Siemens und die Korruption

Der Siemens-Konzern befindet sich, wie wir alle wissen, im Fokus aktueller Korruptionsermittlungen. Und alle hacken auf diesem Unternehmen herum.

Moralisch darf man das. Zumindest, wenn man bisher weder an den Ergebnissen des Unternehmens noch an dessen Aktienkurs teilnahm. Sorry, dass diese kleine Einschränkung einen Großteil der Empörer ins Abseits stellt. Es werden noch mehr, wenn ich die addiere, die gerne die richtigen Leute bestochen oder noch mehr geschmiert hätten, da Siemens aber unterlegen waren.

Es ist relativ einfach. Wenn du als Unternehmen sauber bleiben willst, dann musst du auf Geschäfte in vielen Staaten verzichten. Es sei denn, du hast etwas, was die anderen nicht haben, aber das wäre auch die Abwesenheit von Konkurrenz. Dann bereite deine Aktionäre mal darauf vor - und Vater Staat.

Ganz ehrlich: Ich halte es für unwahrscheinlich, dass man bei Siemens auf Vorstandsebene nichts gewusst hat. Dazu hing zuviel davon ab. Aber mit Marktwirtschaft hat das nur wenig zu tun. Auf der anderen Seite sitzen nicht umsonst Staatsdiener.

Und wenn “der Vorstandsvorsitzende nicht alles überschauen kann” (IG-Metall Vize Huber), wozu kriegt der dann die Knete?

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14 Kommentare zu “Siemens und die Korruption”

  1. 13.12.2006 | 23:21

    Ich frage mich warum eigentlich Bestechung mehr verachtet wird als Bestechlichkeit.

  2. 13.12.2006 | 23:24

    Wird es das?

  3. 13.12.2006 | 23:36

    Wird es das nicht? Zumindest untersucht kaum eine Zeitung die Seite der Bestechlichen.

    An der Stelle der Bestechlichkeit muss man doch aber ansetzen. Wenn ich für ein Großereignis in einem bestimmten Land keinen Auftrag bekomme, solange ich die Verantwortlichen nicht »schmiere«, kann ich in der Presse wahlweise als korrupt oder als Versager dastehen.

    Es wäre nur eine Lösung geblieben: die Korruption öffentlich zu machen und auf eine ehrliche Ausschreibung der Leistungen zu hoffen. Dafür hatten sie nicht den Mut. Aber damit stehen sie nicht allein …

  4. 13.12.2006 | 23:44

    Also ich sehe immer beide Seiten am Pranger. Die Verzerrung mag daher rühren, dass Deutsche mehr bestechen als bestochen werden. Natürlich hängt die Frage, wer bestechlich ist, mit den Institutionen vor Ort zusammen. Mich würde wirklich wundern, wenn in Nicht-Demokratien Korruption nicht an der Tagesordnung wäre. Das wäre schon mal abzuhaken.

    Für den Rest würde es eine Frage des Details, die sich staatlicher Einflussnahme entzieht.

  5. R.A.
    14.12.2006 | 10:09

    > Und wenn “der
    > Vorstandsvorsitzende
    > nicht alles
    > überschauen kann”
    > (IG-Metall Vize
    > Huber), wozu kriegt
    > der dann die Knete?
    Weil es nicht umbedingt Aufgabe des Chefs ist, jeden Winkel seines Unternehmens im Detail zu durchschauen.

    So ein Konzern kann nur per Delegation geführt werden, und der Vorstand bekommt Informationen und trifft Entscheidungen auf hoch aggregierter Ebene weit oben.
    Der einzige (aber durchaus nicht substanzlose) Vorwurf kann daher nur sein, daß an eine Führungskraft delegiert wurde, die Korruption zuließ.

    Wobei ich es auch so sehe, daß Bestechlichkeit in erster Linie ein Problem der Empfängerseite ist, die Vorwürfe an Siemens sind größtenteils unsinnig.

  6. Hardy
    14.12.2006 | 13:56

    @Rayson
    Egal ob Demokratie oder nicht, wie lautet der Spruch: “Jeder Mensch ist käuflich, es kommt nur auf die Summe an”. Lediglich je größer die Sache(Regierungaufträge u.Ä.) um die es geht sind unterschiedlich.

  7. 14.12.2006 | 15:46

    Rayson, danke für diesen Kommentar.

    Die Heuchelei unzähliger Kommentare in puncto Siemens ist ja nicht auszuhalten.

    Das Geschäft in vielen anderen Ländern läuft nun einmal so. Deutschlands Stellung als Exportweltmeister beruht darauf, dass unsere Unternehmen nach den örtlichen Regeln spielen. Und dazu gehört nun einmal Schmiergeld.

    Wir können a) das akzeptieren (auch wenn wir es nicht mögen), oder b) uns aus dem Wettbewerb verabschieden, mit entsprechenden Folgen für unsere Prosperität.

    Natürlich entscheiden wir uns für Möglichkeit b). Um aber den Schein zu wahren, empören wir uns jetzt mal ein bißchen über Siemens.

  8. 14.12.2006 | 16:07

    Auch wäre einmal zu fragen, wie es sich mit der Korruption in kleineren Unternehmen, auch der mittelständischen Wirtschaft, verhält. Es glaubt doch wohl niemand, dass das “Verhalten” auf Großkonzerne mit internationalen “Verpflichtungen” begrenzt wäre?! Korruption ist in der einen oder anderen Form in allen Bereichen der Wirtschaft (auch hier in Deutschland) Gang und Gäbe. Nur, Rayson: Ich finde schon, dass man über solche Erkenntnisse nicht zur Tagesordnung übergehen sollte. Etwas Entrüstung steht uns meiner Meinung nach ganz gut zu Gesicht.

    Wenn Herr Speck hier nicht etwa ironisch, sondern mit vollem Ernst von der Notwendigkeit der Beachtung “örtlichen Regeln” schreibt, dann ist auch das in meinen Augen ein kritikwürdiger Vorgang. Mit diesen Argumenten kann man auch den Export von Waffen in Krisengebiete rechtfertigen. Wenn es so ist, dass man Kritik an den Vorgängen bei Siemens als “Heuchelei” abtut und sich offenbar einig darin weiß, dass man sich anders in dieser Welt (als Unternehmen) nicht erfolgreich behaupten kann, dann möchte ich mit alldem ehrlich gesagt nichts zu tun haben. Ja, ja. Ich weiß natürlich, was nun kommen wird. Aber wirklich, dieser Preis ist mir einfach zu hoch.

  9. 14.12.2006 | 17:17

    @R.A.

    So das Prinzip. Aber Entscheidungen solcher Tragweite werden nicht gefällt, ohne sich “oben” abzusichern. Erst recht nicht bei Siemens.

    Wenn es denn aber so sein sollte, dass da ein richtiges Korruptionsressort mit allem drum und dran entstehen konnte, ohne dass der Vorstand davon etwas mitkriegt, dann müsste man den sowieso feuern, wegen Versagen bei der Einrichtung eines Internen Kontrollsystems (inkl. Schadenersatzpflicht - siehe KontrAG).

    @apollon

    Es gibt Bereiche, wo Korruption sehr häufg anzutreffen ist. Ich würde grob vereinfachend sagen: Je größer das Auftragsvolumen und je größer der Kunde, desto wahrscheinlicher wird sie.

    In vielen Ländern der “Dritten Welt” stellen die Bestechungsgelder die herrschende Form von Beamtenentlohnung dar. Da hast du nur die Wahl mitzumachen oder wegzubleiben. Um es mal sarkastisch auszudrücken: Wenn Siemens zukünftig nicht mehr mitmacht, wird das Arbeitsplätze kosten.

  10. R.A.
    14.12.2006 | 17:33

    @Hardy.
    > “Jeder Mensch ist
    > käuflich, es kommt
    > nur auf die Summe
    > an”
    Ich halte sehr wenig von solchen Sprüchen, weil sie die entscheidenden Abstufungen verwischen.

    @Rayson:
    Du hast völlig recht. Meine Bemerkungen waren allgemein gedacht, ab einem gewissen Umfang (der bei Siemens offenbar locker erreicht wurde) ist der Vorstand selbstverständlich mit drin.

  11. 15.12.2006 | 1:07

    “Und wenn “der Vorstandsvorsitzende nicht alles überschauen kann” (IG-Metall Vize Huber), wozu kriegt der dann die Knete?”
    Hm, jetzt bin ich ein eiskalter Neoliberaler wie Rayson?

    @R.A.: Die Summe, für die man sich einkaufen lässt liegt (wie ich es mal verstanden hatte) bei einem Monatsgehalt. Aber der Summe fangen die Leute an nachzudenken.

  12. 15.12.2006 | 1:07

    Es sollte heißen: Ab der Summe…

  13. R.A.
    15.12.2006 | 11:08

    @marcc:
    > Die Summe, für
    > die man sich
    > einkaufen
    > lässt liegt
    > (…) bei
    > einem
    > Monatsgehalt
    Das halte ich genauso für Quark, weil zu pauschalisierend, wie den von Hardy zitierten Spruch.

    Es kommt halt immer darauf an, was gefordert ist.

    Wenn jemand möchte, daß ich einbeinig Kikeriki sage, kriegt er das gerne für ein halbes Monatsgehalt (aber ohne Verbreitungsrechte ;-)

    Wenn er einen Mord in Auftrag geben will, ist dagegen die Summe völig egal - da bin ich nicht käuflich.

  14. 15.12.2006 | 14:54

    Ich meine, es ging bei der notwendigen Summe um Angestellte in bestimmten Behörden.

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