13. Dezember 2006
Verallgemeinert
Wir motzen hier ja gerne über Politiker. Oft monieren wir deren gekünstelte Sprache, die versucht, soviel Substanz wie nötig hinter sovielen Wortwolken wie möglich zu verbergen. Aber erziehen wir sie nicht auch dazu?
Kurt Beck, als dessen Anhänger mich wohl niemand bezeichnen wird, handelte sich heute diese Schlagzeile ein: » Kurt Becks Ratschlag für Arbeitslose «
Zitat aus der FTD:
Nach einem Bericht des “Wiesbadener Tagblatt” riet er bei einem lokalen Wahlkampftermin am Dienstagabend einem Arbeitslosen: “Wenn Sie sich waschen und rasieren, finden Sie auch einen Job.” Der Mann hatte zuvor lautstark auf seine Situation aufmerksam gemacht. “S’Lebbe iss doch wie’s iss”, habe der SPD-Vorsitzende den dabei stehenden Genossen seine forsche Reaktion erklärt.
Der 37 Jahre alte Arbeitslose war laut Zeitung keineswegs beleidigt und versprach, sich zu waschen und zu rasieren. Dafür müsse Beck ihm aber einen Termin in der Mainzer Staatskanzlei verschaffen.
Was will uns die FTD mit der Überschrift sagen? Doch wohl, dass Beck das als allgemeinen Ratschlag verstanden haben will. Und zwischen den Zeilen wohl auch, dass er das als hinreichende Bedingung für alle Arbeitslose ansieht. Nun, man muss Beck nicht alles Gute dieser Welt wünschen (was ich allerdings gerne tue), um zu merken, dass hier was falsch läuft. Meine Vermutung ist, dass der Mensch, der den Pfälzer da ansprach, auch so ausgesehen hat, dass Beck zunächst ein aufs Äußerliche gerichteter Ratschlag einfiel. So, wie wir davon ausgehen können, dass der Betreffende nicht repräsentativ für alle Arbeitslosen steht, so können wir das auch mit Becks Bemerkung tun.
Das Private und Heimelnde, das der Szene tatsächlich und hiermit auch Beck treffend charakterisierend inne wohnte, lässt sich übrigens aus der Originalmeldung des Wiesbadener Tagblatts entnehmen. Da steht dann auch, dass Beck den Termin zusagte.
Um es klar zu sagen: Ich halte von diesem Politikstil, den ich an anderer Stelle mal als eines Landrats angemessen genannt habe, überhaupt nichts. Aber ihn für verfälschende plakative Aussagen zu benutzen, das ist unterste Journaille.
Nachtrag:
SPON macht natürlich mit. Verlag und Selbstbild passen. An der Sache ändert sich nicht viel, außer dass ein Foto meine Vermutung bestätigt.
Verfasst von Rayson um 20:24 Uhr in der Kategorie Innenpolitik, Sprache (Trackback)