23. Dezember 2006
“Sau, sau, sau-stur”
Erst vor zwei Wochen erließ das Landgericht Stuttgart eine einweilige Verfügung gegen den Media Markt - wegen Verstößen gegen die gesetzlich vorgeschriebene Energiekennzeichnung.
Letzte Woche mahnte die Deutsche Umwelthilfe e. V. (DUH) in den vergangenen Tagen zwei Filialen der angeblich saubilligen Elektronik- und Elektro-Fachmärkte ab - auch wieder wegen Verstößen gegen die Energiekennzeichnungsplicht.
Und wie gehabt lehnt Media-Markt-Anwalt Joachim Nikolaus
Steinhöfel (”Ich bin doch nicht blöd”) die Abgabe einer
Unterlassungserklärung ab - nach glaubhaften Angaben der DUH garniert mit unflätigen Beschimpfungen. Was er offensichtlich übersieht: Gesetze gelten auch für marktführende Elektromärkte.
Zugegeben: die Energieverbrauchskennzeichnung, die dem Verbraucher mit eindeutigen Angaben die Entscheidung erleichtern soll, gehört zu jenen Vorschriften, die bei Händlern nicht gerade beliebt sind. Bei Händlern, die allein mit geringen Verkaufpreisen argumentieren, erst recht. Denn energie-effiziente Kühl-und Gefriergeräte, Waschmaschinen oder Wäschetrockner sind, wegen der aufwändigeren Technik und der besseren Isolierung, in der Regel in der Anschaffung teurer als ihre weniger sparsamen Konkurrenzmodelle. So manches saubilliges Schnäppchen verursacht später dem schlecht informierten Käufer eine schweineteure Stromrechnung. Und umwelt- und ressourcenschonend ist so eine elektrische Mastsau auch nicht - was auch der Grund dafür ist, dass die Deutsche Umwelthilfe e. V. aktiv wurde.
Die zum Metro-Konzern gehörenden Elektrogeräteketten Media Markt (”Saubillig”) und Saturn (”Geiz ist geil!”) hatte die DUH seit über einem Jahr wegen teilweise laschen Umgangs und teilweise auch geradezu demonstrativer Ignoranz mehrfach angeprangert und in der Folge vor den Gerichten bislang ohne Ausnahme obsiegt. Dennoch erzwingen die betroffenen Filialen aus dem Metro-Konzern weiter regelmäßig die Auseinandersetzung vor den Gerichten und bemühen dort im Fall von Niederlagen die jeweils nächste Instanz. Vermutlich in der Hoffnung, den lästigen DUH “weichzukriegen”.
Verfasst von MartinM um 21:46 Uhr in der Kategorie Umweltpolitik, Wirtschaft (Trackback)