Hart aber fair

Wenn man Parteimitglied ist, dann bekommt man Infos wie “Dirk Niebel heute bei ‘Hart aber fair’”. Da habe ich dann, obwohl es mit einer meiner beiden Lieblings-US-Serien, in diesem Fall “Criminal Intent”, kollidierte, gleich mal reingezappt - nicht nur wegen Dirk Niebel, sondern auch, weil ich die Sendung an sich mag.

Das Thema lautete ungefähr, wie man die Arbeitnehmer am besten am Aufschwung beteiligen solle. Ich kann dem WDR nicht vorwerfen, die Runde unausgeglichen besetzt zu haben (obwohl der richtige Gewerkschaftler mir da schon gefehlt hat), und auch der Moderator ist bekannt als ziemlich unparteiisch. Als Parteiarithmetiker müsste ich sagen, dass der Niebel Dirk seine Sache sehr gut gemacht hat. Aber als Dreiachtel-Volkswirt, der ich nun einmal bin, finde ich es schon interessant, dass man über Löhne und Lohnbestandteile reden kann, ohne auch nur einmal das Wort “Produktivität” zu erwähnen. Deswegen waberte im Hintergrund stets die ebenso alte wie falsche Kuchentheorie, wonach Distribution, Produktion und Allokation prinzipiell voneinander unabhängig sind, so dass man verteilen könne wie man nur will. Auch die Unterschiede zwischen Gewinn, Aktienkurs und Verschuldung wurden munter mittels Filmbeiträgen zugekleistert. Kein Vorwurf gegenüber dem WDR: Wenn der Sender es sachgerecht angestellt hätte, wären die Zuschauer in Scharen abgewandert.

Denn es gilt das Prinzip: Behandele komplexe Themen so, dass möglichst viele unterschiedliche Stimmen zu Wort kommen. Daraus entsteht Würze und Brisanz, und das ist es, wovon Medien leben. Versachlichung und Reduktion auf das Machbare sind da nur Störfaktoren.

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4 Kommentare zu “Hart aber fair”

  1. 15.12.2006 | 0:54

    Herr Rürup erinnerte neulich im TV daran, dass es zwei Probleme mit Investivlöhnen gibt: Die meisten Unternehmen seinen keine AGs. Und man sollte seine Alterssicherung nicht an seine Firma koppeln.

  2. 15.12.2006 | 11:13

    Hat zwar direkt nichts mit meinem Beitrag zu tun, aber klar: Das sind die Haiptprobleme dabei. Aus meiner Sicht keine, die sich nicht lösen ließen.

    Und man sollte seine Alterssicherung nicht an seine Firma koppeln.

    Aber Jahrzehnte von der betrieblichen Altersversorgung als der “dritten Säule” quatschen,..

  3. 15.12.2006 | 11:19

    Die betriebliche Altersversorgung hängt aber nur bedingt an der Existenz der Firma, oder?

  4. 15.12.2006 | 11:32

    Die Regel ist, dass das Unternehmen selbst zahlt - entweder Beiträge an eine Versicherung oder eben die Rente. Geht der Betrieb pleite, springt der Pensionssicherungsfonds ein.

    Das heißt, im Prinzip ist das genau so unsicher. Man hat sich nur ein System einfallen lassen, das individuelle Risiko auszuschließen. Ich könnte mir einige Systeme vorstellen, die beim Investivlohn zumindest das Risiko vermindern (ganz ausschließen sollte man es m.E. nicht - das wäre Kapitalismus de luxe).

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