Politische Blogger - ein Haufen Abhängiger?

Womit beschäftigen sich Blogger am liebsten? Mit sich selbst natürlich. Mein Fehler, dass ich das nicht da tue, wo der größere Traffic ruft. Aber da sind manche eiskalte Neoliberale vielleicht sogar idealistischer als ihre Kritiker….

Anlass dieses Beitrags ist ein kleiner Austausch mit dem bei Statler & Waldorf kommentierenden “Buenavista”. Anlässlich eines Themas, das hier sonst nichts zur Sache tut, bemerkte er:

Ohne die “MSM” hätten 99% der politischen Blogger nix zu schreiben.

Und als ich widersprach, gab es diese interessante Antwort:

Es gibt sehr viele Blogs (überwiegend amerikanische), die sich als die bessere Alternative zum Journalismus verstehen, dann aber nichts anderes tun, als Artikel der “Main Stream Media” zu zerreißen. (LGF wäre so ein Fall.) Gelegentlich ist die Kritik dabei durchaus angebracht, weil Journalisten alles andere als perfekt arbeiten. Und insofern ist diese Blogarbeit völlig legitim.

Und ich kann Restaurantkritiker sein, ohne selbst kochen zu können. Die Spitzenköche ersetzen kann ich damit aber nicht.

Ich greife Blogger nicht an, weil sie bloggen. In Blogs kann man sehr viel nützliches erfahren.

Aber Journalismus ist doch eine andere Etage. Blogs können ein nützliches Korrektiv sein, wie auch Blogkommentare wiederum ein Korrektiv für Blogbeiträge sind.

Aber überschätzen sollte man sich auch nicht. Das tue ich mit meinen Kommentaren übrigens auch nicht.

Bei Blogs, die mir zu dämlich sind, würde ich aber gar nicht erst kommentieren.

Dazu wäre zunächst Folgendes zu sagen: Unter den Kritikern bei S&W ist Buenavista (unter welchem Namen er auch immer sonst auftaucht) einer der gehaltvollen. In einigen Fällen stimme ich ihm zu, in anderen nicht, aber seine Position ist es immer wert, bedacht zu werden.

Aber dieser kleine Austausch war dann doch für mich Anlass zu etwas grundsätzlicheren Überlegungen.

Politische Blogger, diesen Anspruch erheben wir auch. Hängen wir deswegen von den “Main Stream Media” (MSM) ab? Gut, ich könnte es mir einfach machen und auf die Vielfalt unserer Autoren verweisen. Boche und ich haben bislang gerne die MSM kritisiert, und das aus Überzeugung. Aber Marian, stefanolix, Dirk, Martin und David haben andere Schwerpunkte, und unter anderem deswegen freuen Boche und ich uns, diesen Bloggern hier ein zusätzliches Forum bieten zu können. Und inzwischen versuche auch ich, z.B. nie wieder SPON zu zitieren - manche Gegner sind zu billig zu haben.

Was ist nun zum Journalismus zu sagen? Zunächst dies: Wir sind keine Journalisten. Wir haben andere Berufe. In dieses Blog finden Beiträge eingang, deren Autoren etwas zu sagen haben, ohne daraus Ansprüche abzuleiten. Wie alle, bloggen wir zunächst für uns. Erst danach freuen wir uns über Leser und Kommentatoren, das aber natürlich um so mehr.

Wenn wir Journalisten, oder besser: deren Ergüsse, kritisieren, dann tun wir das nicht vom Standpunkt eines Besserwissers aus (oder wenigstens nicht nur - come on, we’re human…), sondern von dem eines aufmerksamen Lesers. Wir glauben nicht, dass Bloggen Journalismus ersetzt. Aber wir meinen, dass ein wenig Konkurrenz von außerhalb des etablierten Zirkels jedem Markt, also jedem System, wo Bedürfnisse zu Nachfrage werden. ganz gut tut.

Und natürlich ist es legitim, wenn jemand keinen eigenen Blog hat bzw. auf ihn nicht hinweist. Wenn die Kommentare so interessant sind wie die von Buenavista, um so mehr. Aber spätestens dann, wenn Pauschalurteile über “politische Blogger” gefällt werden, müssen sich solche Kommentatoren die Frage gefallen lassen, ob sie es besser hinbekämen, oder ob sie solchen Anstrengungen prinzipiell keine Zukunft zugestehen.

Richtig: Kein Restaurantkritiker muss selbst kochen können. Kein Literaturkritiker muss selbst schreiben können. Aber ein wenig Demut vor denen, die sich da aus der Deckung wagen, wäre dann auf jeden Fall angebracht. Im Gegensatz zu Köchen braucht es zum Bloggen weder Ausbildung noch formale Qualifikation. Dafür gibt es auch keine geschützten Märkte. Hier kann und muss jeder so springen, wie er es meint, auf Rhodos getan zu haben.

Und dazu brauchen wir keine MSM. Ja, wir spießen gerne deren Fehlleistungen auf. Aber das tun wir insbesondere dann, wenn wir der Meinung sind, dass es niemand sonst tut. Wenn also die Selbstgenügsamkeit und die Krähentheorie ihre Existenzberechtigung unter Beweis gestellt haben. Gäbe es keine MSM, entfiele natürlich auch die Notwendigkeit, sie zu kritisieren. Aber nicht die, Stellung zu beziehen. Deswegen sind und bleiben wir politisch, egal, was die Objekte unserer Kritik sich als Ausweichreaktion noch einfallen lassen mögen.

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11 Kommentare zu “Politische Blogger - ein Haufen Abhängiger?”

  1. Buenavista
    23.12.2006 | 2:09

    Nun sind es ja oft “Pauschalurteile”, die Diskussionen anstoßen. Hätte ich gesagt “viele” Blogger, hättest du vielleicht nur mit den Achseln gezuckt. Polarisierung muss manchmal sein.

    Aber eigentlich war das keine Provokation, sondern eine recht nüchterne Feststellung. So wie das Anglermagazin ohne die Existenz von Fluss, Fisch und Angler wenig zu berichten hätte, so ist das auch mit den politischen Blogs. Denn wie wir alle beziehen sie ihre Information in absolut dominanter Weise über die sog. “MSM”. Natürlich kann ich - im Zeitalter des Internets verstärkt - auf Primärquellen zurückgreifen. Ich könnte mir meine Meinung über Bush bilden, indem ich nur seine Reden auf der Seite des Weißen Hauses lese, und vielleicht dazu die seiner Gegner auf deren Websites. Sehr erhellend wäre das nicht. Eine differenzierte Meinung bildet sich über eine Vielzahl von Quellen, und die kommen in der Regel aus den MSM.

    Ein bloggender Soldat aus dem Irak ist sicher interessant und kann mir Teilaspekte erhellen, mehr aber auch nicht. Die Medien ersetzen kann er nicht, selbst wenn ich 1000 bloggende Soldaten lesen würde.

    Es sind nun mal Journalisten, die sich um “the big picture” bemühen, manchmal gut, manchmal dilettantisch, manchmal auch in inakzeptabel ideologischer Weise. Der Journalist bündelt und vermittelt Meinungen anderer, Aspekte, Erklärungen, wie es ein Blogger kaum vermag, weil er in der Regel nicht den Zugang zu einer Vielzahl von Primärquellen hat.

    Wieviel Zeit nimmt ein Blogeintrag zu einem Thema in Anspruch? Zehn Minuten. Wie lange recherchiert ein “guter” Journalist? Stunden, Tage, Wochen, sogar Monate, oft unter Einsatz erheblicher Mittel. Wie sollte ein Blogger das leisten?

    Sicher, die Vielstimmigkeit der Blogszene ist ihre Stärke, aber verfolgt man die Informationen zurück, dann steht am Ende immer doch eine oder mehrere Quellen aus den gescholtenen MSM.

    Die implizite Aufforderung, “aus der Deckung zu kommen” und selbst einen Blog aufzumachen, nehme ich zur Kenntnis, nur was soll das heißen? Mit einem Kommentar beziehe ich ebenso Stellung wie mit einem Blogeintrag. Ich weiß ja auch nicht, wer Rayson oder Statler nun sind, und es ist eigentlich auch nicht wichtig.

    Wie gesagt, Blogger können auf Schwachstellen hinweisen, sie können - was ich oft interessanter finde - auf Quellen verweisen, die ich sonst nie gelesen hätte, und mir dabei helfen, meine Meinung zu differenzieren. Ein Blogger kann mich direkt mit seiner Meinung beeinflussen. Aber sobald mich ein Thema wirklich interessiert, bohre ich tiefer und komme eventuell dahinter, aus welchen MSM-Quellen er sich letztlich seine Meinung gebildet hat.

    Blogger haben sicher enorme Vorteile. Sie sind zunächst keinen Zwängen unterworfen. Es dauert vielleicht zwei Minuten, einen Blog aufzumachen und den ersten Beitrag zu publizieren. Aber so nach dem fünften Beitrag werde ich anfangen zu überlegen: Was will ich eigentlich?

    Journalisten sind vielfältigen Zwängen unterworfen: Zeitdruck, Mittel, die Linie ihrer Zeitung etc. Doch auch Blogger, die “unique content” produzieren möchten, werden schnell feststellen, wieviel Aufwand das kostet.

    Und die Zwänge kommen auch, spätestens dann, wenn man eine Lesergemeinde hat, die man gerne behalten und erweitern möchte. Man kann dann schnell “Opfer seiner Leser” werden. Sowas ist, denke ich, Charles Johnson bei Little Green Footballs passiert, der vielleicht nicht immer so einseitig und radikal war. Aber wenn man täglich tausende von Leser hat und plötzlich eigenen politischen Einfluss wittert, bleibt Differenzierung oft auf der Strecke.

    Und dann läuft das am Ende so, dass man einem Phantom nachjagt, mit dem man beweisen will, dass einige journalistische Beiträge aus dem Irak möglicherweise verzerrt dargestellt oder sogar unter Angabe falscher Quellen erfunden wurden. Nicht akzeptabel. Aber viel weniger akzeptabel, darüber zu vergessen, dass im Irak wirklich jeden Tag viele Menschen sterben, und diese Berichte eben keine Erfindung sind.

    Sorry für den langen Kommentar.

  2. 23.12.2006 | 9:54

    Sehr interessanter Diskurs, der hoffentlich noch fortgesetzt wird.

  3. 23.12.2006 | 10:11

    (…) Marian, stefanolix, Dirk, Martin und David (…)

    Ich fühl’ mich vernachlässigt… ;)

  4. 23.12.2006 | 10:44

    Was wir von der Welt wissen, wissen wir aus Medien. Also all jenes, was den unmittelbaren Erfahrungshorizont übersteigt.

    Insofern ist’s doch klar, daß man sich immer auch auf “Mainstream-Medien” bezieht, genau, wie diese sich wieder auf andere Medien beziehen.

    Und wenn man sich auf irgendeine Stattistik irgendeines Wirtschaftswissenschaftlers bezieht, dann ist das einfach die Bezugnahme eine andere Form medialer Vermittlung. Und Blogs, Foren, youtube etc. sind auch einfach neue Medien mit neuen Erzählweisen, die sich teilweise über die Erzählweisen anderer Medien auslassen. Weil (Massen-)Mediales sowieso ein Netz von Verweisungszusammenhängen zwischen Medien darstellt, die den Modus des Reflexiven annehmen können, was auch gar nicht anderes geht, wenn ich mich nicht gerade darauf beschränke, mein individuelles Gefühl beim Sonnenaufgang oder Streicheln meines Hundes zu beschreiben.

    Wenn man so eine Diskussion ernsthaft führen wollen würde, dann müßte man erst mal die medialen Formen, deren Funktion, deren Selektionskriterien etc. analysieren, weil man eben Greg Iles auch nicht vorwerfen kann, nicht eine kurze Geschichte der Zeit oder den Faust oder den Tractatus geschrieben zu haben. Oder Miles Davis nicht Bach oder Puccini vorwerffen kann.

    Ich finde das immer etwas unsinnig, verschiedene mediale Formen dann gegeneinander ausspielen zu wollen. Fernsehen ist ja auch nicht doof, nur weil es Theater gibt. Die funktionieren einfach jeweils unterschiedlich.

  5. 23.12.2006 | 13:52

    Blogger sind wie (moechtegern) Leitartikel/Kolumnen/Meinungsartikel-Schreiber.

    Wenn sie weiterblicken, dann weil sie auf den Schultern von Giganten stehen. (Oder wie ging noch mal Newton’s Spruch über Wissenschaftler?)

    Journalisten vor Ort (groesstenteils für Nachrichtenagenturen), aber auch einheimische bzw. expat Blogger berichten. Und Journos in ihren Redaktionsstuben und Blogger verwerten das dann.
    Ist legitim. Allerdings sollten wir als Blogger m.E. auch die Vorarbeit der anderen wertschätzen.

    “Und inzwischen versuche auch ich, z.B. nie wieder SPON zu zitieren - manche Gegner sind zu billig zu haben.”

    Wow. Endlich! Geschafft! Juchu. Tolles Weihnachtsgeschenk! Es besteht Hoffnung.

  6. Patentizität
    23.12.2006 | 16:19

    Richtig: Kein Restaurantkritiker muss selbst kochen können. Kein Literaturkritiker muss selbst schreiben können. Aber ein wenig Demut vor denen, die sich da aus der Deckung wagen, wäre dann auf jeden Fall angebracht. Im Gegensatz zu Köchen braucht es zum Bloggen weder Ausbildung noch formale Qualifikation. Dafür gibt es auch keine geschützten Märkte. Hier kann und muss jeder so springen, wie er es meint, auf Rhodos getan zu haben.

    Ja.

    Und dazu brauchen wir keine MSM.

    Doch!

    Gäbe es keine MSM, entfiele natürlich auch die Notwendigkeit, sie zu kritisieren.

    In einem gewissen Sinn richtig.

    Aber nicht die, Stellung zu beziehen.

    Das hast du jedoch vermutlich nicht konsequent zu Ende gedacht. Der Unterschied zwischen MSM und Blogs erschöpft sich im Wesentlichen darin, dass, wie du richtig sagst, bei MSM die Teilnahmevoraussetzungen für Individuen auf der Senderseite (vulgo: Journalismus/Journalismus) in vergleichsweise hohen Maße durch Kriterien formaler Qualifikation reguliert werden und sie im Allgemeinen und Besonderen eine weitaus größere kommunikative Reichweite haben als zumal non-professionelle (im Sinne von unentgeldlich betriebenen) Blogs.

    Es wäre jedoch falsch, aus dieser nachrangigen Binnendifferenzierung zu folgern, dass sie sich prinzipiell von MSM unterscheiden. Auch dergestalt private Blogs sind notwendigerweise Teil des Systems der Massenmedien (Zeitungen, Glotze, Bücher, Internetveröffentlichungen). Es sei denn, man unterliegt dem seltsamen aber leider nicht seltenen Fehlschluss, dass Massenmedien nicht deshalb Massenmedien heißen, weil sie zumindest in den Wohlstandszonen der Weltgesellschaft prinzipiell für jeden zugänglich sind, sondern deshalb Massenmedien heißen, weil sie von den Massen (was immer das genau auch sein soll) gelesen oder gesehen werden.

    Alles, was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien. (Niklas Luhmann)

    Dieses treffende Diktum ist sicher ein klitzekleines Bisschen pointiert. Es wäre zunächst zumindest theoretisch denkbar, dass Individuen unter modernen Bedingungen, ohne sich rekursiv auf Massenmedien beziehen, ihr jeweiliges Wissen über die Welt ausschließlich aus ihrer persönlichen Lebenswelt generieren, so, wie es noch heute in seltenen Fällen unter den Bedingungen weithin abgekapselter Stammesgesellschaften getan wird.

    Will Journalist oder Blogger, der z.B. über irgendeine bürokratische Vorschrift, die ihm ins Haus geflattert ist, schreibt, seine kommunikative Reichweite über das Maß von face-to-face-Kommunikation bzw. mündlicher Überlieferung steigern, muss er sich allerdings bereits rein technisch des Systems der Massenmedien bedienen. Und dass er sein Wissen über die Welt im gegebenen Zusammenhang allein aus dem Fundus seiner direkten persönlichen Erfahrung schöpft, und nicht (zumindest: implizit) auch auf (zumeist: normative) Bearbeitungsschemata von Themen, die er in den Massenmedien gesammelt bzw. individuell selektiert hat, stützt, kann als nahezu ausgeschlossen gelten.

    Insofern sind Massenmedien notwendigerweise die Voraussetzung dafür, zu was auch immer kritisch Stellung zu beziehen.

    Ein in der modernen Gesellschaft lebendes Individuum kommt, sofern alphabetisiert und physisch gesund, nicht um die Massenmedien herum. In einer prinzipiell für jeden zugänglichen Öffentlichkeit irgendetwas warum und wie auch immer kritisch zur Disposition zu stellen, heißt notwendig, das System der Massenmedien* zu prozessieren. Selbst dann, wenn der Autor zur Abwechslung mal scheinbar auf eine lebensweltliche Erfahrung rekuriert, und nicht direkt kritisch oder affirmativ auf etwas Bezug nimmt, was irgendwo in den Massenmedien gesagt wurde.

    Öffentlich kritisch Stellung zu beziehen, sich zu oder in den Massenmedien zu irgendetwas kritisch zu verhalten, mag ein relativ häufiges individuelles Verhaltensmuster sein - ein rein kontemplativer Konsum politischer Medien wäre langweilig -, notwendig ist es hingegen nicht. Es handelt sich lediglich um eine je individuelle Selektion, die sich notwendigerweise, sofern man sie trifft, auf in den Massenmedien Gesagtes oder Gezeigtes bezieht, aus dem sich unser Wissen über die Gesellschaft ganz wesentlich rekrutiert.

    Individuen, die sich de facto ganz ohne in den Massenmedien gesammeltes Wissen in die politische Öffentlichkeit wagen, werden bestenfalls, wie etwa ein Häuptling eines Indianerstammes aus dem Amazonasgebiet, als Exoten wahrgenommen.

    Und selbst die meisten zeitgenössischen islamischen Extremisten, Kreativlinge a la Matthias Bröckers** oder der Una-Bomber wissen das, was sie über die Gesellschaft wissen, ganz wesentlich aus Massenmedien. So folgt auch aus politischen Autismen keinesfalls eine veritable persönliche Enthaltsamkeit gegenüber Massenmedien.

    *Man könnte auch sagen: die Institution der Massenmedien - Aber es würde kaum einen Unterschied machen.

    **Woher wissen Verschwörungstheoretiker das, was sie über die Welt wissen? - Von anderen Verschwörungstheoretikern. Und wo finden Verschwörungstheoretiker andere Verschwörungstheoretiker? - In den Massenmedien.

  7. Patentizität
    23.12.2006 | 16:44

    P.S.: Der Blogger, der ernsthaft glaubt, er bräuchte zum Bloggen de facto keine MSM, sondern nur andere Blogs, die sich wiederum nur auf direkte persönliche bzw. lebensweltliche Erfahrungen beziehen und nur auf andere Blogs rekurieren, die sich wiederum nur auf etc., soll sich bitte bei mir melden.

  8. Patentizität
    23.12.2006 | 17:14

    P.P.S. Noch ein wenig Binnendifferezierung:

    Ein weiterer Unterschied zwischen MSM und Blogs besteht darin, dass Blogs in den meisten Fällen keine Korrespondenten an den Orten von größeren politischen Geschehnissen haben. Dieser Unterschied wird allerdings wiederum dadurch relativiert, dass es mithin Blogs gibt, die von dortaus ortsgebunden berichten. Was unterm Strich die Behauptung, als Blogger nicht auf MSM angewiesen zu sein, immerhin ein bisschen stützt.

    Und noch ein weiterer darin, dass Blogs einen weitaus geringeren Zugang zu öffentlichen Personen (Politiker, Schriftsteller, Wissenschaftler usw.) haben. Daraus folgt allerdings umso mehr, dass Blogs sehr wesentlich auf MSM angewiesen sind.

  9. 25.12.2006 | 17:14

    @Karsten

    Dass ich ausgerechnet dich in der Aufzählung vergessen habe, schmerzt um so mehr, als du gerade in der letzten Zeit wieder mit interessanten Beiträgen aufgewartet hast.

    Also bitte verzeih: Es ist das Alter…

  10. 26.12.2006 | 22:08

    Ein wenig Differenzieren ist hier wohl tatsächlich angebracht.

    Lasst uns unterscheiden zwischen “nutzen” und “brauchen”. MSM sind MSM, weil sie Menschen erreichen. Natürlich bleibt es da nicht aus, dass Blogger, die auch ein wenig Wert darauf legen, nicht nur mit einem Switch von Cysco zu kommunizieren, auf MSM gerne als Referenz zurückgreifen. MSM pflegen ja in der Regel auch gut gepflegte Internetauftritte zu haben, das macht das Leben des Verlinkers leichter. Wir nutzen sie also gerne.

    Aber “meinungsbildend”, wie Buenavista meint? Ok, Blogger ist nicht gleich Blogger, auch in der Untersektion der sich politisch verstehenden. Ich kann daher vor allem nur von meinem eigenen Umgang mit dem Thema reden, obwohl ich den Eindruck habe, dass das auch von anderen so gesehen wird. Für mich sind MSM gute Anstoßgeber und Aufmerksammacher, wobei ihre Rolle als diejenigen, die allzu oft vorgeben, über eine Sau, die sie selbst durchs Dorf getrieben haben, nur zu berichten, kritisch gesehen werden muss. Aber mein Antrieb zu bloggen, und die Gedanken, die dann hoffentlich auch dann und wann zum Vorschein kommen, die stammen nun wirklich nicht aus den MSM. Es gibt schließlich noch diese dickeren Dinger aus totem Holz und die eigene Erfahrung. Auf diese beiden Dinge kommt es mir sogar besonders an, denn wie wir immer feststellen, macht das den wesentlichen Unterschied aus. Mögen auch die MSM, auf die wir uns beziehen, weitgehend dieselben sein, unsere Biographie ist es nie.

    Einschub: Einen inflationierten “Massenmedien”-Begriff hat Buenavista offensichtlich nicht gemeint - jedenfalls würde ich meine Abhängigkeit von ihm nicht bestreiten. Er hilft uns in dieser konkreten Diskussion nur nicht weiter, denn dann müssten wir eben einfach einen anderen Begriff wählen um das abzugrenzen, was wir meinen.

    Ich würde aber Buenavista gerne sagen, was ich als Gewinn betrachten würde, hätte er ein eigenes Blog. Das hat mit real lebenden Personen nicht notwendigerweise etwas zu tun. Sicher steckt hinter “Rayson” auch eine Menge von der Person, die gerade in die Tasten haut, aber die Blogexistenz kann (jedenfalls bei gesunden Menschen) immer nur ein Ausschnitt eines größeren Ganzen sein, selbst wenn wir die RL-Daten von ihr kennen. Und natürlich ist die Forderung nach dem eigenen Blog auch ein wenig heuchlerisch: Politische Blogger motzen auch meistens über Leute, an deren Stelle sie nie treten würden, also müssten sie das auch ihren Kritikern zugestehen. Das ist aber nur das Prinzip: Faktisch ist, wie Buenavista selbst schreibt, die Hürde im einen Fall extrem niedrig, im anderen doch sehr, sehr hoch. Was wir untereinander gewännen, wäre dann ein wenig mehr Verständnis. Ich glaube schon, dass jemand, der vielleicht zufällig ein paar meiner Blogeinträge gelesen hat, einen Kommentar in einem Nachbarblog anders einordnen wird als jemand, dem dieser Hintergrund fehlt. Ich jedenfalls versuche schon, die meisten Dinge in ein Größeres einzuordnen, und da empfinde ich als sehr hilfreich, wenn mir andere diese Einsicht auch bieten.

    Es geht auch nicht um einen Gegensatz zwischen Journalisten und Bloggern, jedenfalls nicht aus meiner Sicht. Meistens sind die einen zu Recht die Profis und die anderen zu Recht die Amateure. Und so, wie es im DFB-Pokal manchmal einem Viertligisten gelingt, die Bundesliga-Truppe aus dem Rennen zu werfen, so gelingt manchem Blogger auch ab und an mal ein Coup gegen den etablierten Journalismus. In den meisten Fällen handelt es sich hier wie da bei solchen Amateuren aber dann doch zumindest um solche mit Profi-Erfahrung oder Profi-Bedingungen.

    Wir sind nicht die Nachrichten. Wir sind in unseren Sternstunden das politische Magazin danach, aber mindestens so gut wie die Christiansen-Talkshow ;-) Wir sind keine Konkurrenz, wir nutzen nur neue Möglichkeiten, die sich politisch interessierten Bürgern heute bieten. Von der Zielrichtung her sind Journalisten eigentlich mehr Verbündete, denn geht es nicht letztlich darum, Politik nicht allein den Politikern zu überlassen?

  11. 27.12.2006 | 14:24

    Raysons letztem, es in meinen Augen auf den Punkt bringendem Absatz habe ich für meinen Teil nichts mehr hinzuzufügen. ;-)

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