Kernenergie, mal nüchtern gesehen

Es ist schwierig, nüchtern über Risiken und Chancen der Kernenergie zu sprechen. Meistens landet man dabei in einem Glaubenskrieg. Dabei hätte ich gerne mal eine vernünftige Gegenüberstellung der Pros und Cons. Viele der Argumente der Befürworter und Gegner sind nämlich alles andere als überzeugend - mit ihrem Anspruch, ernst genommen zu werden, beleidigen sie vielmehr. Insbesondere die Gegner der Kernenergie zeichnen sich in der letzten Zeit durch eine Art Vogel-Strauß-Taktik (wie z.B. hier) aus, die auf Technologien setzt, die es noch nicht gibt, oder die versucht, andere Energieversorgungsmöglichkeiten so zu betonen, dass niemand mehr danach fragt, wie realistisch und wie ausreichend sie sein werden.

Ist ja großartig, dass in der Einsparung noch offene Potenziale sind. Ist ja super, dass auch die Kohlekraftwerke klimaunschädlicher gemacht werden können. Ist ja Wahnsinn, was es alles an regenerativen Energien gibt. Aber reicht das zur Versorgungssicherheit? Und wenn: Was kostet es?

Das beliebte Argument, die Kernenergie sei “im Vorteil”, weil in sie bereits jede Menge Forschungsmilliarden gesteckt worden seien, lasse ich übrigens nur gelten, wenn mir einer eine Zeitmaschine vor die Füße stellt, mit der man das wieder rückgängig machen könnte. Ansonsten sorry - “sunk costs”. Auch, dass viele Fürsprecher der Kernenergie nicht gerade als selbstlos gelten können, weil mit Kraftwerkbetreibern identisch oder verbunden, ist eben allein kein Gegenargument.

Das ändert nichts an meiner Skepsis, was die Betriebs- und Endlagerungsrisiken betrifft. Und bitte keine Rechnungen, wie gering die Eintrittswahrscheinlichkeiten doch seien - wegen der hohen Kosten eines GAUs bleibt die Sache in Sicherheitsäquivalenten abgebildet riskant genug, um privat nicht versichert werden zu können.

Wichtig wäre mir vor allem, offen über realistische Szenarien zu diskutieren. Die Bewertung von Risiken und Chancen der verschiedenen Energiemixturen wird schwierig genug. Wie soll man z.B. Klima- gegen Versorgungsrisiken abwägen? Deshalb wüsste ich gerne etwas konkreter, worüber man realistisch reden kann. Anybody out there? Und bitte keine Prediger. Danke.

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26 Kommentare zu “Kernenergie, mal nüchtern gesehen”

  1. R.A.
    15.01.2007 | 18:35

    Meine persönliche Einschätzung:

    1.) Der eigentliche Betrieb der Kraftwerke in Deutschland ist sicher.

    2.) Die Entsorgung wäre gut und sicher machbar, wenn man das politische Dogma mit dem Exportverbot aufhebt: Es gibt nun einmal Länder mit so menschenleeren wüsten Gegenden, daß Lager dort machbar wären.

    3.) Uran ist nicht sehr reichlich verfügbar und damit automatisch nicht die Energiequelle mit großer Zukunftsfähigkeit.

    4.) Es ist nicht schlau neue Kraftwerke in Deutschland zu bauen, weil das zu hysterischen Ängsten bei einem großen Teil der Bevölkerung führen (und unliebsamen politischen Kräften Auftrieb geben) würde.

    5.) Die derzeit diskutierten und vor allem subventionierten “Alternativen” sind unsinnig und führen in die Sackgasse. Ich habe aber große Hoffnung auf derzeit noch in Forschung befindliche Ideen (Solarthermik …).

    Daraus mein Fazit:
    Die bestehenden Kraftwerke in Deutschland noch weiterlaufen lassen, den “Ausstieg” aber nur bei den Laufzeiten aufgeben, keinen Neubau in Deutschland mehr planen.

    Ansonsten für eine weitere Übergangszeit Atomstrom aus Nachbarländern importieren.

    Und mittelfristig (50 Jahre) ist das Thema dann ohnehin weitgehend erledigt.

  2. 15.01.2007 | 19:12

    @RA

    3) ist nicht ganz richtig. Die Atomkraftgegner führen immer die Uranreserven an, die wohl nur noch 60 Jahre halten werden. Reserven sind aber im U. zu Ressourcen definiert als diejenigen bekannten Vorkommen, die zum derzeitigen Marktpreis abbaubar sind. Nun ist der Uranpreis, wg. Abrüstung usw., im Moment sehr niedrig bei 40 bis 50 $ pro Pfund. Der Uranpreis macht aber nur einen geringen Anteil der Kosten für Atomenergie aus. Würde er sich erhöhen, steigen nach der Definition auch die Reserven. Ab 300 $ kann Uran aus Meerwasser gewonnen werden und die Reserven würden auf das 10.000 Fache des heutigen Standes anwachsen. Mit heutiger Technik!

    Wenn das nicht gibt es immer noch Thorium. Wäre mal interessant zu wissen, ob die Atomenergie nicht länger hält als die Sonne (-:

  3. 15.01.2007 | 19:45

    Der Behauptung, dass der Kernkraft unverhältnismäßige Risiken gegenüberstehen, kann ich nicht zustimmen. Ich wage sogar zu behaupten, dass selbst bei einem GAU pro Jahrzehnt (der bei der deutschen Bauweise von Kernkraftwerken ausgeschlossen ist) die Größe des Schadens weit unter dem liegt, was andere Energieformen mit sich bringen.

    In Kohleminen sterben beispielsweise jährlich mehrere tausend Leute; von den, die dort nur geschädigt (Dämpfe) oder verletzt werden gar nicht zu reden. Angeblich sichere Windgeneratoren kippen nicht selten um, fangen Feuer, was in diesen Höhen nur sehr schwer gelöscht werden kann und Teile des Rotors fliegen nicht selten einige hundert Meter weit. Von der Solarenergie wollen wir gar nicht reden. Die Herstellung allein verbraucht schon Unmengen an Energie, was dazu führt, dass Solarstrom trotz massiver Subventionierung nur mäßig rentabel ist.

    IMHO könnte man ohne Probleme 99% des deutschen Strombedarfs mit sauberem Atomstrom decken. Die restlichen 1% kommen von den Gutmenschen, die auch ohne Subventionen oder kollektiven Zwang regenerative Energie nutzen wollen.

    In meinem Blog habe ich auch etwas zum Thema Atomstrom geschrieben, falls es jemand interessiert (Webseiten-Link anklicken).

    ChrisM

  4. 15.01.2007 | 20:06

    Der Atomausstieg war sicher in seiner Form falsch, weil politisch. Sicherheitsaspekte oder ein Energiemix haben dabei keine Rolle gespielt, soweit sind wir uns hier sicher weitgehend einig.
    Viel von dem was ich als “Senf” dazu geben würde, ist ja schon gesagt worden. Stellen wir also generell die Frage nach der Zukunftsfähigkeit der Kernenergie in ihrer heutigen Form. Wie lange das Uran reicht ist dabei eigentlich zweitrangig, wichtig ist, der Rohstoff ist endlich. Außerdem gilt Kernspaltung generell als Auslaufmodel, man setzt eher auf die Kernfusion als Zukunftsmodel. Wobei ich jetzt allerdings kein Physiker bin und zum Beispiel über den Sicherheitsaspekt nichts sagen kann. An einem internationalen Forschungsreaktor in Frankreich müsste Deutschland aber meiner Erinnerung nach beteiligt sein.

  5. 15.01.2007 | 20:11

    Ja, aber die Frage ist doch, warum Kernenergie (Kernspaltung!) als Auslaufmodell gesehen wird. Die Uranreserven sind zwar endlich, aber das ist das Silizium für die Solarzellen auch. Ich will damit sagen, dass die Reserven bei pessimistischer Schätzung noch einige Jahrtausende halten. Der Preis wird natürlich steigen, das tut er jetzt schon, weil die Methoden zur Urangewinnung aufwendiger werden, aber im Vergleich zu der Menge Energie, die man aus einem Kilogramm gewinnen kann, ist der Uranpreis ein Witz. Mit Konzepten wie schnellen Brütern dürfte noch länger Spaltmaterial vorhanden sein.

    Ich will nichts gegen die Kernfusion sagen hier, aber bevor Kernfusion im großen Maßstab eingesetzt werden kann, dauert es sicher noch 20-30 Jahre. Man kann ja jetzt noch nicht eine Technologie einplanen, die womöglich erst in 20-30 Jahren zur Verfügung steht.

  6. mkb
    15.01.2007 | 20:24

    Kernnergie ist momentan nicht zu ersetzen. Wenn man sich ansieht, wie sich der Energieverbrauch weltweit entwickelt, bleibt das auch so.

    Dirks Argument ist mir neu, klingt nicht uninteressant. Bisher dachte ich, in 30-70 Jahren sei aus Gründen des Rohstoffmangels Schluss.

    Alternativen sehe ich langfristig in Energieformen, die heute wenn überhaupt eher experimentell genutzt werden, namentlich Geothermie und Gezeiten. Und dann ist da natürlich noch die Forschung an der Fusion.

    Die Entsorgung sehe ich nicht so positiv wie R.A. Das Zeug hat vorsichtig gesagt eine recht lange Halbwertszeit. Das heißt imo, man kann das Problem nur vor sich herschieben: sowas wie ein echtes “Endlager” (in heutiger Konzeption) wird es nicht geben, weil niemand weiß was in 100 oder 1000 Jahren oder längerer Zeit ist. Die einzigmögliche Lösung sehe ich in Methoden, die heute noch Science-Fiction-Spinnerei sind (weg damit in den Erdkern oder die Sonne).

    Also schon 2 Punkte in denen Zukunftsmusik gefragt ist.

    Auch ein Problem: Kernkraftwerke kan man nicht (okay: schlecht) dauernd rauf- und runterfahren. Deshalb taugen sie fast nur für die Grundlast. Man braucht also für die Spitzen noch was anderes (mal ganz davon abgesehen, dass Monokulturen ohnehin nie gut sind).

    Was heutzutage unter alternativer Energieerzeugung läuft, ist meist wetterabhängig und daher für Grund- wie Spitzenlasten nur bedingt geeignet. Die Windstärke richtet sich nun mal nicht nach dem Energiebedarf. (okay, kommt darauf an, wo man baut). Außerdem (noch?) alles mehr oder weniger unrentabel.

  7. 16.01.2007 | 8:12

    @R.A.:

    1.) Der eigentliche Betrieb der Kraftwerke in Deutschland ist sicher.

    Ja, zur Zeit. Solange es bei uns Schlaue und Vernünftige gibt. Die Halbwertzeiten der Nuklide sind aber jenseits unserer Vorstellungen. Was allein in 90 Jahren so alles passieren kann, zeigt mir ein Blick auf Russland.

    @ChrisM:

    “In Kohleminen sterben beispielsweise jährlich mehrere tausend Leute; von den, die dort nur geschädigt (Dämpfe) oder verletzt werden gar nicht zu reden.”

    Nun, das ist aber auf die Kohleminen (oder was auch immer) beschränkt. Und DNA-Schäden treten bei solchen Unfällen auch eher selten auf.

    Ich finde, dass Atomkraft eine Technologie (hier stimmt der Begriff mal) ist, für die wir Menschen nicht geschaffen sind. Weil kleine Fehler durch unglückliche Verkettungen zu großen regionalen Katastrophen führen können, Menschen aber dazu neigen Fehler zu vertuschen. Naja und wer sagt nicht, dass nicht Typen wie die Taliban bei uns mal regieren. Und die dürfen dann Atomkraftwerke und -müll verwalten?

  8. 16.01.2007 | 10:39

    Ist Atommüll eigentlich giftiger als Chemiemüll? Und welche Halbwertzeit hat letzterer?

    Und was, wenn bei der neuesten Generation der Atomkraftwerke sowohl ein GAU praktisch unmöglich wird als auch der Müll auf Nuklide mit relativ kurzer Halbwertzeit beschränkt bliebe?

    In meinen Augen sind Probleme einer Technik erst einmal Anreiz, sie zu lösen. Und nicht, die Flinte ins Korn bzw. Biomassefeld zu werfen.

  9. 16.01.2007 | 11:13

    Wenn ich die Kernfusion ins Spiel gebracht habe, muss man natürlich mitbeachten, dass ich den Atomausstieg für zu überhastet halte. Aber wenn man so manchen Fan der Kernenergie hört, hat man ja das Gefühl die Atommeiler würden heute Abend abgeschaltet. Natürlich ist es eine Zukunftstechnologie die noch in der Entwicklung ist. Aber sie ist schon realistischer als das von Boche gezeichnet Bild der praktisch sicheren Atomenergie ohne große Halbwertszeit. Und mal unter uns, die Gefahr einer Technologie herunterzuspielen mit dem Argument Chemiemüll ist aber auch giftig, ist rein argumentativ recht schwach.

  10. 16.01.2007 | 11:20

    @Thomas:
    Nicht herunterspielen, sondern mal in Relation setzen. Für was für unsinnige Produkte nehmen wir teilweise die Gefahr hoch giftiger Chemieabfälle locker auf uns - und wie panisch reagieren die Leute bei radioaktivem Abfall, der immerhin bei der Erzeugung des wohl wichtigsten Produkts unserer Gesellschaft anfällt: Nämlich Energie.

  11. 16.01.2007 | 11:21

    Ich gebe zu, dass ich die Chancen der neuen Kernkraftwerksgeneration mangels Fachwissen nicht sicher einschätzen kann.

    die Gefahr einer Technologie herunterzuspielen mit dem Argument Chemiemüll ist aber auch giftig, ist rein argumentativ recht schwach.

    Warum? Die Giftigkeit des Chemiemülls wird nicht einmal durch Zerfall gemildert sondern ist ggf. in 10 Mio. Jahren noch so hoch wie heute, oder?

  12. 16.01.2007 | 11:24

    Erzeugen wir denn elektrischen Strom mit etwas, was unendlich lang giftigen Chemiemüll erzeugt?

  13. 16.01.2007 | 11:45

    @Marc:
    Ich nehme an, Du antwortest damit auf Boche. Hast Du meinen letzten Kommentar auch gelesen?

  14. 16.01.2007 | 11:52

    @Marc

    Strom nicht. Andere Dinge schon.

  15. 16.01.2007 | 12:54

    @Boche: Also dass einer der Blogbetreiber schon zu trolltypischen Ablenkungsmanoevern greifen musss… ;-)

    @Karsten: Ja, die Antwort war für Boche. Sicherlich wird Giftmüll bei so einigen Dingen produziert. (Und auch beim Strom, warum sollen wohl die ganzen Batterien nicht in den Hausmüll) nur gibt es gerade bei der Stromerzeugung meiner Meinung nach Alternativen.

  16. 16.01.2007 | 12:59

    @Marc

    “trolltypische Ablenkungsmanöver”?
    Habe ich etwas verpasst?

  17. 16.01.2007 | 13:15

    Ich fand halt, dass das Relativieren von Giftigkeiten in diese Richtung geht.

  18. 16.01.2007 | 13:26

    Du meinst, dass man die Gefährlichkeit von Giften nicht vergleichen kann oder im Falle des Themas Kernkraft nicht darf?

  19. Llarian
    16.01.2007 | 13:28

    1. “Chemiemüll” ist kein grösseres Problem als normaler Müll. Man kann ihn verbrennen, verdünnen, zersetzen, etc. pp. Dummerweise kann man das mit radioaktiven Abfällen (noch) nicht wirklich tun. Und er ist (halbwegs) undramatisch zu lagern bis er sich zersetzt. Es ist zwar kein “Trollargument”, aber es sticht nicht.
    2. Sichere Atomkraftwerke sind durchaus konstruierbar, mir sind alleine zwei Konstruktionen bekannt, die keinen GAU entwickeln können (Kugehaufenreaktor / Thorium Reaktor mit externer Neutronenquelle). Nur ist das reale Risiko, dass ein “herkömmliches” moderne Kraftwerk havariert derart gering, dass sie nicht wirtschaftlich sind.
    3. Ganz unideologisch bin ich der Meinung, dass die Energiesicherheit eines Landes grundsätzlich nur auf der Technologie geplant werden darf, die auch zur Verfügung steht, bzw. mit Sicherheit sehr bald zur Verfügung stehen wird. Träume von Kernfusion, Aufwindkraftwerken, Gezeitenkraftwerken, wirtschaftlicher Photovoltaik, etc. pp sind zwar nett, aber bieten keine Sicherheit. Wenn es irgendwann funktioniert, klasse. Aber damit darf man nicht planen. Und angesichts der derzeitigen Situation (Konfrontation mit den erdölexportierenden Ländern, Politische Unsicherheit über russisches Öl/Gas, Unwirtschaftlichkeit alternativer Energien) gibt es nur eine Antwort und das ist erst einmal Atomkraft.
    4. Das Lagerproblem ist ungelöst. Und es kann irgendwann sehr teuer werden. Es kann. Träume von Windmühlen und eine neue Ölkrise WERDEN aber ganz real sehr kurzfristig teuer. Und was ist wahrscheinlicher: Das uns morgen ein alter Salzstock um die Ohren fliegt, weil sich seit Äonen die Erde entschliesst genau unter diesem Schacht instabil zu werden oder dass uns Putin und Konsorten morgen bis aufs letzte Hemd ausziehen ? Hat vielleicht mal irgendjemand über die Kosten philosophiert, die dadurch entstehten, dass wir Ländern wie Saudi Arabien oder den Iran aufrüsten ? Mir sind neulich fast die Augen aus dem Kopf gefallen, als ich gelesen habe, dass Europa den Saudis tatsächlich den Eurofighter verkauft hat. Damit wir um Himmels willen weiter Öl bekommen verkauft Europa seine Seele an verbrecherische Regime. Was wird das einmal kosten ?

  20. 16.01.2007 | 13:33

    @Llarian

    1. “Chemiemüll” ist kein grösseres Problem als normaler Müll. Man kann ihn verbrennen, verdünnen, zersetzen, etc. pp.

    Ok, wenn das für alle Giftstoffe tatsächlich so problemlos funktionieren sollte und für radioaktives Material nicht, dann wäre mein Argument nicht stichhaltig. Ich kann das leider nicht einschätzen.

  21. 16.01.2007 | 15:38

    @Llarian

    auch bei einem GAU spielt einem die Definition einen Streich. Es ist wie bei der Armut, man kämpft gegen Windmühlen. Wenn es eine Kernschmelze physikalisch ausgeschlossen ist, dann ist der größte anzunehmende Unfall eben das durchbrennen einer Glühbürne. Und schon heisst es, der GAU kann nicht ausgeschlossen werden.

  22. Llarian
    16.01.2007 | 16:46

    @Dirk:
    Schöne Beobachtung. :)
    Leider würde vermutlich genau so argumentiert werden. Man hats schon nicht leicht. :)

  23. Jacopp
    11.03.2007 | 7:32

    Vielleicht doch lieber Fakten?

    Laut einer Studie (Grafik nachzulesen unter http://www.sueddeutsche,de) liegt die Kernenergie mit einem Ausstoß von ca. 25g CO2 pro kWh Strom zwar recht gut, ist dabei aber dennoch ungünstiger als Solarenergie, Wind- und Wasserkraft. Dazu kommt, dass bei dieser Berechnung die Entsorgung (Herstellung und Transport der Castoren, Endlagerung der ausgebrannten Brennstäbe und der ausgedienten Reaktoren etc.) nicht berücksichtigt ist (die steckt übrigens auch im Strompreis noch nicht drin!). Ebenso fehlen die (möglicherweise) anfallenden Kosten von Kraftwerkunfällen.
    Die Sonneneinstrahlung auf Deutschland liegt mit ca. 1200 kWh/Quadratmeter hoch genug, um die Stromversorgung langfristig auf diese Energieform umzustellen. Wir haben Milliarden in die Kernenergie investiert, warum sind wir nicht bereit, das auch bei der Photovoltaik zu tun? - Die Sonne scheint umsonst!

  24. googlehupf
    11.03.2007 | 12:47

    Die tatsächliche Leistung in Deutschland liegt aber eher bei einem Zehntel davon: 120 kWh/Quadratmeter (ohne Frage, lässt sich mit höheren Wirkungsgraden bestimmt noch steigern)

    “[...] Aber dennoch ungünstiger als Solarenergie, Wind- und Wasserkraft.”

    Alles andere hätte mich auch gewundert. Aber irgendwelche Kraftwerken müssen ja die Grundlast tragen.

  25. Jacopp
    11.03.2007 | 14:43

    Ja, das stimmt wohl. Mein Beitrag sollte auch eher die zukünftige Entwicklungsrichtung vorschlagen und hier könnte uns die Wasserstofftechnologie aus der Misere helfen. Zudem gibt es auch Blockheizkraftwerke (inzwischen auch für Ein-/Zweifamilienhäuser (s. Dachs) mit 80 - 90% Primärenergieausnutzung), Biokraftstoffe etc. Und die Möglichkeiten der Energieeinsparungen sind m.E. auch noch lange nicht ausgeschöpft.Außerdem haben wir europaweite Stromnetze und in Südeuropa wären deutlich höhere Ausbeuten der Sonnenenergie drin. Also mein Appell bleibt: Erst alles ausschöpfen, was an risikofreien Energieformen da ist und das mal ordentlich durchrechnen. - Und in diese Technologien investieren, wie gesagt, bei der Kernenergie waren wir da auch nicht zimperlich! Was nicht heißt, dass man die Forschung im Bereich der Kernspaltung oder Fusion ganz einstellen soll.

  26. AM
    11.03.2007 | 23:14

    Es ist ein Fehler, ohne neue Kernkraftwerke weiter auf die Kernenergie zu setzen:
    1. neue Designs sind sicherer geworden
    2. Neubau hält das Knowhow im Land frisch
    3. Neubauten sind gute Referenzen für Verkäufe ins Ausland
    4. wer nach und nach einige alte durch neue Kernkraftwerke ersetzt, muss nicht irgendwann viele Kernkraftwerke gleichzeitig ersetzen, und behält dauerhaft mehr Optionen für den Kernenergieanteil im Energiemix. Nur die Option “Totalausstieg bald” geht verloren.
    Fazit: Laufzeitverlängerung alter Kraftwerke ist eine perspektivlose, stockkonservative Option, die einzig den Konzernen riesige Gewinne beschert auf Kosten der Sicherheit und der Zukunft des Landes. Wer an die Kernenergie glaubt, muss auf den Ersatz des einen oder anderen Reaktors setzen.

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