27. Dezember 2006
Ganz unpolitisch
Russland will mehr Geld für sein Erdgas. Als der staatliche Gasversorger Gasprom vor ziemlich genau einem Jahr mit der Ukraine um höhere Preise stritt und zum Jahreswechsel dann auch die Versorgung des Nachbarlandes mit Gas einstellte, sprachen viele von politischen Manövern. Während kommode Regierungen weiterhin günstige Preise für ihr Land erhielten, wolle der russische Präsident Putin über den Umweg Gasprom die Ukraine für ihren prowestlichen, EU-freundlichen Kurs bestrafen, so lautete damals oft der Tenor. Der gleiche Vorwurf wurde auch von den Georgiern erhoben, die sich mittlerweile aber mit Gasprom geeinigt haben. Auch bei ihnen sollte der Gaspreis steigen, sich sogar verdoppeln.
Ob allerdings wirklich politische Motive dahinter stecken, kann man nun zurecht bezweifeln. Denn nicht nur Aserbeidschan, sondern auch Weißrussland, dessen Diktator Lukaschenko für gewöhnlich als ein getreuer Vasall Putins betrachtet wird, soll nun mehr zahlen. Hier soll eine schrittweise Vervierfachung stattfinden - und genau diese Forderungen aus Rußland haben nun das zuvor sehr gute Verhältnis zwischen den beiden Ländern arg zerrüttet. Man droht sich gegenseitig, der Ton wird immer schärfer. Nicht unbedingt ein Hinweis dafür, dass Russland sein Gas als politisches Instrument benutzt; eher sieht es so aus, als würde die Politik hier dem kommerziellen Interesse folgen.
Der Hinweis des Übergangs zu “Weltmarktpreisen”, den Russland zur Begründung der Erhöhungen anführt, ist zwar mehr als wacklig, da es echte Weltmarktpreise gar nicht gibt. Trotzdem aber: Gasprom scheint nicht vorzuhaben, das Gas als eine Kombination aus Zuckerbrot und Peitsche zu benutzen, sondern die Absicht ist wohl eher, möglichst einheitliche Verkaufspreise in allen Abnehmerländern zu erzeugen.
Verfasst von Karsten um 21:54 Uhr in der Kategorie Allgemein, Politik (Trackback)