18. Dezember 2006
Zum letzten Mal: zweimal SPON
Ich muss Masochist sein, dass ich immer noch SPON-Artikel lese. Gibt es vielleicht Selbsthilfe-Gruppen der zwanghaften SPON-Leser? Dabei ist es ja weniger, dass man, wenn man denn einmal begriffen hat, unter welcher Flagge diese Hamburger Fregatte in diesem Jahr segelt, in seiner Erwartung, welche Parolen man holzhammerartig um die Ohren geschlagen bekommt, nie enttäuscht wird. Sondern es ist dieses ständige Gefühl, dass da Journalisten ihre Leser entweder nicht für voll nehmen oder nur für eine Fankurve schreiben, die den Spieler mit dem getrübtesten Verhältnis zum Ball als “Fußballgott” verklärt.
Zum Beispiel in diesem Bericht zu einer IG-Metall-Studie über die Einstiegsgehälter von Hochschulabsolventen. Darin wird festgestellt, dass diese nicht nur nach oben zeigen, sondern zuletzt in bestimmten Fachrichtungen auch gesunken sind. Soweit schön und gut - ob die Studie gefärbt ist oder nicht, soll nicht das Thema sein. Aber dann versucht der Journalist zu folgern:
Ob es sich ein Studium angesichts dieser Gehaltsaussichten überhaupt noch auszahlt, ist fraglich. Hochschulabsolventen werden zwar seltener von Arbeitslosigkeit kalt erwischt, aber rein finanziell kann eine Berufsausbildung eine Alternative sein. Zum Vergleich: IT-Systemelektroniker können laut IG-Metall-Studie nach der Ausbildung auf ein Gehalt von rund 30.000 Euro hoffen. Je nach Branche verdienen Berufseinsteiger mit abgeschlossener Ausbildung so viel wie schlecht bezahlte Akademiker - und ihre Ausbildung ist deutlich kürzer.
Als seien alle Arbeitnehmer ihr weiteres Leben lang Berufsanfänger. Köstlich.
In einem anderen Artikel wird extra ein Wirtschaftswissenschaftler bemüht, um politische Bekenntnisse zu formulieren, die nur notdürftig als Meinungen der (US-Partei mit dem Namen) “Demokraten” kaschiert werden. Dankbar bin ich für diesen Beitrag aber zumindest insoweit, als dort endlich mal klar und offen das Kriterium für Begriffe wie “Gerechtigkeit” oder “soziale Balance” genannt wird: “mehr Gleichheit”. Nicht, dass es aus einem Artikel, der Reichtum beklagt, nicht auch so hervorginge, aber meistens scheuen die so argumentierenden Protagonisten den Ausdruck, als seien sie Teilnehmer am bekannten “Schwarz-Weiß-Ja-Nein”-Spiel.
Für SPON-Verhältnisse auch relativ ehrlich der letzte Satz:
Langfristig mögen die nächsten Präsidentschaftswahlen helfen.
Ich habe Marians Weisheit unterschätzt. Ab heute werde ich mir diesen Schund nicht mehr antun. Es gibt genug andere Nachrichtenquellen im Netz. Ein SPONBlog wäre wohl genau so überflüssig wie das “Bildblog”: Manche Dinge muss man nur einmal sagen. Dann gilt es lediglich, der Erkenntnis entsprechend zu handeln.
Verfasst von Rayson um 12:36 Uhr in der Kategorie Presse / SPON- und taz-Blog (Trackback)