Höchste Priorität

Mal eine nur kleine, sprachkritische Korinthenkackerei…:

Unter der Überschrift “Schutz unserer Soldaten hat höchste Priorität” meldet die CDU-Bundestagsfraktion u.a. folgendes:

Ein solcher Einsatz würde vor allem unseren Soldatinnen und Soldaten zugute kommen. Denn die von den Tornados geleistete Aufklärung von Räumen und Wegen trägt unmittelbar zu ihrer Absicherung bei, was für uns höchste Priorität hat.
[Es geht, wie man ahnen kann, um den Tornado-Einsatz in Afghanistan. Hervorhebung von mir. Anm.d.B.]

Wenn die Sicherheit der Soldaten die höchste und nicht nur eine hohe Priorität hat, muss man sie abziehen und ins sichere Deutschland bringen.

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12 Kommentare zu “Höchste Priorität”

  1. HStafo
    19.01.2007 | 14:36

    Kann man auch anders interpretieren: Es geht nicht um die Absicherung der Soldaten, sondern der “Räume und Wege” durch Aufklärung.

  2. 19.01.2007 | 14:45

    Zusammen mit der Überschrift ist meine Interpretation aber wahrscheinlicher.

  3. Buenavista
    19.01.2007 | 16:49

    Was ist das allererste, das man an einem Unfallort tun sollte, bevor man Verwundeten hilft?

    Eigensicherung. Es hilft Verwundeten nicht weiter, wenn der Retter von nächsten Fahrzeug erfasst wird.

  4. 19.01.2007 | 17:08

    Priorität ist Priorität - und nicht steigerbar. Auch nicht durch vorangestellte Adjektive, Komparative oder gar Superlative. Insofern ist das Ganze bloß so’n CDU-typisches PR-Sprechtakel, das in einer grammatischen Bruchlandung endete …

  5. 19.01.2007 | 18:13

    “Priorität ist Priorität - und nicht steigerbar.”

    Richtig. Aber solche Argumente enden meist mit Bruchlandungen, wenn trotzdem klar ist, was gemeint war.

  6. 19.01.2007 | 19:01

    Zu “höchster”: Man will ja damit nicht “Priorität” steigern, sondern nur eine Rangfolge angeben. Das ist sinnvoll.

  7. 19.01.2007 | 19:19

    Von Politikern kann man aber trotzdem erwarten, dass sie mit der Sprache vernünftig umgehen. Es gibt ja beispielsweise Abstufungen der Wichtigkeit: etwas kann für mich sehr wichtig oder weniger wichtig sein.

    Aber ich glaube nicht, dass nur die CDU dieses Problem hat. Diese verunglückte PR-Sprache findet man sicher bei allen Parteien …

    Um zum Thema zurückzukommen: Natürlich ist die Sicherheit unserer Soldaten sehr wichtig. Aber die Einheiten der Bundeswehr sind doch in einem ganz anderen Landesteil stationiert. Die Tornado-Einsätze dienen der Unterstützung unserer Verbündeten im Kampf gegen Terroristen. Ich sehe keinen direkten Zusammenhang zwischen den Tornado-Einsätzen und der Verbesserung der Sicherheit unserer eigenen Soldaten. Ich vermute, dass sich ihr Risiko eher erhöhen wird, wenn deutsche Flugzeuge indirekt in Kampfhandlungen eingreifen.

  8. 19.01.2007 | 19:26

    @Rayson: im ursprünglichen Sinn hat Priorität, was am weitesten vorn steht. Dieser ursprüngliche Sinn ist heute in Vergessenheit geraten. Aber ich finde es doch sinnvoll, sich ab und zu daran zu erinnern.

  9. 19.01.2007 | 19:33

    “Dieser ursprüngliche Sinn ist heute in Vergessenheit geraten.”

    Das meinte ich; Der superlativische Sinn von Priorität ist nicht mehr besonders präsent, der von “höchste” schon.

  10. 19.01.2007 | 20:40

    Darf ich mich der Korinthenproduktion anschliessen? Ich sehe in der Formulierung logisch kein Problem. Höchste Priorität für die Eigensicherung heisst höchstes Gewicht auf die Eigensicherung. Andere Ziele, etwa Frieden in Afghanistan, haben geringeres Gewicht. Soweit so gut. Falls aber der Gewinn aus der Befriedung Afghanistans soviel größer ist, dass dieser die geringere Gewichtung wettmacht, kann man sich dafür entscheiden, obwohl dieses Ziel nicht prioritär ist. (Man maximiert also die Gewichtete Summe von Erträgen)

    Allerdings kann man “höchste Priorität” auch als “höchstmögliche Priorität” verstehen, also “unendliches” Gewicht auf Eigensicherung. Dann wären wir bei Boches Interpretation. (Man könnte auch die Analogie zur “brutalstmöglichen Aufklärung” ziehen und schliessen, dass Eigensicherung gar keinen Wert hat.)

    Aber das der Staat - oder auch der Bürger- höchste Priorität gleich auf mehrere Ziele legt, ist ja nichts neues. Gesundheit geht über alles. Gerechtigkeit geht über alles Finanzielle, insbesondere über das mit dem man die Finanzierung des Gesundheitswesens betreibt.

  11. 20.01.2007 | 6:15

    Auf ihrem Istambul Summit 2005 erklärte die NATO Zentralasien zu ihrem strategischen Interessenbereich. Dem Laien mag das zwar unbedeutend vorkommen, es steckt aber mehr dahinter.Ein Interessenbereich ist für das Militär der Raum, der einem Verantwortungsbereich vorgelagert ist. Beispiel: Eine Division bezieht einen Raum an einer Frontlinie, für diesen Raum ist sie nun militärisch verantwortlich. Der Interessenbereich dieser Division beginnt nun an der Frontlinie und reicht bis zu 50km in das feindliche Gebiet hinein: Tummelplatz der Späher und Aufklärer, heutzutage vor allem der elektronischen Aufklärung.

    Die Zuordnung von Interessen- und Verantwortungsbereichen fängt noch recht klein auf Kompanie-Ebene an und setzt sich immer grösser werdend fort über Bataillon, Brigade, Division, Korps, Armee und Armeegruppe. Der Interessenbereich einer Armeegruppe reicht schliesslich mehrere Hundert Kilometer tief über den eigentlichen, militärischen Verantwortungsbereich hinaus.

    Dieses grosse militärische 1×1 muss man kennen, wenn man über die weitere Verstärkung der Aufklärungskräfte in Afghanistan sprechen will.

    Deutschland kann schlechterdings die Deklarierung Zentralasiens zum strategischen Interessenbereich der NATO mittragen und sich gleichzeitig dem Wunsch nach Gestellung von Aufklärungskräften entziehen.

    Sämtliche Anrainer Afghanistans, insbesondere aber die Staaten der SCO, haben jedoch betont, dass sie die NATO-Präsenz in Afghanistan nur so lange für akzeptabel halten, wie dies für die Implementierung relevanter UNO-Resolutionen nötig sei. Sei dies erreicht, müsse der Abzug der fremden Truppen erfolgen.

    Die SCO lehnt die betreffende Erklärung des Istambul Summit vehement ab. Ein ständiger Brückenkopf der NATO in Zentralasien könnte zum hochgerüsteten Horchposten werden und Ausgangspunkt militärischer Spionage.

    Vor diesem Hintergrund erscheint also die Entscheidung des Bundestags, zusätzliche ECM-Tornados in Afghanistan zu stationieren, noch in einem ganz anderen Licht.

  12. Horst Schulte
    22.01.2007 | 11:55

    Ich meine, dass ich diese von Boche herausgehobene Passage sogar von unserem Bundesverteidigungsminister höchstpersönlich am Wochenende gehört hätte. Da muss ich mich Boches Schlussfolgerung voll anschließen.

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