26. Dezember 2006
Jesus Christ for fun and profit
An eins musste ich mich gewöhnen, seitdem ich feststellte, dass ich mehr Liberaler als Anderes bin: Der Liberalismus ist sehr attraktiv für Atheisten, Agnostiker und Materialisten. Das liegt vor allem daran, dass man als Liberaler einerseits gewohnt ist, Individuen so zu sehen, wie sie sind, statt sie irgendwie verändern zu wollen, und zum anderen daran, dass verbindliche gesellschaftliche Letztziele Liberalen ein Greuel sind.
Beides, die Ignoranz individueller und die Ablehnung gesellschaftlicher Ideale, ist geradezu eine Einladung für wenig idealistisch denkende Menschen. Weihnachten, zumindest in seiner traditionellen Form und christlichen Aufladung, muss für diese Leute eine Provokation sondergleichen darstellen, die sich nur noch als Fest der Nutzenmaximierer oder Instrument zur Ankurbelung der Binnennachfrage ertragen lässt.
Dieser leidgeprüften Gruppe haben Maxeiner & Miersch eine Stimme gegeben. Kritik an der Kommerzialisierung des Weihnachtsfests? So ein Blödsinn: Erstens stimmt es nicht, und zweitens ist es doch gut so. Und zum guten Schluss erfinden wir uns noch unser eigenes Christentum. Eins, dass die Maximierung von Lebensfreude und persönlichem Glück zum Ziel hat. Halleluja!
Nope, boys. Auf dieses Spiel lasse ich mich nicht ein. Ich verstehe den bewussten blinden Fleck der Liberalen, nämlich die Grundlagen des individuellen Handelns, nicht als Denkverbot, sondern als Einladung. Hier ist eine Schnittstelle, die sinnvoller Plugins harrt. Eins wäre jedenfalls höchst ignorant in der pejorativen Bedeutung des Wortes, nämlich das nicht Betrachtete als nichtexistent und unnötig zu definieren. Genau das wäre ein erster Schritt hin zur Ideologie.
Verfasst von Rayson um 22:32 Uhr in der Kategorie Grundsatzfragen (Trackback)