Ganz unpolitisch

Russland will mehr Geld für sein Erdgas. Als der staatliche Gasversorger Gasprom vor ziemlich genau einem Jahr mit der Ukraine um höhere Preise stritt und zum Jahreswechsel dann auch die Versorgung des Nachbarlandes mit Gas einstellte, sprachen viele von politischen Manövern. Während kommode Regierungen weiterhin günstige Preise für ihr Land erhielten, wolle der russische Präsident Putin über den Umweg Gasprom die Ukraine für ihren prowestlichen, EU-freundlichen Kurs bestrafen, so lautete damals oft der Tenor. Der gleiche Vorwurf wurde auch von den Georgiern erhoben, die sich mittlerweile aber mit Gasprom geeinigt haben. Auch bei ihnen sollte der Gaspreis steigen, sich sogar verdoppeln.

Ob allerdings wirklich politische Motive dahinter stecken, kann man nun zurecht bezweifeln. Denn nicht nur Aserbeidschan, sondern auch Weißrussland, dessen Diktator Lukaschenko für gewöhnlich als ein getreuer Vasall Putins betrachtet wird, soll nun mehr zahlen. Hier soll eine schrittweise Vervierfachung stattfinden - und genau diese Forderungen aus Rußland haben nun das zuvor sehr gute Verhältnis zwischen den beiden Ländern arg zerrüttet. Man droht sich gegenseitig, der Ton wird immer schärfer. Nicht unbedingt ein Hinweis dafür, dass Russland sein Gas als politisches Instrument benutzt; eher sieht es so aus, als würde die Politik hier dem kommerziellen Interesse folgen.

Der Hinweis des Übergangs zu “Weltmarktpreisen”, den Russland zur Begründung der Erhöhungen anführt, ist zwar mehr als wacklig, da es echte Weltmarktpreise gar nicht gibt. Trotzdem aber: Gasprom scheint nicht vorzuhaben, das Gas als eine Kombination aus Zuckerbrot und Peitsche zu benutzen, sondern die Absicht ist wohl eher, möglichst einheitliche Verkaufspreise in allen Abnehmerländern zu erzeugen.

Ähnliche Beiträge


4 Kommentare zu “Ganz unpolitisch”

  1. 27.12.2006 | 22:33

    So groß scheint die Sympathie zum weißrussischen Diktator dann doch nicht zu sein, dass Putin ihm große Arbitragegewinne gönnen würde…

  2. R. A.
    28.12.2006 | 11:18

    Natürlich will Rußland Geld verdienen. Das schließt die Nutzung von Rohstoffen als politische Waffe aber keineswegs aus.
    In beiden Fällen gilt: Wehe dem Land, daß sich in so einer Sache von einem Quasi-Monopolisten abhängig gemacht hat.

  3. 28.12.2006 | 11:24

    @R.A.:
    Für mich sehen aber die Erhöhungen des letzten Jahres insgesamt eher wie eine Preisrunde, während viele Kommentatoren explizit darauf verwiesen haben, dass Weißrussland weniger zahle und die Erhöhungen in der Ukraine und in Georgien daher wohl politisch motiviert seien. Dass es auch mit Vertragslaufzeiten zu tun haben könnte, wurde insbesondere im vergangenen Winter nicht erwähnt.

    Sich von einem Monopol abhängig zu machen, ist aber auf keinen Fall schlau. Ganz sicher nicht.

  4. 28.12.2006 | 12:09

    Moskau steht unter enormem Druck, weil die Förderung nicht adäquat betrieben wird und weil die Gas-Infrastruktur dringend überholungsbedürftig ist. Schon jetzt kann es den vertraglich eingegangenen Lieferverpflichtungen nicht nachkommen und muss deshalb Gas aus Zentralasien zukaufen.

    Die niedrigen Gaspreise im Inland sind politisch notwendig. Bleibt nur, die Preise für alle anderen zu erhöhen. Möglicherweise auch für Westeuropa.

    Von Energiesicherheit kann leider nicht die Rede sein. Gasprom investiert überall - kauft die russischen Medien auf, sponsort Schalke aus PR-Gründen (100 Millionen)-, bloß eben nicht genügend in das Kerngeschäft. Aber offenbar ist das Kerngeschäft nicht ökonomisch - Gaslieferung -, sondern politisch: Putins Ziele durchsetzen.

    Die Dominanz des Kreml - Putins KGB-Truppe - schwächt die ökonomischen Fähigkeiten von Gasprom erheblich. Die ganze Putin’sche Strategie, Russland als Energy Empire wieder stark zu machen, ist auf Sand gebaut.

    Die Gefahr in den nächsten Jahren ist nicht ein starkes, sondern ein schwaches Russland: Demographischer Niedergang, Wodka, Islamismus, Korruption, Rechtsextremismus …

    Indien produziert 500.000 Ingenieure jährlich, während in Russland ein paar Neureiche auf dem Vulkan tanzen.

    Die Frage ist, wie man den Niedergang Russlands so managt, dass wir nicht allzu sehr in Mitleidenschaft gezogen werden.

Bad Behavior has blocked 645 access attempts in the last 7 days.