Avantgarde

Darauf warten wir doch nur. Dass Beamte, die von ihrem überlegenen Blickwinkel aus genau beurteilen können, was gut für uns ist, uns mit sanfter Gewalt auf den Pfad der Tugend führen.

Wie zum Beispiel der Präsident des Umweltbundesamts, der ex cathedra Folgendes von sich gab:

“Statt Energie sparende Motoren zu entwickeln baut die Industrie Wagen mit der Leistung mehrerer Kavallerieregimenter unter der Motorhaube”, kritisierte der Berater von Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD).

(Nebenbei: Netter Versuch der FTD, durch namentliche Nennung von Nichtbeteiligten das zwischenjährliche Geplänkel von Dick und Doof weiter anzuheizen…)

Nur mühsam kaschiert schlägt der weise Mann aus Berlin hier auf den Sack Industrie, meint aber natürlich den Esel Autokäufer. Denn von langen Lieferfristen für Drei-Liter-Autos und Sonderrabatten für SUVs, Sportwagen und S-Klasse-Limousinen ist mir bislang nur wenig bekannt geworden. Die Lösung unserer Umweltprobleme ist also ganz einfach: Wir brauchen nur eine Planungsbehörde (nennen wir sie der Einfachheit halber “Umweltbundesamt”), die dafür sorgt, dass die Industrie ökologisch sinnvolle Güter herstellt. Das ist dann aber kein Rückfall in längst überwundene Zeiten, i wo, schließlich sollen ja keine Produktionsmengen und Preise festgelegt werden. Das geht alles über Ge- und Verbote, mit denen der Verbraucher sanft zu dem geleitet wird, was gut für ihn ist.

Endlich blicke ich voller Zuversicht aufs Neue Jahr. Alles wird gut.

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15 Kommentare zu “Avantgarde”

  1. 28.12.2006 | 15:29

    Fakt ist ja, dass die deutschen Autobauer technisch in den letzten Jahren hinterherhinken. Alle Innovation in Richtung Umweltschutz kamen aus Fernost, z.B. der Hybridmotor. Stattdessen hat man in Deutschland nur noch immer größere Autos gebaut, um am amerikanischen Markt verkaufen zu können.

  2. 28.12.2006 | 15:30

    Und wie richtig und wichtig solche Vorschriften sind wurde schon hier ausführlich begründet.

  3. 28.12.2006 | 15:34

    @Stoibär

    Fakt ist, dass gebaut wird, was gekauft wird. Und nicht andersrum.

  4. Hardy
    28.12.2006 | 16:11

    @Stoibär
    Wozu sollte die Industrie Autos bauen, welche sie nicht auch verkaufen kann?? Sollen noch mehr Arbeitsplätze zerstört werden? Die Leute kaufen nur das, was sie auch haben wollen. Und selbiges ist nicht nur in den USA der Fall, sondern überall auf der Welt. Sieh Dir mal die Wartezeiten für die wirklichen PS-Boliden(Ferrari, Maserati etc.)an.
    Diese Bevormundung des Volkes, so wie sie diese Leute wünschen, kann man schon als Vorbereitung zu einer Art Diktatur nehmen. Und das wollen wir doch wohl alle nicht, oder?

  5. C.Lapide
    28.12.2006 | 16:14

    Die Motoren werden doch immer sparsamer. Kompensiert wird dies allerdings teilweise durch erhöhte Motorleistung, so daß der Flottenverbrauch nicht im gleichen Maße sinkt, wie die Motoren verbessert werden.

    Wenn die deutsche Autoindustrie technisch hinterherhinkt, so wird sie eben in Zukunft weniger Autos verkaufen, wenn die Kunden aus irgendwelchne Gründen, wie den Benzinpreisen, gerne andere Autos erwerben würden. Siehe auch die Rußfilter, bei denen die Franzosen als erste am Markt waren.

    Wer mehr Sprit verbraucht zahlt auch mehr Ökosteuer. Wer mehr Hubraum hat zahlt mehr KFZ-Steuer. So what? Soll es zukünftig PS nur noch per Bedarfsschein geben? Politiker und andere gefährdete Personen dürfen noch nen S500 fahren, Familien mit Wohnwägen bekommen eine Extrazuteilung von 30PS während der Normalsbürger sich mit 60PS bescheiden muß, außer er wohnt in einer hügeligen Gegend, wo er einen PS-Bonus über 15 Extra-PS erhält?

  6. R.A.
    28.12.2006 | 18:12

    Der Gabriel wieder. Auch bei seinen komisch sein wollenden Vergleichen hat er wie üblich keine Ahnung.

    “mehrere Kavallerie-Regimenter”, das entspricht je nach Epoche 2000 bis 6000 Pferden.
    Entsprechende Motorleistungen sind auf dem PKW-Markt doch nicht wirklich typisch …

  7. 28.12.2006 | 18:16

    @R.A.:
    Der Gabriel ist wohl relativ unschuldig. Musste das in meinem Artikel auch schon korrigieren - das Ministerium steht nicht hinter dem Präsidenten des Umweltbundesamtes.

  8. 28.12.2006 | 18:20

    @R.A., Karsten

    Daher auch meine Bemerkung über den “netten Versuch” der FTD.

  9. 28.12.2006 | 18:31

    @Rayson:
    Bin drauf reingefallen. *seufz*

  10. 28.12.2006 | 18:36

    Ich zunächst auch. Ich hatte einen komplett anderen Beitrag geschrieben, der sicher Marian wieder auf den Plan gerufen hätte, als ich in einem Anfall von Hellsichtigkeit noch einmal genau hinsah.

  11. R. A.
    28.12.2006 | 19:08

    Also gut - DIESMAL ist Gabriel unschuldig ;-)

    Aber es ist doch bezeichnend, daß ihm jeder das zugetraut hat …

    Egal: Das Bundesumweltamt hat doch auch gerade empfohlen, wg. “Klimaschutz” ein Tempolimit einzuführen.
    Sieht mir sehr nach einer Behörde aus, die ihre völlige Überflüssigkeit durch mediale Präsenz übertünchen möchte.

  12. 28.12.2006 | 19:13

    Nicht “auch” - das ist das Thema meines Beitrags ;-)

  13. 28.12.2006 | 20:01

    Rayson,

    Ich hatte einen komplett anderen Beitrag geschrieben, der sicher Marian wieder auf den Plan gerufen hätte,

    Nee. Gabi verteidige ich nicht. Selbst wenn er unschuldig ist. Über den kannst Du schreiben, was Du willst (von mir aus, selbstverständlich; seine Anwälte teilen Dir dann schon zeitnah mit, wenn ihm was nicht passt).

  14. 28.12.2006 | 20:07

    @Marian

    Aber am besten, ohne seine Parteizugehörigkeit zu erwähnen, oder? Nichts für ungut: Jeder hat sein Brüderle…

  15. 28.12.2006 | 20:54

    Rayson,

    Aber am besten, ohne seine Parteizugehörigkeit zu erwähnen, oder?

    In dem Fall noch nichtmal das. Was ich nicht so besonders mag, ist das Anschleppen von Zitaten von Böhning oder Schreiner oder Quengelen-Käfer, weil die nicht bedeutend genug sind. Aber bei Gabriel kann ich nur mit den Zähnen knirschen, aber nicht widersprechen. Und der signifikante Unterschied zwischen Gabriel und Brüderle ist: Gabriel ist immer noch auf dem Weg nach oben. Leider.

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