15. Januar 2007
Kernenergie, mal nüchtern gesehen
Es ist schwierig, nüchtern über Risiken und Chancen der Kernenergie zu sprechen. Meistens landet man dabei in einem Glaubenskrieg. Dabei hätte ich gerne mal eine vernünftige Gegenüberstellung der Pros und Cons. Viele der Argumente der Befürworter und Gegner sind nämlich alles andere als überzeugend - mit ihrem Anspruch, ernst genommen zu werden, beleidigen sie vielmehr. Insbesondere die Gegner der Kernenergie zeichnen sich in der letzten Zeit durch eine Art Vogel-Strauß-Taktik (wie z.B. hier) aus, die auf Technologien setzt, die es noch nicht gibt, oder die versucht, andere Energieversorgungsmöglichkeiten so zu betonen, dass niemand mehr danach fragt, wie realistisch und wie ausreichend sie sein werden.
Ist ja großartig, dass in der Einsparung noch offene Potenziale sind. Ist ja super, dass auch die Kohlekraftwerke klimaunschädlicher gemacht werden können. Ist ja Wahnsinn, was es alles an regenerativen Energien gibt. Aber reicht das zur Versorgungssicherheit? Und wenn: Was kostet es?
Das beliebte Argument, die Kernenergie sei “im Vorteil”, weil in sie bereits jede Menge Forschungsmilliarden gesteckt worden seien, lasse ich übrigens nur gelten, wenn mir einer eine Zeitmaschine vor die Füße stellt, mit der man das wieder rückgängig machen könnte. Ansonsten sorry - “sunk costs”. Auch, dass viele Fürsprecher der Kernenergie nicht gerade als selbstlos gelten können, weil mit Kraftwerkbetreibern identisch oder verbunden, ist eben allein kein Gegenargument.
Das ändert nichts an meiner Skepsis, was die Betriebs- und Endlagerungsrisiken betrifft. Und bitte keine Rechnungen, wie gering die Eintrittswahrscheinlichkeiten doch seien - wegen der hohen Kosten eines GAUs bleibt die Sache in Sicherheitsäquivalenten abgebildet riskant genug, um privat nicht versichert werden zu können.
Wichtig wäre mir vor allem, offen über realistische Szenarien zu diskutieren. Die Bewertung von Risiken und Chancen der verschiedenen Energiemixturen wird schwierig genug. Wie soll man z.B. Klima- gegen Versorgungsrisiken abwägen? Deshalb wüsste ich gerne etwas konkreter, worüber man realistisch reden kann. Anybody out there? Und bitte keine Prediger. Danke.
Verfasst von Rayson um 18:05 Uhr in der Kategorie Allgemein, Politik, Umweltpolitik (Trackback)