Geschäftsklima bricht ein: Eine Überraschung?

Im Januar ist der GfK-Konsumindikator eingebrochen wie in keinem Monat der letzten 25 Jahre zuvor. Auch der Ifo-Geschäftsklimaindex hat sich verschlechtert.

Spiegel Online nennt diese Entwicklung “überraschend” und alle in diesem Artikel zitierten Wirtschaftsforscher sehen den Rückgang durch die Mehrwertsteuererhöhung begründet und halten dies deshalb nur für einen kurzfristigen Effekt. (Der Titel “Steuerschock schlägt auf die Stimmung” klingt mal wieder extrem nach Boulevard, aber das nur mal am Rande).

Dies sieht zumindest Robert von Heusinger vom Zeit-Herdentrieb anders:

Wenn das deutsche Wachstum im ersten Quartal nur stagnieren sollte, wäre das als kleines Wunder einzustufen. Denn eine Mehrwertsteuererhöhung von drei Prozentpunkten ist eigentlich dazu angetan, eine Volkswirtschaft in die Rezession zu stoßen – mutwillig und unverantwortlich. Toll, Peer Steinbrück.

Mir fehlt im Detail die Kenntnisse um die Prognosen einzuschätzen, aber bei einem Einbruch wie zum letzten Mal vor 25 Jahren nie seit Beginn der Erhebung vor 25 Jahren sieht es für mich nicht nach einem kurzfristen Effekt aus. Zumal die wirtschaftlichen Randbedingungnen wie der Ölpreis und der Eurowechselkurs eigentlich ganz gut sind.

Seltsam finde ich aber auf jeden Fall das Attribut “überraschend”.
Ist es denn wirklich so ungewöhnlich, wenn eine 3%-ige Mehrwertsteuererhöhung die Konjunktur bremst?

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10 Kommentare zu “Geschäftsklima bricht ein: Eine Überraschung?”

  1. 25.01.2007 | 14:28

    Ich habe woanders gelesen, dass der Index *noch nie* derartig eingekracht ist. Die 25 Jahre ergeben sich doch eher daraus, dass er erst seit 1980 existiert, oder irrt Oliver da?

  2. 25.01.2007 | 14:37

    Ich glaube, der eigentliche Hammer steht uns bevor, wenn die meisten Menschen das erste Mal feststellen, wie hoch ihr Kontostand am Monatsende nach Gehaltseingang ist. Warten wir also noch einen Monat bis zur nächsten Erhebung.

    Der Rückgang jetzt erklärt sich meines Erachtens überwiegend als Kehrseite des Vorholeffekts aus dem letzten Jahr, der etwas voreilig als Konsumfreude interpretiert wurde.

  3. 25.01.2007 | 14:55

    In der GfK-Pressemeldung steht:

    Dies ist der stärkste Rückgang des Indikators innerhalb eines Monats seit Beginn der monatlichen Erhebungen im Jahre 1980.

    Oliver hat logisch gesehen aber auch nicht vollkommen unrecht, wenn er schreibt, dass es seit mehr als 25 Jahren einen solchen Rückgang gegeben hat.

  4. 25.01.2007 | 21:50

    Ja, das ist doch wohl dann so richtig, Karsten?!
    In puncto Vorziehungseffekte sehe ich das so wie Rayson.

    Wenn man wie von der CDU angedacht 2% Erhöhung 1:1 in die Senkung der Lohnnebenkosten gesteckt hätte könnte ich der Sache ja noch etwas abgewinnen, aber die Verschlimmbesserung der SPD macht die Sache eben nicht besser…

  5. 25.01.2007 | 22:29

    @Oliver:
    Jo. Du warst ja auch die andere Quelle, aus der ich das mit 1980 gesehen habe. Dirk aber hatte das nicht aufgeführt, sondern nur “seit 25 Jahren” geschrieben - da hätte man dann ja noch glauben können, dass es 1980/81/82 irgendwann schon mal so heftig gewesen wäre.

    Ich bin heute missverständlich, ich merk’s schon.

  6. 26.01.2007 | 18:17

    ifo-Index bricht ein…

    Der jetzt veröffentlichte ifo-Index für Januar ist überraschend eingebrochen. Die Überraschung hält sich bei mir allerdings ehrlich gesagt in Grenzen, siehe auch meinen Artikel vor einigen Wochen dazu.
    Das ifo-Institut selbst spricht übrigens von…

  7. Christoph Freitag
    26.01.2007 | 18:18

    Die Mehrwertsteuer, die ich eigentlich nur als Umsatzsteuer kenne, wurde von 16% auf 19% erhöht.
    Preisfrage an die Wirtschaftsfachleute hier im Forum: Um wieviel Prozent wurde die Steuer erhöht?
    (Tip: 3% ist falsch)
    Klingt auf einmal gar nicht mehr so harmlos, nicht wahr?
    Im übrigen sollte man sich vor Augen halten dass auch die Steuern die in einem Produktpreis enthalten sind auch mit in die Steuererhöhung einfliessen. Dh. bei Benzin wird auf die Mineralölsteuer nochmals USt. erhoben. So erhöht jede Steuererhöhung andere Steuern gleich mit. Ohne das man es an die große Glocke hängen muß. Praktisch vor allem für Menschen die gerne Geld ausgeben das nicht ihnen gehört und die trotzdem wieder gewählt werden wollen. Ganz schlecht für Menschen die mit Ihrem oft genug schwer verdienten Geld gut haushalten müssen.

  8. 26.01.2007 | 18:32

    Du hast hast natürlich Recht. Die Steuer wurde um 3 Prozentpunkte erhöht. Bei einem Ursprungssteuersatz von 16% macht dies eine ca 18%ige Erhöhung.
    Wobei ich davon ausgehe, dass man ziemliche Verwirrung stiften kann, wenn man in dem Kontext von einer 18%ige Erhöhung spricht.

  9. Christoph Freitag
    26.01.2007 | 20:39

    Natürlich ist das verwirrend, weil im Gegensatz zur offiziellen Darstellung durch den Steuernehmer richtig gerechnet. Die 3 in den 3% ist die Mogelpackung die verschleiern soll das die Steuer um ganze 18,5 erhöht wurde! Sprich die Bundesregierung nimmt sich circa ein Fünftel mehr von jeder Leistung die ein Bürger erbringt als noch letztes Jahr.
    Das ist was anderes als nur 3%!
    Das die Bundesregierung aus phsychologischen Gründen lieber mit den kleineren Zahlen hantiert ist ein politischer Taschenspielertrbick der billigen Sorte.

    Aber viel übler finde ich dass Produkte ja nicht nur doppelt besteuert werden, sondern so dann auch noch die enthaltene Steuer (Alkohol-, Mineralöl-, Tabak-) stillschweigend automatisch miterhöht wird!
    Den die Mehrwert- bzw. Umsatzsteuer wird auf den gesamten Preis eines Produkts oder einer Dienstleistung erhoben, Steuern eingeschlossen.
    So erhöht sich die Mineralölsteuereinnahme gleich mit obwohl sie - prozentual- gleich geblieben ist.

    Siehe auch:

    http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/koennen_porsche_fahrer_ein_gutes_gewissen_haben/
    http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/rechenfehler/

  10. 26.01.2007 | 20:56

    @Christoph

    Ob 3 oder 18% - solange das Geld für soziale Gerechtigkeit sorgt, ist es doch gut angelegt. Und wer sollte das besorgen, wenn nicht eine demokratisch gewählte Regierung?

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