13. Dezember 2006
Hart aber fair
Wenn man Parteimitglied ist, dann bekommt man Infos wie “Dirk Niebel heute bei ‘Hart aber fair’”. Da habe ich dann, obwohl es mit einer meiner beiden Lieblings-US-Serien, in diesem Fall “Criminal Intent”, kollidierte, gleich mal reingezappt - nicht nur wegen Dirk Niebel, sondern auch, weil ich die Sendung an sich mag.
Das Thema lautete ungefähr, wie man die Arbeitnehmer am besten am Aufschwung beteiligen solle. Ich kann dem WDR nicht vorwerfen, die Runde unausgeglichen besetzt zu haben (obwohl der richtige Gewerkschaftler mir da schon gefehlt hat), und auch der Moderator ist bekannt als ziemlich unparteiisch. Als Parteiarithmetiker müsste ich sagen, dass der Niebel Dirk seine Sache sehr gut gemacht hat. Aber als Dreiachtel-Volkswirt, der ich nun einmal bin, finde ich es schon interessant, dass man über Löhne und Lohnbestandteile reden kann, ohne auch nur einmal das Wort “Produktivität” zu erwähnen. Deswegen waberte im Hintergrund stets die ebenso alte wie falsche Kuchentheorie, wonach Distribution, Produktion und Allokation prinzipiell voneinander unabhängig sind, so dass man verteilen könne wie man nur will. Auch die Unterschiede zwischen Gewinn, Aktienkurs und Verschuldung wurden munter mittels Filmbeiträgen zugekleistert. Kein Vorwurf gegenüber dem WDR: Wenn der Sender es sachgerecht angestellt hätte, wären die Zuschauer in Scharen abgewandert.
Denn es gilt das Prinzip: Behandele komplexe Themen so, dass möglichst viele unterschiedliche Stimmen zu Wort kommen. Daraus entsteht Würze und Brisanz, und das ist es, wovon Medien leben. Versachlichung und Reduktion auf das Machbare sind da nur Störfaktoren.
Verfasst von Rayson um 21:33 Uhr in der Kategorie Politik (Trackback)