Rayson an Teambank

Sehr geehrte Teambanker,

wenn ihre Marketing-Strategie darauf abzielen sollte, diejenigen als Kunden zu gewinnen, die man neuerdings als “Prekariat” bezeichnet, dann könnte ich Ihnen nur mit ethischen Argumenten kommen. Notlagen Schwacher auszunutzen ist nichts, dessen man sich in restchristlichen Gesellschaften rühmen könnte.

Aber ich vermute etwas anderes. Nämlich, dass irgendetwas Sie auf die Idee gebracht hat, dass alles Anglophone immer gut, chic, neu und natürlich (hoffe ich wenigstens für Ihre Aktionäre) rentabel sei, während alles Deutsche nur als schlecht, überholt, veraltet und ineffizient zu beurteilen wäre.

Wollen wir bei “easycredit” anfangen? Bei allem Respekt vor Lionel Richie: Was “easy” ist, kann Ihnen kein Deutscher sagen. Wissen Sie es? Ok, dass “credit” was mit “Kredit” zu tun haben soll, begreifen wir schon - aber warum müssen Sie uns das unnötig kompliziert machen?

Vielleicht liegt des Rätsels Lösung ja in Ihrem Internet-Auftritt. “Simply one step ahead” - so schön, so gut, aber der Sinn dieses Spruchs erschließt sich mir nicht so recht. Wollen Sie vielleicht für ein internationales Publikum attraktiv werden? Damit ließe sich aber der Rest des Internet-Auftritts nicht vereinbaren, auf der wir den fraglichen Satz fanden: Da steht sonst fast alles in Deutsch. Ich muss zugeben: Ich bin verwirrt. Meinen Sie etwa, ein deutsches Publikum mit englischen Sätzen für sich einnehmen zu können? Wirklich?

Am Geisteszustand Ihres Vorstands zweifeln - jetzt ganz ernsthaft! - ließ mich die Mitteilung dieser Woche, wonach das “Duzen” bei Ihnen langfristig zur Pflicht werden solle. Dazu passt wunderschön dieser Herrn Graband zugeschriebene Satz (ein Zitat von SPIEGEL ONLINE):

“Es handelt sich nicht um ein Sympathie-Du, sondern um einen Ausdruck von Professionalität im Sinne des englischen You.”

Das ist wirklich großes Kino. Statt weiterer Kommentare verweise ich auf meinen Blogeintrag bei den “Bissigen Liberalen”:
http://www.bissige-liberale.com/2007/01/23/oh-yeah/

Und wenn Sie weiter daran interessiert sein sollten, mit echten Kunden zu tun zu haben, wäre auch die Lektüre der Kommentare vielleicht keine allzu schlechte Idee.

Falls Sie einen Bedarf an wirklicher Professionalität verspüren sollten, gebe ich Ihnen folgenden dezenten Tip: Der “Jürgen” im “Meeting” kann problemlos zum “Dr. Weißwas” in einer “Besprechung” werden, ohne dass irgendeiner irgendeinen Gedanken daran verschwendet. DAS wäre echtes interkulturelles Wissen.

Versuchen Sie es einfach.

Grüße

Rayson

Ähnliche Beiträge


34 Kommentare zu “Rayson an Teambank”

  1. Mathias
    24.01.2007 | 4:56

    Jetzt muessen sich Unternehmen auch noch von “bissigen” Liberalen reinreden und alberne offne Briefe schreiben lassen. Mann…

  2. 24.01.2007 | 6:27

    Es gibt wohl Schlimmeres auf dieser Erde als das irgendein Unternehmen das Duzen zur Prflich macht … wobei ein gewisser Hersteller von Software das schon seit Jahren macht (ich meine den FiBu-Hersteller aus Walldorf)

  3. 24.01.2007 | 9:32

    … es mag schlimmeres geben, Zwang ist es aber dann trotzdem. Man sollte nicht aus Prinzip im Beruf beim “Sie” bleiben, aber wenn man duzt ist im Rest des Lebens ja auch die eigene Entscheidung.

  4. FAB.
    24.01.2007 | 9:49

    Danke.
    Es gilt: mit fremdsprachlichen Bröckchen um sich werfen tun nur Leute, die weder die eine noch die andere Sprache beherrschen. Die geistige Unterschicht mit anderen Worten. Ein Unternehmen, das mich dergestalt anblökt, tut damit kund, mich für einen Angehörigen ebendieser Schicht zu halten. Das empfinde ich als beleidigend und daher als einen sehr guten Grund, dieses Unternehmen weiträumig zu umfahren.

  5. R.A.
    24.01.2007 | 12:13

    Die klassische Replik auf aufgedrängtes Duzen wäre ja “Haben wir schon mal zusammen Schweine gehütet?”
    Das bringt natürlich seinem Chef gegenüber eher selten …

    Wobei es mich nicht stört, daß in vielen Firmen (auch bei uns) Duzen allgemein üblich ist, und man das gleich beim Einstieg angeboten bekommt. Aber per Befehl von oben ist es peinlich.

    Und noch peinlicher, wenn dann falsche Begründungen kommen wie “im Sinne des englischen You”.

    Denn das englische You entspricht ja unserem Sie.
    Eben das von der Firma propagierte Duzen (”Thou”) ist im englischen Sprachraum weitgehend ausgestorben …

  6. Mathias
    24.01.2007 | 17:59

    Die geistige Unterschicht mit anderen Worten. Ein Unternehmen, das mich dergestalt anblökt, tut damit kund, mich für einen Angehörigen ebendieser Schicht zu halten. Das empfinde ich als beleidigend[...]

    Vielleicht will dieses Unternehmen genau solche Mitarbeiter und Kunden abschrecken, die sich deshalb schon fuer etwas Besseres halten, nur weil sie noch den Dativ vom Genitiv unterscheiden koennen, die sich zur “geistigen Oberschicht” zaehlen, da sie mal eine Uni von innen gesehen haben… wer weiss!?!

    Uebrigens typisch Deutsch: Liberal, hm ja, aber im Zweifel immer wieder in die Konservativitaet zurueck fallen. Lasst sie doch machen was sie wollen. Der Kunde wird entscheiden…

  7. 24.01.2007 | 18:14

    Danke, Mathias, für diese erneute Bestätigung, dass außerhalb liberaler Kreise Kritik sofort immer gleich mit einem Verbotswunsch in Verbindung gebracht wird.

    Im Gegenteil: Jedes Unternehmen hat das Recht, eine schwachsinnige Geschäftspolitik zu betreiben. Und es hat das Recht, dafür Kritik zu erfahren. Den Aktionären tut man sogar noch einen Gefallen, wenn man sie darauf hinweist, welch schlichte Geisteshaltung da im Vorstand herrscht.

  8. 24.01.2007 | 18:14

    @Mathias:

    Auch auf die Gefahr hin, etwas zu wiederholen, was wir schon hundertmal gesagt haben:

    Liberal heißt nicht, keine Meinung zu haben. Liberal heißt vielmehr, dass man nicht den Wunsch hegt, diese Meinung mit Zwangsmitteln durchgesetzt zu sehen.

  9. FAB.
    24.01.2007 | 18:23

    @Mathias
    Sie gehören auch zu denen, die Orthographie für kapitalistisches Herrschaftswissen halten, oder?

  10. Mathias
    24.01.2007 | 18:33

    Verstehe ich nicht. Der Vorstand verwaltet das “Vermoegen” der Aktionaere in Form des Unternehmens, hat also das Hausrecht und kann, solange er nicht gegen andere geltende Gesetze verstoesst und nicht abgewaehlt wird, machen was er will. Es ist eine “Personengesellschaft” und daher wie eine Person zu behandel (besonders im rechtlichen Sinne), dass sein Leben, seine Politik, seine Meinung so gestalten darf, wie es das moechte. Wie schon anfangs erwaehnt wurde, niemand muss dort arbeiten oder Kunde werden, wenn er oder sie nicht moechte. Wo ist also das Problem?

    Und ich habe mich nicht gegen Kritik gewehrt (sicherlich kann man sich ueber den Sinn oder Unsinn der Anglizismen streiten), sondern nur meine Gegenkritik zum Ausdruck gebracht. Bissig halt, aber ich dachte das waere hier okay.

  11. Mathias
    24.01.2007 | 18:37

    @FAB: Ich nehme Orthografie nicht so ernst wie andere. In vielerlei Hinsicht. Kapitalistisches Herrschaftswissen? Ich wuesste noch nicht einmal was ich darunter zu verstehen haette (bin wohl von der geistigen Unterschicht). Ich halte Orthografie fuer ein Gemeingut, dass man sich entwickeln lassen sollte — ohne von oben herab zu Beurteilen, was gut und was schlecht ist — das ginge eh in die Hose. Und wenn jemand halt das “Sie” abschaffen moechte, dann mag das fuer den einen oder anderen daemlich sein, mir ist es wurscht! Uebrigens hat das in GANZ Schweden recht gut und erfolgreich funktioniert.

  12. 24.01.2007 | 18:42

    @Mathias:

    Noch mal ganz langsam. Wenn Du mal in den Beitrag schaust, dann wirst Du feststellen, dass Rayson nicht gefordert hat, man möge der Teambank verbieten, ihre “Du”-Politik durchführen. Er hat nur kritisiert, dass sie es tut, weil er es selber für Unsinn hält.

    Und ja, Rayson hat öfter mal konservative Ansichten, wenn es um seine individuelle Meinung geht. Ist bei einem bekennenden Christen eben öfter mal so. Wir sind ja hier bei individuellen Meinungen eben ein bunter Haufen… nur politisch gehen wir recht weit konform.

    Gegenkritik ist schon okay, nur diese ewige Leier “Ihr seid doch gar nicht liberal”, die nervt - weil sie zumeist so undifferenziert und schwach unterbaut daherkommt.

  13. Mathias
    24.01.2007 | 18:43

    uebrigens mache ich den “, dass” Fehler nicht weil ich meine Unternehmenspolitik derart geaendert habe, sondern weil ich einfach doof bin! :)

  14. Mathias
    24.01.2007 | 18:46

    Ok Karsten. Das naechste mal werde ich meine Kritik staerker unterbauen und euch nicht als “nicht liberal” bezeichnen, wenn euch das so trifft. ;) Ich finde die Seite ja sehr toll, weshalb ich auch hier herum lese… echt!

  15. 24.01.2007 | 19:30

    @Karsten

    Also ich weiß jetzt konkret nicht, was daran besonders konservativ sein soll, wenn ich es für blödsinnig halte, dass und mit welcher Begründung ein Vorstand seinen Mitarbeitern das Zwangsduzen verordnen will.

    Im Grunde geht es ja auch um das Gefühl, dass man da mit Anglizismen und flachster Symbolik verarscht werden soll. Es ist zwar marketingtechnisch gesprochen schwierig, gerade das Bankgeschäft emotional aufzuladen - insofern habe ich für misslungene Versuche in dieser Richtung generell Verständnis -, aber wenn da jemand mit erkennbar dieser Absicht zu sehr zu längst abgegriffenen und in ihrer Vordergründigkeit kaum noch zu unterbietenden Floskeln greift, dann meint man zu Recht, hier für dumm verkauft werden zu sollen.

    Aber sonst stimmt es, da habe ich einen Hang zum Konservativen - ich komme ja schließlich aus der Ecke. Was das aber wieder mit meinem Bekenntnis, Christ zu sein, zu tun haben soll, erschließt sich mir wiederum nicht. Das eine hat für mich mit dem anderen nichts zu tun.

  16. 24.01.2007 | 20:16

    Mal etwas ketzerisches: Was hat da eigentlich der Betriebsrat dazu gesagt? Ich würde von meinem Betriebsrat erwarten, dass er sich deutlich zu Wort meldet.
    Das Ganze erinnert mich sehr an den Wal-Mart-Verhaltenskodex und an die Nachricht von der IT-Firma, die ihren Programmierern verboten hat bei der Arbeit zu fluchen (finde den Link leider nicht).

  17. Mathias
    24.01.2007 | 21:49

    An dieser Diskussion kann man schoen erkennen, in welchen abstrusen Bereichen wir uns heute bewegen, wenn es um Arbeitnehmerrechte geht. Eine gut gemeinte Unternehmensregel zu einem “Verbot” hoch zu stilisieren (im manager-magazin Artikel wird ausdruecklich auf die Freiwilligkeit hingewiesen) und heldenhaft nach dem Betriebsrat zu rufen — kein Wunder, dass Mitarbeiter von modernen Unternehmen sich immer mehr von der ueberzogenen Klassenkampfmentalitaet der Gewerkschaftler und “der Alten” abwenden. Ueber was reden wir hier eigentlich? Ist “Du” eine Metapher fuer “kein Weihnachtsgeld”, “60 Stunden Woche”, oder “Mobbing ist toll!”? So, meine Damen und Herren, kann man den notwendigerweise gefuehrten Kampf fuer Arbeitnehmerrechte auch in sein groteskes Gegenteil verkehren und die Aufmerksamkeit von wirklich wichtigen Anliegen ablenken.

  18. 24.01.2007 | 23:21

    “So, meine Damen und Herren, kann man den notwendigerweise gefuehrten Kampf fuer Arbeitnehmerrechte auch in sein groteskes Gegenteil verkehren und die Aufmerksamkeit von wirklich wichtigen Anliegen ablenken.”

    Schei*e, Rayson, man hat Dich durchschaut.

  19. 25.01.2007 | 1:10

    @Mathias:
    Es trifft mich nicht. Es wird nur irgendwann alt und langweilig.

    @Rayson:
    Dass es sich hier um einen konservativen Reflex handelt, hat zwar Mathias zuerst behauptet - tatsächlich aber scheint der Kampf um den Schutz der deutschen Sprache vor Anglizismen bevorzugt von Konservativen geführt zu werden.
    Was Konservativismus und das christliche Bekenntnis angeht - ich kann da keinen Kausalzusammenhang erzeugen, aber eine gewisse Korrelation zwischen starkem Glauben (besonders, wenn er öffentlich gelebt wird) und konservativen Ansichten habe ich bei den Menschen, denen ich in meinem Leben so begegnet bin, schon bemerkt. War aber vielleicht (oder vielmehr wahrscheinlich) ein eher überflüssiger Satz, den ich Dich zu ignorieren bitte.

  20. Friedel B.
    25.01.2007 | 7:44

    Lieber Rayson,

    Ihren Offenen Brief an die sogenannte “Teambank” habe ich (wie übrigens fast alle Ihrer Beiträge in diesem Blog) mit Sympathie und Zustimmung zur Kenntnis genommen, auch wenn Ihr (und mein) Kampf gegen überflüssige Anglizismen wahrscheinlich bereits verloren ist. Die ubiquitäre Gegenwart angelsächsicher Sprache und Idiomatik hat nämlich auch bei Ihnen bereits Spuren hinterlassen. Sie schreiben “Damit ließe sich aber der Rest des Internet-Auftritts nicht vereinbaren, auf der wir den fraglichen Satz fanden: Da steht sonst fast alles in Deutsch.”; in unserer Muttersprache müsste es genau genommen jedoch “Da steht sonst fast alles auf Deutsch” heißen (say it in english - sag es auf Deutsch).

  21. 25.01.2007 | 10:31

    Ich amüsiere mich ja schon darüber, wenn Leute die Deutsche Sprache nicht etwa vor “allgegenwärtigen englischen Begriffen”, sondern vor “ubiquitären Anglizismen” retten wollen. Nur mal so nebenbei.

    Davon abgesehen ist Englisch != Angelsächsisch, oder sehe ich das falsch?

  22. 25.01.2007 | 12:19

    @Friedel B.

    Recht hast du (ich duze in Blogs und Internet-Foren übrigens grundsätzlich - das hab ich mir mit unzähligen Einwahlversuchen per 300-baud-Akustikkoppler in den 80er Jahren redlich verdient). Dabei bin ich schon stolz darauf, mir das “ich denke” abgewöhnt zu haben… Aber mir kommt es auch weniger auf Purismus an als auf die Absicht, die hinter solchem Murks meistens steckt.

  23. 25.01.2007 | 12:32

    @Karsten

    Also zunächst mal sind Anglizismen “nicht wirklich”(!) ;-) deckungsgleich mit “englischen Begriffen”, sondern oft auch originär deutsche Verballhornungen (Handy, Bodybag, Know-how). Und ich würde diese Sprache, die da in hunderttausend Nuancen rund um den Globus gesprochen wird, schon noch als Englisch bezeichnen, auch wenn es nicht mehr die Sprache Shakespeares ist. Die Ösis und die Lölis sprechen ja ebenfalls Deutsch, auch wenn sie nicht gerne daran erinnert werden…

    Im Übrigen bitte nicht falsch verstehen: Ich will die deutsche Sprache nicht “schützen”. Nur nervt es mich, wenn mit einer Art Sendungsbewusstsein entweder eigene Dummheit verbreitet werden soll oder Dummheit bei anderen vorausgesetzt wird. Das gilt nicht nur für die Sprache, aber auch für die. Angefangen von vielen Anglizismen bis zum Binnen-”I” oder der schematischen “und -innen”-Seuche.

  24. 25.01.2007 | 12:44

    @Rayson:

    Na gut, dann konzentriere ich mich auf das “ubiquitär”. Wer versteht denn das schon? Und wie wirklich deutsch ist das?

    Angelsächsisch ist übrigens m. W. die Sprache der Angelsachsen, aus der sich über Jahrhunderte unter dem Einfluss der lateinischen sowie der französischen Sprache (und einer Menge anderer) das aktuelle Englisch entwickelt hat. Darauf wollte ich hinaus.

  25. 25.01.2007 | 13:01

    @Karsten

    Ich bin ja kein Anglizist, aber ich glaube, dass man das heutige Englisch (zumindest das englische, bei den Amis dürfte mittlerweile einiges an Spanisch drinstecken…) als eine Mischung germanischer und französischer Wurzeln bezeichnen kann. Für den germanischen Teil sind die Angelsachsen verantwortlich, für den französischen die Normannen.

    Heute wird “angelsächsisch” aber oft verwendet, wenn man die USA und das UK zusammen meint.

    Und nochmal: Es geht mir nicht um Purismus, sondern um die beiden wesentlichen Phänomene, die bei uns für Mode-Anglizismen verantwortlich sind: Dummheit und Frechheit. Dass das eine oder andere Wort hängenbleibt, weil es wirklich bereichert, ist normal und hat damit nichts zu tun.

    Ich glaube, ich blogge mal was dazu…

  26. 25.01.2007 | 13:52

    @Rayson:

    Im Rahmen von Christianisierung und kultureller Begegnung mit der römischen Kultur (Stichwort “Sub-Romans”) haben die Angelsachsen auch schon direkt und unmittelbar lateinische Elemente in ihre Sprache integriert.

    Ansonsten stimme ich Dir durchaus zu.

  27. 25.01.2007 | 18:25

    Ich bin halt einfach unheilbar libertaer und vertraue auf den “Markt der Sprache”; moege er Dummheiten aussterben lassen und Bereicherungen uebernehmen. Auf irgendwelche BRD Buerokraten und Oberlehrer, die mir vorschreiben, wie ich zu sprechen und schreiben habe, kann ich derweil gut und gerne verzichten. Und damit meine ich nicht Euch hier, nur um das klar zu stellen.

  28. 25.01.2007 | 19:03

    “Ich bin halt einfach unheilbar libertaer und vertraue auf den “Markt der Sprache”;”

    Warum nicht auch ganz libertär auf den Markt den Meinungen vertrauen? Wenn Raysons Kritik dümmlich und verfehlt ist, warum sie kritisieren? Wird sie der Markt der Meinungen nicht als Dummheit aussterben lassen, falls er sie nicht als Bereicherung übernimmt?
    Bist Du nicht inkonsequent?

  29. 25.01.2007 | 19:26

    So, ich schalte in den Klugscheißermodus.

    Zunächst: “Anglizist” klingt für Anglisten wirklich grauenhaft ;-).

    Zur Bezeichnung der Sprachen: Im angelsächsischen Sprachraum, also dort, wo Englisch gesprochen wird, bezeichnet man als Angelsächsisch (Anglo-Saxon) das Altenglische, die älteste Sprachstufe des Englischen, eine westgermanische Sprache. ein schöner kleiner Artikel über das Englische auf Angelsächsisch findet sich hier.
    Das heutige Englisch hat sich unter der Einwirkung ganz unterschiedlicher Einflüsse entwickelt. Wichtig ist dabei zum einen die Zeit der Wikinger (die sich ja lange Zeit auf den Britischen Inseln breitmachten), von denen einiges an Vokabular, aber wahrscheinlich auch gewisse grammatische Eigentschaften der nordischen Sprachen übernommen wurden. Das prominenteste Beispiel dürfte “taken” sein, welches das angelsächsische “niman” vollständig abgelöst hat. Nach der Eroberung durch die Normannen (1066) war die Sprache dem Einfluß des normannischen Französisch durch direkten Sprachkontakt ausgesetzt. Später, ab dem 12 Jahrhundert, kam der Einfluß französischer Literatur hinzu. Im heutigen Englisch findet sich Vokabular aus beiden Kontaktphasen, teilweise sogar unterschiedliche Vokabeln, die im Französischen auf dasselbe Wort zurückgehen und sozusagen zweimal übernommen wurden. Beispielsweise “catch” (normannischen Ursprungs) und “chase” (Zentralfranzösisch).

    Die nachvollziehbaren lateinischen Einflüße auf daß Altenglische hatten im Vergleich ein vernachlässigbares Ausmaß.

    Klugscheißermodus off.

  30. 25.01.2007 | 20:14

    Auch bei mir ist das letzte “daß” auf reine Dummheit zurückzuführen.

  31. 25.01.2007 | 20:27

    @David:

    Danke für diese Klarstellungen und Erläuterungen - die klingen echt nach Sprachwissenschaftler. *g*
    Ich hatte in der Schule zwar von größeren lateinischen Einflüssen gehört, aber dass es zwei verschiedene Einflussphasen des französischen gab, wurde dort auch übersehen.

  32. 25.01.2007 | 20:55

    “Warum nicht auch ganz libertär auf den Markt den Meinungen vertrauen? Wenn Raysons Kritik dümmlich und verfehlt ist, warum sie kritisieren? Wird sie der Markt der Meinungen nicht als Dummheit aussterben lassen, falls er sie nicht als Bereicherung übernimmt? Bist Du nicht inkonsequent?”

    Ich habe die Kritik nicht als duemmlich tituliert. Ich habe nur eine weitere Meinungsalternative in den Raum gestellt, fuer den Markt. Wer als duemmlich bezeichnet wurde, ist diese Firma, die dies fuer ihre Angestellten einfuehren will. Nur so am Rande…

  33. 25.01.2007 | 21:03

    “Ich habe die Kritik nicht als duemmlich tituliert. Ich habe nur eine weitere Meinungsalternative in den Raum gestellt, fuer den Markt.”

    Was ist daran alternativ?
    Und irgendwie entstand bei mir der Eindruck, als ob Dir schon die Existenz der Kritik nicht passe. So verstand ich jedenfalls das:

    “Jetzt muessen sich Unternehmen auch noch von “bissigen” Liberalen reinreden und alberne offne Briefe schreiben lassen.”

    - - -

    “Wer als duemmlich bezeichnet wurde, ist diese Firma, die dies fuer ihre Angestellten einfuehren will.”

    Richtig, aber in diesem Fall nicht inkonsequent.

  34. R.A.
    26.01.2007 | 11:51

    @Rayson:
    > Dabei bin ich schon
    > stolz darauf, mir das
    > “ich denke” abgewöhnt
    > zu haben…
    Darauf bist Du stolz?

    Ich bin im Gegenteil stolz darauf, immer noch selber zu denken ;-)

Bad Behavior has blocked 2078 access attempts in the last 7 days.