9. Januar 2007
Sauer auf den AStA
In diesen Tagen ist es wieder einmal Zeit, den Semesterbeitrag zu übersenden. Im Gegensatz zu den Studiengebühren weiß man da ja genau, wofür man bezahlt - und so habe ich heute, während ich die Überweisung ausgefüllt habe, all diese Dinge Revue passieren lassen. Das Semesterticket, das extrem günstige Nahverkehrsmöglichkeiten bietet, macht den Großteil aus. Auch die studentische Unfallversicherung ist eine feine Sache, und wofür war doch gleich noch mal der Rest? Ach ja, für die studentische Selbstverwaltung. Naja, auch eine gute Sache, tröstete ich mich, und warf den Überweisungsträger bei meiner Bank ein.
Kaum im FH-Gebäude angekommen, verging meine gute Laune schlagartig, als ich sah, welche Art von Veranstaltungen ich gerade mitfinanziert hatte:

Na großartig. Mein Semesterbeitrag hilft also unter anderem mit, dass sich der AStA einen “bolivarischen* Revolutionär” einladen kann, der den Studenten davon erzählt, wie glücklich Venezuela unter dem Chavez-Regime ist. Und der natürlich auch ausführlich darüber berichten kann, wie die kapitalistischen und imperialistischen USA Südamerika unterdrücken und weltweite Kriege (unter anderem eben den angeblich geplanten Feldzug gegen Venezuela) anzetteln. Der aber sicherlich nichts darüber erzählen wird, wie sich Chavez eine Parteimiliz aufbaut, mit der er innenpolitische Gegner unter Kontrolle halten wird - und der ebenfalls kein kritisches Wort zum sozialistischen Bruder Fidel Castro finden wird, sondern wohl eher dessen Errungenschaften im Kampf um einen modernen Sozialismus loben wird.
Und als ob das allein nicht genug wäre, musste ich auch noch folgende Liste der Mitveranstalter entdecken:

Die Bildungsgemeinschaft SALZ e.V. kann ich schon nur noch mit Mühe schlucken. Dass der AStA hier offen mit einer parteinahen Stiftung kooperiert, kann ja dadurch gedeckt sein, dass es ähnliche Zusammenarbeiten auch mit anderen parteinahen Bildungsstiftungen gibt als mit der der WASG (auch, wenn ich das vor allem für die FNS stark bezweifle). Dass der zweite Kooperationspartner aber die “Sozialistische Alternative SAV” ist, die nicht nur vom NRW-Verfassungsschutz beobachtet wird, sondern aufgrund ihrer revolutionären linksextremen Haltung auch für die parlamentarische Linke zumeist kein akzeptabler Gesprächspartner ist, darüber bin ich richtig sauer.
Jedermann kann ja die Haltung der SAV teilen, in ihr Mitglied sein und sich für ihre Ziele einsetzen. Auch gern im Rahmen der Universität. Dass das aber auch mit meinem Geld geschieht und von Leuten getan wird, die den Anspruch erheben, mich und meine Komilitonen zu vertreten (die - obwohl sie Soziale Arbeit studieren - überwiegend keine extremen Linken sind), das finde ich nicht akzeptabel. Nur unternehmen kann ich leider nichts; außer vielleicht, dem AStA in den nächsten Tagen mal einen geharnischten Brief zu schreiben. Wird zwar auch nichts bringen, aber dann habe ich zumindest das Gefühl, diese Aktion nicht unwidersprochen hingenommen zu haben.
* Übrigens in der Tat ein “bolivarischer” und nicht ein “bolivarianischer” Revolutionär; die Bewegung benennt sich nämlich nach Herrn Bolivar, nicht nach Herrn Bolivarian. Die Endung “-ian” im Spanischen und im Englischen hat die gleiche Bedeutung wie die Endung “-isch” im Deutschen; “bolivarianisch” ist also doppelt gemoppelt. Ich glaube, ich habe zuviel Bastain Sick gelesen…
Verfasst von Karsten um 13:35 Uhr in der Kategorie Bildungspolitik, International (Trackback)