Darf man mal fragen?

Nur nebenbei erfährt man, dass die Bundesregierung die Maut erhöht.
Gar nicht erfährt man, wie sie das begründet.

Auf Tiefensees Ministerseiten ist zwar von Ökologie und Innovation und Gerechtigkeit zu lesen. Aber diese Begriffsblasen hört man ja bei jedem Thema und bald wohl auch schon bei der Einweihung einer neuen Bundestagstoilette.

Und bitte: Hegt nicht die Illusion, dass die Maut ja nur von den Transporteuren bezahlt würde. Ratet mal, an wen die diese Kosten weitergeben!? Was Tiefensee da also mit der Mauterhöhung macht ist unterm Strich nichts anderes als eine Steuererhöhung. Außer für autark lebende Hippies, natürlich.

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25 Kommentare zu “Darf man mal fragen?”

  1. 25.01.2007 | 13:48

    Ganz ehrlich: Finde ich nicht schlecht.

    Wieviel in Deutschland so immer hin- und hertransportiert wird, das grenzt schon fast ans Absurde.

  2. Llarian
    25.01.2007 | 13:49

    Ratet mal, an wen die diese Kosten weitergeben!?

    Ich rate mal: Ad hoc an niemanden, oder zumindest ist es das, was ich aus meinem kleinen VWL-1×1 beziehe. Der Preis eines Produktes richtet sich nur sehr indirekt nach den Produktionskosten (und Maut ist nichts anderes), sondern in erster Linie nach Angebot und Nachfrage. Die Korrelation entsteht erst indirekt, weil das Angebot nicht mehr da ist (weil es sich nicht mehr rechnet es herzustellen), bzw. die Nachfrage bei höherem Preis wegbricht. So gesehen führt die Maut nicht direkt zu höheren Preisen, sondern vor allem zu weniger Handel.

  3. 25.01.2007 | 13:57

    @Rayson

    Du autarker Hippie, du!

    @Llarian

    Ich bekomme die Maut von meinem Transporteur in Rechnung gestellt (kann natürlich sein, dass ich den falschen habe) und gebe die Kosten natürlich bei nächster Gelegenheit an meine Kunden weiter.

  4. 25.01.2007 | 14:00

    @Boche:
    Vielleicht habt ihr euch beide nicht hinreichend mit VWL beschäftigt. *frechgrins*

    @Rayson:
    Ich sage nur “Just in Time”. Einfach keine teuren Lagerhäuser mehr vorhalten, sondern die Autobahnen als Lagerraum nutzen. Ist ja im Ergebnis billiger…

  5. 25.01.2007 | 14:00

    So gesehen führt die Maut nicht direkt zu höheren Preisen, sondern vor allem zu weniger Handel.

    Sie wird, “normale” Angebots- und Nachfragekurven vorausgesetzt, zu beidem führen.

    @Boche

    Wer von uns hat denn hier den bäuerlichen Kleinbetrieb ;-)?

  6. 25.01.2007 | 14:04

    @Rayson

    Das hatte ich mich mit Erstaunen auch grad gefragt. ;-)

  7. 25.01.2007 | 14:05

    @Karsten

    So habe ich “JIT” nie verstanden - m.E. ergibt sich der Nutzen weniger aus der Vorhaltung von Lagerplatz als aus der Vermeidung von Kapitalbindung durch Vorräte (die Kapitalkosten sinken, und bei der Renditeformel verringert sich der Nenner - besser geht’s nicht). Aber der Effekt ist natürlich derselbe: Man fährt öfter.

  8. R.A.
    25.01.2007 | 14:22

    Eigentlich bedeutet JIT natürlich überhaupt nicht, daß mehr gefahren wird.
    Und erst recht nicht, daß die Autobahn als Lagerhaus mißbraucht wird.

    Wenn ich Scheinwerfer in A produziere und dann nach B zur Montage schaffe, dann verhindert JIT lediglich, daß ich immer einige Tagesladungen im Lager puffern muß - die Menge des Transportsguts oder die Länge der Transportstrecke verändern sich nicht.

    Die populären Mißverständnisse entstanden eigentlich nur, weil parallel (aber unabhängig) von der JIT-Einführung der uralte Trend zu Spezialisierung / Arbeitsteilung weiterging und immer internationaler wird.

  9. R.A.
    25.01.2007 | 14:27

    @Llarian:
    > Der Preis eines
    > Produktes richtet sich
    > nur sehr indirekt nach
    > den Produktionskosten
    Nicht in direkter Kalkulation.
    Aber diese Kosten sind natürlich wesentlich dafür, mit welchen Preisen ein Anbieter in den Markt gehen kann.

    Die erhöhte Maut wird nicht sofort alle Preise erhöhen, aber mittelfristig wird sie natürlich komplett auf die Verbraucher abgewälzt.

  10. 25.01.2007 | 14:30

    @R.A.

    Die Menge verändert sich nicht, aber die Frequenz.

  11. Llarian
    25.01.2007 | 14:32

    @Boche: Wie gesagt, dass stimmt nur indirekt. Folgendes Beispiel:
    Du importierst Bananen. Sie kosten im Einkauf einen Euro (pro Einheit). Du zahlst deinem Spediteur 50 Cent pro Einheit. Und verkaufst sie widerum für 2,5 Euro an deine Kunden. Damit machst Du einen Gewinn von 1 Euro pro Einheit (böser Kapitalist der Du bist). Bei dem Preis kaufen 1000 Kunden deine Bananen, Du verdienst also pro Woche 1000 Euro.
    Jetzt kostet der Transport plötzlich einen Euro. Du hast jetzt zwei Möglichkeiten. Du behälst deine Preise bei und verdienst jetzt nur noch 500 Euro die Woche. Oder Du erhöhst die Preise. Nehmen wir an, wenn Du jetzt 3 Euro verlangst kaufen nur noch 300 Leute die Bananen (weil sie jetzt lieber Kirschen oder Sauerkraut kaufen :) ). Damit verdienst Du zwar pro Gebinde immer noch 1 Euro, aber insgesamt machst Du nur noch 300 die Woche. Verlangst Du aber 3,25 kaufen noch 750 Leute deine Bananen. Dein Gewinn ist 562.5 Euro. Ich hab die Zahlen natürlich bewusst absurd gewählt. ABER: Was daraus klar wird ist, dass Du deinen Preis immer so wählen wirst, dass für Dich der maximale Gewinn bei rauskommt und das ist rein vom Kunden abhängig und dem, was er bereit ist zu zahlen (und wir reden von substituierbaren Gütern, er kann eben auch Kirschen statt Bananen kaufen). Dein Einkaufspreis interessiert dabei nicht. Du kannst deine Kosten nicht an einen Kunden weiterreichen, allenfalls kannst Du eine Ware nicht mehr anbieten.
    Es nützt Dir gar nichts deine Bananen für einen höheren Preis anzubieten, wenn keiner ihn mehr zahlt.

  12. Llarian
    25.01.2007 | 14:36

    @R.A.:

    Aber diese Kosten sind natürlich wesentlich dafür, mit welchen Preisen ein Anbieter in den Markt gehen kann.

    Deswegen sagte ich ja, dass es im Endeffekt dazu führt, dass weniger Handel getrieben wird. Denn viele Angebote sind damit nicht mehr machbar und werden gegen andere Angebote substituiert. Extembetrachtung: Wenn die Kosten durch Transport von Lichis jetzt um 1000% steigen, werden Lichis schlicht nicht mehr gehandelt, weil kein Nachfrager bereit ist den Preis zu zahlen.

  13. 25.01.2007 | 14:38

    @Llarian

    Vergisst du nicht, dass auch Kirschen und Sauerkraut transportiert werden müssen?

  14. 25.01.2007 | 14:39

    @Rayson, R.A.:
    So attraktiv wäre aber die Kombination aus JIT und verstärkter Arbeitsteilung nicht, wenn die Kosten dafür, möglichst viel Material auf der Straße zu halten, nicht niedriger wären als die Kosten für Lagerräume.

    Übrigens weiß ich aus meiner ehemaligen Aushilfstätigkeit bei einer Spedition, dass es in den letzten Jahren (zumindest dort) immer häufiger geworden ist, dass die LKW nur teilweise beladen durch die Gegend fahren - und außerdem immer kleinere LKW oder gar Lieferwagen immer größere Bedeutung bekommen. Ich hatte bisher angenommen, dass das die Folge der von mir oben spekulierten Situation sei.

  15. 25.01.2007 | 14:44

    @Karsten

    Oh doch. Bei der Überlegung zur Verringerung der Lagerbestände spielen die Kosten für das Lager selbst in der Regel so gut wie keine Rolle. Oft sind es “Eh da”-Kosten, und selbst wenn sich Einsparungen ergeben, sind das eher Randeffekte. Der Kapitalbedarf ist das A und O.

  16. 25.01.2007 | 14:48

    Hm. Okay, dann habe ich was gelernt.

  17. 25.01.2007 | 14:54

    Und noch mal für Anwärter auf den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften:

    Bei vollständiger Konkurrenz entspricht die Angebotskurve den aggregierten Grenzkosten. Eine Erhöhung der Transportkosten bewirkt eine Verschiebung dieser Angebotskurve nach “oben”. Bei “normalem” Verlauf der Nachfragekurve (stetig fallend) ergibt sich dann das neue Gleichgewicht weiter “links”, also bei einer Kombination aus höherem Preis und geringerer Menge. Eine Beschränkung auf den Mengeneffekt hätten wir nur bei vollkommener Preiselastizität - die Nachfragekurve wäre dann eine Gerade durch die y-Achse bei einem gegebenen Preis.

    Ein einzelner Marktteilnehmer passt sich immer an das Gleichgewicht an, kann aber nicht dessen Erklärung herangezogen werden.

  18. Llarian
    25.01.2007 | 15:23

    @Boche: Schon, aber eventuell weniger weit. Und es kann auch gut sein, dass mein Substitut für die Bananen weit weniger transportkostenanfällig ist als die Bananen. Ich drücks lieber aus, wie mir der Schnabel gewachsen ist, aber das was Rayson um 14:54 geschrieben hat ist die präzisere Beschreibung.

  19. Spruance
    25.01.2007 | 16:20

    @Llarian: Bin ja kein BWLer, aber nach Deinem Beispiel hatte ich vorher 1000, nachher 562,50 Euro im Sack. Wenn das kein Unterschied ist…

  20. 25.01.2007 | 16:41

    @Llarian

    Raysons letzten Kommentar hatte ich nicht als Bestätigung deiner Ansicht verstanden. Aber das kann daran liegen, dass ich ihn eigentlich gar nicht so richtig verstanden habe. ;-)

    Was du über die möglicherweise geringeren Transportkosten für Bananen gegenüber denen der Kirschen schreibst, dann hängt die Schlüssigkeit des Arguments aber sehr eng am konkreten Beispiel.
    Denn Bananen werden vielleicht relativ zur Kirsche teurer. Die Kirsche wird aber über kurz oder lang trotzdem absolut auch teurer.

  21. 25.01.2007 | 16:42

    @Boche

    Wenn ich Llarian richtig verstanden habe, hast du mich richtig verstanden ;-)

  22. Llarian
    25.01.2007 | 17:13

    @Spruance: Ich hab nicht behauptet, dass es dem Verkäufer besser geht, nur dass er die Preise einfach an seine Kunden weiterreichen kann.
    @Boche: Ich hasse es mich zu präzisieren, dann versteht mich am Ende noch jeder. :)
    Was die Transportkosten angeht, so meinte ich folgendes: Nehmen wir an Bananen kosten 1 Euro pro Kilo, Kirschen aber 2 Euro. Wenn jetzt die Transportkosten von 10 Cent auf 20 Cent pro Kilo steigen, dann sind damit die Kosten (für den Unternehmer) für Bananen um 10%, für Kirschen aber nur 5% gestiegen. Natürlich wird die Kirsche auch teurer, aber umso teurer das Produkt in absoluten Zahlen ist, umso undramatischer ist das auch für den Unternehmer.

  23. der gute don
    25.01.2007 | 18:37

    Da Produkte in der Tat verschiedene Preiselastizitäten, Märkte nicht immer vollständiger Konkurenz unterliegen und Produktvergleiche in der Tat unterschiedlichste Substitutionsraten aufweisen können, wird doch zunächst nur eins klar: Verschiedene Produkte werden mit Ihrer Preis-Absatzfunktion verschieden reagieren. ;-)

  24. R.A.
    26.01.2007 | 11:45

    @Rayson:
    > Die Menge verändert
    > sich nicht, aber die
    > Frequenz.
    Richtig - aber die Frequenz verstopft keine Straßen ;-)

    Es ist zwar richtig, daß es etwas mehr teilausgelastete Fahrten gibt - war dadurch ausgeglichen wird, daß früher oft die firmeneigenen LKWs leer zurückfuhren, während heute Speditionen sich anderswo Rückfracht besorgen.

    Insgesamt hat aber JIT das Verkehrsaufkommen fast nicht verändert, der Krempel mußte früher genauso transportiert werden.

  25. R.A.
    26.01.2007 | 11:49

    @Llarian:
    Deine Überlegungen zu Ende gedacht dürften Preise eigentlich überhaupt nicht steigen, Kostensteigerungen gingen solange von der Marge des Anbieters ab, bis dieser dann pleite geht.

    Im realen Leben sind Kosten- und Preissteigerungen zwar entkoppelt, weil der Marktwettbewerb das überlagert.

    Aber letztlich haben alle Anbieter ähnliche Steigerungen bei ihren Kosten, und werden das im Lauf der Zeit bei Preisneukalkulationen ähnlich berücksichtigen.

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