“Sau, sau, sau-stur”

Erst vor zwei Wochen erließ das Landgericht Stuttgart eine einweilige Verfügung gegen den Media Markt - wegen Verstößen gegen die gesetzlich vorgeschriebene Energiekennzeichnung.
Letzte Woche mahnte die Deutsche Umwelthilfe e. V. (DUH) in den vergangenen Tagen zwei Filialen der angeblich saubilligen Elektronik- und Elektro-Fachmärkte ab - auch wieder wegen Verstößen gegen die Energiekennzeichnungsplicht.

Und wie gehabt lehnt Media-Markt-Anwalt Joachim Nikolaus
Steinhöfel (”Ich bin doch nicht blöd”) die Abgabe einer
Unterlassungserklärung ab - nach glaubhaften Angaben der DUH garniert mit unflätigen Beschimpfungen. Was er offensichtlich übersieht: Gesetze gelten auch für marktführende Elektromärkte.

Zugegeben: die Energieverbrauchskennzeichnung, die dem Verbraucher mit eindeutigen Angaben die Entscheidung erleichtern soll, gehört zu jenen Vorschriften, die bei Händlern nicht gerade beliebt sind. Bei Händlern, die allein mit geringen Verkaufpreisen argumentieren, erst recht. Denn energie-effiziente Kühl-und Gefriergeräte, Waschmaschinen oder Wäschetrockner sind, wegen der aufwändigeren Technik und der besseren Isolierung, in der Regel in der Anschaffung teurer als ihre weniger sparsamen Konkurrenzmodelle. So manches saubilliges Schnäppchen verursacht später dem schlecht informierten Käufer eine schweineteure Stromrechnung. Und umwelt- und ressourcenschonend ist so eine elektrische Mastsau auch nicht - was auch der Grund dafür ist, dass die Deutsche Umwelthilfe e. V. aktiv wurde.

Die zum Metro-Konzern gehörenden Elektrogeräteketten Media Markt (”Saubillig”) und Saturn (”Geiz ist geil!”) hatte die DUH seit über einem Jahr wegen teilweise laschen Umgangs und teilweise auch geradezu demonstrativer Ignoranz mehrfach angeprangert und in der Folge vor den Gerichten bislang ohne Ausnahme obsiegt. Dennoch erzwingen die betroffenen Filialen aus dem Metro-Konzern weiter regelmäßig die Auseinandersetzung vor den Gerichten und bemühen dort im Fall von Niederlagen die jeweils nächste Instanz. Vermutlich in der Hoffnung, den lästigen DUH “weichzukriegen”.

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21 Kommentare zu ““Sau, sau, sau-stur””

  1. 23.12.2006 | 23:24

    *reiher* noch ne Media-Markt Schelte … die Wahrheit wird sein: die Mehrheit der Kunden interessiert es nicht bzw. hat keine Lust da genau nachzurechnen, ob jenes Gerät energieeffizient ist und den Verkäufer interessiert es ebendsowenig bzw. hat keine Ahnung oder will nicht den Oberlehrer spielen.

  2. 23.12.2006 | 23:41

    Das macht mir den MediaMarkt wieder sympathisch. Nicht auf Anhieb alles hinnehmen, was die Obrigkeit befiehlt.

    Ansonsten kann ich den Laden aufgrund dieser belästigende Werbung nicht ausstehen.

  3. 24.12.2006 | 0:34

    Also ich finde, eine wirkliche Marktwirtschaft kann nur funktionieren, wenn die Kunden ausreichend informiert sind. Man kann in Einzelfällen sicher über jedes Gesetz diskutieren, das die Wirtschaft betrifft. Es wird auch viel Unsinn in Gesetzesform gegossen. Aber so wie jede Ware ausgepreist sein muss, sollten zumindest bestimmte Elektrogeräte mit einer entsprechenden Kennzeichnung zum Energieverbrauch versehen sein. Der Aufwand ist wirklich gering, der Nutzen für den Kunden ist hoch. May the best win

  4. 24.12.2006 | 0:52

    stefanolix ist einfach klasse, hab gleich einen screenshot gespeichert … sicher, wenn die Kunden nur ausreichend genug informiert wären, würden sie 3-Liter-Autos kaufen …

  5. 24.12.2006 | 1:02

    Vor dem Kauf eines PKW sind die Leute meist besser informiert als vor dem Kauf einer Waschmaschine. Es gibt in den einzelnen PKW-Klassen eine überschaubare Anzahl an Modellen, die für einen Kunden in Frage kommen. Die Verbrauchswerte dieser PKW sind aus Tests und Herstellerangaben bekannt. Bei Waschmaschinen, Geschirrspülern und Kühlschränken ist das nicht so. Deshalb ergibt es durchaus Sinn, wenn die Anbieter jedes Gerät entsprechend verbindlich kennzeichnen müssen. Dann muss sich der Kunde nur noch über die Bedeutung der einzelnen Klassen informieren.

  6. 24.12.2006 | 9:39

    Media-Markt steht hier stellvertretend (eben als agressv auftretender Marktführer) für eine nicht gerade kundenfreundliche Mentalität: Dem potenziellen Käufer möglichst Sand in die Augen zu streuen. Die Kunden können ihre Marktmacht nur nutzen, wenn sie aufgeklärt sind, wenn sie wirklich vergleichen können. (Da gab es mal eine Media-Markt Kampagne: “Gut, dass wir verglichen haben.”) Vergleicht man wirklich das Preis-Leistungsverhältnis zwischen MM/Saturn und der noch vorhandenen Konkurrenz, dann sehen MM/Saturn gar gut aus. Kein Wundern, dass es MM/Saturn daran liegt, potenzielle Kunden am Vergleich - ohne den der Markt nicht funktioniert - zu hindern.

    Klaus: Dein Vergleich mit dem 3-Liter-Auto hinkt. Ein Autokäufer ist in der Regel gut im Bilde darüber, wie viel Benzin sein neues Fahrzeug verbraucht. Er trifft also eine informierte Kaufentscheidung. Es gibt gute und weniger gute Gründe, kein 3-Liter-Auto anzuschaffen, etwa, dass man gern mehr Beinfreiheit und Laderaum häte, als es ein Kleinwagen bietet - oder den, dass man keine schwach motorisierte “lahme Gurke” fahren will. Es gibt aber keinen Grund, einen Kühlschrank zu kaufen, der erheblich mehr Strom braucht, als ein ansonsten gleichwertiges anderes Modell - genau so, wie kaum jemand ein Auto kaufen würde, das bei gleichen Fahrleistungen und gleichen Raumangebot erheblich mehr Benzin schluckt als das ansonsten gleichwertige und etwa gleichteure Konkurrenzmodell. (Na, zugegeben, es gibt Angeber, die mit dem Verbrauch ihrer Spritschlucker protzen: “Meine Karre brauch 20 Liter auf 100 Kilometer - kann ich mir halt leisten, hä, hä, hä!” - Ich kann mir aber keinen Idioten vorstellen, der mit dem Stromverbrauch seiner Waschmaschine angibt.)

    Es geht um Transparenz, ohne die eine wirklich freie Kaufentscheidung nicht möglich ist.

  7. mkb
    24.12.2006 | 9:51

    @Klaus

    sicher, wenn die Kunden nur ausreichend genug informiert wären, würden sie 3-Liter-Autos kaufen

    Das würden sie womöglich, wenn sich nicht nur die Investition in den höheren Kaufpreis in absehbarer Zeit bezahlbar machen würde, sondern auch der _Gebrauchswert_ dem eines “normalen” Autos vergleichbar wäre. Und da gibt es dann eben doch ein paar Unterschiede, bedingt durch die Wünsche der Kunden.

    Und das ist der Unterschied zu Haushaltsgeräten: eine 2-3 KW ziehende Waschmaschine bietet i.d.R. kraft ihres Verbrauchs nicht mehr Gebrauchswert als eine, der 0,9 KW genügen.

  8. 24.12.2006 | 13:58

    In der Regel haben die Waschmaschinen der besten Energieklasse noch ein paar andere Vorteile (z.B. gut ausgetüftelte Programme für empfindliche Wäsche, für bestimmte Wäschemengen oder zum Wassersparen) — wusste zumindest meine Frau noch zu ergänzen. Dafür sind die guten Geräte eben auch deutlich teurer als ein no-Name-Gerät. Wenn wir aber mit Waschmaschine, Geschirrspüler und Kühlgeräten kalkulieren, kann man über die Lebensdauer auch eine Menge bei den Energiekosten sparen …

  9. Libero
    26.12.2006 | 9:43

    Der Vergleich mit dem Auto hinkt schon deshalb, weil man den Stromverbrauch nicht erst am Jahresende, sondern beim nächsten Tanken merkt. Der zum spät bemerkte Verbrauch gilt nicht nur für Kühlschränke, das gilt auch für alle Geräte, die keinen Netzschalter haben und im Standby, mit Uhr oder anderem Firlefanz, Strom verbrauchen. Nett sind auch die Komfortschaltungen bei Warmwasser, die bei sparsamen Wasserverbrauch in der Woche, 20 bis 50 % zusätzliche Kosten verursachen.

  10. R.A.
    26.12.2006 | 10:54

    Eigentlich müßte es aber anders sein: Der schlaue Kunde moniert im MM, daß bei den Geräten nicht die für den Kauf nötigen Infos stehen und läßt alle Kisten stehen, die mangels korrekter Auszeichnung nicht beurteilt werden können.

    Wenn er nun umgekehrt zu doof ist so zu handeln, sollte es nicht Sache des Staates sein, sich einzumischen.

    Insofern wäre ich hier theoretisch auf Seiten des MM.
    Praktisch aber steht diese Frage so weit hinter auf der Liste der staatlich verursachten Mißstände, daß mir ein paar Strafgelder für diesen Konzern nur ein schadenfrohes Grinsen entlocken würden.

    Denn umgekehrt nutzt MM ja bekanntlich schwachsinnige Staats-Gesetze, um per einstweiliger Verfügung und diversen Schikanen die Konkurrenten anzurandalieren.

  11. 27.12.2006 | 9:36

    Der Gesetzgeber möge mir bitte beim Energiesparen helfen. Ich allein bin zu blöd dazu.

  12. 27.12.2006 | 11:28

    @MartinM:

    Kaum zu glauben, dass ich hier eine Werbeverkaufsveranstaltung für die Deutsche Umwelthilfe erleben muss. Aber egal. Warum kann man in diesem Land mit Energiespargeräten kein großes Geld verdienen? Weil Energie so billig ist, dass es dem Konsumenten häufig nicht in den Sinn kommt von sich aus auf den Energieverbrauch der Geräte besonders zu achten. Gleichermassen lohnt es sich für die Verkäufer kaum, die Eigenschaft Energiesparen besonders zu bewerben. Sie wollen ihr Geschäft mit vielen verschiedenen Konsumenten machen und nicht jeden interessiert der Energieverbrauch. So lohnen auch nicht für jedes Gerät die Marketingkosten der Energieberatung. Da gibt es eine ganz einfache Lösung. Wer die Welt retten will soll nicht kleinlich beim Einzelhandel geschäftsschädigende Praktiken verlangen, sondern gleich die Energiesteuern hochsetzen. Dann haben Konsumenten von sich aus ein Interesse mal ein bisschen über die nächsten zwei Tage nachzudenken und die Verkäufer, ihnen dabei zu helfen. Was die DBU da macht, ist nichts anderes als das Pferd von hinten aufzuzäumen. Das sitzt sich unbequem und macht den Gaul nicht schneller. Aber es ist immer gut, irgendeinen als Bösen zu entlarven. Vielen Dank, dass ich diese einfache Weltsicht inzwischen auch hier finde.

  13. 27.12.2006 | 11:52

    Nun, ich habe vor zwei Jahren einen Kühlschrank gekauft - und zwar nicht bei Media-Markt, da mir dort wichtige Informationen über das Produkt vorenthalten wurden. “Ich bin ja schließlich nicht blöd.”

    Allerdings habe ich bei anderer Gelegenheit festgestellt, dass der mündige, aufgeklärte Verbraucher oft nur ein Wunschbild ist. Aufklärung, etwa im Sinne der “Stiftung Warentest”, hilft sehr, kommt allerdings gegen eine bestimmte fatalistische Mentalität nicht an.
    “Man kann ja doch nix machen”, oft in Kombination mit Meckerei über “die Konzerne, die den kleinen Mann über den Tisch ziehen”. Menschen, die nicht begreifen, dass sie reale Macht in den Händen halten. Selbst verschuldete Unmündigkeit.

    Die staatliche Regelung ist eine problematische Lösung - aber ermöglichst es, gegen Verbrauchertäuchung (und als solche empfinde ich ungenügende Produktinformation) vorzugehen.
    Ich bin kein großer Freund der DBU, aber jemand, der sich gegen Media-Markt (und die wenig marktkonformen Verhaltensweisen dieses Unternehmens) auf die Hinterbeine stellt, hat bei mir momentan einen gewissen Symphatievorsprung.

  14. R.A.
    27.12.2006 | 11:55

    @MartinM:
    > Warum kann man in
    > diesem Land mit
    > Energiespargeräten
    > kein großes Geld
    > verdienen? Weil
    > Energie so billig
    > ist, …
    Wenn diese Fakten stimmen, wäre es aber gerade umgekehrt: Nicht die Energie ist “zu billig” (sie wird ohnehin schon durch Steuern weit über normales Marktniveau verteuert), sondern die Energie-Spar-Technik ist zu teuer.

    Oder anders gesagt:
    Da wird Material / Energie / Aufwand in Technik gesteckt, ohne vernünftige Relation zu den späteren Spareffekten.

    Das alleinige Achten auf “Energieeffizienz” würde dann volkswirtschaftlich (und wohl auch ökologisch) eine Fehlsteuerung sein.

  15. 27.12.2006 | 12:04

    @Martin

    Menschen, die nicht begreifen, dass sie reale Macht in den Händen halten. Selbst verschuldete Unmündigkeit.

    Zum einen ist dies Urteil an sich schon paternalistisch. Was für dich (und wohl die DBU) “Unmündigkeit” ist, stellt für die vermeintlich “Unmündigen” vielleicht einfach nur eine andere Bewertung der Prioritäten dar.
    Aus der von oben (oder zumindest außen) herab geurteilten Unmündigkeit dann den Schluss zu ziehen, es müsse dem Armen ein Vormund zur Seite gestellt werden, zementiert das, was bekämpft werden soll, ja noch zusätzlich.

  16. 27.12.2006 | 12:04

    Boche nimmt mir wieder den Wind aus den Segeln, es gibt also doch mindestens einen in Deutschland der diese Vorschriften braucht ;-)
    Aber es ist doch absurd was Stefanolix hier suggerieren will, nämlich dass die Mediamarkt-VerkäuferInnen partout nur billige Waschmaschinen verkaufen wollen, als hätten sie sich verschworen den Porsche unter den Waschmaschinen zum Ladenhüter werden zu lassen und fleißig den Trabbi verkaufen. Macht irgendwie keinen Sinn.

    Die Elektronikmärkte Saturn und Media Markt sind mittlerweile zum Feindbild der Kapitalismuskritischen geworden. Es fehlen auch nie die Hinweise auf die Werbeslogans. Und böswillig wie ich bin unterstelle ich dieser DUH, dass sie sich auf oben genannten Firmen konzentrieren. Denn Familienbetrieb um die Ecke lassen sie links liegen, denn in den Medien macht es nicht gut, wenn man Kaschupke & Sohn aus Wanne-Eickel beim Schummeln erwischt hat. Nicht spektakulär genug …

    Und warum sollen die Kunden nur zu dumm oder zu uninformiert sein? Dürfen sie nicht selbst abwägen welches Gerät am besten ist? Ist es legitim wenn sich ein Kunde für ein Gerät entscheidet, dass 50 kWh mehr verbraucht aber dafür 100 Euro billiger ist?

  17. 27.12.2006 | 12:27

    Allein das Konzept “Energieeffizienz” ist bereits abwegig. Eine Waschmaschine, die durch eine 100€ teurere Energiespartechnik Strom für abdiskontierte 30€ spart (nur ein Beispiel), mag zwar für einen Ingenieur ein ganz großes Ding sein, für einen Konsumenten ist sie aber eine glatte Ressourcenverschwendung. Und in genau diese Richtung führt die pauschale an technischen Merkmalen ausgerichtete Energieverbrauchskennzeichnung. Sie kennzeichnet nicht die wirklich wichtige ökonomische Effizienz, wie viele Nutzungen mir das Gerät für einen bestimmten Preis gibt. Insofern kann ich nur R.A.s Argumentation unterstützen. Die Knappheit von Energie wird durch seinen Preis signalisiert. Lohnt es sich beim gegenwärtigen Energiepreis für einen Konsumenten ein Gerät der C-Klasse zu kaufen, etwa weil dieser den eigentlichen Nutzen des Gerätes sofort höher bewertet, als die Energieeinsparungen eines teureren Gerätes, das er sich aber heute nicht leisten kann, in den nächsten Jahren, dann ist unter den gegebenen Bedingungen effizient, genau dieses C-Gerät auch im Handel anzubieten.

  18. 29.12.2006 | 15:39

    > Und warum sollen die Kunden nur zu dumm oder zu
    > uninformiert sein? Dürfen sie nicht selbst abwägen welches
    > Gerät am besten ist? Ist es legitim wenn sich ein Kunde für
    > ein Gerät entscheidet, dass 50 kWh mehr verbraucht aber
    > dafür 100 Euro billiger ist?

    Ja, es ist legitim. Aber dass kann und soll jeder Kunde für sich entscheiden.

    Aber warum dieses Argument zu der Forderung von stefanolix passt ist mir nicht einleuchtend. Es wurde nur ziehen, wenn er fordern würde, Kühlschränke mit schlechter Energieeinstufung zu verbieten.

    Hier geht es aber genau darum, dem Kunden (auch mal gegen den Willen der Mehrheit) in die Lage zu versetzen diese Entscheidung bewusst zu treffen.
    Dies mag paternalistisch sein, aber ein einer leichten Form mit der ich sehr gut leben kann.

    Ich sehe die Kennzeichnungspflicht für Kühlschränke als Warnung vor verstecken Kosten und Umweltverschmutzung ähnlich wie die Kennzeichnungspflicht für gefährliche Stoffe bei Mills “Über die Freiheit”.
    So heisst es in dem Mill Kommentar von Bernd Gräfrath:

    Es liegt im Interesse des Käufers, über die Eigenschaften der Produkte informiert zu sein, erst auf dieser Grundlage ist eine wohlerwogene Willensentscheidung möglich. Ein riskantes Produkt darf nach Mill aber nicht einfach verboten werden; das wäre nur durch einen “harten” Paternalismus zu rechtfertigen, und den lehnt Mill eindeutig ab.

    Ich möchte noch hinzufügen, dass der Aufwand für die Kennzeichnung nicht sonderlich hoch ist und ein Kunde der über die Eigenschaften nicht informiert sein will, die Information auch ohne Probleme ignorieren kann.

    Warum will MediaMarkt diese Kennzeichnung offensichtlich nicht?
    Ich glaube, weil MediaMarkt bewusst einen Low-Cost-Kurs hat. Nun kosten Kühlschränke mit einem geringeren Energieverbrauch offensichtlich mehr und passen damit nicht in das Konzept.
    Wenn man den Energieverbrauch darstellen würde, dann könnte dabei herauskommen, dass die Mediamarkt-Geräte gar nicht so günstig sind wie es auf den ersten Blick aussieht.

    Wie gesagt, es geht nicht darum, dass Kühlschränke mit niedriger Kennzeichnung zu verboten sein sollten oder dass der Staat die Entscheidung für oder gegen “Energieeffizienz” treffen soll, aber er kann/darf die Kennzeichnung durchsetzen, wenn der Markt alleine nicht dafür sorgt. Natürlich wäre es jedem Liberalen lieber, wenn schon der Markt für die Kennzeichnung sorgen würde.
    Aber es geht darum, dass es legetim ist, eine Kennzeichnungspflicht durchzusetzen, damit die Kunden, die darauf achten, auch die Möglichkeit haben eine informierte Entscheidung zu treffen, auch wenn die Masse vielleicht noch eine legetime andere Entscheidung trifft oder auf die versteckten Kosten/auf den Umweltschutz nicht achten (welche Möglichkeit in der Regel der Fall ist, da scheiden sich hier offensichtlich die Geister)

    Zu guter letzt nochmal zum Vergleich mti dem Verbrauch von Autos: Wenn ich mich richtig erinnere, würden die Automobilhersteller erst verpflichtet die Verbrauchsdaten (Drittelmix) anzugeben und danach wurde es auch einen Kriterium beim Autokauf.

  19. 29.12.2006 | 17:41

    @Klaus: ich will keineswegs suggerieren, dass die Mediamarkt-VerkäuferInnen partout nur billige Waschmaschinen verkaufen wollen; aus welchem Kommentar entnimmst Du das? Ich habe nur für eine sachlich richtige (und möglichst übersichtliche) Information der Kunden plädiert.

    @SteffenH: Es ist absolut in Ordnung, Geräte der A-, B- und C-Klasse anzubieten — es soll nur vernünftig ausgezeichnet sein. Die Daten sind doch in der Datenbank des Händlers sowieso gespeichert.

    Das Verhältnis zwischen Mehrkosten und Einsparungen ist IMHO nicht so schlecht, wie Du es darstellst, denn dabei müssen neben der Intensität der Nutzung auch die Kosten für Energie, Wasser und Abwasser berücksichtigt werden. Bei einer Familie mit Kindern kommen pro Woche schon eine Menge Waschmaschinen- und Geschirrspülerladungen zusammen (und einen großen Kühlschrank brauchen sie auch). Für einen Single-Haushalt kann sich das ganz anders darstellen.

    Für alle aber gilt: Die Kosten für Energie, Wasserversorgung und Wasserentsorgung werden in den nächsten Jahren [über die Lebensdauer einer Waschmaschine] mit Sicherheit steigen.

  20. 29.12.2006 | 18:44

    @Stefanolix: Aus diesem: “In der Regel haben die Waschmaschinen der besten Energieklasse noch ein paar andere Vorteile (z.B. gut ausgetüftelte Programme für empfindliche Wäsche, für bestimmte Wäschemengen oder zum Wassersparen) — wusste zumindest meine Frau noch zu ergänzen. Dafür sind die guten Geräte eben auch deutlich teurer als ein no-Name-Gerät.”
    Ich gebe zu ich kenne das Media Markt Sortiment nicht. Aber eines ist sicher: die MM-Werbung wirkt, alle glauben MM verkauft nur billige Ware, es gäbe nur Schnäppchen. Die Wirklichkeit ist wohl eine andere …

    Ausserdem sind nur einzelne Filialen des Media Markt betroffen, daher gehe ich davon aus, dass die Kunden im Schnitt nicht schlechter informiert werden als bei anderen Elektromärkten. Aber wer sucht der findet: ich zitiere: DUH-Bundesgeschäftsführer Resch: “Media Markt tritt Verbraucherrecht und Klimaschutz mit Füßen” - Deutsche Umwelthilfe kündigt Intensivierung der Testbesuche in Media Markt-und Saturn-Filialen in der Vorweihnachtszeit an

    Aber du kannst es gerne besser machen, dazu hast du jetzt die Chance … falls sie Ossis nehmen >:-]

  21. 29.12.2006 | 18:57

    Ich habe für 2007 genügend Arbeit, vielen Dank für den Hinweis ;-)

    Dass ich mir solche Aussagen, wie Du sie da eben von der DUH zitiert hast, nicht zu eigen mache, muss ich hoffentlich nicht extra betonen. Tatsache ist aber: die großen Elektronikmärkte könnten recht problemlos an jedem Gerät ein einfaches und übersichtliches Datenblatt befestigen. Mehr verlangt man doch gar nicht.

    Die »Billig«-Werbung von Saturn und MediaMarkt wirkt (zumindest bei mir) überhaupt nicht. Mir ist schon klar, dass die neben den großartig angepriesenen Schnäppchen auch ganz andere Angebote haben.

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