verweise auf Wikipedia-Artikel, die Du vorher editierst hast.

    Wenn einer ein Unrechtsregime erwähnt, nagele ihn darauf fest, dass er sich von dessen Taten nicht im gleichen Moment explizit distanziert hatte.

  21. der gute don
    11.12.2006 | 18:41

    wer sich nicht mindestens in einen Punkt zumindest schmunzelnd wiedererkennt ist ein Lügenbold ;-)

    Verweise auf Wikipedia-Artikel, die Du vorher editierst hast.

    das ist mit Abstand mein Favorit.

  22. Llarian
    11.12.2006 | 18:47

    @stefanolix:

    einer der Duellanten Diskutanten, die mich zu dem Bild vom »Diskutieren, bis einer liegenbleibt« anregten, warst Du.

    Das war mir schon bewusst. Aber sieh Dir bitte wirklich mal an, was ich in der Vergangenheit so geschrieben habe und wenn ich hart angreife, ob ich die Aussage oder den Aussagenden attackiere (In einem Fall bin ich bewusst davon abgewichen, aber das hat damit zu tun, dass es dabei um ein Verhalten ging und nicht um eine Sache). Ich habe allerdings kein Problem, wenn eine Meinung oder ein Standpunkt liegenbleibt. Einen Menschen kann man beleidigen, eine Meinung nicht, wenn sich jemand allerdings so sehr mit seiner Meinung identifiziert, dass er sich dadurch persönlich attackiert fühlt, dann ist das ein Problem der nicht vorhandenen Diskussionskultur, ein meines Erachtens nach in Deutschland sehr grosses Problem. Und dabei ist das Elaborat von Rayson eine sehr gute Kondensation dieses Mangels. Alles wird differenziert, zerredet, analysiert, verstanden, belabert und beschwatzt und kaum einer traut sich mal Tacheles zu reden und wenn fühlt sich gleich jemand auf den Schlips getreten und derjenige der sich klar ausdrückt diffamiert. Das ist aber kein Feature sondern ein Bug. Ganz simpel: Uns selber bedeckt halten und klugscheissen können wir alle, es hilft nur keinem, ausgenommen dem eigenen Ego.

    @Friedel:
    Geht mir ähnlich, finde ich aber nicht so dramatisch. Ich habe aus etlichen Diskussionen viel gelernt, auch ohne dass ich da jedesmal ein “Ich habe mich geirrt” verwendet hätte. Diskussionen dienen mir immer meistens auch zum inneren Reichsparteitag. Im Laufe der Jahre hat sich mein Sendungsbewusstsein auch derart reduziert, dass es mir nicht mehr wirklich wichtig ist, dass jemand anders meine Meinung übernimmt. Wer was mitnehmen kann solls tun, wer nicht, der nicht. Ich nehme eigentlich immer was mit. Und wenn es nur die Kuriosität des anderen ist.

  23. 11.12.2006 | 19:37

    @mkb

    Natürlich, Godwin’s Law. Wie konnte ich das vergessen.

    Interessante Beobachtung übrigens. Zwar sind viele Punkte keine Quasi-Konkretisierungen von Nr. 3, aber daraus, dass Diskussionen Interaktion sind, folgt natürlich eine gewisse Gemeinsamkeit.

  24. Parker8
    11.12.2006 | 20:50

    Speziell: Linkes Lager

    Findet in deutschsprachigen Blöggen doch eigentlich kaum statt. Die Domäne der Linken war die Mailing List.

  25. mkb
    12.12.2006 | 11:29

    Nicht zu vergessen: Alle möglichen Standardargumente[1] sind, _auf_ den Gegner angewandt, ein Denkanstoß, berechtigter Einwand, o.ä., in umgekehrter Richtung jedoch nur (billige) Polemik.

    [1] Beispiele dafür stehen schon zuhauf oben, ein weiteres wichtiges ist der Satz “Der Weg zur Hölle ist gepflastert mit guten Vorsätzen.”

  26. 13.12.2006 | 0:44

    [...] Ich möchte hier zum Ende ausdrücklich auf Raysons Goldene Diskussionsregeln für die Blogosphäre hinweisen. Auch ich habe mich in ihnen wiedererkannt und ich habe die Handlungsweisen anderer Blogger erkannt. Rayson hat die Funktionsweisen von Diskursen, innerhalb der Blogosphäre, gnadenlos aufgedeckt und dazu noch jede Menge Humor bewiesen. Den Humor sollte man möglichst nicht verlieren, auch und gerade beim Bloggen nicht. Was leider nicht allzu oft gelingt. [...]

  27. ralph
    13.12.2006 | 13:16

    Ich habe da auch noch eine Regel, die zudem den Vorteil hat, unter Bloggern und Forumsveteranen unstrittig und damit voll konsensfähig zu sein:

    Als politischer Blogger bist Du grenzenlos befugt, nein, jederzeit verpflichtet, zu aber auch wirklich jedem moralisch ausbeutbaren, d.i. zu schlechhin jedem Misstand auf diesem Erdenrund mutig und echt engagiert Stellung zu beziehen, da Schweigen hier einfach zynisch wäre. Deine Aufgabe ist es, Halbwissen durch Empörung zu kompensieren, dabei das Elend der Welt tapfer zu verbellen, per Ferndiagnose jeden Konflikt unbestechlich zu analysieren, die Schuldigen durch Beschimpfung zu erledigen, das Leid der Opfer durch Darreichung von Solidaritätsadressen zu lindern und den Rest der Menschheit, der sich zumeist auf 100 - 800 Unentwegte beschränkt, darüber aufzuklären, was endlich zu tun ist, Kriege, AIDS, Armut, das schlechte Wetter, bügelfreie Knitterhemden oder Wetten Dass! ein für allemal aus der Welt zu schaffen.

    Sogar noch eine Regel:

    Jede politische Frage ist prinzipiell moralisierbar, d.i. Empörung stimulierend. Wichtig: Überbiete jeden anderen Blogger an Quantität und Geschwindigkeit in dieser Deiner allzeit abrufbereiten Empörung, damit Du nicht Deinerseits überboten wirst, um dann ratz-fatz als Zyniker dazustehen. Das gilt insbesondere hinsichtlich des III. Reiches, das mindestens 2,5 mal die Woche auf der Stufe “Entrüstung - Volles Rohr” thematisiert zu werden hat. Achte hierbei sorgsam auf Deine Worte, denn jedes Wort ist interpretierbar, kann und wird interpretiert werden, um gegen Dich verwendet zu werden, um Dich also als Nazi zu stempeln. Um solches Lablen von Anfang an unwirksam zu machen, solltest Du darauf achten, schneller zu sein als Dein Gegner, dem Du schon längst Nazismus, also das schockierende Fehlen eines moralischen Maximal-Superlativs, nachgewiesen haben solltet, bevor er seinen Angriff starten kann. Der Erstschlag ist hier als Präventivmaßnahme zu empfehlen, da der Gegenvorwurf dann aussieht wie die jämmerliche Racheaktion eines entlarvten braunen Kameraden.

  28. 13.12.2006 | 13:53

    @ralph

    Nett formuliert und auch durchaus treffend, nur etwas lang als Regel und, wenn ich mir das erlauben darf, meiner Ansicht nach in einer oder mehreren der oben stehenden Regeln bereits enthalten.

  29. 13.12.2006 | 15:04

    Mir sind in meinem Netzleben schon viele solche Anleitungen - mit und ohne Augenzwinkern - begegnet. Aber der (cabarettistische) Zusatz zu den Lagern ist sehr amüsant und stimmt halt.

    In der Schweiz sind die Achtundsechziger noch ein ewiges Argument der Schuldigkeit - zuerst in der SVP, dann in der FDP und heute in allen Lagern - Selbsthass halt. Es muss Millionen von ihnen gegeben haben. (SPO schreibt ja ausgerechnet heute auch was drüber.)

  30. 13.12.2006 | 15:57

    Na ja, das hat auf meinem Blog ja gerade QED-mäßig gefluppt.Die befolgten also nur die Regel, also ist rayson schuld :-)))

  31. 13.12.2006 | 16:15

    Sowieso.

    Aber es braucht auch die geeigneten Protagonisten, die solche Regeln leben. Nichts gegen die Diskussion übrigens: Die LaTeX- und PDF-Tipps sind sehr brauchbar ;-)

  32. 14.12.2006 | 2:13

    Goldene Diskussionsregeln…

    Rayson hat die goldenen Diskurssionsregeln für die Blogosphäre zusammengetragen. In Auszügen, vor allem für unsere kleine Blogomilie, …

  33. 14.12.2006 | 10:16

    Diese “Regel”-Sammlung ist wirklich eine nette, amüsante Gelegenheit, über die eigenen und fremden Unarten beim Diskutieren nachzudenken.

    Diejenigen, die solche Regelverkündigungen zu ernst nehmen (das geht hier natürlich an Llarian), sind vielleicht vom nach Objektivität klingenden Begriff “Regel” in die Irre geführt worden.
    Denn selbstverständlich versteckt sich hinter der Objektivität viel subjektiver Rayson. ;-)

  34. 14.12.2006 | 13:26

    Mir jedenfalls hat zu einem Zeitpunkt,
    als mal wieder jemand wüst randalierte
    dieser Artikel die gute Laune gerettet.

  35. 14.12.2006 | 15:39

    [...] Falls sich jemand das gesamte Traktat einmal durchlesen will… Mich erinnerte die Art des Artikels schlagartig an die heiligen Worte, die kürzlich von Rayson zum Thema „Blogging” in den einzelnen politischen Schattierungen an die Gemeinde ergingen. Aber nicht das irgendwer auf die Idee kommt, ich wolle mit ihm über den Stand der islamischen Weltrevolution diskutieren. Das möchte ich mich Sicherheit nicht!  |  mehr Infos: [...]

  36. 16.12.2006 | 22:59

    Schließe vom tragischen Ausnahmefall auf das große Ganze. Verweigert der andere diesen Schluss, wirf ihm Herzlosigkeit vor, mangelnde Empathie. Spiele dabei ganz klar Mitgefühl gegen „kalte“ Logik aus. Male den tragischen Ausnahmefall in den drastischsten Farben aus. Lasse Dich dabei auf keinen Fall auf logische Zusammenhänge wie der Frage nach Ursache und Wirkung ein. Bleibe konsequent bei deiner zwar irrationalen, dafür aber umso emotionaleren Argumentation. Für Vergleiche Deines Gegenübers gilt Regel 12 unter „Alle“.

  37. 22.12.2006 | 3:46

    [...] Rayson von den bissigen liberalen hat einee ziemlich unterhaltsame und sympatische zusammenstellung von ‘regeln’ veröffentlicht wie man in blogs (oder auch wikis, foren etc.) verhalten sollte, und bezieht sich dabei speziell auf bestimmte politische ‘lager’ [...]

  38. 28.12.2006 | 12:53

    Liberalen empfehle ich aber auch, in jedem Statement eine Definition mitzuschicken, was liberal ist.

  39. 28.12.2006 | 12:58

    Ich glaube nicht, dass das was bringt. Meistens sind es ja Nicht-Liberale, die einem den Begriff besser und bereitwilliger und ungefragter erläutern.

  40. 28.12.2006 | 17:04

    [...] Wer das Kasperletheater verpasst hat, dem seien Raysons goldene Diskussionsregeln für die Blogosphäre ans Herz gelegt. Daraus kann man sich ganz leicht seine eigene Diskussion basteln. [...]

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